Revisionisten aller Couleur
von Andreas Siegmund-Schultze

Dresden: Rechte Gedenkmarschierer zum Jahrestag der alliierten Bombenangriffe machen Täter zu Opfern. Linke Gegenaktionen geplant

Eine Vielzahl von Aktionen gegen einen rechten Aufmarsch aus Anlaß der alliierten Bombenangriffe vor 59 Jahren wird es am Samstag in der sächsischen Landeshauptstadt geben. Waren es in den vergangenen Jahren meist linke Gruppen, die gegen die Neonaziprovokation auf die Straße gingen, beteiligen sich nun auch Gewerkschaften, lokale Initiativen und bekannte Politiker am Bündnis »Dresden gegen rechts – jetzt Gesicht zeigen!«. Sie wollen an diesem Tag zur Wachsamkeit gegen »Geschichtsfälschung und Relativierung der Naziverbrechen« aufrufen.

Eine Kundgebung linker Gruppen am 13. Februar, dem eigentlichen Datum der Bombardierung, will die Stadt wie im Vorjahr mit fadenscheiniger Begründung verbieten. Die Veranstalter wollen jedoch juristisch gegen das Verbot vorgehen. Die Aktion der »Initiative gegen Geschichtsrevisionismus« war zeitgleich mit den offiziellen Gedenkfeiern der Stadt in deren unmittelbarer Nähe, also bei der Frauenkirche, geplant. Antifaschistische Gruppen kritisieren angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahre die Undifferenziertheit dieses Gedenkens. Die Ursachen der Luftschläge würden ausgeblendet, die Unterscheidung zwischen Opfern und Tätern verschwinde.

Wie in den Vorjahren ist die revanchistische »Junge Landsmannschaft Ostpreußen« (JLO) Veranstalterin des rechten »Gedenkmarsches«. Das Spektrum der beteiligten Gruppen ist indes wesentlich breiter. Auch NPD und zahlreiche »Kameradschaften« rufen ihre Kumpane aus allen Bundesländern auf, nach Dresden zu fahren. Die rechten Aktivisten wollen der deutschen Toten gedenken und die Deutschen kollektiv zu Opfern erklären. 2003 zogen 1 000 Neonazis und Mitglieder von »Vertriebenen«verbänden weitgehend unbehelligt durch die Altstadt Dresdens. Dieses Jahr haben die Rechten ihre Demonstration erstmals nicht für den Jahrestag der »Bombennacht« angemeldet, sondern für den darauffolgenden Samstag. Zudem haben sie eine große abendliche Musikveranstaltung geplant.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2004/02-11/012.php

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