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Eine Woche über 2000 m Höhe in der Silvretta ![]()
Wir wollten dieses Jahr einmal so eine richtig harte Tour unternehmen. So zogen Sven Dietzel und ich am Samstag, den 15.8.98 mit Zelt und Lebensmitteln bepackt eine Woche ins Hochgebirge. Unsere Rucksäcke wogen nach mehrmaligem Ein- und Auspacken immer noch 27 kg.
Der Zug brachte uns in die Silvretta. Und schließlich liefen wir nach einer Busfahrt, die von Landeck zur Bieler Höhe führte, um 18 Uhr der Saarbrücker Hütte entgegen. Gegen 21.30 Uhr kamen wir dann völlig erschöpft aufgrund eines überraschend einsetzenden Gewitterregens, der uns nicht am Weiterlaufen hindern konnte, in der Hütte an. Am darauf folgenden Tag machten wir bei strahlendem Sonnenschein eine kleine Eingehtour über den Klettersteig des kleinen Litzners.
Abends schleppten wir dann unser Gepäck über den Litznersattel und errichteten unser Zelt. Es war sehr reizvoll, an der Schneegrenze - fast schon auf dem Eis des naheliegenden Gletschers - in dieser Einsamkeit zu übernachten. Unser Montagsziel war der Großlitzner mit dem Seehorn - ein klassischer Kletterberg mit einem Schwierigkeitsgrad bis zu III+ . Los ging es auf dem kurzen, steilen Gletscher und dann weiter über viele Blöcke bis zum großen Gipfelaufbau, wo man sich schließlich anseilt. Ca. 14 Uhr erreichten wir völlig kaputt - aber glücklich - den Gipfel des Großen Litzners. Es folgten Abstieg zum Sattel und Aufstieg zum Seehorn. Letzterer wurde begleitet von einem wunderschönen Bild, das sich uns bei jedem Blick ins Tal erschloß. Denn nach kurz andauerndem Regenschauer zeichnete sich dort ein Regenbogen ab.
Um 16 Uhr erreichten wir den Gipfel des Seehorns. Nun hatten wir Eile, noch bei Tageslicht wieder herunterzukommen. Glücklicherweise hatte man bereits auf Schweizer Seite eine Abseilpiste mit 7 Abseilösen an der Westwand angebracht, wodurch wir natürlich viel Zeit sparten.
18.30 Uhr erreichten wir gerade noch die Saarbrücker Hütte, bevor ein kräftiges Gewitter begann. Als es wieder aufklarte, stiegen wir wieder zu unserem Zelt auf den Litznersattel. Nach einer durchregneten Nacht standen wir erst ziemlich spät und völlig unerholt auf.
Fast die gesamte Kleidung war naß geworden, was unsere Rucksäcke nur unnötig schwer machte. Bei Nieselregen stiegen wir dann ins Klostertal ab, erreichten den Silvrettastausee und wanderten das Ochsental im größten Touristenbetrieb bis zur Wiesbadener Hütte hinauf. Wir litten dabei wieder sehr unter der Last der Rucksäcke und bekamen mitleidsvolle Blicke der Halbschuhtouristen ab. In der Wiesbadener Hütte suchten wir als erstes den Trockenraum auf und genossen dann ein Bier auf der Terrasse.
Am Mittwoch morgen war alles neblig und es nieselte immer noch. Trotzdem liefen wir Richtung Piz Buin mit der Hoffnung auf Wetterbesserung los. Unterwegs trafen wir eine österreichische Gruppe, der wir uns anschlossen, da wir befürchteten, uns auf dem Vermuntgletscher zu verlaufen. Trotz erfahrener österreichischer Alpinisten erreichten wir den Gletscherrand in viel zu großer Höhe. Außerdem hörten wir Steinschlag und so brachen wir die Tour ab und waren um 12 Uhr schon wieder an der Wiesbadener Hütte.
Am nächsten Tag versuchten wir es erneut - diesmal bei schönerem Wetter. Zuerst ging es wieder über den Vermuntgletscher. Wir waren nicht die einzigste Gruppe, die den Piz Buin ersteigen wollte - dafür aber eine der ersten, so daß wir auch wenig Probleme mit dem Steinschlag am Wiesbadener Grätle hatten - die eigentliche Schlüsselstelle der Tour.
Vom Ochsentalgletscher ging es an den Gipfelaufbau des Buin, der sehr leicht ist. Um 10.10 Uhr erreichten wir den Gipfel - viel zu zeitig, um schon Schluß zu machen für diesen Tag. Da wir auch noch bei vollen Kräften waren, nahmen wir uns das Silvrettahorn vor. So liefen wir über den weiten Ochsentalgletscher bis zum Gipfelaufbau, welchen wir nach der Überschreitung eines luftigen Grates erreichten. Leider war kein Gipfelbuch vorhanden. Dafür aber genossen wir eine tolle Aussicht - sofern die schnell wandernden Wolken dies zuließen. Zurück auf dem Ochsentalgletscher ging es weiter bergab durch den wohl bekannten Eisbruch. Man muß das einfach erlebt haben - diese gewaltigen Eismassen, die sich durch eine enge Stelle zweier Felsen drängen und dabei gigantische und bizarre Formen bilden. Natürlich versperren viele große und tiefe Spalten den Weg, so daß man ständig im Zick-Zack absteigen und oft auch über so manchen Abgrund springen muß. So übten wir auch gleich mit Eisschrauben umzugehen, da uns die Zeit nicht im Rücken saß. Wir erreichten gerade die Wiesbadener Hütte, als es wieder zu regnen begann.
Der Freitag war unser letzter Tag und an jenem wollten wir noch einmal alles geben. Also nahmen wir uns die Dreiländerspitze vor, obwohl das Wetter wieder nicht richtig mitspielte. Vollgepackt wanderten wir erneut über den Vermuntgletscher. Kurz vor dem Gipfelaufbau kam uns abermals eine österreichische Gruppe entgegen, welche die Tour wegen gefährlicher Vereisung der letzten steilen Meter des Gletschers aufgaben. Wir gingen trotzdem weiter und schauten uns die Lage an: ein 50 m hoher normalerweise mit Firn bedeckter 45 steiler letzter Abschnitt des Gletschers war total vereist und darunter klaffte ein breiter Eisschrund. Das war auch uns zu heiß, obwohl am Vortag eine Gruppe hier noch hochkam. Das Wetter war aber in der letzten Zeit sehr warm, so daß die Bedingungen von Tag zu Tag schlechter wurden. Wir versuchten, über ein Geröllfeld anzusteigen bis sich vor uns eine Felswand auftat, die, wie es uns schien, sehr schwer zu durchklettern war. Deshalb gaben wir auf. Der Wind begann heftiger zu wehen und die Wolkendecke wurde dichter. Wir stiegen über die obere Ochsenscharte auf den Jamtalferner. Im oberen Bereich überraschten uns ein paar Spalten, die der Firn stellenweise freigab, kamen aber ohne weitere Zwischenfälle durch. Auf diesem Gletscher erlebten wir eine besondere Atmosphäre der Stille, der Einsamkeit, der Abgeschiedenheit, der Macht der Berge und vor allem des Eises. Das trübe Wetter mit den dahinschwebenden Wolken untermalte diese Szenerie noch zusätzlich.
Abschied von der Gletscherwelt der Silvretta nahmen wir, indem wir über einige Flußarme am Gletscherende sprangen, um in die Gletscheröffnung zu gelangen. Nach einigen Minuten erreichten wir die Jamtalhütte. Da uns allerdings die Zeit sehr im Nacken saß, liefen wir sehr zügig den 10 km langen Fahrweg bis Galtür hinunter, so daß unsere Zehen bluteten. Nach einer Viertelstunde Wartezeit kam auch schon der Bus und wir erreichten - wieder einmal völlig erschöpft - das Madlener Haus in der Nähe der Bieler Höhe gegen 18 Uhr. Das schlechte Wetter brach herein und man sagte uns, daß es morgen schneien würde. Uns war das egal. Am nächsten Morgen stiegen wir in den ersten Bus, um dann ab Landeck mit dem Zug wieder den ganzen Tag nach Hause zu fahren.
Wir haben in dieser Woche noch lange nicht alles von dieser Gegend zwischen Schweiz, Tirol und Voralberg gesehen. Deshalb wollen wir uns nächstes Jahr gern den Rest anschauen.
Erik Weber, DAV-Sektion Chemnitz
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