Ich hatte ja allen Unkenrufen zum Trotz versucht, eine große Dreiwegebox aus TIW400, AL200 und KE25SC zu entwickeln. Seitdem ich Boxsim benutze, werkel ich daran rum. März 2006 hatte ich eine Weiche, die sowohl mit TIW400 als auch mit TIW360 funktioniert. Das hab ich damals dann einfach mal mit billigen Spanplatten modular aufgebaut. Damals sah das so aus (ja, da hatte ich noch nicht genug Schrauben):
Die Weichenaufbauten haben sich bis heute nicht geändert, ich hab lediglich außen an der Box bzw. an den Polklemmen des Hochtöners einen Spannungsteiler vorgesetzt, nachdem die KE25SC laut einer erneuten Messung ein Stück lauter ist als angenommen. Das war vielleicht auch tatsächlich zu hören, wir schoben das zuvor eher darauf, daß der Hochtöner nicht versenkt eingebaut ist. Inzwischen glaub ich kaum, daß man das so deutlich hört. Außerdem hab ich den AL200 gegen den GF200 ausgetauscht, was mir rein optisch schon viel besser gefällt. Zusätzlich haben Hoch- und Mitteltöner Plätze getauscht, damit der Hochtöner auf Ohrhöhe liegt und nicht einen Viertelmeter drüber. Den Unterschied hört man. Zur unterschiedlichen Klangfarbe kann ich jetzt nichts mehr sagen, aber es spielte sich irgendwie alles zu weit oben ab, als der Hochtöner noch ganz oben war. Die TIW360 werde ich in diesen Boxen nicht mehr verwenden, daher hab ich sie erstmal weggepackt. Inzwischen sehen die Kübel also so aus:
Was man hier nicht sieht, sind die nachträglich eingebauten Baßreflexröhren hinten unten, zwei pro Box. Das sind einfach in grob gesägte Ausschnitte gehämmert Abwasserrohre. Dafür kommt man mit dem gesamten Arm durch, falls man mal eine Matte Dämmaterial braucht und nichts mehr frei ist (bereits passiert). So braucht man nichts aufschrauben. Die folgenden Bilder zeigen den aktuellen Entwicklungsstand in Boxsim 1.03. Frequenzgang auf Achse (oben), Energiefrequenzgang (unten), Frequenzgang auf Achse bei verpoltem Mitteltöner (gestrichelt). Warum die Weiche so murksig verdrahtet ist … dazu weiter unten mehr.
Zugegeben, mit einem Impedanzminimum von etwa 2,5 Ω eine etwas niederohmige Box, aber der Impedanzschrieb ist recht linear (das war eher ein Versehen). Der Frequenzgang sieht ziemlich gut aus, die Phase dürfte auch passen (wie wichtig auch immer das sein mag), der Energiefrequenzgang bestätigt meiner Meinung nach bereits meine andere Meinung, nämlich daß diese Chassiskombination funktioniert. Freilich gibt es Boxen mit gleichmäßigerer Bündelung, aber so mies wie mir prophezeit wurde, ist es bei weitem nicht ausgefallen.
Tatsächlich hat aber bis jetzt untenrum deutlich was gefehlt. Ich bin stundenlang vor den Boxen gesessen und hab mir eine CD nach der anderen auf den Kübeln und auf den Voces angehört. Einerseits hatte der Kübel immer eine unbegrenzte Baßgewalt, was auch kaum verwunderlich ist, andererseits wurde er selbst von der Alto II eingestampft, die ich zwischenzeitlich auch danebenstehen hatte. Logisch, wenn man sich etwas anhört, wo nur Baß vorkommt, ein Kontrabaßsolo zum Beispiel, dann kommt das natürlich mit dem erwarteten Baßdruck. Den Kübeln fehlte es aber extrem an Grundtonwärme. Vox 200, Alto II und auch Kopfhörer klangen immer viel wärmer. Ich hab mir während der ganzen Zeit, in der die Kübel nun da oben im Dach stehen, den Kopf darüber zerbrochen, woran das liegen kann. Sollte der Mitteltöner durch die Einzelanordnung wirklich soviel mehr Energie in den Raum abgeben, als die beiden TI100 in der Vox? Die Vox-Reihe hat eine deutliche Zunahme der Bündelung etwa ab der Übernahmefrequenz zwischen Tief- und Mitteltöner. Klingt sie dadurch dunkler? Ist der Diffusschall im Mittel- und Hochton soviel geringer als im Baß, daß dadurch dieser krasse Unterschied zur klassischen Anordnung entsteht? Oder stimmt einfach die Simulation – und damit die Weiche – nicht? Ich hatte bereits vor Monaten den Entschluß gefaßt, die Kübel bei/von Visaton messen zu lassen, um zu wissen, was ich da wirklich gebaut hab.
Die Auflösung ist enorm, die Chassis sind ja nicht schlecht. Eigentlich ist alles toll, nur der Grundton fehlt eben. Irgendwann sind mir Details aufgefallen, daß zum Beispiel bei einer ganz bestimmten Schlagzeugaufnahme eine Trommel an einer ganz kurzen Stelle deutlich anders klingt, als auf der Vox 200. Es war sogar nur ein Teilgeräusch dieser einen Trommel, das im Grundtonbereich liegt. Dieses Teilgeräusch hat fast komplett gefehlt. Das ist beim letzten der vier Schläge zwischen der neunten und zehnten Sekunde von »Walking On The Moon«, vom »Yuri Honing Trio«, Manger-CD. Der letzte Schlag klingt anders. Das fällt sogar auf, wenn man das Stück mono auf einem FRS8 hört. Auf dem Kübel klangen alle vier Schläge gleich. Bei einer Klavieraufnahme vom Amélie-Soundtrack (»Le moulin«) hat irgendein komisches Hintergrundgeräusch fast vollständig gefehlt, während es sowohl auf der Vox als auch auf der Alto deutlich zu hören war. Da raschelt irgendwas im Takt, vielleicht das Pedal vom Klavier, jedenfalls auch im Grundton. Als mir die Sache dann zu blöd wurde, hab ich einfach eine CD mit Rosa Rauschen eingelegt (Stakkato) und den Kopf direkt vor die einzelnen Boxen gehalten. Zwischen Alto II und Vox 200 war kein allzugroßer Unterschied zu hören. Die Anordnungen der Chassis haben im Nahfeld also kaum einen Einfluß auf die Klangfarbe, es klingt eben nach Rauschen. Und hier sei angemerkt, daß die Alto II ebenfalls eine mit Boxsim simulierte Weiche hat, die noch nie gemessen wurde. Unabhängig voneinander gibt es eine Visatonversion, die sich von meiner kaum unterscheidet. Sooo irre gut ist Boxsim ;-). Jedenfalls, beim Umschalten auf einen der Kübel (»Balance« auf Anschlag links) sind mir die Augen aus den Ohren gefallen. Der Hochtöner war richtig deutlich rauszuhören. Also doch zu laut? Der Mitteltöner war aber auch deutlich rauszuhören. Und der Tieftöner grummelte auch vor sich hin. Aber irgendwas hat einfach nicht gestimmt.
Während ich darüber nachdachte, wie oft ich die Kübel bereits auf- und abgebaut, hin und her geschoben und Chassis gewechselt hatte, keimte so langsam ein Verdacht in mir auf. Also bin ich ab an den PC, hab Boxsim angeworfen und mir nochmal den Weichenplan angeguckt. Das bestätigte meine Erinnerung daran, daß Mitteltöner und Hochtöner verpolt angeschlossen gehören. Mein Verdacht war also schonmal begründet. Ich hab mich dann daran gemacht, alle Signalwege zu kontrollieren. Je mehr unverpolte Anschlußstellen ich fand, umso mehr freute ich mich wie ein kleines Kind. Da war nichts verpolt. Oder besser: der Tieftöner war verpolt. Die Klangbeschreibung mit der Grundtonschwäche, die auch von anderen Leuten schon kam, paßt einfach perfekt zu folgendem Bild:
Also hab ich einfach das Kabel, das vom Baßgehäuse zu den restlichen Boxenteilen führt, außen an den Baßklemmen verpolt. Das hab ich 1:1 in Boxsim so verdrahtet, daher das seltsame Schaltbild. Ich hab mir nochmal das Rauschen angehört und ab da wich ein maximal breites Grinsen für Stunden nicht mehr aus meinem Gesicht. Es schaut sogar jetzt noch manchmal auf einen Sprung vorbei. Ab auf den Sessel und Musik marsch. Es fehlt einfach nichts mehr. Jetzt klingt sogar die Vox ein kleines bißchen heller als der Kübel. Aber beide klingen genial. Der Kübel funktioniert und macht endlos Spaß. Pegel und Lässigkeit bis zum Abwinken.
Vor Monaten hatte ich mal einen 4,7Ω-Widerstand vor die Mittelhochtonsektion geklemmt. Das klang dann deutlich besser, aber es war natürlich keine akzeptable Lösung. Denn:
Die Messung bei Visaton ist für mich jetzt hinfällig. Das Ding spielt einfach bombastisch. Leider wohnen wir in einem Reihenhaus. Jetzt brauch ich Geld für zwei TI100 und einige Weichenbauteile, dann wird eine Vierwegebox draus (keine Angst, soweit geh ich dann schon noch).