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Quelle:
http://www.efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/bischoff/atlantis.htm
Expeditionen zum
Steingrund
In den vergangenen
Jahrzehnten haben zahlreiche archäologische Funde auf der
Felseninsel und in der Helgoländer Bucht die Nordsee-Theorie
untermauert, auch wenn bestimmte Einzelheiten noch nicht restlos
geklärt sind. Althelgoland muss, seiner damaligen Bedeutung
angemessen, vor -1220 eine stattliche Bevölkerung gehabt haben. Am
Ende des 19. Jahrhunderts untersuchte man mehrere Steinkisten- und
Hügelgräber auf dem Oberland. In ihnen fand man neben den
Skeletten von Männern einen kleinen Bronzedolch, zwei goldene
Spiralscheiben, eine weitere Bronzewaffe, goldene Ringe, eine
Bronzenadel von fast 18 cm Länge und einige Doppelknöpfe.
Erste Tauchgänge
wurden 1911 unternommen, als das Kriegsschiff „Zähringer“ auf dem
so genannten „Steingrund“, einer untermeerischen Erhebung östlich
von Helgoland, auflief. Marinetaucher sollen damals Reste „der
alten Burg Basileia“ entdeckt haben, des Weiteren einen alten
„Tempel“ mit einer aufgesetzten Steinmauer, Waffen und Scherben
gesichtet haben. Im Frühjahr 1943, also mitten im Krieg, fand dort
im Beisein von P. Wiepert, dem späteren Ehrenbürger der
Universität Kiel, ein weiterer Tauchversuch statt. Hierbei sollen
eine Anzahl Steine, von Menschenhand aufgesetzte Steinplatten und
eine Art Steingewölbe entdeckt worden sein. Leider sind die
Aufzeichnungen in den Kriegswirren verloren gegangen, sodass
Wieperts Erinnerungen aus dem Jahre 1956 für Skeptiker keine
Beweiskraft haben dürften (25).
Spanuth selbst rüstete
in den Jahren 1950, 1952 und 1953 drei von insgesamt fünf
Expeditionen aus, um nach Siedlungsspuren auf dem „Steingrund“ zu
suchen. Die Erwartungen waren nicht allzu hoch und die
Sichtbedingungen äußerst schlecht. Doch die Taucher, unter ihnen
H. Beelte und E. Fries, entdeckten 10 km östlich von Helgoland
einen Hügel, der stellenweise von einem doppelten, etwa 3 m hohen
Steinwall umgeben war. Offenbar waren sie auf den im
Atlantisbericht erwähnten Burghügel gestoßen, der über 50 Stadien
(10 km) landeinwärts gelegen haben soll. Die Taucher bargen
Türangelsteine, bearbeitete Feuersteinplatten und Reste von
Bronzeguss. Bei einem weiteren Tauchgang wurde ein gefugter
Fliesenbelag auf dem Meeresgrund gesichtet, und eine mit
Kopfsteinen gepflasterte Straße konnte über 50 Meter weit verfolgt
werden (26).
Völlig unabhängig von
Spanuths Tauchplänen soll 1951 das deutsche Forschungsschiff
„Meta“ ausgelaufen sein, das den Auftrag hatte, den Meeresboden in
der Nähe von Helgoland zu inspizieren. Die Tageszeitungen meldeten
daraufhin Funde von unschätzbarem Wert. In 30 m Wassertiefe wurden
angeblich in einer Schlickbank zwei Hünengräber aufgespürt,
außerdem Wohnbaureste, Grabbeigaben, Handwerkszeug und andere
Gebrauchsgegenstände aus dem 3. und 2. vorchristlichen Jahrtausend
(27). Diese Meldungen müssen allerdings mit Vorsicht betrachtet
werden, weil bis heute keine diesbezüglichen Fundgegenstände in
einem Institut oder Museum registriert worden sind.
Einige Jahre darauf
startete mehrmals ein Forschungsschiff einer archäologischen
Gesellschaft unter Leitung von C. Röper. Dabei wurden
bronzezeitliche Siedlungen im Gebiet der versunkenen Marschen
nachgewiesen. Auch später rissen die Funde nicht ab. Man förderte
im Jahre 1971 verschieden durchbohrte Kupferscheiben von einem
Viertelmeter Durchmesser und beträchtlichem Gewicht zutage. Neun
Jahre später untersuchte eine Tauchergruppe des Geologischen
Instituts in Kiel das Meeresgebiet. Dabei fanden sie zwei
Kilometer südlich der Helgoländer Düne in sechs bis acht Metern
Wassertiefe einen „Massenfundplatz an Kupferbarren“ aus dem
dortigen Kupfererz mit einem Gesamtgewicht von 90 kg. Um eine
verloren gegangene Schiffsladung konnte es sich nicht handeln,
weil auch verschieden große Stücke aus Gussschlacke gefunden
wurden (28). (siehe auch
hier)
Nach den bisherigen
Forschungsergebnissen steht zumindest fest, dass es bis zu ihrem
Untergang um -1220 eine oder mehrere bewohnte Inseln zwischen
Helgoland und Eiderstedt gab. Bisher fehlt leider noch der
entscheidende archäologische Beweis, der auch die Skeptiker
überzeugen könnte: Hier lag vor 3300 Jahren die bedeutende
Atlanterinsel Basileia. Sensationsfunde sind wegen der schlechten
Bedingungen in der Nordsee auch in Zukunft nicht zu erwarten.
Vielleicht sind trotzdem eines Tages bei Einsatz modernster
Technik weitere Entdeckungen möglich.
Die nordische
Bronzekultur
Platon gab drei sehr
unterschiedlichen Regionen dieselbe Bezeichnung „Atlantis“. Das
trug in der Vergangenheit sehr zur Verwirrung der Forscher bei.
Einmal meinte er damit nur die „Heilige Insel“ Basileia, die
tatsächlich versank, ein anderes Mal ein sehr viel größeres Gebiet
auf dem Festland und auf weiteren Inseln, und schließlich eine
Gemeinschaft von Ländern, die von zehn Königen regiert wurden. Auf
das „Reich des Atlas“, nach Platon das bedeutendste aller zehn
Königreiche, soll nun etwas näher eingegangen werden.
Etwa um -2400
vereinigten sich im Gebiet von Nord- und Ostsee die
alteingesessenen Erbauer der Megalithgräber mit den kriegerischen
Streitaxtleuten, die vorher als Reiter- und Hirtenvölker die
südosteuropäischen Ebenen bewohnten. Es begann ein relativ kurzer,
intensiver Verschmelzungsprozess beider Kulturen. Als Ergebnis
entstand die „Nordische Bronzekultur“, die häufig auch als
„Nordischer Kreis“ bezeichnet wird. Nach einer Jahrhunderte
währenden ungestörten Entwicklung erreichten diese Völkerschaften
ab dem -15. Jahrhundert eine erstaunliche Blüte und zeigten sich
in einigen Lebensbereichen durchaus den bekannten Hochkulturen des
Mittelmeerraumes ebenbürtig. Manche Historiker sehen die Träger
dieser Kultur als die bronzezeitlichen Vorfahren der Germanen an.
Das Siedlungsgebiet
der Bronzeleute wurde in west-östlicher Richtung von den Flüssen
Weser und Oder eingegrenzt. Es reichte von Mecklenburg-Vorpommern
und Teilen Niedersachsens bis zu den großen Seen westlich von
Stockholm einschließlich eines schmalen Küstenstreifens in
Südnorwegen. Die im Atlantisbericht erwähnte große Ebene mit einer
Ausdehnung von 2000 mal 3000 Stadien (etwa 370 mal 560 km) liegt
zwar nicht auf einer Insel, aber die eng mit dem Meer verbundene
Landschaft wird treffend charakterisiert. In Norddeutschland,
Dänemark und Südschweden breitet sich bekanntlich eine nur von
niedrigen Erhebungen unterbrochene Tiefebene aus, und in der wegen
ihrer Schönheit gepriesenen Bergwelt erblickt man die über 2000
Meter hohen schneebedeckten Gipfel der norwegischen
Fjordlandschaft. Bedenkt man ferner die relativ raschen
Veränderungen beiderseits der jütischen Halbinsel in jüngster
geologischer Vergangenheit, dann wird die Beschreibung der großen
Ebene noch besser verständlich. Erst nach -7000 kam es in der
südlichen Nordsee zu großen Landverlusten. Noch lange waren die
Doggerbank und die Jütlandbank festes Land, ehe das offene Meer um
-2000 Althelgoland und die nördlich davon gelegenen Inseln
erreichte. Die Abmessungen der großen Ebene treffen demnach eher
auf die geografischen Gegebenheiten während der mittleren
Jungsteinzeit zu.
Die Menschen lebten
anfangs noch in urgemeinschaftlichen Verhältnissen, die sich aber
immer mehr auflösten. Bei den freien Bauern waren
Standesunterschiede noch wenig ausgeprägt. Dagegen nahmen im -14.
und -13. Jahrhundert Einfluss, Macht und Reichtum der
Stammesfürsten stark zu. Ackerbau und Viehzucht, die in einigen
Gebieten durch das überaus fruchtbare Marschenland begünstigt
waren, bildeten eine solide Lebensgrundlage. Die Bevölkerung lebte
aufgrund ihrer bäuerlichen Produktionsweise fast ausschließlich in
kleinen Dörfern. Vereinzelt errichtete man jedoch schon ab der
Jungsteinzeit größere von Ringwällen umgebene Ansiedlungen, die
regionale Zentren gewesen sein dürften. Eine derartige stark
befestigte Anlage von 8 Hektar Ausdehnung wurde beispielsweise im
Jahre 1971 bei Rendsburg in einer Flussschlinge der Eider
ausgegraben (30). Die große bronzezeitliche Siedlung auf
Althelgoland kann durchaus schon als Stadt angesehen werden, auch
wenn sie ganz sicher nicht mit anderen mächtigen Städten ihrer
Zeit wie Ur-Athen oder Troja konkurrieren konnte. Platons
Beschreibung des urbanen Zentrums mit seinen kultischen
Einrichtungen, verschiedenartigen Gebäuden, Schiffswerften,
mehreren Häfen und sportlichen Wettkampfstätten lässt eine
wohlhabende Kult- und Handelsmetropole der Bronzezeit erkennen.
Eine ähnlich herausragende Bedeutung in ihrer Region erlangten
über 2000 Jahre später die große friesische Siedlung Haithabu und
die reiche mittelalterliche Handelsstadt Vineta.
Nicht nur die in den
bronzezeitlichen Gräbern entdeckten Schmucksachen und
Gebrauchsgegenstände lassen wichtige Rückschlüsse auf die
Lebensweise der Menschen zu. Umfangreiche Kenntnisse über die
schlichte und dennoch ausgesprochen modische wollene Kleidung,
über Schuhwerk und Haartrachten der Bronzeleute verdanken die
Archäologen den aufgefundenen Moorleichen. Sie wurden über
Jahrtausende hinweg infolge des luftdichten Abschlusses besser
konserviert als vergleichsweise die ägyptischen Mumien. Einen
vorzüglich gewebten blauen Mantel, den ein bedeutender
Würdenträger viel später, etwa im 3. Jahrhundert trug, fand man im
Thorsberger Moor in Schleswig-Holstein. Hier ist die lange
Tradition ersichtlich, denn auch im Atlantisbericht wird ein
dunkelblauer Königsmantel „von wunderbarer Schönheit“ erwähnt, den
jeder der zehn Könige zum Höhepunkt des Festes auf Basileia trug
(31).
Viele Kulthandlungen
waren der Wärme spendenden Sonne geweiht. Unübersehbar ist die
Zahl der Felszeichnungen mit Sonnensymbolen, dargestellt als
Kreise und Räder zusammen mit den verschiedensten Arten von
Kreuzen. Anfangs verehrte man das vorrangig als Reittier genutzte
Pferd, das außerdem nach mythischen Vorstellungen die
Sonnenscheibe über den Taghimmel zog. Später kam die kultische
Verehrung von Vögeln, insbesondere des in Nordeuropa beheimateten
Singschwanes, auf. Einige Kulte der Bronzeleute werden auch im
Atlantisbericht beschrieben. Dazu gehören die aus der Frühzeit der
Menschheit überkommene Wertschätzung von Zwillingen, der Feuerkult
und Opferhandlungen mit heiligen Kesseln.
Eine der Ursachen für
das „Goldene Zeitalter“ war das Klimaoptimum im -2. Jahrtausend.
In keiner anderen Epoche der letzten 15.000 Jahre war die
Durchschnittstemperatur so hoch wie damals. Archäologen sprechen
von der „lichtdurchflossenen, wärmeliebenden Bronzezeit“, und so
verwundert es nicht, dass in Südschweden Wein angebaut wurde (32).
Trotz der viel milderen Temperaturen im nördlichen Mitteleuropa
gab es ganz sicher keine Elefanten. Es ist das einzige Detail in
Platons Überlieferung, für das die bedeutendsten Theorien eine
Erklärung schuldig bleiben. Zumindest erscheint eine Verwechselung
dieser Tiere mit Hirschen oder Auerochsen in diesem Teil Europas
recht glaubhaft (33).

Abb. 6: Aufbau des Zentrums der Insel Basileia,
rekonstruiert nach den Angaben Platons (Dialog „Kritias“):
Jenseits der
Säulen des Herakles
Platon zufolge
herrschten die Atlanter „seit vielen Menschenaltern“ nicht nur
über die Königsinsel Basileia und ihre unmittelbare Umgebung,
sondern auch über einige weitere europäische Küstenländer und
Inseln und sogar über Teile von Nordafrika: „Auf dieser Insel
Atlantis also entstand eine große und bewundernswerte Macht von
Königen, welche die ganze Insel beherrschte, sowie viele andere
Inseln und Teile des Festlandes. Außerdem beherrschten diese
Könige noch von den Ländern am Binnenmeer Libyen bis nach Ägypten
und in Europa bis nach Tyrrhenien“. Und der nachgeborene
Zwillingsbruder des Atlas „erhielt den äußersten Teil der Insel
von den Säulen des Herakles bis zum Gadeirischen Land“, das
demnach jenseits der Straße von Gibraltar lag.
Die erwähnten
Territorien gehören alle zum Verbreitungsgebiet der
Megalithkulturen während der Jungsteinzeit. So darf mit einiger
Sicherheit angenommen werden, dass auch die nicht erwähnten
Königreiche zu diesem Kulturkreis gehörten. Seit etwa -5000
siedelten von Norwegen bis Spanien und von Irland bis Deutschland
Menschen, deren religiöse Vorstellungen und kultische Bräuche sich
sehr ähnelten. Vor allem war bei ihnen die Sitte verbreitet, aus
tonnenschweren Steinen große Grab- und Wohnanlagen zu errichten.
Die Megalithleute bewohnten vorzugsweise küstennahe Regionen und
Inseln des Nordatlantiks. Eine Vorliebe hatten die alten
Baumeister für Rundtempel aus Holzpalisaden und meist kreisrunde,
seltener auch ovale Graben- und Wallanlagen. Diese Anlagen
spiegeln in ihrem Grundbauplan die „Trojaburg“ im Zentrum der
Insel Basileia wider, die aus insgesamt fünf konzentrischen Ringen
bestand. Eine spätere Variante der Trojaburgen mit labyrinthischen
Gängen ist besonders häufig in Südschweden anzutreffen.
Folgende Gebiete
können mit großer Wahrscheinlichkeit zum Einflussbereich der
Atlanter gezählt werden:
-
Das „Reich des
Atlas“: das Verbreitungsgebiet der nordischen Bronzekultur mit
dem Zentrum Althelgoland; ein weiteres astronomisches Zentrum
waren die Externsteine bei Detmold.
-
Das „Reich des
Gadeiros“: Südspanien um die Hafenstadt Cadiz (Gades); außerdem
Portugal; ein Zentrum war die südspanische Ortschaft Los
Milarres (ab -2900).
-
England und
Schottland; hier gibt es die größte Dichte an megalithischen
Kultanlagen; Zentren waren z. B. Stonehenge (1. Bauphase ab
-3100) und die Anlage von Avebury.
-
Irland; das
Gangkammergrab in New Grange ist das älteste erhaltene Bauwerk
der Welt (-3250).
-
Nordwestfrankreich
und Gebiete zwischen den Flüssen Garonne, Loire und Rhône;
Zentren waren die Steinreihen bei Carnac und steinzeitliche
Anlagen bei Gavrinis (ab -4800).
-
Nordafrika;
Atlasgebirge; Gebiet der Tuareg (Libyen).
-
Inseln des
westlichen Mittelmeeres (Balearen, Sardinien, Korsika, Malta)
und Küstengebiete am Tyrrhenischen Meer.
-
Atlantikinseln vor
der Straße von Gibraltar (Kanarische Inseln, Madeira).
-
Mitteleuropa;
Verbreitungsgebiet der Kreisgrabenanlagen; um -5000 erbaute
Kultanlagen, z. B. bei Goseck (Sachsen-Anhalt); Kyhna (Sachsen);
Osterhofen-Schmiedorf (Bayern).
Das Siedlungsgebiet
der Megalithleute erstreckte sich über ein riesiges Territorium
und war somit „größer als Libyen und (Klein-) Asien
zusammengenommen“. Es entstand nicht durch kriegerische Expansion
eines starken Kernlandes, sondern religiöse Vorstellungen, Bräuche
und Architekturideen fanden auf friedlichem Wege durch Händler und
Seefahrer Verbreitung und wurden so zum Allgemeingut dieser
Menschen.
Die
Megalithkulturen-Theorie hat in den letzten Jahren zunehmend an
Popularität gewonnen. Allerdings schlagen einige Anhänger nicht
die Insel „Basileia“ in der Helgoländer Bucht, sondern andere Orte
als Hauptzentrum vor. H. Tributsch favorisierte 1986 das Gebiet
rund um Carnac in der Bretagne, der Holländer de Meester dagegen
Stonehenge und seine Umgebung. Einen Nachteil haben diese von
Spanuth abweichenden Vorstellungen jedoch. Die erstgenannte
Hypothese kann den Untergang von Atlantis nur als Fata Morgana und
die andere gar nicht erklären.

Frühe Astronomen
und Erdvermesser
Die Seewege zwischen
den einzelnen Kulturen und vor allem die Fahrten zu den
entlegensten Inseln erforderten frühzeitig überdurchschnittliche
nautische Leistungen. Den Menschen der Jungsteinzeit und
Bronzezeit standen zwar keine modernen Navigationsin-strumente zur
Verfügung, doch sie waren ausgezeichnete Naturbeobachter. Sie
orientierten sich auf dem Meer tagsüber am Sonnenstand und des
Nachts an den jahreszeitlich vorherrschenden Sternbildern (46).
Wahrscheinlich nutzten sie schon den später bei den Wikingern
gebräuchlichen Sonnenkompass. Mit diesem einfach handhabbaren
Navigationsgerät konnte man ziemlich exakt während eines
bestimmten Jahresabschnittes zu jeder Tageszeit die Nordrichtung
feststellen (47).
Zunutze machten sie
sich ein über Jahrtausende hinweg von Priesterastronomen
angesammeltes Wissen. Gerade der europäische Norden bietet einige
ungewöhnliche Himmelserscheinungen, die dem Betrachter auf der
geografischen Breite des Mittelmeeres verwehrt bleiben:
-
Nördlich des
Polarkreises geht die Sonne über einen längeren Zeitraum nicht
auf bzw. unter.
-
Der Himmelspol steht
fast im Zenit. Daher kann nur ab ca. 65° n. Br. die Vorstellung
von der Himmelsstütze und vom Riesen Atlas entstehen, der das
Himmelsgewölbe auf den Schultern trägt.
-
Alle knapp 19 Jahre
treten extreme Mondstellungen auf, die auf einer nördlichen
Breite von ca. 61° auch von astronomischen Laien beobachtbar
sind. Dabei steht der Sommervollmond bei seiner Kulmination
extrem niedrig über dem Horizont bzw. berührt ihn (9 oder 10
Jahre später dagegen beträgt die Kulminationshöhe reichlich
10°). Ebenso wird der Wintervollmond alle 19 Jahre zirkumpolar.
-
Die Schifffahrt auf
langen Distanzen ist an der W-Küste Norwegens zwangsweise N-/S-gerichtet,
dagegen im Mittelmeer vorzugsweise O-/W-gerichtet. Die Abnahme
der Polhöhe von 71° in Nord-Norwegen bis auf 54° bei Helgoland
lässt daher eher den Gedanken an eine Kugelgestalt der Erde
aufkommen.
Es darf daher nicht
verwundern, dass Diodor von Sizilien über die Atlanter und ihre
astronomischen Fähigkeiten berichtet: „Atlas, der erste König auf
der heiligen Insel und Ahnherr des dort herrschenden Geschlechts
hat viel Mühe und Fleiß auf die Kenntnis der Gestirne verwendet
und mit großem Scharfsinn herausgefunden, dass der Himmelsbau eine
Kugel sei. Atlas ... hat die Bewegung der himmlischen Gestirne
erfasst und den Menschen offenbart. Dadurch entstand die Sage,
dass er den Himmel auf seinen Schultern trüge. ...Als ein
fleißiger Beobachter der Gestirne sagte er Vieles, was am Himmel
geschah, voraus. Das Volk lehrte er nach der Bewegung der Sonne
das Jahr, und nach der des Mondes die Monate bestimmen.“ (48).
Das astronomische
Wissen der Megalithleute war in der Tat erstaunlich. Sie kannten
die genaue Jahreslänge, unterteilten sie in 16 Monate zu je 22 und
23 Tagen und richteten ihre Steinsetzungen nach den Auf- und
Untergängen heller Sterne aus. Am bemerkenswertesten aber war ihre
Kenntnis des 18,6-jährigen Zyklus‘ bei der Abfolge der Mond- und
Sonnenfinsternisse. Diesen so genannten Meton-Zyklus kannten die
Erbauer der Stonehenge-Anlage mindestens seit -1800. Die Kenntnis
einer ähnlich langen Zeitdauer zur Finsternisberechnung, die
Sarosperiode, wird den Babyloniern erst um -600 zugeschrieben.
Ein anderer Anreiz zu
intensiver astronomischer Betätigung entstand durch den Übergang
unserer Vorfahren von der nomadischen Lebensweise zum Ackerbau. Um
den richtigen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte bestimmen zu können,
war erstmals die genaue Kenntnis des jährlichen Sonnenlaufs
erforderlich. Während es anfangs noch genügte, die Aufgangspunkte
zur Winter- und Sommersonnenwende mit einfachen Pfostenreihen zu
markieren, entstanden später runde Sonnentempel, in denen man an
ganz bestimmten Tagen im Jahr Feste feierte. Besonders verbreitet
waren die astronomisch orientierten Kreisgrabenanlagen und
mehrfachen Holzpalisadenringe in Mitteleuropa. Hier siedelten ab
-5300 die Bandkeramiker, die wahrscheinlich ersten Bauern auf
unserem Kontinent. Eine über mehrere Jahrtausende währende
Beschäftigung mit den Himmelsereignissen lässt sich im
mitteldeutschen Raum nachweisen. Um -5000 wurde die
Kreisgrabenanlage in Goseck errichtet, und nicht weit davon
entfernt legte man um -1600 einem hohen Würdenträger der
Aunjetitzer Kultur die berühmte Sternscheibe von Nebra ins Grab.
Bewundernswert sind
ebenfalls die vermessungstechnischen Fähigkeiten dieser Menschen
in so früher Zeit. Sie wahrten bei ihren Steinsetzungen und
Kreisgrabenanlagen bestimmte Proportionen, die bei Umfang und
Durchmesser runde Maßzahlen in ihrem Maßsystem ergaben. Die
praktische Anwendung des Lehrsatzes des Pythagoras war ihnen
bereits vertraut, wie beispielsweise Steinsetzungen in Odry
(Westpreußen) und in der Bretagne zeigen (49). Es wurden sogar
vorgeschichtliche Heiligtümer über große Entfernungen hinweg
geradlinig oder in einem besonderen Winkel zueinander angeordnet.
Während in Südengland schon seit längerer Zeit so genannte
Ley-Linien aufgespürt wurden, gelangen K. Bedal und H. Zschweigert
ähnliche Entdeckungen vor einigen Jahren auch in Oberfranken und
Schleswig-Holstein (50). Die vorgeschichtlichen Vermesser
benutzten beim Errichten ihrer Bauwerke eine einheitliche, von A.
Thom nachgewiesene Maßeinheit, das „Megalithische Yard“ (MY) von
etwa 83 cm Länge (51). Wahrscheinlich wurde bereits für größere
Distanzen die später auch in Griechenland gebräuchliche Maßeinheit
„Stadion“ (ca. 185 m) verwendet und der Erdumfang mit 216.000
Stadien bestimmt (52). Sollte dieses erstaunliche Wissen
tatsächlich vorhanden gewesen sein, dann ist die Vermessung der
2000 mal 3000 Stadien große Ebene sicherlich von den dort lebenden
Menschen selbst vorgenommen worden. Auch wenn eine
Überinterpretation archäometrischer Fakten nie ganz auszuschließen
ist, so dürften doch die mathematischen und astronomischen
Fähigkeiten dieser Menschen höher gewesen sein als noch vor
Jahrzehnten angenommen.

Der Untergang
Die verhältnismäßig friedliche, von größeren kriegerischen
Auseinandersetzungen freie Periode ging ab der Mitte des -13.
Jahrhunderts durch eine einsetzende Trockenheitsperiode und die
darauf folgenden Abwanderungen der frühen Urnenfelderleute zu
Ende. Als die erste Auswanderungswelle zwischen -1230 und -1220
Griechenland erreichte, ereignete sich an der Nordseeküste eine
furchtbare Naturkatastrophe. Auf diese machten schon 1844 der
dänische Forscher E. Forchhammer und 1910 der deutsche Geologe D.
Wildvang aufmerksam. Sie rekonstruierten eine mindestens 20 Meter
hohe Flutwelle, die demnach drei Mal höher war als die schlimmsten
Sturmfluten, die wir aus den letzten Jahrhunderten kennen. Mehrere
Brandungswälle wurden an den Küsten aufgerichtet, und eine
Geröllschicht von 100 dänischen Quadratmeilen (über 5000 km²)
bedeckte das Landesinnere. Neben der Zerstörung der
Hauptbernsteininsel Althelgoland-Altsüdstrand und vieler
fruchtbarer Marschen wurde die gesamte Westküste
Schleswig-Holsteins um etwa 60 km nach Osten hin verschoben (58).
Das Zentrum von Atlantis versank „an einem Tag und einer Nacht
voller entsetzlicher Schrecken“. Wahrscheinlich wurde diese
extreme Nordsee-Sturmflut ausgelöst durch den Einschlag eines
Asteroiden im „Helgoländer Loch“ vier Kilometer südlich der
Felseninsel. Die alte griechische Legende vom Sturz des Phaéthon,
die vom römischen Dichter Ovid in seinen „Metamorphosen“
verarbeitet wurde, berichtet von einer „feurigen Kugel“, die in
die Mündung des Bernsteinflusses Eridanos gestürzt sei (59).
Vermutlich ist das 56 Meter tiefe „Helgoländer Loch“ ein
inzwischen mit Sedimenten bedeckter untermeerischer
Einschlagkrater. Es gibt aber noch weitere Hinweise auf ein
Impaktereignis. Nach dem Einschlag schien alten Überlieferungen
zufolge einen Tag lang nicht die Sonne, und die längere Zeit
wütenden Brände waren unerträglich für die Menschen. Auch ein
durchgängiger Brandhorizont in den Mooren der Norddeutschen
Tiefebene bestätigt eine umfassende Katastrophe um -1200. Es muss
dabei ein orkanartiger Sturm getobt haben, denn unzählige der als
standhaft geltenden Eichen wurden entwurzelt. Archäologen fanden
verkohlte Überreste dieser Bäume in Schleswig-Holstein und im
Emsland (60). Schließlich berichten die altisländischen „Edden“
von einem dreijährigen Fimbulwinter im Anschluss an „Ragnarök“,
dem Weltuntergang in der Mythologie der alten Germanen.
Vor der schleswigholsteinischen Westküste breitete sich danach das
heute noch jede Schifffahrt behindernde Wattenmeer aus. „Die
ungeheuren Schlammmassen, die die versinkende Insel anhäufte“,
finden so eine einleuchtende Erklärung. Durch die furchtbare
Katastrophe bildete sich die so genannte Lundener Nehrung, die den
alten Flusslauf der Eider nahe der heutigen Mündung versperrte.
Deshalb wurde eine Fahrt in das „jenseitige Meer“ von nun an
unmöglich.
Atlantis soll in einer Zeit „entsetzlicher Erdbeben“ versunken
sein. Diesen Aspekt konnten Naturwissenschaftler ebenfalls
belegen. Am Ende des -13. Jahrhunderts kam es nahezu zeitgleich
zum Ausbruch mehrerer Vulkane im Mittelmeerraum, zu einer
Erdbebenserie im Nahen Osten und zur „Deukalionischen Flut“, die
Griechenlands Küsten heimsuchte. Auch im geologisch ruhigen
Nordseegebiet löste der Einschlag des Phaéthon laut Überlieferung
ein Erdbeben aus, denn im Mündungsgebiet des Eridanos „erbebte
die Erde und sank um ein weniges tiefer“ (61).
Das von Platon so plastisch geschilderte Leben der Bronzeleute
sollte nach den Überschwemmungen und der anhaltenden
Klimaverschlechterung nicht mehr auf dieser Kulturhöhe
fortbestehen. Die danach im Gebiet der nordischen Bronzekultur
verbliebene Bevölkerung trug maßgeblich zur Herausbildung
germanischer Stämme bei.
In den ersten eisenzeitlichen Jahrhunderten senkte sich der
Meeresspiegel der Nordsee infolge der allgemeinen Abkühlung und
anderer Faktoren. In der Helgoländer Bucht tauchten allmählich
wieder zahlreiche Inseln auf. Ihre durchgängige Besiedlung
wenigstens seit dem -4. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert
bezeugen antike Reiseberichte und mittelalterliche Chroniken:
-
In der Aithiopika, einem altgriechischen Epos, ist die Nachricht
überliefert, dass an der Stelle, wo einst Atlantis lag, später
wieder sieben kleine und drei große Inseln besiedelt gewesen
seien. Die Bewohner hätten die von ihren Vorfahren überkommene
Erinnerung an Atlantis bewahrt (62).
-
Erwähnt werden 23 „Elektriden“ und eine Hauptbernsteininsel „Basileia“
(im Keltischen „Abalus“ = Apfelinsel) im Zusammenhang mit einer
Seereise des griechischen Forschungsreisenden Pytheas von
Massalia. Er gelangte um -350 unter anderem bis zur Elbmündung.
-
Im Jahre 16 geriet eine vom Feldherrn Germanicus geleitete
Flottenexpedition nahe der jütischen Halbinsel in Seenot. Die
römischen Legionäre betraten die wegen des Bernsteins so
genannte Insel „glaesaria“.
-
Dem Bischof und Chronisten Adam von Bremen zufolge nahm
Helgoland im 11. Jahrhundert noch eine Fläche von 12 mal 6 km
ein. Bei einer der vielen Sturmfluten im späten Mittelalter
wurde das östliche Gebiet abgetrennt und bildete fortan die
selbstständige Insel „Südstrand“. Diese ging sehr wahrscheinlich
während der „Großen Manndränke“ im Jahre 1362 unter. Auf einer
Wattenkarte des Husumer Kartografen Johannes Mejer aus dem Jahre
1652 ist die ursprüngliche Lage der mittelalterlichen Inseln „Helgolandt“
und „Suderstrand“ noch gut erkennbar.
-
In der Neujahrsnacht 1720/21 wurde die Felseninsel durch eine
Sturmflut von der „Düne“ getrennt. Beide Teile nehmen heute
zusammen eine Fläche von etwa zwei Quadratkilometer ein, das ist
etwa 1/200 der vermutlichen Größe der bronzezeitlichen „Königs-
und Säuleninsel“ Basileia.
Die im letzten Krieg schwer gezeichnete, aber nach 1952 neu
bebaute Hochseeinsel zieht wieder viele Besucher an. Ein Blick vom
Oberland in Richtung Düne lässt heute kaum noch den Gedanken an
eines der bedeutendsten Handels- und Kultzentren der Bronzezeit
aufkommen. Als einzige Erinnerung daran ist nur der Name
„Helgoland“ – Heiliges Land – geblieben.
Seit Platons Zeiten beflügelte die Legende von Atlantis
menschliche Fantasie und Forscherdrang. Die archäologischen
Entdeckungen des vorigen Jahrhunderts brachten schließlich die
entscheidenden Erkenntnisse, die der Forscher Jürgen Spanuth in
einer wissenschaftlich fundierten Theorie zusammenfassen konnte.
Die Lösung des alten Rätsels führte überraschenderweise zu unseren
eigenen, erstaunlich hoch entwickelten Vorfahren und ihren
europäischen Nachbarn. Die wertvollen frühgeschichtlichen
Überlieferungen über die Atlanter, Phäaken und Hyperboreer werden
dazu beitragen, die Lebensweise dieser Menschen besser zu
verstehen.
Zusammenfassung
Platons
Atlantislegende kann als weitestgehend enträtselt gelten. Trotz
vieler neuer Hypothesen, die in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts aufgestellt wurden, ist weiterhin nur die Theorie von
Jürgen Spanuth in ihren Hauptaussagen stichhaltig. Sie kann als
Einzige unter anderem den Kriegszug der Atlanter gegen die damals
mächtigsten Länder des östlichen Mittelmeergebietes befriedigend
erklären. Folgende Erkenntnisse dürften beim gegenwärtigen
Wissensstand der Wahrheit nahe kommen (63):
1) Alle Geschehnisse,
die mit dem Untergang von Atlantis im Zusammenhang stehen,
ereigneten sich um -1200 (-1250 bis -1150).
2) Platons Beteuerung,
er habe die Informationen (über Zwischenstationen) von Solon
erhalten und dieser wiederum von ägyptischen Priestern in Sais,
ist äußerst glaubwürdig. Noch heute sind Dokumente zugänglich
(Papyrus Harris, Wandreliefs im Totentempel Ramses‘ III. in
Medinet Habu), die ganz ähnliche Ereignisse, wie im
Atlantisbericht beschreiben.
3) Die Atlanter
befanden sich unter den Nord- und Seevölkern, die um -1200 im Zuge
der „Großen Wanderung der frühen Urnenfelderleute“ Ägypten und
andere Länder angriffen.
4) Ein Teil der Nord-
und Seevölker kam aus Mitteleuropa und dem Gebiet der nordischen
Bronzekultur.
5) Am Ende der
Bronzezeit versanken in der Deutschen Bucht zahlreiche Marschen,
Inseln und Teile der jütischen Halbinsel. Nur hier kann sich
Atlantis (im engeren Sinne) befunden haben.
6) Basileia, die
„Heilige Insel“ der Atlanter, war eine größere zusammenhängende
Insel, die sich vom heutigen Helgoland bis zur ehemaligen Insel
„Südstrand“ erstreckte.
7) Basileia ist mit
hoher Wahrscheinlichkeit identisch mit der Phäakeninsel „Scheria“
(in Homers „Odyssee“) und der Insel „Helixoia“ bzw. „Elektris“ in
den Sagen über die Hyperboreer.
8) Als
Untergangsursache für die Gebiete in der Deutschen Bucht kommt der
Einschlag eines Asteroiden um -1220 in Frage (der Beweis durch
Fachwissenschaftler steht allerdings noch aus). Damit könnte auch
die griechische Sage vom „Sturz des Phaéthon“ eine
naturwissenschaftliche Erklärung finden.
Wo lag Atlantis bzw.
welche Gebiete umfasste Atlantis? Mit „Atlantis“ bezeichnete
Platon drei unterschiedliche Gebiete:
1) Die Insel „Basileia“
als Zentrum von Atlantis; 127 Stadien (etwa 23 km) im Durchmesser:
die bronzezeitliche Insel Althelgoland/Altsüdstrand.
2) Das „Reich des
Atlas“; die 2000 mal 3000 Stadien (ca. 370 km mal 560 km) große
Ebene mit einem Gebirge im Norden: das Gebiet der nordischen
Bronzekultur.
3) Der „Kulturbereich
der Atlanter“, d. h. die zehn Königreiche insgesamt; das Gebiet
war „größer als Libyen und (Klein-) Asien zusammengenommen“: das
Verbreitungsgebiet der Megalithkulturen in der Jungsteinzeit.
Wahrscheinlich ist auch das Verbreitungsgebiet der Bandkeramiker
in Mitteleuropa hinzuzurechnen.
Darüber hinaus flossen
in den Atlantisbericht möglicherweise Informationen über Gebiete
ein, die man nicht zu Atlantis (1.-3.) zählen kann, z. B. über
transatlantische Stützpunkte.
Atlantis (im weitesten
Sinne) existierte somit von ca. -5000 bis ca. -1220 und umfasste
vor allem diejenigen europäischen Gebiete, in denen astronomisch
orientierte Megalithbauten und große Kreisgrabenanlagen errichtet
wurden. Zu den wichtigsten archäologischen Funden aus der
Bronzezeit kann man den „Sonnenwagen von Trundholm“ und die
„Sternscheibe von Nebra“ zählen (etwa Mitte -2. Jahrtausends).
Wichtige Entdeckungen,
die noch nicht allgemein anerkannt sind
a) Kupfererz wurde
(wenigstens) seit der Bronzezeit auf Helgoland abgebaut und
verhüttet. (J. Spanuth 1953, W. Lorenzen 1965).
b) Herausgehobene
Personen der Gesellschaft benutzten bereits in der Bronzezeit im
Gebiet des nordischen Kreises eine Alphabetschrift (Proto-Tifinagh-Schrift,
B. Fell 1982).
c) Bereits zu Beginn
des -2. Jahrtausends waren Seefahrer aus einigen an die Nordsee
grenzenden Ländern in der Lage, den Atlantik zu überqueren und
Amerika zu erreichen (B. Fell 1982).
Ausblick
Der Streit um Atlantis
wird sicherlich noch einige Jahrzehnte andauern, weil sich Platons
Dialoge nicht in allen Abschnitten eindeutig auslegen lassen.
Allmählich wird sich aber die Vorstellung von einem „Atlantis im
Norden“ durchsetzen. Dazu tragen auch solche Aufsehen erregenden
Funde wie die Sternscheibe von Nebra bei, die das Interesse der
Archäologen an den frühen europäischen Hochkulturen spürbar
verstärkt hat. Es ist zu erwarten, dass durch zukünftige
Entdeckungen auch einige noch verbliebene Rätsel des
Atlantisberichts gelöst werden können.
Literatur
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Gegenwart, Heft 2, 1993, Tübingen
Anmerkungen
1) Platon, Dialog
Kritias 108d – 121c, Dialog Timaios 19b – 27, zitiert u. a. bei
Spanuth 1977, S. 445 ff.
2) Sachliche
Erörterung und Gegenüberstellung der wichtigsten Atlantistheorien
bei G. Gadow 1973, A. Franke 1978 und G. Kehnscherper 1978.
3) 9000 Jahre vor
Solon soll Atlantis noch existiert haben und der Krieg zwischen
den Atlantern und den Völkern im östlichen Mittelmeerraum
ausgebrochen sein; zur Zeit einer ägyptischen Reichsgründung
(angeblich 8000 Jahre vor Solon) war Atlantis laut Überlieferung
schon untergegangen.
4) Außerdem bei
Plutarch (46 – 120): „Die Ägypter rechnen einen Monat für ein
Jahr“. Diodor von Sizilien schreibt von den Ägyptern: „In alter
Zeit, als die Bewegungen der Sonne noch nicht bekannt waren,
pflegte man das Jahr nach dem Lauf des Mondes zu berechnen.
Folglich bestand das Jahr aus 28 Tagen ...“, s. a. Spanuth, 1977,
S. 25 – 26.
5) Franke, S. 11 - 19,
Spanuth, 1977, S. 18 – 21. Mit dieser engen zeitlichen Eingrenzung
entfallen auch alle Hypothesen, die den Untergang von Atlantis
erst in die Eisenzeit nach -1000 verlegen wollen.
6) Spanuth 1953, S. 31
und Spanuth, 1977, S. 29 ff.
7) Auch gegenwärtig
wird manchmal noch die unhaltbare Meinung vertreten, dass es sich
um Piraten aus dem ägäischen Raum handeln müsse, siehe „Spiegel“
Nr. 53/1998, „Das Puzzle des Philosophen“, S. 165; die „Große
Wanderung der frühen Urnenfelderleute“ wurde früher auch als
„Dorische Wanderung“ bezeichnet.
8) „Haunebu“ bedeutet
so viel „Hafenbauer“ (oder „Haffbewohner“); vgl. H. auch mit dem
Namen „Haithabu“ (Stadt im Mittelalter bei Schleswig).
9) Spanuth, 1977, S.
32 f.; Strohmeyer, S. 77.
10) Zschweigert 1993,
S. 38.
11) Der von einigen
Forschern als Kanalbau der Wikingerzeit angesehene Ko-Graben
südwestlich von Schleswig wurde möglicherweise auch in der
Bronzezeit genutzt; s. a. K. Goldmann.
12) Spanuth 1953, S.
86.
13) Das Schlammmeer
wurde durch Anhänger der Thera-/Kreta-Theorie auch als
Bimsstein-Meer gedeutet, das als Folge der Santorin-Explosion
entstand; Anmerkung: Ein an der Oberfläche schwimmender
Bimsstein-„Teppich“ lässt sich erwiesenermaßen mit einem Schiff
durchfahren; außerdem hätte er zu Platons Zeit schon längst nicht
mehr existiert.
14) Spanuth 1953; S.
95 – 101.
15) Spanuth 1980, S.
116; nachlesbar in „Suda“ (bzw. Suidas), einem umfangreichen
griechisch-byzantinischen Wort- und Sachlexikon, das um 1000
entstand.
16) Andere Deutungen
für Oreichalkos: Messing (P. Borchardt u. v. a), Stahl (U. Topper),
Rotgold (C. Wagenseil), Legierung aus Kupfer/Silber (F. Netolitzky),
Kupfer-Nickel-Arsen-Verbindung (J. Rittstieg),Obsidian (S. Schoppe).
17) Um Spanuths
Ansichten zu widersprechen, stellten 1953 der Kieler Geologe K.
Gripp u. a. Wissenschaftler die Behauptung auf, dass es auf
Helgoland niemals Kupfer gegeben habe; s. a. Kehnscherper 1983, S.
16; Spanuth 1977, S. 42 f.; Spanuths Untersuchungen wurden
bestätigt von den deutschen Metallurgen H. Otto (1948) und W.
Witter (1948), dem französischen Archäometallurgen J. R. Maréchal
(1959) sowie dem Flensburger Chemiker W. Lorenzen (1965).
18) H. Zschweigert in
Meier, G., 1999, S. 62-75.
19) Spanuth 1977, S.
364 ff., Kehnscherper 1978, S. 84 f.
20) Odyssee 5, 269 f.,
zitiert bei Spanuth 1977 S. 378.
21) Heutige
Sternkarten sind für die Rekonstruktion des Segelkurses um -1300
zu ungenau wegen der fehlenden Berücksichtigung der Präzession der
Erdachse; s. a. Bartholomäus; Meier/Zschweigert S. 362 f.
22) Bei einer anderen
Deutung wird „Scheria“ von „Schera“ (d. h. „Handel“ im
Phönizischen) abgeleitet.
23) Weitere
Lokalisierungen für Scheria: i. a. Korfu; Penzance (Cornwall; H.
Steuerwald 1981).
24) Drößler, S. 177
f.; Spanuth 1977, S. 129 – 132, Spanuth 1980, S. 57 f., S. 79 f.
25) Gadow, S. 142 f.
26) Gadow, S. 138 ff.;
Kehnscherper 1978, S. 108 – 110.
27) (Eigenbericht)
Hamburger Echo vom 15.9.1951.
28) Eine C14-Datierung
der Funde ergab einen Herstellungszeitraum im frühen Mittelalter.
Das ist allerdings zweifelhaft, weil dann der Verhüttungsplatz
vier bis sechs Meter unter Wasser gelegen hätte. S. a. Spanuth,
1980, S. 158 f.
30) Gadow, S. 116 f.
31) S. a. Spanuth,
1953, S. 133 f.
32) Gadow, S. 77 – 79;
Spanuth 1977, S. 284.
33) Im Griechischen
könnte „élaphos“ (Hirsch) mit „eléphas“ (Elefant) verwechselt
worden sein; „Elefant“ könnte aber auch vom gemeinindogermanischen
„elebhant“ abstammen (d. h. ursprünglich Urstier bzw. Auerochse);
s. a. Gadow, S. 118 – 127; Spanuth 1977, S. 180 – 185.
34) Spanuth 1953, S.
101 – 105; Spanuth 1965, S. 361 – 385; Lorenzen; Kehnscherper
1983, S. 17.
35) P.M.-Magazin Nr.
4/1996, „Schatzsuche im ältesten Wrack der Welt“, S. 34 ff.,
Deutung des Autors C. Roland: Kupfer von Zypern, Bernstein von der
Ostseeküste, Zinn aus Afghanistan.
36) Spanuth, 1977, S.
115 bzw. 471.
37) Fischer, S. 229
und Fell/Maass, S. 21 ff.
38) Fell/Maass, S. 44
f.; die bronzezeitlichen Vorfahren der Kelten benutzten hingegen
ein anderes, als „Ogam Consaine“ bezeichnetes Alphabet.
39) Fischer, S. 235 f.
40) Im Bezirk Tanum (Bohuslän/schwedische
Ostseeküste südlich der norwegischen Grenze) befindet sich bei
Fossum das 1951 gegründete erste Felsbildmuseum der Welt; weitere
Freilichtmuseen in Grebbestad und in den Ortschaften der Umgebung.
41) Gadow, S. 126;
Spanuth 1977, S. 183.
42) B.Fell / H.Maass,
S. 47.
43) Stender.
44) Sudhoff; Anm.:
sämtliche Atlantiküberquerungen vor den Wikingern sind noch immer
umstritten.
45) Kehnscherper 1978,
S. 66.
46) Bartholomäus, S.
54 – 65.
47) Meier, Zschweigert,
S. 379 – 381; Thirslund.
48) Diodor von
Sizilien, 3. Buch, 56; zitiert in Spanuth 1977, S. 210 f.; statt
Atlas wird manchmal auch Uranos als Ahnherr der Atlanter
angesehen.
49) Müller.
50) K. Bedal; S. 67
ff., Meier/Zschweigert, S. 259 ff.
51) Das „Megalithische
Yard“ (manchmal auch als „Megalithische Elle“ bezeichnet) hat
offenbar die Vorgeschichte überdauert. Im Entdeckungszeitalter war
noch die spanische Vara (83,6 cm) gültig. Einige spanisch
beeinflusste Länder Amerikas übernahmen die Vara ebenfalls (Mexiko
83,8 cm, Texas 84,7 cm,Peru 83,9 cm). Die Bayerische Elle (83,3
cm) war bis zur Einführung des Meters in Gebrauch.
52) Ein Kreis von 1
Stadion Durchmesser hat 700 MY Umfang. Die vorgeschichtliche
Rennbahn nahe Stonehenge hatte eine Länge von genau 15 Stadien (in
anderen Maßeinheiten keine runde Maßzahl); s. a. H. Zschweigert in
Meier 1999, S. 507-512.
53) Schlosser, S. 192.
54) Kehnscherper 1978,
S. 123.
55) Briefliche
Mitteilung von H. Zschweigert an den Verfasser vom 22.7.2004.
56) Probst; S. 343;
Spanuth 1953, S. 68.
57) Auch neuere
Hypothesen wie die von E. Zangger (Troja), A. Hausmann (Sizilien),
S. Schoppe (Schwarzes Meer) und R. Kühne/W. Wickboldt (S-Spanien
nahe der Mündung des Guadalquivir) schneiden im Vergleich zu
Spanuths Theorie nicht besser als die Tartessos-Hypothese ab, aber
zumindest das jungsteinzeitliche/bronzezeitliche S-Spanien steht
im Zusammenhang mit Atlantis (das „Gadeirische Land“).
58) Spanuth 1953, S.
26 – 37; 1977, S. 273 – 278.
59) Spanuth 1965, S.
167 – 210; Meier 1999, S. 79 – 82; Bischoff.
60) Briefl. Mitteilung
von H. Zschweigert am 16.9.1992 an J. Spanuth über einen Besuch im
Moormuseum in Groß Hesepe.
61) In den
„Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid, zitiert in Drößler,
S. 176 f.
62) Spanuth 1980, S.
114; ein ähnliches Schicksal erlitt die im Mittelalter etwa 25 km
lange bogenförmige Insel Alt-Nordstrand, die nach einer schweren
Sturmflut im Jahre 1634 in zwei größere Inseln ( Nordstrand,
Pellworm ) und mehrere kleine Inseln zerfiel.
63) S. a. Spanuth
1980, S. 5 f.; ähnliche Ansichten bei Kehnscherper 1978, S. 122
f.; Strohmeyer S. 41 f.; Rathjen. |