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Zwönitzer Bergsteiger auf dem Mont Blanc ![]()
Nach den ersten Viertausendern im vorigen Jahr zog es uns in diesem Jahr zum höchsten Berg Europas. Da der Mont Blanc jährlich auf der französischen Seite regelrecht übervölkert ist, stand für uns fest, diese Aufstiegsroute kommt für uns nicht in Frage. Wir entschieden uns für die italienische Seite, die wegen ihrer Länge und erhöhten Schwierigkeit von den meisten gemieden wird. Im Führer steht: „... wegen der sehr größeren Einsamkeit, dem recht zerklüfteten Glacier du Dome und den ausgesetzten Gratpassagen ..., deutlich schwieriger als der Normalweg von Frankreich.“ Technisch war diese Route für uns sicher nicht das Problem, aber als westlicher Eckpfeiler der Alpen sind hier die Witterungsbedingungen vielen schon zum Verhängnis geworden.
Nach einer Einlauftour Anfang Juli schneite es bis auf 2000 Meter herunter, und wir mußten feststellen, daß das Wetter am Mont Blanc seine eigenen Gesetze hat. Das Unternehmen wurde abgebrochen, und nach einer Woche Sonne am Mittelmeer startete unser zweiter Versuch.
Nach erneuter Einlauftour gingen wir zu zweit zum Ausgangspunkt unserer Gipfelbesteigung, der Gonellahütte. Der Anstieg zur auf 3071 m hoch gelegenen Hütte führt vorwiegend über einen mit Geröll bedeckten Gletscher. Auf diesem Weg spürt man die Einsamkeit dieser Gegend. Die Ruhe hier wird nur von den seitlich herabstürzenden Eis- und Geröllmassen unter- brochen. Gegen Abend sind fast 20 Bergsteiger auf der Hütte, die nur durch Hubschrauber versorgt werden kann. Nicht alle wollen auf unseren Berg, und so sind wir schon in der Hütte mit unserer Routenwahl zufrieden. Hier ist es nicht wie im oft hoffnungslos überfüllten Refuge de Gouter, wo am Tag bis zu 300 von Chamonix aus gestartete Gipfelstürmer Quartier haben wollen.
0.45 Uhr wird der Schlaf unterbrochen und ein etwas karges Frühstück eingenommen. 1.30 Uhr verlassen wir angeseilt beim Schein der Stirnlampen die Hütte. Der Aufstieg erfolgt in den ersten Stunden über wild zerklüfteten Gletscher. Es ist eine warme Sommernacht, und die erste Stunde können wir im aufgeweichten Schnee ohne Steigeisen gehen. Nach drei Stunden erreichen wir bei ca 4000 Meter den Grat, und ein frischer Wind bläst uns ins Gesicht. Wir können nach Frankreich schauen, und das beleuchtete Tal von Chamonix betrachtet sich wie aus einem Flugzeug. Bald haben wir die schwierigen Gratpassagen überwunden und treffen auf den Normalweg, der von Chamonix herauf führt. Das Seil können wir nun im Rucksack verstauen. Nun helfen nur noch Kondition und Wille. Vielen sieht man ihre Grenzen an, und nicht alle, die wir hier treffen, werden die letzten 450 Höhenmeter schaffen. Jeder ringt mit sich allein, denn wer will schon umkehren. Gegen 9.00 Uhr stehen Jürgen Reißmann und ich freudestrahlend bei bestem Bergwetter auf dem 4807 m hohen Gipfel. Der Ausblick ist überwältigend. Nichts ringsum ist höher. Die höheren Berge gibt es erst auf anderen Kontinenten. An dem Tag hatten nur zwei Seilschaften den Aufstieg von Italien aus geschafft, eine davon waren wir. Wegen der niedrigen Temperatur streikte leider mein Fotoapparat. Ich versuchte ihn unter der Jacke zu wärmen. Nach gebührender Gipfelrast in einer windgeschützten Firnmulde galt es dann doch, den Abstieg in Angriff zu nehmen. Da die Sonne den Firn zunehmend aufgeweicht hatte, galt es ganz besondere Vorsicht walten zu lassen. So wurde der Abstieg über den morgens begangenen Gletscher eine etwas heikle Angelegenheit. Der Neuschnee der vergangenen Woche überdeckte Gletscherspalten bis zu einer Breite von drei bis vier Metern, und durch den aufgeweichten Schnee kam man schnell ins Rutschen. Gegen 17 Uhr erreichten wir erleichtert und mehr als durstig unseren Ausgangspunkt, die Gonellahütte. Hier hatten sich schon Gipfelanwärter des nächsten Tages eingefunden. Am frühen Morgen brechen wir zur 2. Etappe des Abstiegs auf. Im Tal Veni werden wir schon erwartet und zu unserem Erfolg beglückwünscht. Wieder war ein Traum in Erfüllung gegangen. Welcher wird der nächste sein?
Daß bei weitem nicht alle Unternehmen am Mont Blanc in diesen Tagen so gut ausgingen, erfuhren wir erst zu Hause aus der Presse.
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