Die Suche nach unserer Herkunft

 

oder

 

Der Verlust unserer Identität nach dem großen Crash

 

 

Hauptquelle des folgendes Textes:

Der Reichsbrief Nr. 7

 

Atlantis. Altes Land. Kein anderes Wort weckt in uns mehr archaische Erinnerungen als dieses. Der Name klingt vertraut, wohlig, verträumt. Man fühlt sich mit diesem Ort in Verbindung.

Und es ist kein Wunder, dass dem so ist, denn es existierte noch vor gar nicht all zu langer Zeit, vor ungefähr 15.000 Jahren, im Gebiet der heutigen Nordsee. Helgoland ist ein Überbleibsel einer Katastrophe, die die Menschheit tief in ihr Unterbewusstsein eingegraben hat. Einst, wie auf der Abbildung unten zu sehen, war die Nordsee ein äußerst fruchtbares, flaches Land. Die Elbe, Eider, Weser und Themse sowie der Rhein durchflossen in breiten Strömen diese Tiefebene und mündeten weit im Norden in den "Atlantischen Ozean". Dies war so, als die so genannte Eiszeit die Welt beherrschte, jedoch nicht den halben Globus vereiste, wie die heutigen Wissenschaftler annehmen, sondern nur partiell riesige Gletscher formte. Die allermeisten Teile Europas waren nicht vom Eis eingeschlossen, denn was braucht ein Gletscher zum Wachsen? Schnee Schnee und noch mal Schnee! Reine Kälte lässt keinen Gletscher wachsen, sondern nur der andauernde Schneefall begünstigt das Wachstum. Aber das ist alles in der unten angegebenen Quelle nachzulesen.

 

Helgoland war die Königsinsel der Atlanter. Das Basileia - das aus Ringen konzipierte Heiligtum der Atlanter. Helgoland bedeutet auch nichts anderes als "Heiliges Land" (Hel = ahd. heilig, heute noch "HeilgeLand", was zu Helgoland wurde. Die Doggerbank, die heute 50 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, war einst das Kernsiedlungsgebiet. In vielen tausend Jahren, nachdem sich die größten Gletscher zurückzogen (Grund auch in der Quelle nachlesbar), stieg der Meeresspiegel unaufhörlich an. Das Land versank zusehends im Wasser. Nun muss man natürlich bedenken, dass diese Überschwemmungen nicht von heute auf morgen passieren, sondern sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten erstrecken. Zeit genug, trockenes, höheres Land zu suchen, um sich erneut niederzulassen. Geeignet war das Land zwischen der entstandenen Nordsee und der Ostsee, was wir heute als Dänemark kennen. Noch waren weite Teile der Nordsee bewohnbar, oder es bestanden zumindest Landverbindungen, wie es auch eine Seekarte von einem Herrn Meyer 1651 zeigt. Auch damals, vor 350 Jahren, sah die Küstenlinie von Schleswig Holstein völlig anderes aus, als heute. Sylt, das Silland (Säulenland - siehe Säulen- und Sonnenkult der Atlanter) einst hieß, war noch breit mit dem Festland verbunden. Ebenso sieht man noch gut die vorgelagerten Inseln, die heute nicht mehr existieren.

 

Die Utlande um 1240, wie sie sich der Kartograph Johannes Mejer 1652 vorgestellt hat

Utlande um 1651. Diese Karte von Mejer zeigt deutlich die Landverluste

Die Nordseeplatte senkte sich ab, während der Meeresspiegel stieg. Ein Drama der Erdgeschichte, das die Menschheit jedoch nicht unterging ließ. Der eigentlich Grund war der Polsprung, der genau vor 14.500 Jahren stattfand. Vielmehr war es eine plötzliche Erdkrustenverschiebung, als ein Polsprung, denn durch die Wiederkehr des 10. Planeten, von dem in vielen Kulturen berichtet wird, in unser Sonnensystem, geriet unsere Erde in seinen Sog der Verwüstung. Aller 3636 Jahre geriet unsere Erde diesen Prozess, der sich mit nachweislich mal weniger und mal mit katastrophaleren Auswirklungen vollzog. Das letzte Mal 1.623 v.Chr., als sämtliche Vulkane im Mittelmeer derart stark eruptierten,  dass es eine lange Dunkelheit gab, die in den Schriften aller Mittelmeerkulturen wiederkehrt. Und nun?

Nun sind wieder 3636 Jahre vergangen. Prophezeiungen aus aller Welt sprechen von einem erneutem Ereignis, das die Menschheit in eine tiefe Krise stürzen wird. Mit dem Ende des Mayakalenders könnte so ein Hinweis deutbar sein, oder durch Joseph Irlmaier oder Nostradamus. Sie alle sagen: Zwischen August 2008 und Dezember 2012 wird die Welt verändert werden. Eine große Ära wird zur Neige gehen.

 

Aber lies selbst, was freie Wissenschaftler, Philosophen, Forscher und Denker zu Atlantis, der Eiszeit und unseren globalen Aussichten sagen. Unsere heutigen Wissenschaftler sehen den Wald vor Bäumen nicht. Indizien, Beweise, Funde und unumstößliche Fakten werden einfach verleugnet und uminterpretiert.

Walther Machalett ist der Entdecker der von ihm so bezeichneten Externstein-„Pyramide", die in Wirklichkeit ein gleichschenkliges Großraumdreieck ist, das mit den Externsteinen an der Spitze sich von Mitteleuropa bis zum 30. Breitengrad in Nordafrika erstreckt, wo die Insel Salvage im Atlantik (nördlichste Insel der Kanaren; nur 1,5 km² groß; zu Portugal gehörend) den westlichen und die Cheopspyramide den östlichen Eckpunkt der Grundlinie bilden. Dieses Dreieck hat seinen Namen erhalten, weil es die Vergrößerung einer Seitenansicht der Cheopspyramide darstellt. Das heißt, das Großraumdreieck Externsteine-Cheopspyramide-Salvage hat den Schenkelwinkel von 51°51’14,32’’, welcher genau dem Neigungswinkel der Cheopspyramide entspricht. Konkret bedeutet das: Wenn man auf der Landkarte von der Cheopspyramide ausgehend den Winkel von 51°51’14,32’’ am 30. Breitengrad anlegt und die Schenkellinie in nordwestlicher Richtung bis nach Mitteleuropa verfolgt, dann geht diese Linie genau durch die Externsteinanlage. Legt man auf der anderen Seite ebenso am 30. Breitengrad von der Insel Salvage im Atlantik ausgehend diesen Winkel an, so führt auch diese Schenkellinie durch die Externsteinanlage. Das ist schon erstaunlich und scheint kein Zufall zu sein. Das Außergewöhnliche an diesem Großraumdreieck ist jedoch der Breitengrad, auf dem sich die Externsteine befinden – denn die Externsteine liegen haargenau auf 51°51’14,32’’ nördlicher Breite!

 

Externsteine

 

 

 

Der Meridian des Externstein-Dreiecks verläuft von den Externsteinen über Korsika und Sardinien dicht an Karthago vorbei, wo er dann im Raum Ghadames den 30. Breitengrad n.Br. schneidet. Die Seitenlinien dieses Großraumdreiecks sind die von Machalett sogenannten Schlüssellinien. Auf diesen Linien fand Machalett die Kultstätten des Altertums wie Perlen an einer Schnur aufgereiht. Von den drei Seiten des Externstein-Dreiecks hat Machalett insbesondere die östliche Seitenlinie, die E-C-Linie (Externstein-Cheops), untersucht. Von den Externsteinen kommend schneidet diese Linie eine Reihe von Orten mit bedeutender mythischer oder kulturgeschichtlicher Vergangenheit, u. a. Kassel, den Neunzehnberg nördlich von Bebra (mit seinem Mondobservatorium), Staffelstein und den Staffelberg, Kothingeichendorf (ältestes Mondobservatorium), den Olymp (der heilige Berg und Göttersitz), Delos (der mythologische Geburtsort von Apollo und Artemis, Sonne und Mond) und trifft dann auf die Cheopspyramide. Auch die erst im Jahr 2005 in Bosnien (ca. 30 km nordwestlich von Sarajevo nahe dem Ort Visoko) entdeckte ca. 100 Meter hohe Pyramide liegt genau auf der E-C-Linie.

 

Viel Spaß!

 

Quelle:

 

Der Reichsbrief Nummer 7

 

 

 

 

zur Vergrößerung auf das Bild klicken


 

Was mich jedoch brennend interessiert, ist, was befindet sich am anderen Ende der Salvage-Linie in Sibirien??

 

Die Linie Salvage-Externsteine weitergeführt

 

Eine Pyramide?

(gefunden ca. 10km entfernt vom Ende der Linie.

Ungenauigkeiten durch google-earth.)

 

oder nur ein Berggipfel?

 

 

 

 

Bitte weitere Quelle auswählen:

 

EFODON e.V.
Europäische Gesellschaft für

frühgeschichtliche Technologie

und Randgebiete

der Wissenschaft

 

oder

 

Atlantis
Die Enträtselung im 20. Jahrhundert
von
Günter Bischoff

 

oder

 

Lag Atlantis

in der Nordsee?

Eine Indiziensuche beginnt.

von Georg Lohle

 

 

 

 

 

Die Quelle "EFODON e.V."

 

Quelle: http://www.efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/bischoff/atlantis.htm

 

Expeditionen zum Steingrund
 

In den vergangenen Jahrzehnten haben zahlreiche archäologische Funde auf der Felseninsel und in der Helgoländer Bucht die Nordsee-Theorie untermauert, auch wenn bestimmte Einzelheiten noch nicht restlos geklärt sind. Althelgoland muss, seiner damaligen Bedeutung angemessen, vor -1220 eine stattliche Bevölkerung gehabt haben. Am Ende des 19. Jahrhunderts untersuchte man mehrere Steinkisten- und Hügelgräber auf dem Oberland. In ihnen fand man neben den Skeletten von Männern einen kleinen Bronzedolch, zwei goldene Spiralscheiben, eine weitere Bronzewaffe, goldene Ringe, eine Bronzenadel von fast 18 cm Länge und einige Doppelknöpfe.
 

Erste Tauchgänge wurden 1911 unternommen, als das Kriegsschiff „Zähringer“ auf dem so genannten „Steingrund“, einer untermeerischen Erhebung östlich von Helgoland, auflief. Marinetaucher sollen damals Reste „der alten Burg Basileia“ entdeckt haben, des Weiteren einen alten „Tempel“ mit einer aufgesetzten Steinmauer, Waffen und Scherben gesichtet haben. Im Frühjahr 1943, also mitten im Krieg, fand dort im Beisein von P. Wiepert, dem späteren Ehrenbürger der Universität Kiel, ein weiterer Tauchversuch statt. Hierbei sollen eine Anzahl Steine, von Menschenhand aufgesetzte Steinplatten und eine Art Steingewölbe entdeckt worden sein. Leider sind die Aufzeichnungen in den Kriegswirren verloren gegangen, sodass Wieperts Erinnerungen aus dem Jahre 1956 für Skeptiker keine Beweiskraft haben dürften (25).
 

Spanuth selbst rüstete in den Jahren 1950, 1952 und 1953 drei von insgesamt fünf Expeditionen aus, um nach Siedlungsspuren auf dem „Steingrund“ zu suchen. Die Erwartungen waren nicht allzu hoch und die Sichtbedingungen äußerst schlecht. Doch die Taucher, unter ihnen H. Beelte und E. Fries, entdeckten 10 km östlich von Helgoland einen Hügel, der stellenweise von einem doppelten, etwa 3 m hohen Steinwall umgeben war. Offenbar waren sie auf den im Atlantisbericht erwähnten Burghügel gestoßen, der über 50 Stadien (10 km) landeinwärts gelegen haben soll. Die Taucher bargen Türangelsteine, bearbeitete Feuersteinplatten und Reste von Bronzeguss. Bei einem weiteren Tauchgang wurde ein gefugter Fliesenbelag auf dem Meeresgrund gesichtet, und eine mit Kopfsteinen gepflasterte Straße konnte über 50 Meter weit verfolgt werden (26).
 

Völlig unabhängig von Spanuths Tauchplänen soll 1951 das deutsche Forschungsschiff „Meta“ ausgelaufen sein, das den Auftrag hatte, den Meeresboden in der Nähe von Helgoland zu inspizieren. Die Tageszeitungen meldeten daraufhin Funde von unschätzbarem Wert. In 30 m Wassertiefe wurden angeblich in einer Schlickbank zwei Hünengräber aufgespürt, außerdem Wohnbaureste, Grabbeigaben, Handwerkszeug und andere Gebrauchsgegenstände aus dem 3. und 2. vorchristlichen Jahrtausend (27). Diese Meldungen müssen allerdings mit Vorsicht betrachtet werden, weil bis heute keine diesbezüglichen Fundgegenstände in einem Institut oder Museum registriert worden sind.
 

Einige Jahre darauf startete mehrmals ein Forschungsschiff einer archäologischen Gesellschaft unter Leitung von C. Röper. Dabei wurden bronzezeitliche Siedlungen im Gebiet der versunkenen Marschen nachgewiesen. Auch später rissen die Funde nicht ab. Man förderte im Jahre 1971 verschieden durchbohrte Kupferscheiben von einem Viertelmeter Durchmesser und beträchtlichem Gewicht zutage. Neun Jahre später untersuchte eine Tauchergruppe des Geologischen Instituts in Kiel das Meeresgebiet. Dabei fanden sie zwei Kilometer südlich der Helgoländer Düne in sechs bis acht Metern Wassertiefe einen „Massenfundplatz an Kupferbarren“ aus dem dortigen Kupfererz mit einem Gesamtgewicht von 90 kg. Um eine verloren gegangene Schiffsladung konnte es sich nicht handeln, weil auch verschieden große Stücke aus Gussschlacke gefunden wurden (28). (siehe auch hier)
 

Nach den bisherigen Forschungsergebnissen steht zumindest fest, dass es bis zu ihrem Untergang um -1220 eine oder mehrere bewohnte Inseln zwischen Helgoland und Eiderstedt gab. Bisher fehlt leider noch der entscheidende archäologische Beweis, der auch die Skeptiker überzeugen könnte: Hier lag vor 3300 Jahren die bedeutende Atlanterinsel Basileia. Sensationsfunde sind wegen der schlechten Bedingungen in der Nordsee auch in Zukunft nicht zu erwarten. Vielleicht sind trotzdem eines Tages bei Einsatz modernster Technik weitere Entdeckungen möglich.
 

Die nordische Bronzekultur
 

Platon gab drei sehr unterschiedlichen Regionen dieselbe Bezeichnung „Atlantis“. Das trug in der Vergangenheit sehr zur Verwirrung der Forscher bei. Einmal meinte er damit nur die „Heilige Insel“ Basileia, die tatsächlich versank, ein anderes Mal ein sehr viel größeres Gebiet auf dem Festland und auf weiteren Inseln, und schließlich eine Gemeinschaft von Ländern, die von zehn Königen regiert wurden. Auf das „Reich des Atlas“, nach Platon das bedeutendste aller zehn Königreiche, soll nun etwas näher eingegangen werden.
 

Etwa um -2400 vereinigten sich im Gebiet von Nord- und Ostsee die alteingesessenen Erbauer der Megalithgräber mit den kriegerischen Streitaxtleuten, die vorher als Reiter- und Hirtenvölker die südosteuropäischen Ebenen bewohnten. Es begann ein relativ kurzer, intensiver Verschmelzungsprozess beider Kulturen. Als Ergebnis entstand die „Nordische Bronzekultur“, die häufig auch als „Nordischer Kreis“ bezeichnet wird. Nach einer Jahrhunderte währenden ungestörten Entwicklung erreichten diese Völkerschaften ab dem -15. Jahrhundert eine erstaunliche Blüte und zeigten sich in einigen Lebensbereichen durchaus den bekannten Hochkulturen des Mittelmeerraumes ebenbürtig. Manche Historiker sehen die Träger dieser Kultur als die bronzezeitlichen Vorfahren der Germanen an.
 

Das Siedlungsgebiet der Bronzeleute wurde in west-östlicher Richtung von den Flüssen Weser und Oder eingegrenzt. Es reichte von Mecklenburg-Vorpommern und Teilen Niedersachsens bis zu den großen Seen westlich von Stockholm einschließlich eines schmalen Küstenstreifens in Südnorwegen. Die im Atlantisbericht erwähnte große Ebene mit einer Ausdehnung von 2000 mal 3000 Stadien (etwa 370 mal 560 km) liegt zwar nicht auf einer Insel, aber die eng mit dem Meer verbundene Landschaft wird treffend charakterisiert. In Norddeutschland, Dänemark und Südschweden breitet sich bekanntlich eine nur von niedrigen Erhebungen unterbrochene Tiefebene aus, und in der wegen ihrer Schönheit gepriesenen Bergwelt erblickt man die über 2000 Meter hohen schneebedeckten Gipfel der norwegischen Fjordlandschaft. Bedenkt man ferner die relativ raschen Veränderungen beiderseits der jütischen Halbinsel in jüngster geologischer Vergangenheit, dann wird die Beschreibung der großen Ebene noch besser verständlich. Erst nach -7000 kam es in der südlichen Nordsee zu großen Landverlusten. Noch lange waren die Doggerbank und die Jütlandbank festes Land, ehe das offene Meer um -2000 Althelgoland und die nördlich davon gelegenen Inseln erreichte. Die Abmessungen der großen Ebene treffen demnach eher auf die geografischen Gegebenheiten während der mittleren Jungsteinzeit zu.
 

Die Menschen lebten anfangs noch in urgemeinschaftlichen Verhältnissen, die sich aber immer mehr auflösten. Bei den freien Bauern waren Standesunterschiede noch wenig ausgeprägt. Dagegen nahmen im -14. und -13. Jahrhundert Einfluss, Macht und Reichtum der Stammesfürsten stark zu. Ackerbau und Viehzucht, die in einigen Gebieten durch das überaus fruchtbare Marschenland begünstigt waren, bildeten eine solide Lebensgrundlage. Die Bevölkerung lebte aufgrund ihrer bäuerlichen Produktionsweise fast ausschließlich in kleinen Dörfern. Vereinzelt errichtete man jedoch schon ab der Jungsteinzeit größere von Ringwällen umgebene Ansiedlungen, die regionale Zentren gewesen sein dürften. Eine derartige stark befestigte Anlage von 8 Hektar Ausdehnung wurde beispielsweise im Jahre 1971 bei Rendsburg in einer Flussschlinge der Eider ausgegraben (30). Die große bronzezeitliche Siedlung auf Althelgoland kann durchaus schon als Stadt angesehen werden, auch wenn sie ganz sicher nicht mit anderen mächtigen Städten ihrer Zeit wie Ur-Athen oder Troja konkurrieren konnte. Platons Beschreibung des urbanen Zentrums mit seinen kultischen Einrichtungen, verschiedenartigen Gebäuden, Schiffswerften, mehreren Häfen und sportlichen Wettkampfstätten lässt eine wohlhabende Kult- und Handelsmetropole der Bronzezeit erkennen. Eine ähnlich herausragende Bedeutung in ihrer Region erlangten über 2000 Jahre später die große friesische Siedlung Haithabu und die reiche mittelalterliche Handelsstadt Vineta.
 

Nicht nur die in den bronzezeitlichen Gräbern entdeckten Schmucksachen und Gebrauchsgegenstände lassen wichtige Rückschlüsse auf die Lebensweise der Menschen zu. Umfangreiche Kenntnisse über die schlichte und dennoch ausgesprochen modische wollene Kleidung, über Schuhwerk und Haartrachten der Bronzeleute verdanken die Archäologen den aufgefundenen Moorleichen. Sie wurden über Jahrtausende hinweg infolge des luftdichten Abschlusses besser konserviert als vergleichsweise die ägyptischen Mumien. Einen vorzüglich gewebten blauen Mantel, den ein bedeutender Würdenträger viel später, etwa im 3. Jahrhundert trug, fand man im Thorsberger Moor in Schleswig-Holstein. Hier ist die lange Tradition ersichtlich, denn auch im Atlantisbericht wird ein dunkelblauer Königsmantel „von wunderbarer Schönheit“ erwähnt, den jeder der zehn Könige zum Höhepunkt des Festes auf Basileia trug (31).
 

Viele Kulthandlungen waren der Wärme spendenden Sonne geweiht. Unübersehbar ist die Zahl der Felszeichnungen mit Sonnensymbolen, dargestellt als Kreise und Räder zusammen mit den verschiedensten Arten von Kreuzen. Anfangs verehrte man das vorrangig als Reittier genutzte Pferd, das außerdem nach mythischen Vorstellungen die Sonnenscheibe über den Taghimmel zog. Später kam die kultische Verehrung von Vögeln, insbesondere des in Nordeuropa beheimateten Singschwanes, auf. Einige Kulte der Bronzeleute werden auch im Atlantisbericht beschrieben. Dazu gehören die aus der Frühzeit der Menschheit überkommene Wertschätzung von Zwillingen, der Feuerkult und Opferhandlungen mit heiligen Kesseln.
 

Eine der Ursachen für das „Goldene Zeitalter“ war das Klimaoptimum im -2. Jahrtausend. In keiner anderen Epoche der letzten 15.000 Jahre war die Durchschnittstemperatur so hoch wie damals. Archäologen sprechen von der „lichtdurchflossenen, wärmeliebenden Bronzezeit“, und so verwundert es nicht, dass in Südschweden Wein angebaut wurde (32). Trotz der viel milderen Temperaturen im nördlichen Mitteleuropa gab es ganz sicher keine Elefanten. Es ist das einzige Detail in Platons Überlieferung, für das die bedeutendsten Theorien eine Erklärung schuldig bleiben. Zumindest erscheint eine Verwechselung dieser Tiere mit Hirschen oder Auerochsen in diesem Teil Europas recht glaubhaft (33).
 

Abb. 6: Aufbau des Zentrums der Insel Basileia, rekonstruiert nach den Angaben Platons (Dialog „Kritias“):
 

Jenseits der Säulen des Herakles
 

Platon zufolge herrschten die Atlanter „seit vielen Menschenaltern“ nicht nur über die Königsinsel Basileia und ihre unmittelbare Umgebung, sondern auch über einige weitere europäische Küstenländer und Inseln und sogar über Teile von Nordafrika: „Auf dieser Insel Atlantis also entstand eine große und bewundernswerte Macht von Königen, welche die ganze Insel beherrschte, sowie viele andere Inseln und Teile des Festlandes. Außerdem beherrschten diese Könige noch von den Ländern am Binnenmeer Libyen bis nach Ägypten und in Europa bis nach Tyrrhenien“. Und der nachgeborene Zwillingsbruder des Atlas „erhielt den äußersten Teil der Insel von den Säulen des Herakles bis zum Gadeirischen Land“, das demnach jenseits der Straße von Gibraltar lag.
 

Die erwähnten Territorien gehören alle zum Verbreitungsgebiet der Megalithkulturen während der Jungsteinzeit. So darf mit einiger Sicherheit angenommen werden, dass auch die nicht erwähnten Königreiche zu diesem Kulturkreis gehörten. Seit etwa -5000 siedelten von Norwegen bis Spanien und von Irland bis Deutschland Menschen, deren religiöse Vorstellungen und kultische Bräuche sich sehr ähnelten. Vor allem war bei ihnen die Sitte verbreitet, aus tonnenschweren Steinen große Grab- und Wohnanlagen zu errichten. Die Megalithleute bewohnten vorzugsweise küstennahe Regionen und Inseln des Nordatlantiks. Eine Vorliebe hatten die alten Baumeister für Rundtempel aus Holzpalisaden und meist kreisrunde, seltener auch ovale Graben- und Wallanlagen. Diese Anlagen spiegeln in ihrem Grundbauplan die „Trojaburg“ im Zentrum der Insel Basileia wider, die aus insgesamt fünf konzentrischen Ringen bestand. Eine spätere Variante der Trojaburgen mit labyrinthischen Gängen ist besonders häufig in Südschweden anzutreffen.
 

Folgende Gebiete können mit großer Wahrscheinlichkeit zum Einflussbereich der Atlanter gezählt werden:
 

  • Das „Reich des Atlas“: das Verbreitungsgebiet der nordischen Bronzekultur mit dem Zentrum Althelgoland; ein weiteres astronomisches Zentrum waren die Externsteine bei Detmold.
     

  • Das „Reich des Gadeiros“: Südspanien um die Hafenstadt Cadiz (Gades); außerdem Portugal; ein Zentrum war die südspanische Ortschaft Los Milarres (ab -2900).
     

  • England und Schottland; hier gibt es die größte Dichte an megalithischen Kultanlagen; Zentren waren z. B. Stonehenge (1. Bauphase ab -3100) und die Anlage von Avebury.
     

  • Irland; das Gangkammergrab in New Grange ist das älteste erhaltene Bauwerk der Welt (-3250).
     

  • Nordwestfrankreich und Gebiete zwischen den Flüssen Garonne, Loire und Rhône; Zentren waren die Steinreihen bei Carnac und steinzeitliche Anlagen bei Gavrinis (ab -4800).
     

  • Nordafrika; Atlasgebirge; Gebiet der Tuareg (Libyen).
     

  • Inseln des westlichen Mittelmeeres (Balearen, Sardinien, Korsika, Malta) und Küstengebiete am Tyrrhenischen Meer.
     

  • Atlantikinseln vor der Straße von Gibraltar (Kanarische Inseln, Madeira).
     

  • Mitteleuropa; Verbreitungsgebiet der Kreisgrabenanlagen; um -5000 erbaute Kultanlagen, z. B. bei Goseck (Sachsen-Anhalt); Kyhna (Sachsen); Osterhofen-Schmiedorf (Bayern).
     

Das Siedlungsgebiet der Megalithleute erstreckte sich über ein riesiges Territorium und war somit „größer als Libyen und (Klein-) Asien zusammengenommen“. Es entstand nicht durch kriegerische Expansion eines starken Kernlandes, sondern religiöse Vorstellungen, Bräuche und Architekturideen fanden auf friedlichem Wege durch Händler und Seefahrer Verbreitung und wurden so zum Allgemeingut dieser Menschen.
 

Die Megalithkulturen-Theorie hat in den letzten Jahren zunehmend an Popularität gewonnen. Allerdings schlagen einige Anhänger nicht die Insel „Basileia“ in der Helgoländer Bucht, sondern andere Orte als Hauptzentrum vor. H. Tributsch favorisierte 1986 das Gebiet rund um Carnac in der Bretagne, der Holländer de Meester dagegen Stonehenge und seine Umgebung. Einen Nachteil haben diese von Spanuth abweichenden Vorstellungen jedoch. Die erstgenannte Hypothese kann den Untergang von Atlantis nur als Fata Morgana und die andere gar nicht erklären.
 

 

Frühe Astronomen und Erdvermesser
 

Die Seewege zwischen den einzelnen Kulturen und vor allem die Fahrten zu den entlegensten Inseln erforderten frühzeitig überdurchschnittliche nautische Leistungen. Den Menschen der Jungsteinzeit und Bronzezeit standen zwar keine modernen Navigationsin-strumente zur Verfügung, doch sie waren ausgezeichnete Naturbeobachter. Sie orientierten sich auf dem Meer tagsüber am Sonnenstand und des Nachts an den jahreszeitlich vorherrschenden Sternbildern (46). Wahrscheinlich nutzten sie schon den später bei den Wikingern gebräuchlichen Sonnenkompass. Mit diesem einfach handhabbaren Navigationsgerät konnte man ziemlich exakt während eines bestimmten Jahresabschnittes zu jeder Tageszeit die Nordrichtung feststellen (47).
 

Zunutze machten sie sich ein über Jahrtausende hinweg von Priesterastronomen angesammeltes Wissen. Gerade der europäische Norden bietet einige ungewöhnliche Himmelserscheinungen, die dem Betrachter auf der geografischen Breite des Mittelmeeres verwehrt bleiben:
 

  • Nördlich des Polarkreises geht die Sonne über einen längeren Zeitraum nicht auf bzw. unter.
     

  • Der Himmelspol steht fast im Zenit. Daher kann nur ab ca. 65° n. Br. die Vorstellung von der Himmelsstütze und vom Riesen Atlas entstehen, der das Himmelsgewölbe auf den Schultern trägt.
     

  • Alle knapp 19 Jahre treten extreme Mondstellungen auf, die auf einer nördlichen Breite von ca. 61° auch von astronomischen Laien beobachtbar sind. Dabei steht der Sommervollmond bei seiner Kulmination extrem niedrig über dem Horizont bzw. berührt ihn (9 oder 10 Jahre später dagegen beträgt die Kulminationshöhe reichlich 10°). Ebenso wird der Wintervollmond alle 19 Jahre zirkumpolar.
     

  • Die Schifffahrt auf langen Distanzen ist an der W-Küste Norwegens zwangsweise N-/S-gerichtet, dagegen im Mittelmeer vorzugsweise O-/W-gerichtet. Die Abnahme der Polhöhe von 71° in Nord-Norwegen bis auf 54° bei Helgoland lässt daher eher den Gedanken an eine Kugelgestalt der Erde aufkommen.
     

Es darf daher nicht verwundern, dass Diodor von Sizilien über die Atlanter und ihre astronomischen Fähigkeiten berichtet: „Atlas, der erste König auf der heiligen Insel und Ahnherr des dort herrschenden Geschlechts hat viel Mühe und Fleiß auf die Kenntnis der Gestirne verwendet und mit großem Scharfsinn herausgefunden, dass der Himmelsbau eine Kugel sei. Atlas ... hat die Bewegung der himmlischen Gestirne erfasst und den Menschen offenbart. Dadurch entstand die Sage, dass er den Himmel auf seinen Schultern trüge. ...Als ein fleißiger Beobachter der Gestirne sagte er Vieles, was am Himmel geschah, voraus. Das Volk lehrte er nach der Bewegung der Sonne das Jahr, und nach der des Mondes die Monate bestimmen.“ (48).
 

Das astronomische Wissen der Megalithleute war in der Tat erstaunlich. Sie kannten die genaue Jahreslänge, unterteilten sie in 16 Monate zu je 22 und 23 Tagen und richteten ihre Steinsetzungen nach den Auf- und Untergängen heller Sterne aus. Am bemerkenswertesten aber war ihre Kenntnis des 18,6-jährigen Zyklus‘ bei der Abfolge der Mond- und Sonnenfinsternisse. Diesen so genannten Meton-Zyklus kannten die Erbauer der Stonehenge-Anlage mindestens seit -1800. Die Kenntnis einer ähnlich langen Zeitdauer zur Finsternisberechnung, die Sarosperiode, wird den Babyloniern erst um -600 zugeschrieben.
 

Ein anderer Anreiz zu intensiver astronomischer Betätigung entstand durch den Übergang unserer Vorfahren von der nomadischen Lebensweise zum Ackerbau. Um den richtigen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte bestimmen zu können, war erstmals die genaue Kenntnis des jährlichen Sonnenlaufs erforderlich. Während es anfangs noch genügte, die Aufgangspunkte zur Winter- und Sommersonnenwende mit einfachen Pfostenreihen zu markieren, entstanden später runde Sonnentempel, in denen man an ganz bestimmten Tagen im Jahr Feste feierte. Besonders verbreitet waren die astronomisch orientierten Kreisgrabenanlagen und mehrfachen Holzpalisadenringe in Mitteleuropa. Hier siedelten ab -5300 die Bandkeramiker, die wahrscheinlich ersten Bauern auf unserem Kontinent. Eine über mehrere Jahrtausende währende Beschäftigung mit den Himmelsereignissen lässt sich im mitteldeutschen Raum nachweisen. Um -5000 wurde die Kreisgrabenanlage in Goseck errichtet, und nicht weit davon entfernt legte man um -1600 einem hohen Würdenträger der Aunjetitzer Kultur die berühmte Sternscheibe von Nebra ins Grab.
 

Bewundernswert sind ebenfalls die vermessungstechnischen Fähigkeiten dieser Menschen in so früher Zeit. Sie wahrten bei ihren Steinsetzungen und Kreisgrabenanlagen bestimmte Proportionen, die bei Umfang und Durchmesser runde Maßzahlen in ihrem Maßsystem ergaben. Die praktische Anwendung des Lehrsatzes des Pythagoras war ihnen bereits vertraut, wie beispielsweise Steinsetzungen in Odry (Westpreußen) und in der Bretagne zeigen (49). Es wurden sogar vorgeschichtliche Heiligtümer über große Entfernungen hinweg geradlinig oder in einem besonderen Winkel zueinander angeordnet. Während in Südengland schon seit längerer Zeit so genannte Ley-Linien aufgespürt wurden, gelangen K. Bedal und H. Zschweigert ähnliche Entdeckungen vor einigen Jahren auch in Oberfranken und Schleswig-Holstein (50). Die vorgeschichtlichen Vermesser benutzten beim Errichten ihrer Bauwerke eine einheitliche, von A. Thom nachgewiesene Maßeinheit, das „Megalithische Yard“ (MY) von etwa 83 cm Länge (51). Wahrscheinlich wurde bereits für größere Distanzen die später auch in Griechenland gebräuchliche Maßeinheit „Stadion“ (ca. 185 m) verwendet und der Erdumfang mit 216.000 Stadien bestimmt (52). Sollte dieses erstaunliche Wissen tatsächlich vorhanden gewesen sein, dann ist die Vermessung der 2000 mal 3000 Stadien große Ebene sicherlich von den dort lebenden Menschen selbst vorgenommen worden. Auch wenn eine Überinterpretation archäometrischer Fakten nie ganz auszuschließen ist, so dürften doch die mathematischen und astronomischen Fähigkeiten dieser Menschen höher gewesen sein als noch vor Jahrzehnten angenommen.

 


 

Der Untergang
 

Die verhältnismäßig friedliche, von größeren kriegerischen Auseinandersetzungen freie Periode ging ab der Mitte des -13. Jahrhunderts durch eine einsetzende Trockenheitsperiode und die darauf folgenden Abwanderungen der frühen Urnenfelderleute zu Ende. Als die erste Auswanderungswelle zwischen -1230 und -1220 Griechenland erreichte, ereignete sich an der Nordseeküste eine furchtbare Naturkatastrophe. Auf diese machten schon 1844 der dänische Forscher E. Forchhammer und 1910 der deutsche Geologe D. Wildvang aufmerksam. Sie rekonstruierten eine mindestens 20 Meter hohe Flutwelle, die demnach drei Mal höher war als die schlimmsten Sturmfluten, die wir aus den letzten Jahrhunderten kennen. Mehrere Brandungswälle wurden an den Küsten aufgerichtet, und eine Geröllschicht von 100 dänischen Quadratmeilen (über 5000 km²) bedeckte das Landesinnere. Neben der Zerstörung der Hauptbernsteininsel Althelgoland-Altsüdstrand und vieler fruchtbarer Marschen wurde die gesamte Westküste Schleswig-Holsteins um etwa 60 km nach Osten hin verschoben (58).
 

Das Zentrum von Atlantis versank „an einem Tag und einer Nacht voller entsetzlicher Schrecken“. Wahrscheinlich wurde diese extreme Nordsee-Sturmflut ausgelöst durch den Einschlag eines Asteroiden im „Helgoländer Loch“ vier Kilometer südlich der Felseninsel. Die alte griechische Legende vom Sturz des Phaéthon, die vom römischen Dichter Ovid in seinen „Metamorphosen“ verarbeitet wurde, berichtet von einer „feurigen Kugel“, die in die Mündung des Bernsteinflusses Eridanos gestürzt sei (59).
 

Vermutlich ist das 56 Meter tiefe „Helgoländer Loch“ ein inzwischen mit Sedimenten bedeckter untermeerischer Einschlagkrater. Es gibt aber noch weitere Hinweise auf ein Impaktereignis. Nach dem Einschlag schien alten Überlieferungen zufolge einen Tag lang nicht die Sonne, und die längere Zeit wütenden Brände waren unerträglich für die Menschen. Auch ein durchgängiger Brandhorizont in den Mooren der Norddeutschen Tiefebene bestätigt eine umfassende Katastrophe um -1200. Es muss dabei ein orkanartiger Sturm getobt haben, denn unzählige der als standhaft geltenden Eichen wurden entwurzelt. Archäologen fanden verkohlte Überreste dieser Bäume in Schleswig-Holstein und im Emsland (60). Schließlich berichten die altisländischen „Edden“ von einem dreijährigen Fimbulwinter im Anschluss an „Ragnarök“, dem Weltuntergang in der Mythologie der alten Germanen.
 

Vor der schleswigholsteinischen Westküste breitete sich danach das heute noch jede Schifffahrt behindernde Wattenmeer aus. „Die ungeheuren Schlammmassen, die die versinkende Insel anhäufte“, finden so eine einleuchtende Erklärung. Durch die furchtbare Katastrophe bildete sich die so genannte Lundener Nehrung, die den alten Flusslauf der Eider nahe der heutigen Mündung versperrte. Deshalb wurde eine Fahrt in das „jenseitige Meer“ von nun an unmöglich.
 

Atlantis soll in einer Zeit „entsetzlicher Erdbeben“ versunken sein. Diesen Aspekt konnten Naturwissenschaftler ebenfalls belegen. Am Ende des -13. Jahrhunderts kam es nahezu zeitgleich zum Ausbruch mehrerer Vulkane im Mittelmeerraum, zu einer Erdbebenserie im Nahen Osten und zur „Deukalionischen Flut“, die Griechenlands Küsten heimsuchte. Auch im geologisch ruhigen Nordseegebiet löste der Einschlag des Phaéthon laut Überlieferung ein Erdbeben aus, denn im Mündungsgebiet des Eridanos „erbebte die Erde und sank um ein weniges tiefer“ (61).
 

Das von Platon so plastisch geschilderte Leben der Bronzeleute sollte nach den Überschwemmungen und der anhaltenden Klimaverschlechterung nicht mehr auf dieser Kulturhöhe fortbestehen. Die danach im Gebiet der nordischen Bronzekultur verbliebene Bevölkerung trug maßgeblich zur Herausbildung germanischer Stämme bei.
 

In den ersten eisenzeitlichen Jahrhunderten senkte sich der Meeresspiegel der Nordsee infolge der allgemeinen Abkühlung und anderer Faktoren. In der Helgoländer Bucht tauchten allmählich wieder zahlreiche Inseln auf. Ihre durchgängige Besiedlung wenigstens seit dem -4. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert bezeugen antike Reiseberichte und mittelalterliche Chroniken:
 

  • In der Aithiopika, einem altgriechischen Epos, ist die Nachricht überliefert, dass an der Stelle, wo einst Atlantis lag, später wieder sieben kleine und drei große Inseln besiedelt gewesen seien. Die Bewohner hätten die von ihren Vorfahren überkommene Erinnerung an Atlantis bewahrt (62).
     

  • Erwähnt werden 23 „Elektriden“ und eine Hauptbernsteininsel „Basileia“ (im Keltischen „Abalus“ = Apfelinsel) im Zusammenhang mit einer Seereise des griechischen Forschungsreisenden Pytheas von Massalia. Er gelangte um -350 unter anderem bis zur Elbmündung.
     

  • Im Jahre 16 geriet eine vom Feldherrn Germanicus geleitete Flottenexpedition nahe der jütischen Halbinsel in Seenot. Die römischen Legionäre betraten die wegen des Bernsteins so genannte Insel „glaesaria“.
     

  • Dem Bischof und Chronisten Adam von Bremen zufolge nahm Helgoland im 11. Jahrhundert noch eine Fläche von 12 mal 6 km ein. Bei einer der vielen Sturmfluten im späten Mittelalter wurde das östliche Gebiet abgetrennt und bildete fortan die selbstständige Insel „Südstrand“. Diese ging sehr wahrscheinlich während der „Großen Manndränke“ im Jahre 1362 unter. Auf einer Wattenkarte des Husumer Kartografen Johannes Mejer aus dem Jahre 1652 ist die ursprüngliche Lage der mittelalterlichen Inseln „Helgolandt“ und „Suderstrand“ noch gut erkennbar.
     

  • In der Neujahrsnacht 1720/21 wurde die Felseninsel durch eine Sturmflut von der „Düne“ getrennt. Beide Teile nehmen heute zusammen eine Fläche von etwa zwei Quadratkilometer ein, das ist etwa 1/200 der vermutlichen Größe der bronzezeitlichen „Königs- und Säuleninsel“ Basileia.
     

Die im letzten Krieg schwer gezeichnete, aber nach 1952 neu bebaute Hochseeinsel zieht wieder viele Besucher an. Ein Blick vom Oberland in Richtung Düne lässt heute kaum noch den Gedanken an eines der bedeutendsten Handels- und Kultzentren der Bronzezeit aufkommen. Als einzige Erinnerung daran ist nur der Name „Helgoland“ – Heiliges Land – geblieben.
 

Seit Platons Zeiten beflügelte die Legende von Atlantis menschliche Fantasie und Forscherdrang. Die archäologischen Entdeckungen des vorigen Jahrhunderts brachten schließlich die entscheidenden Erkenntnisse, die der Forscher Jürgen Spanuth in einer wissenschaftlich fundierten Theorie zusammenfassen konnte. Die Lösung des alten Rätsels führte überraschenderweise zu unseren eigenen, erstaunlich hoch entwickelten Vorfahren und ihren europäischen Nachbarn. Die wertvollen frühgeschichtlichen Überlieferungen über die Atlanter, Phäaken und Hyperboreer werden dazu beitragen, die Lebensweise dieser Menschen besser zu verstehen.
 

Zusammenfassung
 

Platons Atlantislegende kann als weitestgehend enträtselt gelten. Trotz vieler neuer Hypothesen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgestellt wurden, ist weiterhin nur die Theorie von Jürgen Spanuth in ihren Hauptaussagen stichhaltig. Sie kann als Einzige unter anderem den Kriegszug der Atlanter gegen die damals mächtigsten Länder des östlichen Mittelmeergebietes befriedigend erklären. Folgende Erkenntnisse dürften beim gegenwärtigen Wissensstand der Wahrheit nahe kommen (63):
 

1) Alle Geschehnisse, die mit dem Untergang von Atlantis im Zusammenhang stehen, ereigneten sich um -1200 (-1250 bis -1150).
 

2) Platons Beteuerung, er habe die Informationen (über Zwischenstationen) von Solon erhalten und dieser wiederum von ägyptischen Priestern in Sais, ist äußerst glaubwürdig. Noch heute sind Dokumente zugänglich (Papyrus Harris, Wandreliefs im Totentempel Ramses‘ III. in Medinet Habu), die ganz ähnliche Ereignisse, wie im Atlantisbericht beschreiben.
 

3) Die Atlanter befanden sich unter den Nord- und Seevölkern, die um -1200 im Zuge der „Großen Wanderung der frühen Urnenfelderleute“ Ägypten und andere Länder angriffen.
 

4) Ein Teil der Nord- und Seevölker kam aus Mitteleuropa und dem Gebiet der nordischen Bronzekultur.
 

5) Am Ende der Bronzezeit versanken in der Deutschen Bucht zahlreiche Marschen, Inseln und Teile der jütischen Halbinsel. Nur hier kann sich Atlantis (im engeren Sinne) befunden haben.
 

6) Basileia, die „Heilige Insel“ der Atlanter, war eine größere zusammenhängende Insel, die sich vom heutigen Helgoland bis zur ehemaligen Insel „Südstrand“ erstreckte.
 

7) Basileia ist mit hoher Wahrscheinlichkeit identisch mit der Phäakeninsel „Scheria“ (in Homers „Odyssee“) und der Insel „Helixoia“ bzw. „Elektris“ in den Sagen über die Hyperboreer.
 

8) Als Untergangsursache für die Gebiete in der Deutschen Bucht kommt der Einschlag eines Asteroiden um -1220 in Frage (der Beweis durch Fachwissenschaftler steht allerdings noch aus). Damit könnte auch die griechische Sage vom „Sturz des Phaéthon“ eine naturwissenschaftliche Erklärung finden.
 

Wo lag Atlantis bzw. welche Gebiete umfasste Atlantis? Mit „Atlantis“ bezeichnete Platon drei unterschiedliche Gebiete:
 

1) Die Insel „Basileia“ als Zentrum von Atlantis; 127 Stadien (etwa 23 km) im Durchmesser: die bronzezeitliche Insel Althelgoland/Altsüdstrand.
 

2) Das „Reich des Atlas“; die 2000 mal 3000 Stadien (ca. 370 km mal 560 km) große Ebene mit einem Gebirge im Norden: das Gebiet der nordischen Bronzekultur.
 

3) Der „Kulturbereich der Atlanter“, d. h. die zehn Königreiche insgesamt; das Gebiet war „größer als Libyen und (Klein-) Asien zusammengenommen“: das Verbreitungsgebiet der Megalithkulturen in der Jungsteinzeit. Wahrscheinlich ist auch das Verbreitungsgebiet der Bandkeramiker in Mitteleuropa hinzuzurechnen.
 

Darüber hinaus flossen in den Atlantisbericht möglicherweise Informationen über Gebiete ein, die man nicht zu Atlantis (1.-3.) zählen kann, z. B. über transatlantische Stützpunkte.
 

Atlantis (im weitesten Sinne) existierte somit von ca. -5000 bis ca. -1220 und umfasste vor allem diejenigen europäischen Gebiete, in denen astronomisch orientierte Megalithbauten und große Kreisgrabenanlagen errichtet wurden. Zu den wichtigsten archäologischen Funden aus der Bronzezeit kann man den „Sonnenwagen von Trundholm“ und die „Sternscheibe von Nebra“ zählen (etwa Mitte -2. Jahrtausends).
 

Wichtige Entdeckungen, die noch nicht allgemein anerkannt sind
 

a) Kupfererz wurde (wenigstens) seit der Bronzezeit auf Helgoland abgebaut und verhüttet. (J. Spanuth 1953, W. Lorenzen 1965).
 

b) Herausgehobene Personen der Gesellschaft benutzten bereits in der Bronzezeit im Gebiet des nordischen Kreises eine Alphabetschrift (Proto-Tifinagh-Schrift, B. Fell 1982).
 

c) Bereits zu Beginn des -2. Jahrtausends waren Seefahrer aus einigen an die Nordsee grenzenden Ländern in der Lage, den Atlantik zu überqueren und Amerika zu erreichen (B. Fell 1982).
 

Ausblick
 

Der Streit um Atlantis wird sicherlich noch einige Jahrzehnte andauern, weil sich Platons Dialoge nicht in allen Abschnitten eindeutig auslegen lassen. Allmählich wird sich aber die Vorstellung von einem „Atlantis im Norden“ durchsetzen. Dazu tragen auch solche Aufsehen erregenden Funde wie die Sternscheibe von Nebra bei, die das Interesse der Archäologen an den frühen europäischen Hochkulturen spürbar verstärkt hat. Es ist zu erwarten, dass durch zukünftige Entdeckungen auch einige noch verbliebene Rätsel des Atlantisberichts gelöst werden können.
 

Literatur
 

Bartholomäus, K., „Odysseus kam bis Helgoland“, in Bild der Wissenschaft, Heft 1, 1977
 

Bedal, K., „Rätselhafte Verbindungen zwischen vorgeschichtlichen Fundstätten, Bodendenkmälern, Burgen und Kirchen“, in Archiv für Geschichte in Oberfranken, Bd. 73, Bayreuth 1993
 

Bischoff, G., „Der Sturz des Phaéthon“, Megalithos, Heft 1-3, 2004, Sven-Näther-Verlag Wilhelmshorst; EFODON-SYNESIS Nr. 5/2003; EFODON e. V., Hohenpeißenberg; www.eichner-dresden.de/Phaeton_Text.html (2003)
 

Drößler, R., „Als die Sterne Götter waren“, Leipzig 1976
 

Fell, B., „Bronze Age America“, New York-Boston-Toronto 1982
 

Fell, B. / Maass, H. B., „Deutschlands Urahnen“ (Teil 1), Lemwerder 1998
 

Fischer, W. P. A., „Alteuropa in neuer Sicht“, Münster 1986
 

Franke, A., „Atlantis – Wahn oder Wirklichkeit“, Mannus Bibliothek, Bd. 11, 1978
 

Gadow, G., „Der Atlantis-Streit“, Frankfurt a. M. 1973
 

Goldmann, K., „Zur Funktion des Ko-Grabens bei Haithabu“, Materialien zur Vor- und Frühgeschichte von Hessen 8; Wiesbaden 1999
 

Kehnscherper, G., „Auf der Suche nach Atlantis“, Leipzig-Jena-Berlin 1978
 

Kehnscherper, G., „Hünengrab und Bannkreis“, Leipzig-Jena-Berlin 1983
 

Lorenzen, W., „Helgoland und das früheste Kupfer des Nordens“, Otterndorf, 1965
 

Meier, G., „Die deutsche Vorgeschichte war ganz anders“, Tübingen 1999
 

Meier, G. und Zschweigert, H., „Die Hochkultur der Megalithzeit“, Tübingen 1997
 

Müller, R., „Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit“, Berlin-Heidelberg-New York 1970
 

Probst, E., „Deutschland in der Bronzezeit“, München 1996
 

Rathjen, H.-W., „Atlantis ist Westeuropa: Die Einheit Westeuropas zur Bronzezeit“, Göttert-Verlag 2004
 

Schlosser, W., „Sterne und Steine, urtümliche Formen der Astronomie und Zeitbestimmung“ in mannheimer forum, Mannheim 1975/76
 

Spanuth, J., „Das enträtselte Atlantis“, Stuttgart 1953
 

Spanuth, J., „Atlantis“, Tübingen 1965
 

Spanuth, J., Die Atlanter – Volk aus dem Bernsteinland“, Tübingen 1976, 3. Auflage 1977
 

Spanuth, J., „... und doch: Atlantis enträtselt!“, Osnabrück 1980; Nachdruck der Ausgabe 1957
 

Stender, W., „A Study About RINGERIKE, the Home Base of a Prehistoric Expedition to North America“, in Jahrbuch ESOP, Volume 15, 1986, der Epigraphic Society, San Diego
 

Strohmeyer, A., „Atlantis ist nicht Troja“, Bremen 1997
 

Sudhoff, H., „Sorry, Kolumbus“, Bergisch Gladbach 1990
 

Thirslund, S., „Wikinger Navigation“, Gullanders Bogtrykkeri a-s, Skjern (DK), 1998
 

Zschweigert, H., „Sillende – Säulenland im Norden“, in Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Heft 2, 1993, Tübingen
 

Anmerkungen
 

1) Platon, Dialog Kritias 108d – 121c, Dialog Timaios 19b – 27, zitiert u. a. bei Spanuth 1977, S. 445 ff.
 

2) Sachliche Erörterung und Gegenüberstellung der wichtigsten Atlantistheorien bei G. Gadow 1973, A. Franke 1978 und G. Kehnscherper 1978.
 

3) 9000 Jahre vor Solon soll Atlantis noch existiert haben und der Krieg zwischen den Atlantern und den Völkern im östlichen Mittelmeerraum ausgebrochen sein; zur Zeit einer ägyptischen Reichsgründung (angeblich 8000 Jahre vor Solon) war Atlantis laut Überlieferung schon untergegangen.
 

4) Außerdem bei Plutarch (46 – 120): „Die Ägypter rechnen einen Monat für ein Jahr“. Diodor von Sizilien schreibt von den Ägyptern: „In alter Zeit, als die Bewegungen der Sonne noch nicht bekannt waren, pflegte man das Jahr nach dem Lauf des Mondes zu berechnen. Folglich bestand das Jahr aus 28 Tagen ...“, s. a. Spanuth, 1977, S. 25 – 26.
 

5) Franke, S. 11 - 19, Spanuth, 1977, S. 18 – 21. Mit dieser engen zeitlichen Eingrenzung entfallen auch alle Hypothesen, die den Untergang von Atlantis erst in die Eisenzeit nach -1000 verlegen wollen.
 

6) Spanuth 1953, S. 31 und Spanuth, 1977, S. 29 ff.
 

7) Auch gegenwärtig wird manchmal noch die unhaltbare Meinung vertreten, dass es sich um Piraten aus dem ägäischen Raum handeln müsse, siehe „Spiegel“ Nr. 53/1998, „Das Puzzle des Philosophen“, S. 165; die „Große Wanderung der frühen Urnenfelderleute“ wurde früher auch als „Dorische Wanderung“ bezeichnet.
 

8) „Haunebu“ bedeutet so viel „Hafenbauer“ (oder „Haffbewohner“); vgl. H. auch mit dem Namen „Haithabu“ (Stadt im Mittelalter bei Schleswig).
 

9) Spanuth, 1977, S. 32 f.; Strohmeyer, S. 77.
 

10) Zschweigert 1993, S. 38.
 

11) Der von einigen Forschern als Kanalbau der Wikingerzeit angesehene Ko-Graben südwestlich von Schleswig wurde möglicherweise auch in der Bronzezeit genutzt; s. a. K. Goldmann.
 

12) Spanuth 1953, S. 86.
 

13) Das Schlammmeer wurde durch Anhänger der Thera-/Kreta-Theorie auch als Bimsstein-Meer gedeutet, das als Folge der Santorin-Explosion entstand; Anmerkung: Ein an der Oberfläche schwimmender Bimsstein-„Teppich“ lässt sich erwiesenermaßen mit einem Schiff durchfahren; außerdem hätte er zu Platons Zeit schon längst nicht mehr existiert.
 

14) Spanuth 1953; S. 95 – 101.
 

15) Spanuth 1980, S. 116; nachlesbar in „Suda“ (bzw. Suidas), einem umfangreichen griechisch-byzantinischen Wort- und Sachlexikon, das um 1000 entstand.
 

16) Andere Deutungen für Oreichalkos: Messing (P. Borchardt u. v. a), Stahl (U. Topper), Rotgold (C. Wagenseil), Legierung aus Kupfer/Silber (F. Netolitzky), Kupfer-Nickel-Arsen-Verbindung (J. Rittstieg),Obsidian (S. Schoppe).
 

17) Um Spanuths Ansichten zu widersprechen, stellten 1953 der Kieler Geologe K. Gripp u. a. Wissenschaftler die Behauptung auf, dass es auf Helgoland niemals Kupfer gegeben habe; s. a. Kehnscherper 1983, S. 16; Spanuth 1977, S. 42 f.; Spanuths Untersuchungen wurden bestätigt von den deutschen Metallurgen H. Otto (1948) und W. Witter (1948), dem französischen Archäometallurgen J. R. Maréchal (1959) sowie dem Flensburger Chemiker W. Lorenzen (1965).
 

18) H. Zschweigert in Meier, G., 1999, S. 62-75.
 

19) Spanuth 1977, S. 364 ff., Kehnscherper 1978, S. 84 f.
 

20) Odyssee 5, 269 f., zitiert bei Spanuth 1977 S. 378.
 

21) Heutige Sternkarten sind für die Rekonstruktion des Segelkurses um -1300 zu ungenau wegen der fehlenden Berücksichtigung der Präzession der Erdachse; s. a. Bartholomäus; Meier/Zschweigert S. 362 f.
 

22) Bei einer anderen Deutung wird „Scheria“ von „Schera“ (d. h. „Handel“ im Phönizischen) abgeleitet.
 

23) Weitere Lokalisierungen für Scheria: i. a. Korfu; Penzance (Cornwall; H. Steuerwald 1981).
 

24) Drößler, S. 177 f.; Spanuth 1977, S. 129 – 132, Spanuth 1980, S. 57 f., S. 79 f.
 

25) Gadow, S. 142 f.
 

26) Gadow, S. 138 ff.; Kehnscherper 1978, S. 108 – 110.
 

27) (Eigenbericht) Hamburger Echo vom 15.9.1951.
 

28) Eine C14-Datierung der Funde ergab einen Herstellungszeitraum im frühen Mittelalter. Das ist allerdings zweifelhaft, weil dann der Verhüttungsplatz vier bis sechs Meter unter Wasser gelegen hätte. S. a. Spanuth, 1980, S. 158 f.
 

30) Gadow, S. 116 f.
 

31) S. a. Spanuth, 1953, S. 133 f.
 

32) Gadow, S. 77 – 79; Spanuth 1977, S. 284.
 

33) Im Griechischen könnte „élaphos“ (Hirsch) mit „eléphas“ (Elefant) verwechselt worden sein; „Elefant“ könnte aber auch vom gemeinindogermanischen „elebhant“ abstammen (d. h. ursprünglich Urstier bzw. Auerochse); s. a. Gadow, S. 118 – 127; Spanuth 1977, S. 180 – 185.
 

34) Spanuth 1953, S. 101 – 105; Spanuth 1965, S. 361 – 385; Lorenzen; Kehnscherper 1983, S. 17.
 

35) P.M.-Magazin Nr. 4/1996, „Schatzsuche im ältesten Wrack der Welt“, S. 34 ff., Deutung des Autors C. Roland: Kupfer von Zypern, Bernstein von der Ostseeküste, Zinn aus Afghanistan.
 

36) Spanuth, 1977, S. 115 bzw. 471.
 

37) Fischer, S. 229 und Fell/Maass, S. 21 ff.
 

38) Fell/Maass, S. 44 f.; die bronzezeitlichen Vorfahren der Kelten benutzten hingegen ein anderes, als „Ogam Consaine“ bezeichnetes Alphabet.
 

39) Fischer, S. 235 f.
 

40) Im Bezirk Tanum (Bohuslän/schwedische Ostseeküste südlich der norwegischen Grenze) befindet sich bei Fossum das 1951 gegründete erste Felsbildmuseum der Welt; weitere Freilichtmuseen in Grebbestad und in den Ortschaften der Umgebung.
 

41) Gadow, S. 126; Spanuth 1977, S. 183.
 

42) B.Fell / H.Maass, S. 47.
 

43) Stender.
 

44) Sudhoff; Anm.: sämtliche Atlantiküberquerungen vor den Wikingern sind noch immer umstritten.
 

45) Kehnscherper 1978, S. 66.
 

46) Bartholomäus, S. 54 – 65.
 

47) Meier, Zschweigert, S. 379 – 381; Thirslund.
 

48) Diodor von Sizilien, 3. Buch, 56; zitiert in Spanuth 1977, S. 210 f.; statt Atlas wird manchmal auch Uranos als Ahnherr der Atlanter angesehen.
 

49) Müller.
 

50) K. Bedal; S. 67 ff., Meier/Zschweigert, S. 259 ff.
 

51) Das „Megalithische Yard“ (manchmal auch als „Megalithische Elle“ bezeichnet) hat offenbar die Vorgeschichte überdauert. Im Entdeckungszeitalter war noch die spanische Vara (83,6 cm) gültig. Einige spanisch beeinflusste Länder Amerikas übernahmen die Vara ebenfalls (Mexiko 83,8 cm, Texas 84,7 cm,Peru 83,9 cm). Die Bayerische Elle (83,3 cm) war bis zur Einführung des Meters in Gebrauch.
 

52) Ein Kreis von 1 Stadion Durchmesser hat 700 MY Umfang. Die vorgeschichtliche Rennbahn nahe Stonehenge hatte eine Länge von genau 15 Stadien (in anderen Maßeinheiten keine runde Maßzahl); s. a. H. Zschweigert in Meier 1999, S. 507-512.
 

53) Schlosser, S. 192.
 

54) Kehnscherper 1978, S. 123.
 

55) Briefliche Mitteilung von H. Zschweigert an den Verfasser vom 22.7.2004.
 

56) Probst; S. 343; Spanuth 1953, S. 68.
 

57) Auch neuere Hypothesen wie die von E. Zangger (Troja), A. Hausmann (Sizilien), S. Schoppe (Schwarzes Meer) und R. Kühne/W. Wickboldt (S-Spanien nahe der Mündung des Guadalquivir) schneiden im Vergleich zu Spanuths Theorie nicht besser als die Tartessos-Hypothese ab, aber zumindest das jungsteinzeitliche/bronzezeitliche S-Spanien steht im Zusammenhang mit Atlantis (das „Gadeirische Land“).
 

58) Spanuth 1953, S. 26 – 37; 1977, S. 273 – 278.
 

59) Spanuth 1965, S. 167 – 210; Meier 1999, S. 79 – 82; Bischoff.
 

60) Briefl. Mitteilung von H. Zschweigert am 16.9.1992 an J. Spanuth über einen Besuch im Moormuseum in Groß Hesepe.
 

61) In den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid, zitiert in Drößler, S. 176 f.
 

62) Spanuth 1980, S. 114; ein ähnliches Schicksal erlitt die im Mittelalter etwa 25 km lange bogenförmige Insel Alt-Nordstrand, die nach einer schweren Sturmflut im Jahre 1634 in zwei größere Inseln ( Nordstrand, Pellworm ) und mehrere kleine Inseln zerfiel.
 

63) S. a. Spanuth 1980, S. 5 f.; ähnliche Ansichten bei Kehnscherper 1978, S. 122 f.; Strohmeyer S. 41 f.; Rathjen.

 

 

 

Quelle von Günter Bischoff

 

Quelle: http://www.eichner-dresden.de/atlantis/

 

zur Vergrößerung auf das Bild klicken

 

 

 

Die Spur führt nach Helgoland

 

Tatsächlich konnten Geologen im 19. und zu Beginn des 20. Jhd. an der Nordseeküste den Untergang zahlreicher Marschen und die Zerstörung weiter Küstengebiete nachweisen. Am Ende der Bronzezeit, etwa um 1220 v.Chr., versanken in einer verheerenden Sturmflut ein großer Teil der Westküste von Schleswig-Holstein und Dänemark sowie viele vorgelagerte Inseln.

Eine von ihnen war die Hauptbernsteininsel Althelgoland. Sie war um ein Vielfaches größer als heute und erstreckte sich östlich des Buntsandsteinfelsens in Richtung Eiderstedt. In ihr sah J.Spanuth die "Heilige Insel" Basileia des Atlantisberichtes, und er hatte gute Argumente dafür. Platon charakterisierte Lage und Aussehen der "Königs- und Säuleninsel", wie man Basileia übersetzen könnte [10], wie folgt :

  • sie lag an der Mündung großer Ströme,

  • von der Insel aus war eine Fahrt in das gegenüber liegende Meer möglich,

  • zuvorderst befand sich ein Felsen, der "wie mit dem Messer abgeschnitten" aufragte,

  • auf der Insel gab es rote, weiße und schwarze Steine,

  • das Versinken der Insel hinterließ ein Schlamm-Meer, das es auch zu Platons Zeit noch gab.

Die natürlichen Gegebenheiten in der Helgoländer Bucht ausgangs der Bronzezeit lassen sich mit vielen Details des Atlantisberichts gut in Einklang bringen. Althelgoland lag an der Mündung von vier großen Strömen: der Weser, der Elbe, der Eider und ihrem heute nicht mehr existierenden Nebenfluss Hever. Alle Mündungsgebiete lagen vor der Überschwemmungskatastrophe südlich der Insel nahe beieinander. Eine fast durchgehende Verbindung "in das gegenüber liegende Meer", nämlich die Ostsee, war über die damals viel größere Eider, die Treene, die Rheider Au bis zur Schlei möglich. Die kleine Lücke zwischen den beiden letztgenannten Flüssen dürfte durch Kanalbauten geschlossen worden sein [11]. Althelgoland besaß demnach eine hervorragende Lage als Handelszentrum für Waren aus dem Landesinneren und den Ostseeküstengebieten. Außerdem waren die Häfen der Insel günstige Umschlagplätze im Fernhandel mit den anderen Nordseeländern sowie den Mittelmeerländern.

Für Seefahrer, die sich von England her näherten, war der damals über 70 m hohe Buntsandsteinfelsen ein unverwechselbares Erkennungsmerkmal. Eine solche Insel, deren vorderster Teil "wie mit dem Messer abgeschnitten" aufragt, gibt es im gesamten Nordseeraum kein zweites Mal. Auch die roten, weißen und schwarzen Steine sind in dieser Kombination nur an wenigen Stellen auf der Erde anzutreffen. " ...rot ist die Kant ..." wird in einem alten Helgoländer Spruch die auffällige Farbe des Buntsandsteinfelsens wiedergegeben. Die heute nicht mehr existierenden weißen Felsen bestanden aus Gips, Kreide und Muschelkalk. Die letzten Reste der ehemals sehr hohen "Wittenklyppe" im Gebiet der heutigen "Düne" fielen im Jahre 1711 einer Sturmflut zum Opfer. Ein blauschwarzer bis schwarzer Felsen steht heute noch in geringer Meerestiefe nördlich der Düne. Er erhielt seine Farbe durch eine Imprägnierung mit kohlensaurem Kupfer [12]. Diese drei farblich markanten und hoch aufragenden Felsen boten in der Bronzezeit gewiss ein prächtigen Anblick.

Nach dem Versinken von Althelgoland und anderer friesischer Inseln breitete sich an dieser Stelle ein seichtes Schlamm-Meer aus, das jede Schifffahrt behinderte. Die meisten Atlantisforscher ignorieren diese wichtige Aussage, weil sie keine Erklärung dafür finden [13]. In der Deutschen Bucht fällt hingegen das Wattenmeer sogleich ins Auge, das sich bis zur niederländischen Küste hinzieht. Dieser amphibische Saum zwischen festem Land und offenem Meer kann nur in den flachen Schelfmeeren der Festlandsockel entstehen. Starke Gezeitenkräfte bewirken die regelmäßige Ablagerung von Schlamm und Schlick sowie die Bildung von sporadischen Wasserabläufen, den Prielen. Platon erhielt sehr wahrscheinlich aktuelle Kunde von diesem Schlamm-Meer, weil der Forschungsreisende Pytheas von Massalia um 350 v.Chr. gerade von seinen Erkundungen zurück gekehrt war, die ihn bis nach Schottland, Thule und zu den Inseln in der Deutschen Bucht führten.

 

Der geheimnisvolle Oreichalkos

 

Eine weitere starke Stütze erhielt Spanuths Theorie durch die glaubwürdige Deutung eines sonderbaren Stoffes, den die "damals lebenden Menschen nächst dem Gold am meisten schätzten", den Oreichalkos. Das feurig glänzende "Goldkupfererz", so die wörtliche Übersetzung, sollen die Atlanter benutzt haben, um die Decke, die Säulen und Fußböden ihres Tempels zu belegen und Mauerkronen zu verzieren.

Die Wissenschaftler erhofften sich gerade von der Enträtselung dieses Stoffes einen wichtigen Hinweis zur Lage von Atlantis. Es fehlte nicht an den seltsamsten Vermutungen. Am meisten Verbreitung fand schließlich die Annahme, dass es sich wohl nur um Messing handeln könne. Jedoch Platons Überlieferung zufolge grub man den Oreichalkos an vielen Stellen aus der Erde, und Legierungen kommen bekanntlich in der freien Natur nicht vor. Wiederum kam Spanuth als Erstem der Gedanke, dass die Beschreibung nur auf den Bernstein zutreffen kann [14].

 

Dieses gelbe bis dunkelbraune fossile Harz wurde aber in der Bronzezeit nicht wie heute im Ostseegebiet, sondern hauptsächlich vor der Westküste Schleswig-Holsteins gewonnen. Der Handel mit dem begehrten nordischen Bernstein verhalf der einheimischen Bevölkerung zu ansehnlichem Reichtum. Das "Gold des Nordens" gelangte auf Bernsteinstraßen, die in der Elbmündung ihren Anfang nahmen, über beschwerliche Alpenpässe hinweg bis in die Mittelmeerländer. Kostbare Grabbeigaben aus Bernstein wurden in fast ganz Europa und im Königsgrab des ägyptischen Pharaos Tutanchamum gefunden. Die Bevölkerung Jütlands entwickelte im Laufe der Jahrhunderte eine hohe Kunstfertigkeit in der Bearbeitung der Schmuckgegenstände. Man verstand es, das fossile Harz in Öl zu kochen und als "Bernsteinlack" zum Maueranstrich zu verwenden. So ist der Hinweis verständlich, dass die Atlanter den Oreichalkos mit Öl auftrugen. Nach dem Untergang der bronzezeitlichen Marschen ging der Bernsteinhandel mit den Mittelmeerländern spürbar zurück. Deshalb war der Oreichalkos zu Platons Zeiten "nurmehr noch dem Namen nach bekannt". Eine Frage blieb bisher jedoch ungeklärt. Warum verwendete der griechische Philosoph nicht die damals gebräuchlichere Bezeichnung "elektron" für Bernstein? Zumindestens aber haben die Griechen den "Oreichalkos" dem fossilen Harz nahe gestellt [15]. Trotz dieser geringfügigen Bedenken ist Spanuths Gleichsetzung des "Oreichalkos" mit Bernstein bis heute die beste Deutung geblieben [16].

 

Um einen weiteren, in der Bronzezeit dringend benötigten Rohstoff, wurde ebenso heftig gestritten. Dem Atlantisbericht zufolge brachen die Bewohner gediegenes und schmelzbares Kupfer auf der Insel. Auch der Helgoländer Felsen birgt in den weißen, grünlichen und braunroten Schichten des Buntsandsteins sehr auffällig einige Kupfererze. Häufig fand man erbsengroße Stücke von gediegenem Kupfer. Die größten wiesen immerhin ein Gewicht von einigen hundert Gramm auf. Das Helgoländer Kupfererz hat auch ohne Beimischung von Zinn durch seinen hohen Arsengehalt eine große Härte und war somit für die Herstellung von Waffen besonders gut geeignet.

Um die Argumente seiner Gegner zu entkräften, unternahm J.Spanuth eigenhändig Schmelzversuche in speziell dafür hergestellten Öfen. Dabei gelang ihm eine frappierende Entdeckung. Die Untersuchung eines Schwertes der Nord- und Seevölker, das von den Ägyptern zur Zeit des Pharaos Sethos II. erbeutet worden war, lieferte den eindeutigen Beweis, dass das enthaltene Kupfer nur von der Lagerstätte auf Helgoland stammen konnte [17]. In den Folgejahren legten W.Lorenzen und der Geologe H.Schulz weitere Beweise für die Nutzung der Kupfervorkommen bereits in vorgeschichtlicher Zeit vor. Leider wird die Bedeutung dieser Kupferlagerstätte für die bronzezeitlichen Kulturen an der Nord- und Ostsee immer noch von der Wissenschaft unterschätzt [18].

 

Der Angriff der Nord- und Seevölker

 

Der Wiener Altphilologe W.Brandenstein und J.Spanuth folgten vor 1950 als erste Forscher der Spur, wonach Solon sein Wissen von ägyptischen Priestern aus der im westlichen Nildelta gelegenen Stadt Sais erhalten habe. Tatsächlich finden sich heute noch zugängliche Dokumente, in denen erstaunlich genau dieselben Ereignisse wie in Platons Atlantisbericht geschildert werden. Allen voran seien hier der Papyris Harris, der die Kriegstaten des Pharaos Ramses III. verherrlicht, und die Inschriften auf dem Tempel in Medinet Habu genannt. Darin ist neben vielen anderen Übereinstimmungen die Rede von Völkerschaften, die über Teile von Europa und Afrika herrschten und Ägypten schwer bedrängten. Sie seien "von den Inseln und Festländern am Weltmeer im fernsten Norden", "von den Inseln im Ozean" und "von den Enden der Erde" gekommen. Ihr Land sei untergegangen, das "Haupt ihrer Städte vernichtet" und "ihre Inseln vom Sturm ausgerissen und weggeweht" [6]. Danach steht fest: Platon hat Atlantis nicht erfunden, sondern seinen Dialogen liegen historische Ereignisse zugrunde.

 

Die Völkerschaften, die zur Regierungszeit Ramses III. in die Mittelmeerwelt einbrachen, wurden in den ägyptischen Urkunden als "Nord- und Seevölker" bezeichnet. Sie zogen im 13. und 12. Jhd. v.Chr. durch weite Teile Europas, unterwarfen die griechischen Stadtstaaten mit Ausnahme Ur-Athens und zerstörten das in Kleinasien gelegene Hethiterreich binnen weniger Wochen. Schließlich hatten sie die Absicht, zusammen mit den Libyern in Ägypten einzufallen. Im Jahre 1191 v.Chr. kam es im Nildelta zu einer Entscheidungsschlacht, die bis zu diesem Zeitpunkt die größte der Weltgeschichte gewesen sein dürfte. Die zeitgenössischen ägyptischen Quellen verschweigen die sonst mit Akribie angegebenen Zahlen über gefangene und getötete Feinde. Jedoch die für die Reichsverteidigung aufgebotenen 700.000 Krieger und 2000 Kriegsschiffe lassen das für damalige Zeiten ungeheure Ausmaß der Kämpfe ahnen. Der Angriff konnte unter Aufbietung aller Kräfte noch einmal zurückgeschlagen werden. Weitere Kämpfe mit den Nord- und Seevölkern in den darauf folgenden Jahrzehnten schwächten das Land aber derart, dass die Pharaonen einen wirtschaftlichen und politischen Niedergang nicht mehr verhindern konnten.

 

Einen plastischen Eindruck von der erbitterten Abwehrschlacht der Ägypter vermitteln die auf etwa 10.000 Quadratmeter Fläche eingemeißelten Reliefs an den Tempelwänden von Medinet Habu. Beispielsweise trägt ein Teil der Eroberer runde Bronzeschilde und als Kopfschmuck Hörnerhelme oder als Rosshaarbüschel gedeutete "Strahlenkronen". Außerdem müssen jene Krieger tüchtige Seefahrer gewesen sein. Ihre wendigen Segelschiffe mit den hochgezogenen und mit Vogelköpfen verzierten Vorder- und Hintersteven ähneln sehr den zweitausend Jahre später die Weltmeere kreuzenden Wikingerschiffen. Gerade die abgebildeten Kampfszenen konnten nun neben archäologischen Fundstücken zu Rate gezogen werden, um Hinweise über die Herkunft der fremden Völkerschaften zu erhalten. Dass sich Platons Atlanter unter den in Ägypten eingefallenen Nord- und Seevölkern befanden, ist zweifellos die wichtigste Entdeckung der modernen Atlantisforschung.

 

 

Es bedurfte jahrelanger Forschungsarbeit der Archäologen zur Beantwortung der Frage, um welche Völkerschaften es sich bei den Nord- und Seevölkern im Einzelnen handelte und woher sie kamen. Nach unseren heutigen Erkenntnissen stellen die Nord- und Seevölker eine Vereinigung von spätbronzezeitlichen Stämmen dar, die vor allem aus Mitteleuropa und den nördlicher gelegenen Gebieten kamen und durch Naturkatastrophen großen Ausmaßes zur "Großen Wanderung" in neue Siedlungsgebiete gezwungen wurden [7]. Den militärisch stärksten Teil dieser Koalition bildeten die aus der Bibel bekannten Philister, die sich nach dem misslungenen Angriff auf Ägypten in Palästina ansiedelten und diesem Land seinen Namen gaben. Sie gehörten ebenfalls zu den so genannten frühen Urnenfelderleuten. Ihr Name wurde aus der Sitte abgeleitet, die Asche der verbrannten Toten in verzierten Tonurnen aufzubewahren und auf Feldern beizusetzen.

Die ägyptischen Quellen berichten von den Philistern, sie seien die "Übriggebliebenen von versunkenen Inseln" gewesen, die im nördlichen Ozean gelegen hätten. Sie wurden auch als "Haunebu" bezeichnet, aus deren Heimat der Bernstein gekommen sein soll [8]. Ein anderes Mal ist in diesem Zusammenhang von den "Neunbogenvölkern" die Rede. Nach ägyptischer Vorstellung unterteilte man den damals bekannten Erdkreis von Süden nach Norden in zehn Bogen. Der neunte Bogen befand sich dort, wo "der längste Tag 17 Stunden dauert", also das Gebiet um den 54. Breitengrad [9]. Es kamen deshalb bei der Suche nach Atlantis nur die an die Nord- und Ostsee angrenzenden Gebiete der frühen Urnenfelderleute in Frage.

 

 

Die große Ebene

 

[64] Schon immer bemühten sich Forscher bei der Suche nach dem legendären Inselreich auch um die Klärung der Frage, wo sich die große Ebene von Atlantis ausgebreitet haben könnte. Sie soll von annähernd rechteckiger Gestalt gewesen sein und 2000 mal 3000 Stadien (etwa 370 mal 555 km) gemessen haben [65]. An ihrem Rand hätte die Insel Basileia mit dem von Land- und Wasserringen umgebenen Kultzentrum gelegen und im Norden hätten Berge "an Zahl, Größe und Anmut alle anderen übertroffen". Eine gute Atlantistheorie sollte diese nicht unwesentlichen geographischen Details sinnvoll interpretieren können.

 

Betrachtet man die bedeutendsten Hypothesen darauf hin näher, dann waren die bisherigen Erklärungsversuche mehr oder weniger unbefriedigend. Bei der früher häufig diskutierten Thera-/Kreta-Theorie besitzt keine der beiden Inseln eine Ähnlichkeit in den Abmessungen und in der Oberflächengestalt. Auch die Ebenen in Südengland, Nordwestfrankreich und bei der südspanischen Hafenstadt Gadiz wurden bereits in Betracht gezogen, aber sie weichen deutlich von der Rechteckform ab oder sind zu klein. Besser trafen schon die Vorstellungen des französischen Ingenieurs J.Deruelle zu. Bei seiner Deutung reichte die Ebene in der Jungsteinzeit von den Niederlanden bis zur Doggerbank. Doch hier fehlt das ausdrücklich erwähnte Gebirge im Norden.

 

Auch die ansonsten sehr überzeugende Theorie von J.Spanuth stimmte bisher in diesem Punkt nicht wie erhofft überein. Das Ausbreitungsgebiet der Nordischen Bronzekultur war zwar größtenteils eben, aber die geforderte Längsausdehnung von 3000 Stadien wird sowohl bei einer N-S-Ausrichtung des Rechtecks (Südnorwegen bis Norddeutschland) als auch bei einer O-W-Ausrichtung (Wesermündung bis zur Insel Gotland) um ein Drittel überschritten. Außerdem wäre die Ebene durch den Skagerrak und die westliche Ostsee von größeren Wasserflächen unterbrochen gewesen [66].

 

Mit einer verblüffenden Lösung des Problems trat im Jahre 2004 der pensionierte Gymnasiallehrer H.-W. Rathjen aus Minden an die Öffentlichkeit. Er ließ bei seiner Betrachtungsweise kurzerhand die Gebiete Südskandinaviens mit ihren "umlaufenden Bergen" weg und grenzte die ehemals durchgängige Ebene auf Norddeutschland, die Halbinsel Jütland und die dänischen Inseln ein. Anhand der Land- und Wasserverteilung am Ende der Bronzezeit erkannte er ein um 20° von der N-S-Richtung abweichendes Rechteck mit einer sehr guten Übereinstimmung in den Abmessungen: Kap Skagen an der Nordspitze Dänemarks ist vom Odermündungsgebiet bei Stettin tatsächlich 3000 Stadien entfernt, und die Distanz zwischen Helgoland und dem Öresund beträgt recht genau 2000 Stadien (s. Abb. 9).

 

Als Rechtecksgrenze innerhalb Deutschlands nimmt H.-W. Rathjen die südliche Ausbreitung der Nordischen Bronzekultur einschließlich der so genannten Stader Gruppe, der Lüneburger und der Allermündungs-Gruppe an [67]. Die Atlanter haben offenbar das gesamte zumeist flache Land nördlich des Weserberglands bis hin zur Oder als ihren Lebensraum betrachtet. Der südliche Eckpunkt der Ebene, der wie der Ostpunkt keine geographisch exponierte Lage aufweist, kann demnach bei Minden angenommen werden, dem heutigen Kreuzungspunkt von Weser und Mittellandkanal. Die von Norden her genauer ausgemessene theoretische Südecke liegt allerdings in der Nähe der Externsteine im Teutoburger Wald. Vielleicht waren sich die Bronzeleute sogar dieses Zufalls bewusst, denn das hoch aufragende Felsengebilde wurde in vorgeschichtlicher Zeit als astronomische Beobachtungsstätte und möglicherweise auch als Ortungspunkt genutzt.

 

Abb. 9

 

Abb. 9:
Die von H.-W. Rathjen rekonstruierte große Ebene von Atlantis

 

Zum "Reich des Atlas" gehörten auch Landesteile von Norwegen, Schweden und Deutschland, doch nur Dänemark lag vollständig innerhalb der ehemaligen großen Ebene. Dieses fast durchweg flache Land büßte in den letzten 7000 Jahren mehr als die Hälfte seines ursprünglichen Territoriums durch Sturmfluten und andere Naturkatastrophen ein [68]. Heute überwiegt die Wasserfläche zwischen Jütland, Rügen und Südschweden, aber im 13. Jh. v.Chr., also unmittelbar vor dem Untergang der zentralen Gebiete von Atlantis, waren die großen dänischen Inseln Seeland, Fünen, Lolland und Falster durch merklich schmalere Belte getrennt. Etliche gegenwärtig existierende Inseln waren damals untereinander oder mit dem Festland verbunden. Auch die Westküste Jütlands säumten sehr viele inzwischen versunkene Inseln. Eine bronzezeitliche Landkarte hätte schon besser die Außenkontur des annähernd rechteckigen Tieflands hervorgehoben. Noch klarer trat sie zu Beginn der Jungsteinzeit um 5000 v.Chr. hervor. Hier vervollkommnete die Jütlandbank als Festland die NW-Spitze des Rechtecks, und die dänischen Ostseeinseln bildeten von Rügen bis Kap Skagen eine überwiegend geschlossene Landfläche [69].

 

Die Abweichung der idealisierten Ebene um 20° von der Nordrichtung ist an ihrer östlichen Seite noch gut erkennbar. Nicht nur die südwestschwedische Küste entlang des ehemals viel schmaleren Kattegats besitzt diese Ausrichtung, sondern auch die gedachte Verlängerung bis zur Odermündung. Die Westseite der Ebene hingegen wurde noch im 5. Jts. v.Chr. von einem mächtigen Strom begrenzt, der durch den Zusammenfluss von Weser, Elbe und Eider nordwestlich von Helgoland entstand. Die gemittelte Richtung dieser "Ur-Weser" von Minden bis zur ehemaligen Mündung zwischen der Jütland- und der Doggerbank verlief annähernd parallel zur Ostseite der Ebene und ist heute noch anhand der 25 m - Tiefenlinie der Nordsee nachvollziehbar (s. Abb. 10) [70].

 

Abb. 10

Südliche Nordsee im 7. Jts. v.Chr. mit festem Land (grau) sowie der noch vollständigen "Großen Ebene" (Rechteck)

 

Das zumeist sehr flache norddeutsche und dänische Tiefland wird nur von wenigen Erhebungen unterbrochen; die Helpter Berge in Ostmecklenburg erreichen als höchste nicht einmal 180 m. Das Landschaftsbild dieser Ebene wurde von vielen Binnenseen, kleinen Flüssen, Fjorden und Sunden geprägt. Der große Reichtum an Gewässern bot den Menschen an den Küsten wie auch im Binnenland günstige Bedingungen zum Siedeln. Die Bronzeleute lebten offenbar in einem gewissen Wohlstand, denn nach Platons Beschreibung hatte die von Bergen umfasste Ebene "... viele reiche Ortschaften der Umwohnenden sowie Flüsse, Seen und Wiesen zu ausreichendem Futter für alles wilde und zahme Vieh ...".

Mit den "umlaufenden Bergen" außerhalb der Ebene waren sicherlich im Süden die deutschen Mittelgebirge, in Schweden die flachwellige Waldlandschaft von Småland und im Norden die schneebedeckten, über 2000 m hohen Gipfel der norwegischen Fjordlandschaft gemeint, die die Atlanter wegen ihrer einzigartigen Schönheit rühmten.

 

Der Streit um Atlantis wird sicherlich noch einige Jahrzehnte andauern, weil sich Platons Dialoge nicht in allen Abschnitten eindeutig auslegen lassen. Allmählich wird sich aber die Vorstellung von einem "Atlantis im Norden" durchsetzen. Dazu tragen auch solche Aufsehen erregenden Funde wie die Sternscheibe von Nebra bei, die das Interesse der Archäologen an den frühen europäischen Hochkulturen spürbar verstärkt hat. Es ist zu erwarten, dass durch zukünftige Entdeckungen auch einige noch verbliebene Rätsel des Atlantisberichts gelöst werden können.

 

http://www.eichner-dresden.de/atlantis/