Flüsternd um die Welt

Neuer Digimode von Joe Taylor, K1JT.
Ein Rückblick nach einem Jahr WSPR.

Weak Signal Propagation Reporter

Ein Rückblick zum einjährigen Jubiläum

Nach einer Idee von Murray, ZL1BPU, stellte Joe, K1JT, am 10.03.2008 die erste Version (0.2) der Öffentlichkeit zum Testen vor. Damals noch MEPT_JT (Manned Experimental Propagation Test) genannt, ließ sich diese Version nur über die Kommandozeile steuern oder man verwendete dafür eine Batch-Datei. Die Ausgabe erfolgte im Konsolenfenster. Eine GUI-Version gibt es erst seit 0.4. Empfangsberichte wurden per E-Mail ausgetauscht oder in Mailinglisten veröffentlicht. Andy, K3UK, ergriff dann die Initiative und stellte zusammen mit Joe, N8FQ, eine Sked-Plattform bereit. Ab 29.03.2008 konnte man seine Meldungen in die Datenbank von N8FQ hochladen, über ein zusätzliches Skript sogar schon automatisch. Der Traffic war unerwartet hoch, so dass der Webhoster am 03.04.2008 die Notbremse zog und die Seite abschaltete. Die Daten wurden gerettet und am darauf folgenden Tag konnte Bruce, W1BW, auf seinem Server den Betrieb fortsetzen. Der weitere Versionsverlauf ist in der rechten Spalte zu sehen. Seit Version 0.3 wurde das Programm in WSPR umbenannt.

Aktivitäten

Mittlerweile befinden sich über 4 Millionen Meldungen in der Datenbank. Wie viele Stationen sich daran beteiligten lässt sich heute nicht mehr ermitteln, da in der DB-Statistik die Liste der "distinct calls" nicht mehr abrufbar ist. Sie war auch nur ansatzweise zu gebrauchen, da dort auch alle "false decodes" aufgelistet wurden. Viele OM's waren nur einige Tage dabei, andere sind von Anfang an bis heute präsent. Durch Veröffentlichungen in deutschen Rundsprüchen und Fachzeitschriften in letzter Zeit haben mehr Funkamateure aus Deutschland WSPR zu Kenntnis genommen. Auf den Bändern sind die Signale, wenn überhaupt, nur als 2-minütiger Träger wahrnehmbar.
Die regionale Verteilung beschränkt sich naturgemäß auf die großen Amateurfunkballungsgebiete. Die Antarktis mit DP0GVN bzw. DP1POL (Neumayer III) ist seit 2009 eine echte Bereicherung. ET3AA (ZL1RS) ist wieder nach ZL zurückgekehrt, T61AA (VK1UN) ist immer noch sehr aktiv, ebenfalls 9V1LF (KL1X), als Reporter auch unter BY3AKL1X.
Rufzeichen wie z.B. AT3PY, AR3AN, AR2JQ, AR3FI, AT3OL, AR3OU, AR3CB, AAT3NT und M3EVA auf 3279 kHz (außerhalb de 80-m-Bandes) sorgten im Januar 2009 kurzzeitig für Verwirrung. Es waren MARS-Stationen (Military Affiliate Radio System) mit verkürzten MARS-Rufzeichen, die das System für ihre Zwecke getestet haben.
Durch die eingeführten SAD (Special Activity Days) sind auch auf wenig frequentierten Bändern häufiger Meldungen zu sehen. Die momentan aktiven Stationen sind hier nach Bändern aufgelistet.
Der Aktivitätsverlauf und andere Statistiken vom März 2008 bis heute sind hier verfügbar.

False decodes

Falsche Decodierungen sind ein immer wieder auftretendes Problem. Wer wenig Erfahrung mit der Struktur von Rufzeichen hat, wird diese nur mit Mühe erkennen.

Sendeleistung - Pout, ERP oder IERP?

Diese Frage wurde auf WSPRnet.org öfter diskutiert. Man sollte die Ausgangsleistung des Senders angeben. Nur so lassen sich Antennenvergleichsmessungen durchführen. Die Ausgangsleistung des Senders lässt sich mit hinreichender Genauigkeit messen, wogegen sich die ERP nur grob schätzen lässt.
Angemeldete User bei WSPRnet.org können dort im persönlichen Profil ihre Antennendaten hinterlegen, die den Meldungen aber nicht zugeordnet werden.

Nutzerfehler

Oft tauchen in den Meldungen falsche Frequenzen auf. Man hat dann einfach vergessen nach dem Bandwechsel die Frequenz im Programm zu ändern. Oder es wird eine andere Frequenz angegeben als am Transceiver (USB) eingestellt.

Hinweis: Die Frequenzangaben im Programm erzeugen aus der Differenz nur die entsprechende NF-Frequenz zur Modulation des USB-Signals.

Anwendungen von WSPR

Das Sammeln von Daten ist die eine Seite. Man freut sich eben, dass man mit seiner bescheidenen Anlage in DX gehört wird, auch zu solchen Zeiten, zu denen man eine Ausbreitung nicht vermutet hätte.
F6IRF ist einer der wenigen, der sich tiefgründiger mit der Auswertung der Daten beschäftigt hat. Interessant ist auch sein Nachweis einer asymmetrischen Ausbreitung auf 160 m. G4ILO beschreibt den Vergleich seiner Magnetic Loop mit einem Dipol unter Dach.
Andere begannen bereits im Mai 2008 WSPR ohne Transceiver und PC zu realisieren. DL6NL (Foto), G3ZJO (solargespeist), SM6LKM (Beschreibung und Download), DL6JAN und IZ1KXQ (Foto und Beschreibung).

WSPR als QSO-Modus

In der Anfangszeit wurde bereits der Wunsch nach einem Modus laut, um direkt auf die Bakensendungen antworten zu können. Dieser QSO-Modus wurde später Bestandteil von WSJT, er konnte sich jedoch bis heute nicht durchsetzen. Wahrscheinlich liegt es an der langen Übertragungszeit (doppelte Länge im Vergleich zu JT65) ohne nennenswerten Vorteil und an der schlechten Auffindbarkeit im Wasserfall. Heutige WSPR-QSOs sind meistens Skeds. K1JT wird diesen Modus in der nächsten WSJT-Version möglicherweise wieder entfernen.


Ein Jahr WSPR ...
... und die Aktivität ist immer noch bemerkenswert. Einen solchen Zeitraum haben manch andere Digimodes nicht überlebt.
Wir können auf weitere Entwicklungen gespannt sein.

73, Wilfried