Grundkonzept der Veranstaltungsreihe
von gruppe//sabotage

Die Symbolik des 13. Februar ist ein Konglomerat aus revisionistischen Diskursen, die wir mit einer Veranstaltungsreihe aufdecken wollen, in deren Rahmen eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Datum und den damit einhergehenden nationalistischen Verlautbarungen sowohl lokaler, als auch bundesweiter Dimension ermöglicht werden soll.

Hauptaugenmerk gilt dabei den öffentlichen bürgerlichen Debatten und deren Zielrichtung. Sie versuchen nach der Wiedervereinigung ein neues "positives" Nationalgefühl zu kreieren und jene Grenzen zu beseitigen, deren Einhaltung die geschichtliche Verantwortung gegenüber der Shoa gebot.

Dienlich dafür ist eine Opferrolle: um die deutsche TäterInnenschaft zu mindern oder, wie beim Jugoslawienkrieg geschehen, die Geschichte umzudeuten, indem man sich als durch die leidvollen Erfahrungen geläutert und deswegen geradezu prädestiniert dafür darstellt, weltweit Menschenrechte herbeizubomben. Ziel ist es, wieder eine normale Nation unter vielen zu sein, deren weltweite Interessenvertretung (wenn es sein muss auch militärisch) nicht durch die Vergangenheit beeinträchtigt werden soll. Einer der Höhepunkte dieser unsäglichen Versuche, einen Schlussstrich zu ziehen, war sicherlich die Walserrede in der Frankfurter Paulskirche 1998.

In diesem Diskurs wird die Bombardierung Dresdens zum Vehikel für die Deutschen als Opfer. Durch die Diskussionen der vergangenen Monate (von Günter Grass‘ "Im Krebsgang" über das "Zentrum gegen Vertreibung" bis hin zu Jörg Friedrichs "Der Brand") und die darauf folgende umfassende mediale Darstellung der Deutschen als Opfer von Vertreibung und "Bombenterror" fand eine weitere Aufladung, der Bombardierung Dresdens als ein Hauptsymbol für die Deutschen als Opfer, statt.

Von der Friedensbewegung über die bürgerlichen "trauernden DresdnerInnen" bis zu den Nazis wird das "brennende Dresden" immer wieder als Beweis für das "Leid der Deutschen" oder wahlweise als Beleg für die "anglo-amerikanischen Kriegsverbrechen" herangezogen. Höhepunkt sind sicherlich die gemeinsamen jährlich stattfindenden öffentlichen Manifestationen in Dresden am 13. Februar. Dann zelebrieren mehrere tausend Menschen, von der Friedensbewegung bis zu den Nazis, diese Opferrolle. Im Mittelpunkt steht die Frauenkirche, deren Wiederaufbau - vom Mahnmal zum potentiellen Nationaldenkmal - symbolhaft für den "befreiten" Umgang mit der Geschichte steht. Der völlig unkritische Umgang mit der Symbolik des 13. Februar prägt seit Jahren das Bild dieses Tages und äußerte sich bisher in der Nichtexistenz eines zivilgesellschaftlichen Bündnisses, das sich zu einem der größten regelmäßig stattfindenden bundesweiten Naziaufmärsche verhält. Noch augenscheinlicher wird die fehlende Reflexion anhand des Verschweigens: So wurde der Naziaufmarsch medial auch immer nur dann als solcher betitelt, wenn es am Rande der Demonstration zu Auseinandersetzungen mit den wenigen GegenerInnen kam.

In Anbetracht der Situation am 13. Februar in Dresden erscheint es uns wichtig, den Diskurs, der bezüglich der deutschen Geschichte geführt wird, zu kritisieren und seine revisionistische Intention zu entlarven.
Einer sich ausbreitenden Schlussstrichmentalität muss eine klar formulierte Absage erteilt und die Bedeutung Dresdens in diesem gesamtgesellschaftlichen Kontext aufgezeigt werden. Dabei soll es natürlich nicht darum gehen, sich in die aktuellen revisionistischen Debatten einzumischen und sich damit ihren Regeln zu unterwerfen, sondern ihre Strukturen und Argumentationen aufzudecken. Um den Fehler zu vermeiden, in einer revisionistischen Debatte halbrevisionistisch zu argumentieren, sind Veranstaltungen angedacht, die keinen Bezug zu einem vermeintlichen Opferstatus zulassen. Von vornherein werden jegliche positive Artikulationen in Bezug auf den Nationalsozialismus, den 2. Weltkrieg und die Shoa ausgeschlossen.

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