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Auf Diamant-Sporträdern durch Neuseeland ![]()
Nach vielen Radtouren durch Deutschland und die benachbarten europäischen Staaten ging unsere vorjährige Tour über beide Inseln Neuseelands, das oft als das schönste Ende der Welt bezeichnet wird, was sich im Verlauf von elf Wochen auf unserer Fahrt über nahezu 3920 Kilometer immer wieder bestätigt. Immergrüner Regenwald, aktive Vulkane, heiße Quellen, kochende Schlammpools, wunderschöne menschenleere Strände, im Regenwald endende Gletscher der Südlichen Alpen, Natur pur und überaus freundliche Menschen waren die Begleiter unseres Unternehmens.
Man ist nicht nur erstaunt über die geringe Bevölkerungsdichte (3,5 Millionen Einwohner auf ca. 75% der Fläche der Bundesrepublik), über die uns unbekannte Flora und Fauna, sondern auch darüber, daß alles anders ist als bei uns auf der Nordhalbkugel. So steht die Sonne im Norden am höchsten, der Mond nimmt spiegelverkehrt ab und der Weihnachtsmann kommt bei sommerlichen Temperaturen ins Schwitzen.
Eine Boing 747 brachte uns Anfang Oktober nach 26-stündigem Flug nach Auckland auf der Nordinsel zum Ausgangspunkt unserer Fahrradtour. Hier empfing uns der Frühling, was wir als besonders angenehm empfanden, und wir genossen die bunte Blütenpracht und die immer länger werdenden Tage. Nach drei Tagen Großstadtleben begann das große Abenteuer. Unser erstes Ziel war dei Halbinsel Coromandel, wo außer schneebedeckten Gipfeln alle landschaftlichen Reize des Landes auf kleinem Raum vereint sind. Der Regenwald hatte es uns mit seinen unbeschreiblich verwachsenen und immergrünen Bäumen besonders angetan. Allein über 200 verschiedene Farnarten wachsen hier, wobei uns die bis zu 15m hohen Farnbäume mit ihren drei Meter langen Blattwedeln ganz besonders beeindruckten. So vielfältig wie die Flora ist auch die Vogelwelt. Über 250 Vogelarten leben im Regenwald. Mangels natürlicher Feinde haben einige sogar das Fliegen verlernt, wie z. B. der Kiwi.
Unsere Fahrt ging zunächst weiter der Ostküste entlang bis zum „Hot Water Beach“, wo heiße Quellen ins Meer münden, die bei Ebbe freigelegt werden. An diesem Strand ist es ein „Muß“, eine Wanne in den Sand zu buddeln, um ein wohltemperiertes Bad zu nehmen. Nach dieser Muskellockerung radelten wir bis zur Bay of Plenty und dann nach Rotorua, dem Zentrum vulkanischer Aktivität und dem Mittelpunkt der Maori-Kultur (13% der Bevölkerung sind Ureinwohner). Hier ist die Luft erfüllt von Schwefeldämpfen. Wie aus offenen Ventilen brodelt es in und um die Stadt. Kochende Quellen sprudeln, und Geysire spucken heiße Wasserfontänen in die Luft. Bis zu 90 heiße Kraterseen und gewaltige Sinterterrassen durch Silikatablagerungen beeindruckten uns. Vorbei am Lake Taupo, dem größten Kratersee Neuseelands, gelangten wir in den Tongoriro- Nationalpark mit den drei aktiven Vulkanen Tongoriro, Ngauruhoe und Ruapehu, der kurz vor unserem Abflug nach Neuseeland erneut ausgebrochen war. Am Ruapehu (2797 m) radelten wir bis zum Beginn des Skigebietes in 1600 m Höhe hinauf. Der Schnee war mit einer dicken Ascheschicht überzogen. Aus dem Krater stieg eine mehrere 100 Meter hohe Dampfwolke empor, und der Skibetrieb war eingestellt.
Den niedrigsten der drei Vulkane, den 1968 m hohen Tongoriro, bestiegen wir. Beeindruckt standen wir am Kraterrand. Es zischte und dampfte in der Nähe, als wir die steilen Kraterwände hinabsahen. Man konnte die gewaltigen Naturkräfte ahnen, die bei einem Ausbruch frei werden.
Nun verließen wir die Hauptroute und fuhren über eine unbefestigte Straße durch den Regenwald an den Whanganui-River. Hier leben nur Ureinwohner, die Maoris. Nach Rücksprache konnten wir vor ihrem Versammlungshaus zelten, denn es hatte bereits angefangen zu regnen. Es goß die ganze Nacht und hörte erst gegen Mittag auf. Die Straße war völlig aufgeweicht. In knapp vier Stunden schafften wir mit Mühe 26 Kilometer. Gegen Abend kamen wir zu einer Farm und wurden eingeladen. Nach einem guten Abendessen bei dem Farmerehepaar schliefen wir im Schafscherschuppen. Es war die erste Nacht, die wir nicht im Zelt verbrachten. Im Morgengrauen wurden wir plötzlich kräftig durchgeschüttelt, die Vögel unterbrachen ihr bereits begonnenes Morgenkonzert. Es war unser erstes Erdbeben in Neuseeland. Uns war die nächsten Minuten nicht ganz wohl zumute. Beim herzlichen Abschied von den Farmersleuten bedankten sie sich mit „thank you for stop“.
Wir erreichten nach einigen Kilometern wieder die Hauptstraße, und unsere Fahrt ging weiter bis zur Hauptstadt des Landes, nach Wellington. Hier empfing uns wieder Großstadtleben, an das wir uns nach der Einsamkeit der letzten Wochen erst wieder gewöhnen mußten. Strände, Seen und Berge sorgen aber auch hier für Abwechslung.
Nach zwei Tagen setzten wir mit der Fähre nach Pincton auf der Südinsel über. Die Überfahrt dauerte dreieinhalb Stunden, die durch Stürme und rauhe See zur Ewigkeit werden können. Uns war aber ein sonniger, windstiller Tag beschieden, sodaß wir die Schiffsreise so richtig genießen konnten.Von ferne leuchteten bereits die ersten schneebedeckten Gipfel der Südlichen Alpen. Uns wurde klar, daß es weiter ständig bergauf und bergab gehen wird. Aber nicht die Berge waren unsere größten Gegner, sondern der an den meisten Tagen blasende kräftige Wind, zumeist natürlich als Gegenwind; wie könnte es beim Radfahren auch anders sein! Unser erstes größeres Ziel auf der Südinsel war der Abel-Tasman-Nationalpark, der wohl lieblichste unter allen neuseeländischen Nationalparks. Ein Schnellboot brachte uns an einen günstigen Ausgangspunkt für eine Teilstrecke des „Costel Tracks“. Es ist eine wunderschöne Tageswanderung. Aus dem dichten Regenwald heraus kommt man immer wieder an herrliche südseeähnliche Strände. Nun ging es durch das Bullertal an die Westküste der Südinsel. 400 Kilometer schönste Einsamkeit lagen vor uns. Man fährt durch üppigsten Regenwald, an den sich die schneebedeckten Berge mit Gletschern unmittelbar anschließen und mit dem Mount Cook die stattliche Höhe von 3754 m erreichen. Die bekannten Gletscher, der Franz-Josef- und der Foxgletscher enden - nur 20 km von der Küste entfernt - in 200 m Seehöhe mitten im Regenwald. Glück hatten wir auch am Lake Matheson, wo sich in den frühen Morgenstunden die Hauptkette der Alpen wunderbar spiegelte.
Weiter ging unsere Fahrt auf dem Highway 6 entlang der wilden Tasmanküste bis nach Haast, von wo aus wir die Alpen über den Paß überquerten und in das Hochland von Otago gelangten. Hier erwartete uns eine völlig neue Vegetation. Im Schutz der Alpen herrscht hier trockenes Klima vor, so daß der Regenwald völlig verschwunden ist. Kahle Berggipfel, riesige Blütenfelder und herrliche Seen, die vom tiefsten Blau bis Türkis leuchten, prägen die Landschaft. Mit Queenstown erreichten wir unseren südlichsten Ort, wo eine Bergtour und die Fahrt in den Skippers-Canyon zu besonderen Erlebnissen wurden.
Vom Hochland machten wir noch einen Abstecher an die vom Meer abgewandte Seite des Mount Cook, des höchsten Berges Neuseelands. Es ist eine imposante Kulisse, denn das Massiv steilt unmittelbar aus der Ebene 3000 m auf. Die Wände sind von Hängegletschern durchsetzt, und gewaltige Eisströme schieben sich ins Tal. Eine Wanderung ließ uns die wilde Gletscherwelt nochmals richtig erleben. Ein gewaltiger Sturm fegte über die Mackenziesteppe, sodaß wir nur mit letzter Kraft vorwärts kamen. Am Abend wurden wir aber vom herrlichen See Tekapo mit Blick auf die Ausläufer der Gebirgskette wieder entschädigt. Durch fruchtbares Land fuhren wir die nächsten Tage bis nach Christchurch, wo unsxere Rundfahrt endete.
Bis auf zwei Speichenbrüche hatten wir mit unseren 30 Jahre alten Diamanträdern auf den 3920 Kilometern keine Panne!! Unser Gepäck war minimal bemessen, aber die Mitnahme des Kochers hätten wir uns auch noch ersparen können, denn überall fanden wir sehr gut eingerichtete Campingplätze mit Küche und meistens auch eine Sitzecke vor.
Kurz vor Weihnachten kehrten wir voller Erlebnisse aus dem Hochsommer Neuseelands in die Heimat zurück und wurden in Chemnitz von eisiger Kälte empfangen.
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