Dr. König´s Märklin-Digital-Page


Lummerland

"Eine Insel mit zwei Bergen ...."

Wer kennt dies nicht aus seiner Jugend - Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Emma und Molly, König Alfons den Viertelvorzwölften, Herrn Ärmel, Frau Waas und natürlich Lummerland, erdacht von Michael Ende und unvergeßlich in Szene gesetzt von der Augsburger Puppenkiste ....

Ein Modell- bzw. Spieleisenbahner betrachtet Lummerland und die Inselgleisanlage mit anderen Augen als ein Kind oder die Kunst-, Theater- und Fernsehschaffenden. Obwohl ich in meiner Jugend selbstverständlich die Bücher gelesen und die Filme gesehen hatte und trotz dreier hierob begeisterter Kinder und demzufolge "Lummerland" als Buch, Video, Cassette und CD zu Besitz und Eigentum war mir der modell- bzw. spielbahnerische Aspekt dieses Inselchens aber nie zu Bewußstsein gekommen. Bis eines Tages in der de.rec.modelle.bahn (wo auch sonst) die Frage nach dem Gleisplan von Lummerland aufkam - natürlich mit dem Zweck und Ziel, diesen für Lokomotivführer und Spielbahner idyllischen Ort als kleine Eisenbahnanlage für den Nachwuchs auferstehen zu lassen. Betrachtet man diesen Gedanken etwas genauer, so stellt man sehr schnell fest, daß dieses sujet geradezu die optimale (Spiel)Anlage (nicht nur) für Kinder abgibt: Das "Vorbild" ist eine Insel, der von "richtigen" bzw. "echten" Modelleisenbahnern (sog. Nietenzählern und Pufferküssern) naserümpfend gerügte Kreisverkehr der Spieleisenbahner ist also geradezu prototypisch und zwingend und mit etwas Meer um die Insel herum bieten sich weitere Spielmöglichkeiten. Auch der Gartenbahner kann hieran seine Freude haben, ermöglicht ihm doch der zwingende Kreisverkehr und die vorgegebenen Beschränkungen/Begrenzungen eine auch in einen kleinen Garten passende und nicht aufgepfropft wirkende Gartenbahnanlage. Mit anderen Worten: Ein interessanter Anlagengedanke für jeden, der sich nicht bedingungs- und humorlos dem absolut vorbildgerechten Modell(eisenbahn)bau verschrieben hat.

Pläne

Das Kind im Manne gewann (1999) sehr schnell und ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen die Oberhand und nachdem Literaturrecherchen (gelernt ist gelernt) kein befriedigendes Ergebnis brachten - die Zeichnung in dem Buch von Michael Ende (deren Abbildung hier mir der Verlag absolut unverständlicherweise nicht gestattet hat) war weder als Gleisplan verwertbar (was Dr. Schmidt aber anders sieht) noch entsprach sie in irgendeiner Weise dem durch die Filme der Augsburger Puppenkiste im Gedächtnis eingeprägten Bild - holte ich die Videos heraus und durchforstete zur Gaudi meiner verwunderten filia et filii mit nahezu wissenschaftlicher Akribie die Filme nach verwertbarem Material. Und siehe da: Schon in der ersten Folge von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" erblickt man im "Büro" (?) von Lukas - oder dem Hauptbahnhof Lummerland - den nebenstehenden Gleisplan. Damals in Ermangelung entsprechenden technischen Equipments mußte ich ihn auf eine Folie durchpausen, er wirkt daher etwas krakelig.

Damit schien die Sache beendet. Aber betrachtet man sich die Filmaufnahmen der Insel genauer, stellt man fest, daß dieser Plan zumindest zwei Fehler hat (offensichtlich hat da jemand geschlafen; aber vermutlich darf man von einem "einfachen" Fernsehschaffenden nicht eine solche Obsession erwarten):
Die Weiche in der 2. Ebene vorne ist nicht auf oder vor (rechts von) der Brücke sondern folgt erst nach der Brücke (links von dieser). Dies mag man noch als "Nietenzählerei" abtun (obwohl ich bekanntlich alles anderes als ein Nietenzähler und Pufferküsser bin). Aber rechts oben bzw. außen in der 2. Ebene ist keine Weiche (die im Plan in jedem Fall nach unten zur Ebene 1 führt). Vielmehr liegt (im Film) "diese" Weiche rechts außen auf Ebene 1, so daß nach Passieren des Bergs auf Ebene 1 ein Abzweig nach links geht, in einen kleinen Tunnel mündet, in einem Bogen nach vorne zurückkehrt und so eine (die zweite) Kehrschleife bildet - eine, wie ich finde, deutlich sinnvollere und nutzbarere Streckenführung.
Auch in ein paar weiteren,weniger wichtigen Details weicht der Plan von der tatsächlichen, im Film erkennbaren Streckenführung ab; deren eingehende Erörterung dürfte aber nicht erforderlich sein.
Ich habe nach diesem Gleisplan und den erforderlichen Korrekturen auf Grundlage des (wen wundert´s) Märklin-Metallgleises einen dem filmischen "Vorbild" möglichst nahekommenden Gleisplan für H0 (ich weiß, das Rollmaterial erweckt eher den Eidnruck einer Schmalspurbahn) erstellt. Er ist rechts zu sehen.

Die beiden Bilder sollen nur einen Eindruck vermitteln. In verwertbarer Größe können sie per download abgeholt werden; die Größe beträgt 50kB.

Merkwürdigkeiten

Nicht in den Plan Einzug gefunden hat ein anderer Widerspruch: Der etwas vertrottelte Postbote "landet" ja bekanntlich auf einem bis ans Meer herangeführten Gleis, das dort ohne Prellbock/Abschluß endet. Die dabei gezeigte Landschaft paßt aber nicht zu der Insel, wie sie auf dem Plan oder den anderen Aufnahmen zu sehen ist. Außerdem ist dieses Gleis weder auf dem Plan eingezeichnet noch auf den anderen Aufnahmen zu sehen - auch keine weitere Weiche, die dahin führen könnte, ist zu sehen. Es steht aber zu vermuten, daß dieses Gleis die Verlängerung der "hinteren" Strecke auf Ebene 1 (also hinter dem Schloß) nach rechts darstellt, denn der Postbote erscheint (aus der Aufnahme, also bei Blick auf die "Rückseite" der Insel) immer von links und bewegt sich nach rechts in Richtung Bahnhof; dieser liegt aber bekanntlich (bei Blick von "vorne") links hinten/oben, so daß das "Meeres-"Anschlußgleis rechts hinten/oben liegen muß.

Ein weiteres Kuriosum: Bekanntlich akquirieren die Protagonisten am Ende des vierten Teils von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" Neu-Lummerland. Dieses Inselchen wird links vorne "angedockt" und erhält einen Gleisanschluß mit Prellbock (dem einzigen Prellbock der Insel). In den einzelnen Folgen sind aber mindestens zwei verschiedene Arten des Anschlusses dieses Gleises an die Hauptstrecke auf Ebene 1 von Lummerland zu sehen. Die zuerst gezeigte Variante erforderte eine völlige Neuverlegung der Gleise und der Weichen auf der linken Seite, die m.E. auch den Prinzipien der Gleisführung (durchgehender Verkehr sollte nicht über einen Abzweig führen) Hohn spricht. In einer späteren Folge von "Jim Knopf und die wilde 13" wird aber ein schon eher einleuchtender Anschluß gezeigt, bei dem oberhalb der Weiche, die den Abzweig zu der Steigungs-/Gefällstrecke zu/von der Vorderseite des Schlosses ermöglicht, eine Rechtsweiche eingefügt ist, die zu dem Neu-Lummerland-Anschlußgleis führt.

Aufbau/Realisierung

Verwendet man die Industriegleisradien (was in Ansehung des Rollmaterials der Lummerland-Bahn, der Geographie der Insel und der gesamten Streckenführung vertretbar erscheint), müßte sich Lummerland in H0 auf einer Größe von ca. 1,80 x 1,20 (Gleise allein ca. 1,40 x 1,00) realisieren lassen können. Das ist jetzt aber nur eine Schätzung auf Grundlage des "offiziellen" Gleisplans. Aufgrund der multiplen Kehrschleifen empfiehlt sich auch für Nicht-Märklinisten der Einfachheit halber die Verwendung des Dreileider-System - was wohl niemandem Probleme bereiten dürfte, da es sich schlechterdings nicht um eine "Modell"-Eisenbahnanlage im eigentlichen (strengen) Sinn handelt und der Adressat - der Nachwuchs - so weniger Schaden anrichten kann. Ob man so weit gehen und auch die Lokomotiven als B-Kuppler ausführen und gar dem doch etwas befremdlichen Erscheinungsbild von Emma bzw. Molly nachempfinden will (das Einsteigermodell von Fleischmann - als Werklok durchaus ähnlich "Anna" genannt - würde sich hier als Basis anbieten, das freilich zum Dreileider-System umgebaut werden müßte) oder sich nicht lieber in der sicheren Erkenntnis, daß dem durchschnittlichen Sechsjährigen der Unterschied zwischen Emma und einer obligaten BR89 bzw. einem der anderen erhältlichen einfachen C-Kuppler nicht nachhaltig auffallen wird, bei einem der gängigen C-Kuppler bleiben möchte, muß jeder selbst entscheiden. Allerdings könnte man dem schmalspurigen Charakter des Vorbilds dadurch Rechnung tragen, da man das Chassis eines märklinschen C-Kupplers - etwa die ohnehin nur auf der 3. Achse angetriebene 3089 - von der Last der 2. "Kuppel"achse sowie des Gehäuses befreit und mit einem selbst gebauten und entsprechend größer dimensionierten Gehäuse/Aufbau komplettiert. Allerdings führt dies zwingend auch zum Selbstbau des sonstigen Rollmaterials ....

So niedlich die Streckenführung auch ist - ohne Wagen und m.E. auch ohne ein paar Abstellgleise ist der Spielspaß doch arg begrenzt. Es wäre daher überlegenswert, nicht strikt am "Vorbild" zu kleben sondern an geeigneter Stelle ein paar Abstellgleise zu ergänzen. Ich bitte um Vorschläge.

Aufgrund der doch etwas konzentrierten Gleisanlage und des Einsatzes von zumindest zwei Loks erscheint auch die Verwendung des Digital-Systems sinnvoll. Manche mögen dies als overkill ansehen - dem Spielspaß kommt dies aber sehr zugute. Wodurch sich außerdem der Kreis zu dieser doch dem Digital-System gewidmeten Site schließt.

Alternative(n)

Zwar ist mir bislang noch kein entsprechender HO-Nachbau von Lummerland bekannt geworden. Allerdings hat dieses Projekt über die H0-Grenzen hinaus andere Spiel- und Modellbahner angeregt. So hat der Lummerland-Fan Claus Müller für seinen nicht weniger Lummerland-begeisterten Sohn Aljoscha nach diesem Gleisplan Lummerland aus Brio-Gleisen nachgebaut.
Das nebenstehende Bild zeigt das Ergebnis; ich danke Herr Müller für die Erlaubnis, das Bild hier zeigen zu dürfen. Dreht man das Bild um 90 Grad nach rechts, so paßt es zu den obigen Gleisplänen.

Andere kleben nicht so an dem "Vorbild" des Lummerlands der Augsburger Puppenkiste (oder wurde hierdurch nicht entscheidend geprägt):
Dr. Hennich Schmidt hat seiner HOe-Version von Lummerland einen auf Basis der Buchillustration frei interpretierten Gleisplan zugrundelegt. Sein Ziel war auch, möglichst viel Gleis unterzubringen; dies ist ihm durchaus gelungen. Und das gestalterische Ergebnis ist wirklich beeindruckend.

Ganz exotisch baut Helmut Heinert aus Schwerte sein persönliches Lummerland im Maßstab 1:43,5 -Schmalspur im Maßstab 0 auf H0e-Gleisen. Das Rollmaterial wird natürlich ebenfalls Eigenbau. Da er (noch) keine Homepage besitzt, mache ich sein ausführlich beschriebenes Konzept auf einer gesonderten Seite zugänglich. Es hat durchaus etwas für sich ....

Zum Schluß

Leider gelang es mir nicht, von der Augsburger Puppenkiste den tatsächlich umgesetzten Gleisplan oder zumindest eine vollständige Aufnahme aus der Vogelperspektive zu erhalten; offenbar ist das Ganze schon zu lange her. Zumindest aber wurden, wie dem nachfolgenden Auszug deren durchaus von Humor gekennzeichneten Antwort zu entnehmen ist, keine Einwände gegen diese Präsentation erhoben.

Homepage |

© 1999-2006 by Dr. M. Michael König | Antoniter-Weg 11 | 65843 Sulzbach/Ts. | Kontakt | Stand: 10.2.2006

Revisit this page