Skitouren mit Kindern

von Grit Prescher

Im Winter 95/96 haben wir schon einige schöne Langlauftouren mit Christian und Franziska (9 und 8 Jahre alt) hinter uns. Beide sind seit 5 Jahren beim Alpinskilauf und seit drei Jahren beim Langlauf dabei. In der Zeitschrift „Bergsteiger“ finden wir einen Artikel über Skitouren mit Anfängern im Sellrain von der Dortmunder Hütte aus. Das Gebiet wäre ideal, weil vielseitig. Also wird die Hütte gebucht, und am 10. Februar geht es los.

Am ersten Tag fahren wir uns auf den Pisten in Hüttennähe ein. Beim Essen entdecken wir durch das Hüttenfenster unseren Skitourenberg, den Schafzoll. Es besteht keine Lawinengefahr, da es lange nicht geschneit und der Schnee sich verfestigt hat. Die Kinder bekommen einen Toureneinsatz in ihre normale Alpinbindung, Steigfelle und natürlich Lawinenpiepse.

Am Montagmorgen erweist sich der Aufstieg schon als etwas zäh. Wir benötigen etwa die doppelte Zeit gegenüber der in der Beschreibung angegebenen , da wir auch genügend Zeit für Pausen vorgesehen haben. Obwohl beide Kinder ab und an schimpfen, erreichen wir nach vier Stunden den Gipfel und freuen uns alle über diesen „Sieg“ und 500 bewältigte Höhenmeter. Die Abfahrt wird für uns alle ein riesen Spaß.

Nach einem Pistentag schneit es am Mittwoch wie lange nicht. Eine kleine Tour führt uns ins Lengsenntal, wo der Gebrauch des Lawinenpiepses geübt wird. Daß das nicht nur ein Spaß ist, verstehen die Kinder, als plötzlich unsere Schneehöhle zusammenbricht und Christian für Sekunden verschüttet ist.

Am Donnerstag werden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt, aber bei der durch den Neuschnee entstandenen Lawinengefahr verbietet sich eine Tour auf den Pirchkogel (2828m) von selbst. Bei dem Postkartenwetter sind wir dennoch unterwegs, steigen gleich hinter der Hütte in flacherem Gelände auf und erreichen dann doch den Gipfel des 2671 m hohen Grießkogel, von dem aus wir eine wunderschöne Aussicht genießen und dann eine Wahnsinnsabfahrt im Tiefschnee. Der Schnee fliegt wie Watte um uns. Am liebsten gleich noch einmal, meinen die Kinder, wenn nur der Aufstieg nicht wäre. Für uns war es eine herrliche Woche. Aber wie sahen unsere Skihasen diese Ferien? Christian äußerte, er habe uns manchmal für „Sklaventreiber“ gehalten, aber sonst fanden es beide „echt cool“. Über ihre Leistungsfähigkeit mußten wir oft staunen, wollten sie doch nach anstrengender Tour vor der Hütte immer noch einen Iglu bauen. Voraussetzung für Skitouren mit Kindern ist, daß bei Planung und Durchführung von den Bedürfnissen der Kinder ausgegangen wird. Nicht immer muß ein Gipfel das Ziel sein. Wichtiger ist für Kinder oft ein kleines Erlebnis am Rande und das gemeinsame Erleben. Es versteht sich von selbst, daß in keinem Fall ein Risiko gewagt werden darf. Auf jeden Fall können wir Familienskitouren empfehlen, geben gern Erfahrungen weiter.

redaktionell bearbeitet by Th. Frank , 26. Mai 1997