
DAV Chemnitz : Infoheft 1. Halbjahr 1999

Übersicht
Aus der Geschichte der Sektion - Die Ära Kellerbauer (5. Fortsetzung)
Tourenberichte
Die besondere Tour - Endlich über 7000 m, Pik Lenin 1997
Hochtourenwoche 1998 in den Stubaier Alpen
(Text und
Bild von der
Tour, veröffentlicht von Rita Thürpe in der
Chemnitzer Freien Presse vom 8. Oktober 1998)
In der "Weißen Hölle vom Piz Palü"
Eine Frauentour im Karwendel
Eine Woche über 2000 m Höhe in der Silvretta
Stammtischabende mit Vorträgen von Januar bis Mai 1999
Impressum

Expeditionsbericht von Wolfgang Neukirchner
Da zu Zeiten der DDR für uns Bergsteiger - so gut wie alle - die
Alpen nur im Atlas existierten und als Alternative die vergletscherten
Hochgebirge der damaligen UdSSR auch nur für wenige möglich waren,
blieben uns anderen im Sommer und Winter die Hohe Tatra, vom Pamir die
DIA-Vorträge und Poster, von denen ich drei erwarb, die in mir den
Wunsch reifen ließen, diese hohen Berge kennenzulernen. 1996 stand
für mich fest: Mein nächstes Ziel ist der Pamir in über
7000 Meter über NN.
Obwohl ein gebrochener Fuß beinahe einen Strich durch die
Rechnung gemacht hätte, fiel mir die körperliche Vorbereitung
leichter als die Zusammenstellung der Ausrüstung. Anfang April wagte
ich die Anmeldung bei einer Agentur, die Expeditionen organisiert,
erhielt auch eine Zusage und dann einen gehörigen Schreck, als
ich erfuhr, daß ich bei der Reiseagentur gebucht hatte, die
die sächsische Expedition "Himalaja-Trilogie ‘97"
zum Scheitern gebracht hatte. Ich versuchte daher, bei einer anderen
Expedition einzusteigen und hatte das Glück, weil ein Teilnehmer
kurzfristig abgesagt hatte. So wurde ich Mitglied der Hauser-Expedition,
die das Ziel hatte, den 7134 Meter hohen Pik Lenin zu besteigen,
der zwar keine technischen Schwierigkeiten aufweist, aber für
einen Einsteiger in diesen Höhen nach wie vor allerhand zu
bieten hat.
Auf der Teilnehmerliste standen 16 Personen, ich als Letzter und
einziger Ostdeutscher. Die Expedition war für August geplant.
Es blieb wenig Zeit für die Vorbereitungen. Ende Juni gab es
ein Treffen zur Klärung von Details wie Ablauf, Ausrüstung,
Verhalten in großen Höhen und medizinischer Aspekte. Dabei
lernten wir Teilnehmer uns nur kurz kennen. Jeder brauchte sich nur
um persönliche Dinge zu kümmern. Was sonst zur Organisation
gehört wie Besorgung der Flugtickets, Transport, Übernachtung,
Verpflegung, Zelte, Kocher übernahmen der Reiseveranstalter und
der Expeditionleiter. Sie trugen die Verantwortung bis zum Basislager.
Ab dort waren wir auf uns selbst gestellt. Die Besteigung des Berges
erfolgte in eigener Regie und Verantwortlichkeit.
Nun wurde es ernst. Fast tägliches Konditionstraining
(laufen und radfahren) war angesagt. Dazu kam: Kataloge wälzen,
Ausrüstung testen, Ausrüstungsgegenstände wiegen,
Telefonate und Rückfragen. Beinahe wäre alles an meinen
neuen Bergschuhen gescheitert, mit denen meine Füße
nicht einverstanden waren. Dank der Hilfe von Bergfreund Hans
Prescher aus dem Bergsportladen in Chemnitz ging ich eine Woche vor
dem Start mit einem anderen Paar Schuhe zum Erstaunen einiger
Pilzsammler am Schatzenstein spazieren. Mit diesen Schuhen sollte
dann die Tour gelingen. Hier nun einige Auszüge aus meinen
während der Expedition gemachten Aufzeichnungen.
1. August,
Abflug ab Frankfurt.
- Lufthansa stellt mir Übergewicht bei
Reisegepäck in Rechnung. 13.45 Uhr Start. 23.00 Uhr Ankunft
in Taschkent (Usbekistan). Bei der Ausgabe des Gepäcks fehlt
das Stück mit unseren Hochlagerzelten. Zwei Stunden später
stellt sich heraus, daß sie vermutlich in München geblieben
sind. Mit dem Bus zum Hotel. Wegen Diebstahlgefahr wird das
Expeditionsgepäck ausgeladen. Hotelzimmer sehr rustikal und
bereits "bewohnt".
2. August, Taschkent
- Hochlagerzelte sollen Montag nachkommen. 9.00 Uhr Abfahrt nach Osch (Kigisien). Vorher wieder aufwendiger Gepäcktransport. Unterwegs mehrere Kontrollen, da wir Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisien durchfahren. Dabei muß auch der Bus gewechselt werden, was jedesmal Gepäcktransport nötig macht. Fahrt durch das Ferganatal, das nur durch künstliche Bewässerung urbar gemacht wurde. Der Boden ist wie Beton. Eine Grenzkontrolle löst die andere ab. Wir haben das Gefühl, der Fahrer kennt den Weg nicht richtig. Nach 1.00 Uhr erreichen wir das Hotel in Osch. Gepäck wieder ausladen. Hotel wie in Taschkent.
3. August, Osch
- Im Basislager soll es geschneit haben. Erste Darmprobleme treten nicht nur bei mir auf. Wieder Gepäcktransport zu einem Allradbus (LKW). Drei russische Alpinisten steigen zu, es wird eng. 25 Jahre nach der Schulzeit versuche ich, russisch zu sprechen. Die Wessis staunen. Der Fahrer in seiner Kabine ist nur mittels Skistock zu verständigen. Reifenpanne (was man hier so unter Reifen versteht), Profil eher im Minusbereich. Auf der Paßstraße kommen wir auf ca 3000 Meter. Nochmalige Kontrolle durch russisches Militär, da es bis zur chinesischen Grenze nur 50 Kilometer sind. Hier leben überwiegend Nomaden in Jurten. Fahrspur kaum zu erkennen. Über Geröllfelder, durch Gletscherbäche geht es weiter zum Basislager in 3500 m Höhe. Es beginnt zu schneien und wird dunkel. Im Lager stehen schon mehrere Zweimannzelte, Küchenzelte und eine Jurte als Speiseraum. Hier feiert gerade eine Mannschaft Abschied. Von 22 Mann hatten fünf den Gipfel erreicht. Nach Aufbau der Lagerkette war durch einen Wetterumsturz nur noch ein geordneter Rückzug möglich gewesen. Wir sitzen etwas geschafft und zerüttet da. Es schneit weiter. Wir beziehen unsere Zelte.
4. August, Basislager
- Die Sonne scheint. 15 cm Schnee sind bis Mittag abgetaut. Der Berg ist in seiner ganzen Pracht zu sehen. Wir müssen uns mit der hiesigen Kost anfreunden. Sie ist nicht jedermanns Geschmack, viel Suppe und Milchspeisen. Nach dem Mittagessen bauen wir probeweise von der abreisenden Expedition geborgte Zelte auf. Von unseren fehlt noch jede Spur. Am Abend hat sich der Magen immer noch nicht an die neue Kost gewöhnt. Wir beraten den weiteren Ablauf.
5. August, Basislager
- 7.00 Uhr soll ich dolmetschen. Es ist sinnlos. Nach dem Frühstück Rucksackpacken. Wir wollen einen ersten Transport auf ca 4200 m durchführen und ein Materialdepot anlegen. Mein Rucksack wiegt 22 kg. Nach kurzer LKW-Fahrt zur Zwiebelwiese beginnt der Aufstieg. Schon jetzt zahlen sich meine Waldläufe und Radfahrten aus. Auf einer Moräne bauen wir ein Zelt auf und entleeren die Rucksäcke. Ludmilla und Wladimir, zwei Russen, bleiben über Nacht hier. Im Abstieg treffen wir auf zwei Deutsche, die leicht höhenkrank sind. Mein Zeltnachbar aus Innsbruck steigt den Hang nach Pulsmesser. Am Abend gehe ich in die Sauna, eine große Holzkiste mit Busheizung und Gletscherbach.
6. August, Basislager
- Noch keine Nachricht von unseren verschwundenen Zelten. Materialtransport. Diesmal zwei Jeeps zur Zwiebelwiese. Neun Personen mit Rucksack in einem Fahrzeug. Ich halte die Tür zu, da das Schloß defekt ist. Fünf von uns bleiben zur Erholung im Lager. Sechs einheimische Träger bringen Expeditionsgepäck und Verpflegung zum nächsten Lagerplatz, dem vorgeschobenen Basislager, kurz ABC genannt. Im Basislager füllt ein Himmelfahrtskommando unsere Gaskartuschen für die Kocher. Wir wollen am nächsten Tag ins ABC auf 4500 m Höhe umziehen. Keiner will mehr unten bleiben. Am Küchenzelt wird ein Schaf erlegt und in kochtopfgroße Stücke zerhackt. Fürs Hochlager haben wir uns mit den geliehenen Zelten abgefunden.
7. August, Basislager
- Morgens 7.00 Uhr 8° C Außentemperatur, aber windig. Wir rüsten zum Umzug ins ABC. Sicherlich zu viel Gepäck. Das Frühstück ist heute besser. Vorarlberg-Wolfgang hat Geburtstag. Die Russen haben das Küchenzelt einfach über der Küche abgebaut, die Köchin steht mit ihren Utensilien im Freien. Während wir auf den Jeep warten, wird es unerträglich heiß. Wieder acht Mann im Jeep. Die Expedition vom Summitclub hat Pferde für das erste Wegstück. Zwei Seesäcke stürzen in die Schlucht. Ich gehe wieder mein Tempo. Vor dem Materialdepot hole ich einen Träger ein. Jetzt geht es auf den blanken Gletscher. Das Panorama ein gewaltiger Anblick. Auf dem aufgeweichten Gletscher muß man sehen, nicht mit Pfützen und Bächen engere Bekanntschaft zu machen. Auf der Mittelmoräne finde ich den Pfad wieder und bin bald am Platz für das ABC. Die letzten kommen drei Stunden später. Einer fehlt, unser Alterspräsident, der 68 Jahre alt ist. 18 Uhr gehen wir zu viert auf Suche. Der Gletscher gefriert. Nach einer Stunde kommt das Signal: Max im Lager. Er hatte den Weg verfehlt. Schwaben-Wolfgang wird verpflastert. Er war in eine kleine Spalte eingebrochen. Wir haben acht Zweimannzelte aufgebaut. Der Pik Lenin leuchtet in der Abendsonne.
8. August, ABC
- Ich habe unruhig geschlafen. Das Eis unter uns knackte in der Nacht mehrmals. Das Barometer ist wieder gestiegen. Wir sehen an unserem Berg vier Seilschaften. Ein Problem haben wir mit dem Wasser, weil alles gefroren ist. Wir holen Material aus dem Depot. Es geht nur über den Gletscher hin und zurück. Morgen soll es am Seil gesichert zum Lager 1 gehen. Nachmittags bereiten sich einzelne Seilschaften auf den morgigen Transport vor. Bei einigen sind die Kenntnisse im Umgang mit Seil und Gurt katastrophal. Das Essen im ABC ist besser als unten. Zwar bringt das Sauerkraut wieder Schwung, aber alle sind zufrieden. Mein Zeltnachbar bleibt morgen im ABC. Er hat noch immer Probleme.
9. August, ABC
- 7 Uhr scheint die Sonne aufs Zelt. Außentemperatur 4°C. 8 Uhr Abmarsch. Über den Gletscher gehe ich den ersten Aufschwung ohne Seil mit Steigeisen. Vor mir nur die Russen, die in nie gesehener Weise eine große Spalte überwinden. Dem DAV-Sicherheitskreis ständen die Haare zu Berge. Ich warte auf meinen Seilgefährten, damit wir gesichert gehen können. Als Seilerster habe ich mehr zu ziehen als mir lieb ist. Zu Mittag erreichen wir den Platz für Lager 1, wo schon Zelte anderer Expeditionen stehen. Unser Leiter sondiert die Fläche nach Spalten, dann schaufeln wir den Platz für unser erstes Zelt aus, was auf 5300 m Höhe schon anstrengt. Das Zelt wird mit dem gefüllt, was wir heraufgebracht haben: 8 Zelte, Nahrungsmittel, Gaskartuschen, Kocher. Der Abstieg dauert zwei Stunden. Im ABC haben inzwischen vier Franzosen Quartier bezogen. Das Wetter ist verlockend. Klaus und Ludwig, zwei Bayern unserer Gruppe wollen morgen wieder rauf.
10. August, ABC
- Für mich ist heute Ruhetag. Gegessen wird wieder Müsli, Kohlsuppe und Zwieback. Ich packe ein für morgen.
11. August, ABC
- Heute geht es richtig zum Lager 1. Wir sind ihrer sieben. Vorarlberg-Wolfgang trägt seine Ski mit hoch. Ich lasse die Expeditionsschuhe im Rucksack und gehe mit leichteren Meindlschuhen. Das Seil bleibt heute auch im Rucksack. Zu unserer Überraschung klafft im Lager 1 vor unserem Materialzelt ein großes Loch. Beim Ausschaufeln der weiteren Zeltstandplätze merken wir, daß wir uns in einer ernst zu nehmenden Spaltenzone befinden. Einige von uns sind schon geschafft. Mein Zeltnachbar ist teilnahmslos. Ich baue drei von vier Zelten auf. In der Sonne sind es über 40°C. Am Rand einer großen Gletscherspalte rieselt Wasser. Essen gibt es aus der Tüte. Unsere Gaskocher sind gut. Der neue Daunenschlafsack ist ziemlich warm.
12. August, Hochlager 1
- In der Nacht wenig geschlafen. Leichter Sturm und Eisknacken. Wir neun und drei Russen brechen zum Lager 2 auf. Es geht über zwei Steilschwellen teilweise durch tiefen Schnee. Der Rucksack drückt, der Kopf schmerzt. Das zweite Paar Schuhe bringt allein 4 kg auf die Waage. Den letzten Steilaufschwung bezeichnen wir als "Killerhang". Es strengt schon an. Das Hochlager bauen wir auf 6100 m in einem Sattel auf. Andere Zelte stehen windgeschützt hinter dem Sattel. Aber da ist kein Platz mehr. Als Windschutz errichten wir eine Schneemauer. Der Himmel ist leicht bewölkt. Mit den Russen sind wir noch zu zehnt. Zwei von uns sind umgekehrt. Der Abend vergeht mit Schneeschmelzen, Teekochen und Trinken. Wir sind zu viert im Dreimannzelt. Es wird eng. Die Rucksäcke liegen draußen.
13. August, Hochlager 2
- Die Nacht war furchtbar. Starker Sturm und Schneefall. Ich befürchtete, die Zelte würden weggerissen. Ab 22.30 Uhr kein Auge zugetan. Ich habe mich wieder angezogen. Würden die Zelte halten, und wo sind die Rucksäcke? Gegen Morgen legt sich der Sturm. Im Zelt ist alles weiß. Ich will wieder absteigen. Als wir aus dem Zelt schauen, strahlend blauer Himmel, -28°C, leicht windig, am Gipfel Schneefahnen. Vier von uns und die Russen beschließen, trotz des Windes aufzusteigen. Das Gespenst vom schlechten Wetter spukt in unseren Köpfen. Der Österreicher bricht sieben Uhr ohne Frühstück auf. Wir schmelzen nochmals Schnee und wärmen uns mit Tee auf. 8 Uhr gehe ich los. Es geht gut, die Hände könnten wärmer sein. Der Wind pfeift Eiskristalle ins Gesicht. Die Russen legen unterwegs die Rucksäcke ab und gehen ohne weiter. Mit zunehmender Höhe fällt mir das Gehen immer schwerer. Über die Goretex-Jacke ziehe ich die Daunenjacke. Die Aussicht ist überwältigend, aber ich habe mit mir zu tun. Mir kommen die Russen wieder entgegen. Gegen 16 Uhr erreiche ich den 7134 m hohen Gipfel, ein riesiges Schuttfeld von der Größe von drei Fußballfeldern. Wo ist hier eigentlich der Gipfel? Ich bin geschafft und ganz allein auf weiter Flur. Da taucht Wladimir wieder auf und drängt zum Abstieg. Er war noch einmal zu mir umgekehrt und sicherte so das Gipfelfoto.
- Nach unten geht es zwar leichter, aber es strengt trotzdem an. Im Abstieg sind wir zu dritt. Es ist nach 20 Uhr, als ich ins Lager torkle. Der Empfang ist riesig. Nach zwei Tassen Tee und kurzem Bericht lege ich mich ins Zelt. Die Luft ist knapp. Ich bin fertig. Von Gipfelsieg keine Spur. Die Akklimatisationszeit war ganz sicher zu kurz. Heute waren die drei Russen, Vorarlberg-Wolfgang und ich die ersten unserer Expedition auf dem Gipfel. Die andern waren umgekehrt.
14. August, Hochlager 2
- Die Nacht war wieder schlimm, zwar kein Wind, aber für mich zu wenig Luft. 7 Uhr Wecken für die nächste, sieben Mann starke Gipfeltruppe. Es sind -18°C. Die Russen schlafen noch. Wir rüsten zum Abstieg. Mit schwerem Rucksack geht es mühsam zum Lager 1 zurück. Wir brechen im Schnee ein. Mir bricht ein Skistock ab. Im Lager 1 werden noch Gepäckstücke zugeladen. Nach kurzer Rast geht es weiter zum ABC . Der Österreicher fährt mit Ski ab. Gegen 16 Uhr habe ich es hinter mir. Hier auf 45OO m erholt man sich schnell. Eine Flasche Kognak macht die Runde. Über Funk erfahren wir, daß heute wieder vier Mann auf dem Gipfel waren und zwei umgekehrt sind. Max schläft allein im Lager 1.
15. August, ABC
- Für mich Ruhetag. Vier Mann steigen zum Lager 1 auf. Die Sonne brennt unwahrscheinlich. Heute gibt es eine Dose Bier. Horst gibt auf. Er steigt vollgepackt ins Basislager ab. Im Eisbruch der Nordwand krachen Lawinen zu Tal und hüllen den Berg in riesige Wolken. Am Nachmittag kommen die "Sieger" des vergangenen Tages mit vier Zelten vom Lager 1. Auch sie sind sauer, aber glücklich. Alle sind gut gelaunt. Der Tag klingt in fröhlicher Runde aus.
16. August, ABC
- Kein heißes Wasser, Gas alle. Ich esse Fischkonserven mit Zwieback und mache noch Fotos. Dann ab ins Basislager. Zu dritt kommen wir gut über den Gletscher. An der Zwiebelwiese warten wir auf den LKW, der uns ins Lager zurückbringt, wo die Küchenchefin Geburtstag und 10 Italiener Abschied feiern. In der Jurte ist die Tafel festlich gedeckt. Der Tag endet feuchtfröhlich.
17. bis 21. August, Basislager
- Erholung, Baden, Warten auf weitere Expeditionsteilnehmer. Auch Alterspräsident Max (68) war auf dem Gipfel. Von 16 Teilnehmern unserer Gruppe waren elf auf dem Berg. Die Letzten hatten bestes Wetter. Von den Italienern hatte keiner den Gipfel erreicht.
- Am 19. war ich mit Vorarlberg-Wolfgang auf dem 4830 m hohen Pik Petrowski, einem wunderbaren Gipfel mit herrlicher Aussicht, der oben nur für drei bis vier Mann Platz bietet. Beim Anstieg unter dem Gipfel eine Stunde nur Blankeis. Darum wurde der Abstieg heikel. Ein Fehltritt, und man landet 1000 Meter tiefer. Probleme machte noch einmal die Überquerung eines Gletscherbaches, aber 17.30 Uhr saßen wir schon bei 30° warmem Bier und Quarkkeulchen.
21. bis 26. August, Heimreise
- Über Osch geht es nach Fergana. Dabei wieder Reifenpanne. In Osch Verabschiedung von den drei russischen Bergsteigern. In Fergana Ruhetag und endlich wieder einmal richtig essen und waschen. Dann kommt der Bus nicht. Tadschikistan hat wegen Bürgerkrieg die Grenzen geschlossen. Mit vier Taxi-Kleinbussen und einem Pkw ab 19.30 Uhr eine rasante nächtliche Fahrt über Gebirgspässe. An Schlaf ist da nicht zu denken. 6.30 Uhr sind wir im Hotel in Taschkent auf der Matte. Dann noch ein Besuch in Samarkand.
- Am 26. August verabschieden wir uns in Frankfurt, geschafft, aber zufrieden und gesund nach erlebnisreichen Tagen.

Von Ingo Röger
Die Stubaier im Alpenhauptkamm zwischen Brenner und Timmelsjoch locken alljährlich nicht nur unzählige Skifahrer in eines der größten Gletscherskigebiete Österreichs, sie sind auch ein beliebter Anziehungspunkt für Bergsteiger, die die vielfältigen Tourenmöglichkeiten in einer landschaftlich ausgesprochen reizvollen und dabei recht bequem zu erreichenden Gebirgsgruppe zu schätzen wissen. Unter Führung des Sektionsvorsitzenden Steffen Oehme unternahmen 12 Mitglieder unserer Sektion in der zweiten Septemberwoche eine erlebnisreiche Hochgebirgstour in die Berge über dem Ridnaun-, Oetz- und Stubaital.
Als wir den Parkplatz an der Mutterbergalm im hinteren Stubaital erreichten, konnte das Wetter kaum schlechter sein. Die Berge hatten sich zwischen dunklen Wolken versteckt. Es regnete gleichmäßig und stark. Trotzdem beschlossen wir einstimmig, die 600 Höhenmeter bis zur Dresdner Hütte (2302 m) zu Fuß zurückzulegen und nicht die erste Sektion der Seilbahn zu nutzen, die von hier ins Gletscherskigebiet führt.
Erst am folgenden Morgen hatte der Regen aufgehört, der wenige hundert Meter über der Hütte als Schnee gefallen war. Trotzdem entschieden wir uns, nicht über das Peiljoch (2676 m), sondern über den Großen und Kleinen Trögler ( 2902 und 2885 m) zur 2192 m hoch gelegenen Sulzenauhütte zu gehen. Die Neuschneedecke von zehn bis zwanzig Zentimeter im Gipfelbereich erschwerte die Suche nach dem richtigen Weg.
Da wir die Hütte bereits kurz nach Mittag erreicht hatten, nutzten einige von uns die freie Zeit, sich im nahen Klettergarten zu betätigen. Bis zum Abend waren nach und nach alle Teilnehmer eingetroffen. So konnten wir uns am nächsten Morgen vollzählig zum nicht weit entfernten Gletscher mit dem schönen Namen "Fernerstube" begeben. Zwischen 2700 und 2800 m Höhe absolvierten wir bei schönem Wetter einen intensiven Ausbildungstag, übten den Umgang mit Pickel und Steigeisen, das Abfangen von Stürzen in Firn und Eis, das Setzen von Eisschrauben, Kameradenbergung mittels Flaschenzug und loser Rolle, das Gehen in Seilschaften und anderes. Schon fast auf dem Rückweg zur Hütte, knickte eine Bergfreundin bei einem Sprung über eine Gletscherspalte mit dem Fuß um, was es nötig machte, sie abwechselnd huckepack zur Hütte zu tragen. Mit dem Rettungshaubschrauber wurde sie nach Innsbruck ins Krankenhaus geflogen, wo ihr Knöchelbruch noch am selben Abend operiert wurde.
Der nächste Tag bescherte uns am Vormittag Dauerregen, der gegen Mittag nachließ, so daß wir 12 Uhr zur nächsten Hütte aufbrechen konnten. Erst ging es wieder zur Fernerstube und über diese hinauf bis unter den Pfaffenniedersattel (3149 m). Dieser entpuppte sich als abweisender Felsriegel. Um ihn zu erreichen, war eine etwa 100 m hohe, mittelschwere Klettersteigeinlage zu meistern. Am Sattel überquerten wir den Alpenhauptkamm und damit die Grenze nach Südtirol. Vor uns lag nun der Übeltalferner, dessen Ausdehnung sich im Nebel nur erahnen ließ. Kurz darauf passierten wir die Müllerhütte (3143 m). Beim Überqueren des Übeltalferners rissen die Wolken plötzlich auf, und der Blick wurde frei auf die Becherspitze (3195 m), einen dunklen Felsgipfel über dem Gletscher. Darauf steht die höchstgelegene Hütte Südtirols, das Becherhaus, unser Tagesziel. Wir erreichten sie kurz nach 19 Uhr und waren in der folgenden Nacht die einzigen Gäste.
Am nächsten Morgen waren einige von uns - warm angezogen und mit Kameras und diversen Objektiven ausgerüstet - schon vor dem Weckerklingeln draußen, um am Ende einer sternklaren Nacht den neuen Tag zu erwarten. Sie wurden belohnt: Im warmen Licht der aufgehenden Sonne bildeten die wild gezackten Gipfel der Dolomiten in der Ferne den südlichen Horizont. Scheinbar zum Greifen nahe waren dagegen die Gipfel der Stubaier Alpen. So brachen wir gleich nach dem Frühstück zur Besteigung des Wilden Freigers (3418 m) auf. Über den Südgrat wurde der Signalgipfel (3392 m) ohne große Mühe erreicht. Von hier aus zieht der Grat nahezu eben hinüber zum Gipfelkreuz des Freigers. Von dort war die Aussicht einfach super. Der Blick reichte vom Karwendel im Norden über die Tuxer u. Zillertaler Alpen im Osten sowie die Dolomiten, die Sarntaler Alpen und die Texelgruppe im Süden bis hin zu den Ötztalern im Westen. Die drei höchsten Berge Österreichs, Großglockner, Großvenediger und die Ötztaler Wildspitze waren am Horizont deutlich zu erkennen. Da wir bereits zur Mittagszeit wieder am Becherhaus waren, entschlossen sich die meisten von uns, noch einen weiteren Berg, die Sonklarspitze (3467 m), zu besteigen. Nachdem wir den Übeltalferner überquert hatten,
wollten wir über den Ostgrat (II) den Gipfel erreichen. Dabei hatten wir etwas Mühe, einen günstigen Einstieg zu finden. Als es uns endlich gelungen war, waren einige doch sichtlich erleichtert, den steilen Gletscherrand verlassen zu können. Nach derKletterei führte der Weg noch ein kurzes Stück über die flache Gipfeleiskuppe dieses selten erstiegenen Berges, bevor
wir am höchsten Punkt gemeinsam mit einer anderen Seilschaft die Aussicht genießen konnten. Am darauffolgenden überschritten wir bei schönem Wetter den Wilden Pfaff (3458 m), wobei wir über den Ostgrat (I) aufstiegen. Auf dem Gipfel war die
Freude groß, als wir auf eine weitere Gruppe unserer Sektion trafen. Nachdem wir zum Pfaffensattel (3344 m) abgestiegen waren, ließen sich die meisten von uns die Gelegnheit nicht entgehen, über den eleganten Ostgrat das Zuckerhütl (3507 m), den höchsten Berg der Stubaier Alpen, zu besteigen. Beim Abstieg nutzten einige das Angebot einer anderen Seilschaft, an der steilsten Stelle an ihrem Seil abzuseilen. Der weitere Weg führte uns über das Pfaffenjoch (3213 m) zur Hildesheimer Hütte (2899 m) . Am Pfaffenjoch entschieden sich zwei von uns - dem inzwischen aufgezogenen Nebel und Wind zum Trotz - noch für die Besteigung des Aperen Pfaffs (3353 m).
In der Hildesheimer Hütte, die wir erst nach dem Überqueren eines reißenden Gletscherbaches erreichten, erfuhren wir, daß in den folgenden Tagen mit sehr schlechtem Wetter, ständig sinkender Schneefallgrenze und ergiebigen Niederschlägen zu rechnen sei. So beschlossen wir, die Etappe zur Hochstubaihütte wegzulassen und am nächsten Tag direkt über den Schaufelnieder (3185 m) und das zu dieser Zeit trostlos wirkende Gletscherskigebiet zur Dresdner Hütte abzusteigen, wo die Tour dann offiziell beendet wurde. Einige hatten noch nicht genug und blieben in der Dresdner Hütte und statteten dann dem Rofan über dem Achensee einen Besuch ab.
Artikel in der Chemnitzer "Freien Presse" über die DAV-Tour in den Stubaier Alpen
Abstieg von der Sonklarspitze, im Hintergrund Wilder Pfaff und Zuckerhütl

Den Älteren unter uns ist sicher noch dieser Filmtitel geläufig. Daß man in dieser Region aber wunderbare Bergtage erleben kann, können viele Bergsteiger unserer Sektion schon belegen. Man muß nur eine gehörige Portion Kondition mitbringen, z. B. auch für den berühmten Biancograt am Piz Bernina, von dem Rita Türpe sagt, daß es dort kondtionsmäßig gesehen härter war als am Matterhorn. Eines unserer Mitglieder, das nicht gerade am Stadtrand von Chemnitz zu Hause ist, unser Bergfreund Jens Bürger aus Hennigsdorf, übermittelte uns einen Kurzbericht mit Fotos von einer Viertagestour, an der noch Gabriele Bürger, Kai Elsner und Thomas Zaunick teilnahmen. Da die Tour den Beteiligten großen Spaß gemacht hat, wollen sie sie hier allen Interessierten empfehlen.
22. bis 25. August 1997 : Piz Palü, 3905 m, Piz Bernina, 4049 m
1. Tag
- Aufstieg zur Diavolezza-Hütte von der Bahnstation Morteratsch über den Lej da Diavolezza
2. Tag
- Aufstieg zum Piz Palü über den Gletscher Vadret Pers. Überschreitung der drei Gipfel von Ost nach West, weiter unterhalb der Bellavista zum Rifugio Marco e Rosa.
3. Tag
- Aufstieg zum Piz Bernina über La Spedla, Abstieg zur Boval-Hütte über den Vadret Morteratsch (über Buuch, entlang Fortezza)
4. Tag
- Abstieg zur Bahnstation Morteratsch

von Konstanze Oehme
Sieben junge Frauen wollten im Juni 1998 einmal für vier Tage
alles vergessen, was Kinder, Essenkochen, Ehemänner, Haushalt oder
Computerbedienen heißt, und starteten in Mittenwald
an der Talstation der Westlichen Karwendelbahn. Zwei zog es gleich ganz
hinauf. Der Rest fuhr mit dem Zug nach Scharnitz, um auf bequemem Weg die
Pleisenhütte anzusteuern. Der Mittenwalder Höhenweg ist ein
abwechslungsreicher Klettersteig auf ca. 2200 m über Linden und
Kirchelspitze mit schönen Talblicken auf Mittenwald. An der Tiroler
Hütte angelangt, glaubten wir, der Weiterweg zur Pleisenhütte
wäre noch ein bißchen ein Bergauf und Bergab. Irrtum! Bei Gewitter
ging es steil hinab über wilde Blockfelder ohne Markierung, bis wir nach
zwei Stunden die Purzelkapelle erreichten. Das Ende unserer
siebenstündigen "Eingehtour" bildete dann die Fahrstraße
zur Pleisenhütte, auf der wir bei bestem Sonnensche in unserem
Tagesziel entgegentrotteten.
Gut eingelaufen ging es am folgenden Tag
zum Breitgrieskar. Das Wetter bescherte uns außer Nebel und Regen
manchmal einen Quadratmeter blauen Himmel. So fiel es uns relativ leicht, auf
die Birkkarspitze zu verzichten und über den Brendelsteig nach achteinhalb
Stunden zum Karwendelhaus zu Kaffee und Kuchen abzusteigen. Tags darauf
hüllte sich die östliche Karwendelspitze in Nebel - was sonst -
aber der Gratsteig zum Bäralpsattel war nebelfrei. Der nun folgende
Teil des Steiges ist seilversichert, was uns wegen einiger Restschneefelder
durchaus sympatisch war. Zum Ausklang des Tages ging es über das
Wörnerkar zur Hochlandhütte, 1630 m. Abends genossen wir dann
doch besseres Wetter und einen schönen Sonnenuntergang in Richtung
Alp- und Zugspitze.
Am letzten Tag unserer Wanderung ging es nicht direkt ins Tal, sondern
über den Berg Mitterkar. Dann Abstieg ins Dammkar und durchs hintere
Dammkar zur Westlichen Karwendelspitze, schließlich mußten
wir wenigstens eine Gipfel richtig besteigen. Einige Gewitter begleiteten
uns dann wieder auf dem Weg zum Gipfelkreuz sowie beim gerölligen
Abstieg zur Mittenwalder Hütte.

Es sind bisher (Änderungen natürlich immer vorbehalten)
folgende Vorträge und Erlebnisberichte vorgesehen :
|
Stammtisch-Abende 1. Halbjahr 1999
|
| 26. Januar |
Ingo Röger :
Wandern, Klettern, Radfahren auf Gomera, Teneriffa und anderen Inseln |
| 23. Februar |
Mike Glänzel :
Bergwandern auf Hawaii |
| 30. März |
Thomas Frank :
DAV-Hochtouren im Stubai September 1998 |
| 20. April |
Stefan Bengs :
Trekking im Himalaja |
| 25. Mai |
Steffen Oehme :
Touren in Chile, Peru und Ecuador |

Herausgeber: Sektion Chemnitz im DAV e. V.,
09111 Chemnitz,
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Fax:
Vorsitz.: Steffen Oehme,
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09130 Chemnitz,
Tel.: priv. ab 20.00Uhr
0371/40 59 380
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Kto 300 433 340
BLZ 87 09 62 14
Schatzmeister: Ingo Röger,
Vetterstr. 22,
09126 Chemnitz
Tel.: 0371/5611469 (p)
0371/5359126 (d)
Redaktion: Wolfgang Mann
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09126 Chemnitz,
Tel.: 0371/ 56 14 01 5
Redaktion der Internet-Version :
Thomas Frank
09126 Chemnitz
Eislebener Straße 308
Tel. d.: (0371) 531 46 43
Email : DrTh.Frank@arcor.de
Redaktionsschluß : 15. 10. 98
Nächster Redaktionsschluß : 14. 04. 99
Auflage: 750 Exemplare
Herstellung: infotex///offset KDS-Graphische Betriebe GmbH, Lilienthalallee 1, 80939 München
Internet (WWW): http://www.dav-chemnitz.de
Email : info@dav-chemnitz.de
Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung
der Redaktion entsprechen.

Th. Frank
, 22. Juli 1999