"Dr. Stevenson" - Was ist Schizophrenie?

Was ist Schizophrenie?

Behandlung der Schizophrenie

Was ist krankhaft an der Schizophrenie?

Ursachen und Behandlung

Anhang (Literatur, Links, Fachbegriffe)


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Was bedeutet Schizophrenie?

Das Wort "Schizophrenie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "gespaltenes Gemüt". Der Begriff wurde 1911 von E. Bleuler eingeführt, um verschiedene bis dahin unter dem Ausdruck Dementia praecox zusammengefaßte psychische Ausnahmeerscheinungen zu bezeichnen. Wir wollen in diesem Text "Schizophrenie" als Oberbegriff für alle schizophrenen und schizoiden Störungen verwenden, da eine Abgrenzung zum Beispiel gegen das Borderline-Syndrom oft schwierig ist. Laien verwechseln Schizophrenie wegen des irreführenden Begriffs "Bewußtseinsspaltung" oft auch mit dem Ausdruck "Multiple Persönlichkeit".

Verweise zu den Themen Borderline-Syndrom und multiple Persönlichkeit finden Sie im Anhang.


Welches sind die Symptome der Schizophrenie?

Von Schizophrenie spricht man, wenn die Symptome für eine Störung von mindestens zwei der folgenden Bereiche des Bewußtseins sprechen:

1. Identität

Die Abgrenzung zur Außenwelt scheint reduziert; Bewußtsein wird auf Gegenstände ausgedehnt. Eigene Körperteile werden als fremd empfunden, Handlungen als von außen gesteuert erlebt. Der Wille wird als unfrei erfahren.


2. Wahrnehmung

Zufällige Ereignisse werden als schicksalshaft beschrieben, eigene Gedanken als Stimmen gehört. Der Einstufung eines Patienten als "schizophren" geht oft die Diagnose von Halluzinationen oder Wahnvorstellungen voraus.


3. Affekte

Soziale Kontakte werden abgebrochen oder gelingen erst gar nicht. Oft ziehen Schizophrene sich völlig von der Außenwelt zurück (Autismus). Sichtbare Gefühlsregungen bleiben scheinbar aus oder erscheinen unangebracht, wie etwa übertriebene Begeisterung. Wo Beziehungen bestehen, scheinen diese oft von Ambivalenz (Haßliebe) geprägt.


4. Denken

Gegenstände und Geschehnisse der Außenwelt überfluten das Bewußtsein. Das Denken erscheint zerfahren und sprunghaft; Gedankengänge und Handlungen werden abgebrochen, während sich scheinbar Nebensächliches in den Vordergrund drängt. Die Sprache ist reich an Auslassungen (Ellipsen) und Wortneubildungen (Neologismen); zudem werden Begriffe in ihrer Bedeutung ausgedehnt.

Anmerkung: Für diesen Text wurde der Einfachheit halber auf eine ältere Definition der Schizophrenie zurückgegriffen. Neuere Definitionen verwenden einen ausführlicheren Symptomenkatalog und verlangen das Auftreten von Symptomen aus mehreren Bereichen.


Welche Erklärungsversuche gab es zu den Ursachen der Schizophrenie?

Bis ins 18. Jahrhundert hinein erklärte man die Phänomene der Schizophrenie - damals noch unter anderem Namen - mithilfe von Dämonen und dem Begriff der "Besessenheit".

Im 19. Jahrhundert verschwand das Wort "Dämon" aus dem wissenschaftlichen Sprachgebrauch; moralpsychologische Deutungen wurden statt seiner in die Diskussion eingebracht.

Die gegen Ende des 19. Jahrhunderts verbreiteten Versuche, Schizophrenie durch die Annahme körperlicher Ursachen zu erklären, wurden bald darauf abgelöst durch eine wahre Flut von Theorien, die vor allem die unterschiedlichsten Stoffwechselstörungen als Ursache der Schizophrenie ansahen:

Im 20. Jahrhundert wurde die Schizophrenie u. a. gesehen als Folge von Störungen im Stoffwechsel von Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, Endorphin, Acetylcholin und Prostaglandin. Eine verbreitete Meinung ist, daß eine erhöhte Zahl bestimmter Nervenzellverbindungen für die Entstehung der Schizophrenie verantwortlich sei.


Wie erklären diese Annahmen die Symptome der Schizophrenie?

Bislang leider gar nicht.

Die weit verbreiteten Vermutungen, Schizophrenie könne eine Anomalie im Stoffwechsel sein, stützen sich praktisch ausnahmslos auf Berichte, wonach Schizophrene durch die Verabreichung bestimmter Stoffe umgänglicher geworden seien. Daraus zog man voreilig den Schluß, durch diese Mittel werde die Ursache der Schizophrenie behoben, und meinte dann, im Umkehrschluß ebendiese "Ursache" gefunden zu haben.

Tatsächlich hatte man aber lediglich die Symptome unterdrückt bzw. die Voraussetzung der Schizophrenie beseitigt. Dieser Trugschluß ist ein Kardinalfehler der Psychologie, der in ähnlicher Form auch von Medizinern leider immer wieder gern gemacht wird:

Angenommen, wir untersuchen eine Reihe von Autounfällen, bei denen jeweils ein Fahrer dem anderen rücksichtslos die Vorfahrt genommen hat. Dann ist ganz offensichtlich die Ursache der Unfälle diese Verletzung der Vorfahrt. Hingegen würde niemand ernsthaft auf den Gedanken kommen, die Unfallursache in den vier Rädern des Autos zu sehen! Diese sind lediglich die Voraussetzung dafür, daß der Unfall geschehen konnte. (Ohne Räder hätte das Auto nicht fahren und den Unfall verursachen können.)

In ähnlicher Weise sind aber bestimmte Gegebenheiten im menschlichen Gehirn (hohe Zahl bestimmter Nervenzellverbindungen) Voraussetzung dafür, daß Schizophrenie überhaupt erst entstehen kann. Daraus jetzt den Schluß ziehen zu wollen, daß Schizophrenie durch diese Gegebenheiten verursacht werde, wäre aber falsch:

Auch die Tatsache, daß das Gehirn überhaupt existiert, ist nämlich eine - wenn auch selbstverständliche - Voraussetzung der Schizophrenie; trotzdem wäre es Unsinn zu behaupten, das Gehirn sei die Ursache der Schizophrenie.



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Wie wird Schizophrenie behandelt?

Vor Einführung der Elektrokrampftherapie erfolgte die "Behandlung" der Schizophrenie - wenn überhaupt - dem Dämonenglauben entsprechend durch Geistliche. Die bis in unsere Zeit hinein übliche Elektrokrampftherapie wurde weitgehend von medikamentöser Behandlung mit Chlorpromazin und anderen Psychopharmaka verdrängt, die die Zahl der Nervenzellverbindungen künstlich reduzieren.

Von fortschrittlichen Behandlungszentren wurden zunehmend auch familientherapeutische Maßnahmen eingesetzt. Leider hat sich - gestützt auf Untersuchungen zur angeblichen Vererbbarkeit der Schizophrenie - die Therapie erneut gefährlich weit in Richtung der medikamentösen Behandlung bewegt. Für eine neuroleptikafreie Behandlung auf Basis einer Psychotherapie finden Sie in der Zusammenfassung einige Anregungen.


Wie wirkt Elektrokrampftherapie?

Bei der Elektrokrampftherapie werden durch Stromstöße gezielt bestimmte Teile des Gehirns geschädigt. Auf diese Weise wurden früher - und werden teilweise auch heute noch - die für die kranken Gedanken verantwortlich gemachten Zellen des Gehirns mehr oder weniger systematisch zerstört. Glücklicherweise ist das Gehirn aufgrund seines raffinierten Aufbaus in der Lage, den Verlust einzelner Zellen relativ problemlos auszugleichen.

Da die durch die Presse gehenden Bilder der elektrokrampfbehandelten Psychiatrieinsassen in der Weltöffentlichkeit dennoch auf Empörung stießen, behalf man sich vorübergehend, indem man kurzerhand Mittel verabreichte, um die sichtbaren Auswirkungen der Elektroschocks zu unterdrücken. Das Verfahren wurde im Laufe der Zeit immer weiter verfeinert, bis man auf die Persönlichkeit des Patienten einwirken konnte, ohne dabei sein Gedächtnis oder das Sprachzentrum zu beschädigen. Trotzdem zwang die Berichterstattung zu einem Umdenken.


Wie ist die medikamentöse Behandlung der Schizophrenie entstanden?

Beim der testweisen Verabreichung von Farbstoffen an Schizophrene entdeckte man, daß einer dieser Stoffe (Chlorpromazin) die Patienten besonders umgänglich machte. Bald fand man bei den Versuchen weitere sog. Neuroleptika, z. B. Haloperidol, die eine ähnliche oder noch stärkere Wirkung zeigten.

Aus gewissen Ähnlichkeiten dieser Stoffe konnte man Rückschlüsse auf deren Wirkungsweise im Gehirn ziehen. Dabei stellte sich heraus, daß diese Substanzen offenbar die Übertragung von Informationen zwischen Nervenzellen hemmen. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, daß Schizophrene über eine höhere Zahl von Zellverbindungen im Gehirn verfügen als der Durchschnitt der Bevölkerung. Diese Verbindungen werden durch die Psychopharmaka teilweise blockiert, so daß die Zahl der zur Verfügung stehenden Verbindungsstellen auf das durchschnittliche Maß zurückfällt.


Wie wirken Medikamente gegen Schizophrenie auf gesunde Menschen?

Genauso wie auf Schizophrene: Die Zahl der aktiven Verbindungsstellen zwischen den Nervenzellen wird künstlich reduziert. Die Folge davon ist, daß das Bewußtsein gedämpft wird; der Betroffene ist nicht mehr in der Lage, selbständig zu handeln bzw. die Initiative zu ergreifen.

Diesen Umstand machten sich zum Beispiel die sog. K.O.-Tropfen-Räuber zunutze, die Kneipenbesuchern heimlich Neuroleptika in die Getränke mischten, um die ihres Willens beraubten Menschen dann aus der Kneipe fortzulocken und sich deren Geld aushändigen zu lassen.

Dieses Beispiel zeigt die Gefährlichkeit solcher Psychopharmaka: Ein unter ihrem Einfluß stehender Patient wird sich nach Möglichkeit so verhalten, wie man es von ihm verlangt. Die psychischen Probleme bestehen aber möglicherweise weiter; jedoch ist der Schizophrene jetzt nicht mehr in der Lage, sich darüber zu beklagen, sondern zeigt das von ihm erwartete Verhalten eines "Geheilten", ohne wirklich geheilt zu sein. Sobald die Psychopharmaka abgesetzt werden, treten die alten Probleme erneut hervor.

Ein anderer Punkt sind die teils schweren Neben- und Langzeitwirkungen: Neben der durch einige Medikamente bewirkten Fettleibigkeit sind dies vor allem visuelle Halluzinationen und die gefürchtete tardive Dyskinesie und Dystonie, eine Nervenstörung, die zu unkontrollierten Zuckungen führt. In den letzten Jahren sind vermehrt sog. "atypische Neuroleptika" in Mode gekommen, bei denen diese typischen Nebenwirkungen weniger stark in Erscheinung treten. Allerdings sind diese Medikamente noch nicht lange genug auf dem Markt, um verläßliche Aussagen über die Langzeitwirkungen treffen zu können.



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Ist Schizophrenie eine Krankheit oder ein Syndrom?

Bereits bei der Frage nach den Symptomen der Schizophrenie hatten wir gesehen, daß Schizophrenie doch etwas schwammig definiert ist: Das Vorliegen einer Schizophrenie wird anhand eines Symptomenkatalogs diagnostiziert, wenn sich Symptome aus mindestens zwei von vier Bereichen des Katalogs finden lassen. Der Grund für dieses vielleicht etwas seltsam anmutende Verfahren besteht im wesentlichen in Abrechnungszwecken.

Absurderweise beinhaltet dieses Vorgehen, daß zwei verschiedene Personen beide als schizophren bezeichnet werden können, obwohl sie beide kein einziges Symptom gemeinsam haben. Es ist sogar möglich, daß Menschen für schizophren erklärt werden, die nur solche Symptome zeigen, die bei anderen Personen als völlig harmlos gelten!

Beispiele:

            1     2     3     4

Arne        x     x

Bea                     x     x

Cathrin     x

Dirk              x

Arne zeigt Symptome aus den Bereichen 1 und 2 des Katalogs; Bea hingegen liefert typische Merkmale aus den Bereichen 3 und 4. Obwohl sie überhaupt keine Symptome gemeinsam haben, gelten beide als schizophren.

Ganz anders Cathrin und Dirk: Cathrin weist wie Arne dasselbe "typisch schizophrene" Verhalten aus Bereich 1 des Katalogs auf; Dirk erfüllt entsprechend die Bedingungen für Schizophrenie nach Bereich 2. Beide zeigen also dieselben Symptome, die bei Arne zur Diagnose der Schizophrenie geführt haben. Dennoch gelten die beiden als nicht schizophren.

Verrückt?

Diese Beispiele zeigen, daß die Symptome der Schizophrenie offenbar nur in sehr loser Beziehung zueinander stehen. Man spricht in solchen Fällen, bei denen ein eventueller Zusammenhang von Symptomen noch nicht hinreichend geklärt ist, von einem Symptomenkomplex oder kurz: von einem Syndrom.

Wissenschaftlich korrekt kann man von einer Krankheit eigentlich erst dann sprechen, wenn die Ursachen und die Entstehung der Symptome geklärt sind. Nur dann ist - streng wissenschaftlich gesehen - der Begriff "Krankheit" überhaupt gerechtfertigt. Im Falle der Schizophrenie ist er es offenbar nicht: Stattdessen zeigen die angeführten Beispiele, daß Symptome nicht notwendig, sondern fast nach Belieben auftreten können. Einen Kausalzusammenhang zwischen den vermuteten Ursachen der Schizophrenie und ihren Symptomen gibt es nicht.

Somit können wir auch die oben gestellte Frage beantworten: Schizophrenie ist medizinisch korrekt ausgedrückt keine Krankheit, sondern allenfalls ein Syndrom.

Anmerkung: Verwechseln Sie den Begriff "Syndrom" bitte nicht mit einem "Psychosyndrom" - das ist etwas anderes. Es wäre zur Vermeidung von Mißverständnissen begrüßenswert, wenn die Psychologie sich hier an die bei anderen Erkrankungen allgemein übliche Bezeichnungsweise der Medizin angleichen würde.


In welcher Beziehung stehen die Symptome der Schizophrenie zu Religionen und Weltanschauungen?

In vielen Religionen und Weltanschauungen finden sich Ansichten, die sich teilweise mit Symptomen decken, die als schizophren definiert werden.

So ist es in Teilen des Taoismus, im Buddhismus, wie auch im Pandämonismus, im Hinduismus ebenso wie in der Philosophie des Solipsismus und der Esoterik durchaus üblich, unter Aufhebung der Körpergrenzen den eigenen Geist auf die Umwelt auszudehnen bzw. das eigene Bewußtsein als identisch mit der erlebten Welt anzusehen.

Determinismus und Fatalismus sind als philosophische bzw. religiöse Konzepte allgemein akzeptiert; es ist daher unverständlich, weshalb die in diesen Bereichen tolerierte Auffassung von der Nichtexistenz des freien Willens im Bereich der Psychosen als krankhaft angesehen wird. Entsprechendes gilt für den Solipsismus ("Die Welt existiert nur in meiner Einbildung."), der eigentlich nur die philosophisch motivierte Form des Autismus darstellt.

Die Heilmethoden der meisten Naturreligionen nutzen gezielt Totems und Fetische, um das Bewußtsein des Behandelten auf Gegenstände zu fokussieren; auch in der Meditation ist es üblich, sich in bestimmten Meditationsobjekten (Mandalas, Tarotkarten usw.) zu "versenken". Hier macht man sich ganz offensichtlich einen Mechanismus zunutze, der bei der Schizophrenie ungewöhnlich stark ausgeprägt ist und dort zur ungewollten Überflutung des Bewußtseins mit nebensächlichen Sinneseindrücken führt.

In manchen Religionen werden sogar Drogen konsumiert, um absichtlich bewußtseinsmäßige Zustände zu erreichen, wie sie von Schizophrenen beschrieben werden. Üblich und akzeptiert ist dies etwa im Rastafarianismus. So ist zum Beispiel in den USA der Konsum der Droge Haschisch bzw. Marihuana für Rastafari aus religiösen Gründen legalisiert worden.

Sprache spielt in vielen Religionen eine wichtige Rolle. Ethymologie gilt im Hinduismus als wesentliches Hilfsmittel bei der Auslegung des Weda. Der Pandämonismus geht in dieser Hinsicht sogar noch weiter, indem er das Erschaffen von Sprache zum religiösen Akt erhebt. Manche Subkulturen nutzen Wörter in veränderten Bedeutungen. Man muß sich über diese Zusammenhänge informieren, um peinliche Fehldiagnosen zu verhindern, denn Bildungslücken bei Psychiatern können ernste Folgen haben: In Großbritannien wurde einem Farbigen, der die religiöse Sprache der Rastafari benutzt hatte, die Diagnose "Schizophrenie" gestellt. Rastafari verwenden z. B. Wortneubildungen wie "Livication" statt "Dedication" (Widmung), weil "Dedication" sie an "dead" (tot) erinnert.

In fast allen Religionen wird von Menschen berichtet, die die Stimmen der Gottheiten wahrnehmen konnten. Viele von ihnen werden noch heute als Propheten verehrt. Das mag manchem als antiquiert oder verschroben erscheinen; krankhaft ist es sicher nicht. Religiösität scheint ein Grundbedürfnis des Menschen zu sein: Wie sonst erklärt es sich, daß in unserer aufgeklärten Welt noch heute über 50 Prozent der Weltbevölkerung in weltweit mehr als 200 Sekten und Religionsformen organisiert sind?


Welche Symptome der Schizophrenie lassen sich im Rahmen einer einfachen psychologischen oder soziologischen Betrachtungsweise verstehen?

Viele Symptome der Schizophrenie lassen sich auch ohne die Annahme einer organischen Störung des Hirns begründen:


Welches sind die eigentlich problematischen Aspekte der Schizophrenie?

Nachdem sich viele Symptome der Schizophrenie als relativ harmlos und im Rahmen psychologischer und soziologischer Betrachtungsweisen erklärbar herausgestellt haben, stellt sich für viele sicher die Frage, worin denn überhaupt das Krankhafte der Schizophrenie zu sehen sei.

Wesentliche Probleme aus Sicht der Schizophrenen selbst sind wohl das Abbrechen von Gedankengängen, die Unfreiheit des Handelns und - zum Beispiel bei Hebephrenie - die Entfremdung dem eigenen Körper gegenüber. Für diese Aspekte der Schizophrenie gibt es jedoch Erklärungsmodelle, die eindeutig außerhalb einer endogenen ("von innen entstandenen") Psychose begründet liegen. Insbesondere gibt es für den behaupteten ursächlichen Zusammenhang dieser Symptome mit einem zugrunde gelegten gestörten Hirnstoffwechsel keinerlei Anhaltspunkt.

Das Abbrechen von Gedankengängen ist Zeichen einer schweren Konzentrationsschwäche, wie sie bei allen Menschen auftreten kann. Man wird also davon ausgehen können, daß die Suche nach den Ursachen von Konzentrationsstörungen zugleich wertvolle Indizien für die Entstehung der Schizophrenie liefern könnte. Tatsächlich ist dies der Fall: Reaktive Psychosen wie sog. posttraumatische Belastungsstörungen sind bekannt dafür, daß sie neben Beeinträchtigungen der Konzentrationsfähigkeit auch starke Veränderungen der Persönlichkeit mit sich bringen können - wie es bei der Schizophrenie der Fall zu sein scheint.

Die Unfreiheit des Handelns ist immer dann gegeben, wenn ein Mensch dazu gebracht wird, in einer Weise zu handeln, wie er es ohne Beeinflussung von außen nicht tun würde. Dabei muß es sich bei der Beeinflussung nicht einmal um Gewalt handeln; es reicht schon aus, wenn ein anderer Mensch sein Mißfallen über ein bestimmtes Verhalten äußert. Diese Überlegung wirft natürlich die noch zu beantwortende Frage auf, wieso diese Beeinflussung Schizophrene vor massive Schwierigkeiten stellt, während ihr andere Menschen problemlos widerstehen.

Das Gefühl der Fremdheit dem eigenen Körper gegenüber tritt vor allem während der Pubertät auf, wenn die Entwicklung des Körpers und die des Körperempfindens nicht miteinander Schritt halten können. Sofern diese Störung nach Ende der Pubertät zurückgeht (und dies dem Jugendlichen rechtzeitig klar gemacht werden kann), stellt sie eigentlich kein allzu großes Problem dar. Ganz anders verhält es sich, wenn dieses Gefühl Folge einer k”rperlichen Entwicklungs- und Wachstumsanomalie ist, wie sie etwa bei Transsexualität auftritt: In diesem Fall ist jede psychologische oder psychiatrische Behandlung zwecklos, da die Ursache des Problems im körperlichen Bereich liegt und deshalb auch dort behandelt werden muß.



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