Norditalien Ostern 2008

Bericht von Thomas Ressel - danke! (nur ganz leicht überarbeitet)

Die Rechte an allen Bilder liegen beim jeweiligen Autor.


Mittwoch, 19. März 2008
Kurz nach halb zwei war ich [Thomas] dann bei Item in Freiburg und gegen 14 Uhr kam auch Michael. Es wurde noch ein Reiseführer bei Familie Hünerfeld abgeholt und ab ging es in FR-Nord auf die Autobahn.
Basel erreichten wir ohne Stau und Verzögerung. Jetzt noch schnell eine Vignette erstanden, auf die Autobahn und in Liestal den ArmyLiqShop gesucht. Es ging südlich vom Bahnhof unter der Unterführung durch, Richtung Örisberg (oder so ähnlich). An einer Transportkiste, einem Kochlöffel und einer Fleischgabel mit eingeschlagenem Schweizer Kreuz konnte ich nicht vorbeigehen.
Wir beratschlagten noch unsere weitere Route und haben als Zielgebiet Chateau d'Oex angepeilt. Dieser Ort war mir noch bekannt, weil dort ein großes Ballonfahrertreffen ist.
Wir landeten schließlich in Les Sciernes beim Gasthof Presalp. Die Begrüßung fiel per Handschlag aus und der Koch machte für Michael eine gebackene Bratwurst auf Rösti und mir einen gemischten Salat, sowie Spaghetti mit Käse. Den offenen Rotwein im 0,1 l Glas fand ich gut und habe noch dreimal nachbestellt!
Unser Schlafplatz war dann ganz in der Nähe auf einem Parkplatz neben der Straße, mit Zugang zu einem Vitaparcour. Wir hatten ganz klaren Himmel, auf den Bergen leuchtete der Schnee im Mondschein und es war eiskalt (-2 Grad)

Donnerstag, 20. März 2008
Aufgewacht bin ich gegen vier, halb fünf, weil mir kalt war. Das Innenthermometer zeigte gerade noch 7,9 Grad. Die Standheizung hatte sich abgeschaltet, weil der Dieselvorrat aufgebraucht war (ursprünglich wollte ich ja als erstes in Samnaun alle Tanks füllen und dann hatten wir spontan unsere Route geändert). Ich hüllte mich zunächst in eine zusätzliche Vliesdecke ein, fror aber noch ziemlich an meinem spärlich von Haaren bedeckten Haupt. Das hielt ich noch etwa eine dreiviertel Stunde durch, bevor ich mir eine Strickjacke um den Kopf wickelte. Nun konnte ich wenigsten bis kurz nach sieben noch ein wenig schlafen. Das zweite Mal wachte ich dann bei 1,7 Grad und innen gefrorenen Scheiben auf ... brrrhhh! Draußen hatte es sich auf -5 Grad abgekühlt.
Auch wenn das Bergpanorama mit Schnee und blauem Himmel noch so reizvoll war, die Kälte war eklig. Schließlich startete ich schon mal den Motor um mich ein wenig aufzuwärmen.
Nach einem kleinen Abstecher ins Seitental nach Allieres, der an einem Gesperrt-Schild endete, ging es über Chateau d'Oex und Gstaad zum Col de Pillon, wo wir Frühstücks- und Mittagspause machten. In knapp 1600 m Höhe saßen wir gemütlich in der wärmenden Sonne und freuten uns an Schnee und strahlend blauem Himmel.
Es ging dann weiter über Aigle, durch den Sankt Bernhard-Tunnel nach Aosta. Hier gesellte sich Ralf zu uns, den wir freudig begrüßten! Auch Jonas hatte sich telefonisch angekündigt, und wir hatten mit ihm als Treffpunkt das Castello in Ivrea (Aostatal) ausgemacht.
Bei einem Abzweig kurz vor Aosta machte ich einen unfreiwilligen Ausflug ins Industriegebiet, und die anderen mussten mich (mühsam) wieder einsammeln, um mich auf die richtige Straße zu bringen. Die Temperaturen pendelten sich auf angenehme 13 Grad, immer noch bei Sonnenschein, ein, und schließlich erreichten wir das Castello. Als Nachtlager peilten wir einen Womo-Stellplatz an, der direkt am Fluss gelegen war. Es wurde noch ein wenig gequatscht und gegessen, und etwa gegen halb zehn verkrochen wir uns in unsere Behausungen. Meine Standheizung hatte inzwischen wieder frischen Diesel und funktionierte - es wurde eine angenehme Nacht bei rund zwanzig Grad!

Freitag, 21. März 2008
Bei meinem Morgenspaziergang habe ich mir noch die Wildwasserstrecke in der Aosta angeschaut und war auch mit dem Wetter zufrieden. Gegen acht kam Michael aus seiner Koje. Es wurden dann Landkarten betrachtet und so grob ein Zielgebiet NW Biella ausgesucht. Von Borgosesia ging es auf Kleinststraßen nach Norden. Es war sehr schön zu fahren und zu unserem Glück haben wir auch noch einen genialen Waldweg gefunden, der die Tagestour dann zu unserer vollsten Zufriedenheit abgerundet hat. Auch die genau zwei Meter breite Durchfahrt zwischen Hausmauern wurde gemeistert. Zum Abend hat es sich dann etwas zugezogen, und bald nach dem Nachtessen fing es an zu tröpfeln. Wir hatten mindestens drei Gänge: heiße Würstchen von mir, Salat von Jonas und Maultaschen mit Ei - in der Pfanne angebraten - von Ralf. Die Dose Ravioli von Jonas mussten wir dann schon geschlossen lassen! Noch schnell einen Raki zur Verdauung und Prost! Kurz vor dem nachfolgenden Regen hatten wir Michaels Vorzeltplane aufgebaut und dort Zuflucht gesucht. Aber es wurde nun auch ziemlich frisch und ich verzog mich gegen acht Uhr, die anderen folgten fast gleichzeitig! 

Samstag, 22. März 2008
Etwa um acht Uhr war gemeinsames Aufstehen und Begutachten der Wetterlage. Welch ein Segen: keine Spur von Regen. Gestern Nacht hatte es, kurz nachdem wir uns in unsere Taxen verzogen hatten, auch schon aufgehört zu regnen. Auf jeden Fall hatten wir wieder schönsten Sonnenschein aus blauem Himmel.
Wir fuhren nach der ersten Tasse Kaffee nach Borgosesia zum Einkaufen in einen Supermarkt. Bärbel hatte Brot, Erdbeerjoghurt und Grillgut bestellt, bei mir fanden sich noch ein kleiner Topf, Gläser, Lambrusco, sowie Brot und Belag im Einkaufswagen ein. Das heutige Fahrtgebiet sollte etwa acht bis zehn Kilometer östlich sein, in den Ausläufern des Nationalparks.
Es waren schöne Kastanienwälder (leider nur die falsche Jahreszeit zum Maroni-Sammeln...) mit ähnlich kleinen Wegen, wie auf unserer gestrigen Tour; zwischendurch auch ab und zu ungeschottert; die „Krönung war schließlich eine kleine Böschung am Wegrand, geschätzt zwei bis drei Meter hoch, mit reichlich Fahrzeugspuren. Es wurden natürlich Testfahrten zu Fotozwecken gemacht!
Nach einer ausgiebigen Pause wurde der Entschluss gefasst, an den Lago d'Orta zu fahren. Nun ging es also auf „richtigen" Straßen weiter. Mit großer Mühe konnten wir Michael davon abbringen, einen Nachtplatz an einer ca. 21 km entfernten Schiliftstation in gut 1000 m Höhe zu suchen. Angepeilt wurde nun nach „Rücksprache" mit Michaels Wohnmobilführer ein Platz auf der Westseite des Sees, nahe einem Weiher, nebst Osteria. Wir fanden ohne große Mühe dorthin und durften unsere Fahrzeuge direkt neben der Gaststätte parken. Ich freute mich auf die Toilette und hoffte dass die Osteria bald geöffnet wurde. Schnell noch einen Anstands-Cappuccino bestellt und gleich nach dem Schlüssel gefragt ... schön ... !
Zu Martin und Bärbel hatten wir SMS-Kontakt. Sie sind ziemlich pünktlich gegen 1530 Uhr mit der Fähre aus Tunesien in Genua eingetroffen. Bis zu unserm Lagerplatz waren es geschätzte 150 km. Es muss so kurz nach sechs gewesen sein, als plötzlich ein weißes Buschtaxi in die Einfahrt fuhr. Der erste Gedanke war natürlich: Martin und Bärbel. Aber das konnte nicht sein, diese Taxe hatte ein Aufstelldach. Wer hatte sich sonst mit seiner Taxe zu uns verirrt? War es Michael, oder Ralf, oder beide, die nachschauen gingen, ich weiß es nicht mehr. Das Ergebnis lautete auf jeden Fall: es sind unsere Tunesienurlauber! Und Martin, dieser Hund, hatte den Umbau ganz heimlich abgewickelt, ohne ein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren. Jetzt wusste ich auch, was Uschi und Ali damit meinten, es gäbe noch eine Überraschung für uns.
Ich habe mich dann aber doch überwunden und die beiden mit je einem Glas Rotwein begrüßt! Es war ein großes Hallo! Zwecks Nachschub gingen wir in die Gaststätte und begossen das Wiedersehen ein ums andere Mal! Irgendwann war es Zeit, dem Rot- oder Weißwein eine deftige Unterlage zu verschaffen, und wir wechselten den Tisch zum Essen. Unsere Rechnung zu sechst betrug schließlich gut hundertzwanzig Euro, die wir auf hundertdreißig aufrundeten. Als Dankeschön bekamen wir den Toilettenschlüssel für die Nacht ausgehändigt.

Sonntag, 23. März 2008
Gegen halb sechs wurde ich wach. Der Rotwein meldete sich zu Wort. Doch welch ein Graus, draußen hatte es geschneit und es schneite noch immer. So gut wie möglich versuchte ich diese Erkenntnis zu ignorieren und legte mich nochmals hin. Um viertel vor acht regten sich die ersten Türen, und es hatte wenigstens aufgehört zu schneien.
Die Aufgaben waren verteilt. Michael kochte Kaffee, ich machte mich an die Rühreier und fing schon mal des Zwiebelschneiden an. Bärbel unterstützte mich beim Eiaufschlagen und so war die erste Portion mit 20 Eiern um kurz nach neun auf den Tellern. Weitere siebzehn Eier sollten noch folgen - Bärbel hatte sicherheitshalber drei Stück abgezweigt, um sie eventuell für Maultaschen zu nehmen. Die Zeit ging schnell rum, und es wurde zum Aufbruch geblasen. Erst noch ein wenig am See entlang, um die schöne Aussicht und den inzwischen wieder blauen Himmel inklusive Sonnenschein zu genießen, und dann auf größeren Straßen Richtung Comer See. Die Parole war: Kilometer machen und zügig fahren - naja.
Kurz nach unserer Mittagspause mit Grillieren verabschiedete sich Ralf von uns. Er wollte am Abend schon zu Hause sein.
Ab Como wurde es eher zum Stop and Go. Der Tourismus eines Ostersonntags forderte seinen Tribut, zumal sich das Wetter wirklich prächtig entwickelt hat. So arbeiteten wir uns auf der kurvenreichen Uferstraße nach Bellagio durch. Die Dämmerung kam über uns, und die Suche nach einem Übernachtungsplatz gestaltete sich schwierig. Schließlich fanden wir etwas südöstlich doch noch ein annehmbares Plätzchen, obwohl ich schon gar nicht mehr daran glauben wollte! Michael und Jonas haben jedoch nicht aufgegeben. Ende gut, alles gut!

Montag, 24. März 2008
Am Morgen war es recht frisch, doch wenn man die ersten Sonnenstrahlen erhaschte, zum Aushalten. Erst war es nur ein schneller Kaffee, der getrunken werden sollte, dann kamen die ersten Stühle auf die Positionen der sonnen beschienenen Stellen. Es folgten Tisch und Frühstücksgegenstände. Als dann alle fast fertig waren, regte sich bei mir der bisher nicht vorhandene Appetit. Aber die anderen hatten sowieso keine Eile.
Wieder einmal bei schönstem Sonnenschein fuhren wir die Serpentinen nach Bellagio hinab und freuten uns an dem herrlichen Seepanorama. Wir hatten entschieden, mit der Fähre (11,- €) die andere Seeseite zu erreichen, um dann über den Malojapass und St. Moritz, Samnaun zu erreichen. Am Nordende des Comer Sees machten wir einen längeren Stop und genossen noch einmal die Sonne und einen kleinen Imbiss. Am Pass erwartete uns zwar ein bisschen Schnee, aber die Straßen waren frei. Einen vorläufig letzten Halt machten wir im Restaurant des Segelclubs St. Moritz für eine Tasse Kaffee, hier verabschiedete sich dann auch Jonas, der über den Julierpass nach Hause fahren wollte. Unsere weitere Fahrt war unspektakulär, in Samnaun wurde, wie geplant getankt und zwischen Landeck und Imst fanden wir ein Restaurant, das uns den Parkplatz für die Nacht zur Verfügung stellte. Es war ein nettes Beisammensein und ein letzter Schlaftrunk vor unseren Taxen beendete den Tag gegen 2200 Uhr.

Dienstag, 25. März 2008
Der Morgen war wieder für eine Überraschung gut! Unsere Taxen waren eingeschneit! Schnell noch ein Foto gemacht, und ohne Frühstück fuhren wir los in Richtung Fernpass. Die Straßen hatten auch diesen weißen Überzug, der viele Osterurlauber bei ihrer Rückreise auf die Idee brachte, den „Kriechgang" auszuprobieren. Wir waren da leider mittendrin. Als wieder einmal längere Zeit „Stillstand" angesagt war, sorgten Martin & Bärbel für belegte Brötchen und Kaffee - super! (So macht dann auch ein Stau Spaß!)
Bei Reutte legten wir dann freiwillig noch eine Einkaufspause bei Lidl ein und konnten unsere Taxen sogar überdacht parken, während es „draußen" immer weiter schneite. Biervorräte wurden pfandfrei aufgefüllt, und auch etwas Proviant fand sich noch im Einkaufswagen an. So konnten wir dann wenigstens bis zum Autobahnkreuz Memmingen durchfahren, wo wir zünftig voneinander Abschied nahmen. Michael zog es noch in seine alte oberschwäbische Heimat, Martin & Bärbel Richtung Stuttgart und ich hatte auch noch gut 400 km vor mir. Die Weiterfahrt war für mich leider nicht so toll, es gab immer wieder Staus und zäh fließenden Verkehr, so dass ich erst spät abends zu Hause ankam.