Ich finde es immer ärgerlich, wenn als Vorteile von DVD-RAM meistens nur 2 Argumente genannt werden, Timeshift und 100000 mal wiederbeschreibbar. Evtl. werden noch die besten Bearbeitungsmöglichkeiten erwähnt, wenn's ganz hoch kommt "festplattengleiches Verhalten" oder so, ohne zu erklären was das ist.
Außerdem werden hier in Deutschland eigenartigerweise ca.
5 mal öfter die beiden Nachteile von DVD-RAM ausführlichst geschildert, bevor überhaupt mal ein Vorteil erwähnt wird. Besonders
bei Zeitschriften fällt mir das negativ auf.
Deshalb hier mal alle Vorteile, Reihenfolge etwa in der Priorität für mich:
Die Punkte 1, 2, 3, 5 +8 sind das intelligente Speichermanagement, das für mich
persönlich das Hauptargument für DVD-RAM ist. Ohne das hat man weiterhin die
umständliche Platzverwaltung und fehlenden Möglichkeiten wie beim
Videorecorder mit VHS.
Wenn jemand
nur eine Aufnahme pro DVD macht
sich diese in einem Rutsch ansieht und
keine Teile davon (zunächst) aufbewahren will
dann nutzt er diese Vorzüge des intelligenten Speichermanagements nicht aus,
aber ich kann mir nicht vorstellen dass es viele Leute gibt die ausschließlich so
arbeiten, insbesondere wenn man ein Modell ohne Festplatte (HDD) hat.
Es gibt eben auch Aufnahmen unter 60 Min., gerade zum simplen Zeitverschieben,
und manchen reicht der 4 Std.-Modus, speziell mit den neuen Modellen von Panasonic seit 4/ 05, die
bis LP (4 Std.) in voller Auflösung aufzeichnen. Und das in so guter Qualität, dass viele sogar auf HDD jetzt standardmäßig LP
benutzen.
Pioneer kann mit -RW im VR-Modus und 2x-Medien außer 6, 9, 10, 11, 15 und 16 die meisten Punkte auch, ob es so selbstverständlich und reibungslos klappt wie
mit -RAM weiß ich nicht. Die Zuverlässigkeit und Haltbarkeit von DVD-RAM
erreichen sie jedenfalls nicht.
Die Sony ab 8/04 können zumindest Time-Shift, wahrscheinlich auch das was Pioneer kann. Evtl.
kann das auch noch LG.
Die Nachteile:
Meine Empfehlung für DVD-RAM-Rohlinge: Panasonic, z.B. LM-AD240LE (in
Cartridge (Caddy), 3x, 2-seitig).
Da ist man qualitativ auf der sicheren Seite, und der Preis ist auch okay, tw. sogar deutlich günstiger als
bei der Handvoll Konkurrenten. Auch in den Recorder-Foren und der Brenner-Newsgroup wird Panasonic empfohlen.
Übrigens ist der Marktanteil von DVD-RAM bei DVD-Recordern in den beiden größten
Märkten, Japan und USA, bei 70-80% (die Zahlen sind von 2003, neuere
sind mir nicht bekannt).
RW zu RAM ist wie:
Diesen Text hatte ich ursprünglich für das Forum DVD-Recorder bei AREA DVD geschrieben. Hier könnte man nachlesen, dass in der weiteren Diskussion keine Fehler reklamiert wurden.
Bei DVD-RAM gibt es folgendes nicht mehr:
Hier noch ein paar Beispiele, was mit DVD-RAM möglich ist:
3 Sendungen in SP aufgenommen, 45, 30 und 45 Min., Nr. 1 und 3 werden gelöscht --> 90 Min. stehen zusammenhängend zur Verfügung.
Serie, z.B. King of Queens (mit Werbung, ohne VPS, per Timer mit Sicherheitspuffer), netto 22 Min., brutto 30, aber die sollen lt. Kollege (zumindest per Timer) nicht immer reichen, 32 sollten es schon sein:
Timer kann großzügig auf 40 Min. gestellt werden, reicht immer. Nach der 3. und nach der 4. Aufnahme schneiden, dann bleiben noch 32 Min. für die
5. Folge, also entweder diese manuell aufnehmen oder Timer für diese eine Aufnahme knapp einstellen. Fazit: 5 Folgen auf DVD-RAM, nur 3 auf kompatibler
RW (oder R).
Mit DVD-RAM hat man wirklich die freie Wahl, was
man sich zuerst ansieht (und löscht), z.B. aus aktuellen Gründen, nach Laune,
schon tw. gesehen usw. (gilt hauptsächlich für
viele, kurze, aktuelle Aufnahmen). Bei +RW, -RW(VM) und VHS läuft es in der
Praxis doch darauf hinaus, dass man chronologisch ansieht und löscht, um freie
Blöcke zu erhalten und den Überblick nicht zu verlieren.
Während dem Abspielen "Stop" drücken
(die Position merkt sich das Gerät, nach "Start" würde es an der
Stelle weitergehen). Auch hier kann man eine Aufnahme starten, es wird dadurch
NIE etwas überschrieben oder gelöscht.
Sport-Dokus (ohne Werbung, ohne VPS, per Timer mit Sicherheitspuffer) mit 30 bis 45 Min. Länge in SP aufgenommen. Mit DVD-RAM passten 3 Stück auf eine DVD(-Seite), weil nach den ersten beiden Anfang und Ende geschnitten wurden. Mit
kompatiblen Formaten geht das nicht, also nur 2 Aufnahmen pro DVD und jede Menge verschenkter Platz (ca. 45 Min., also etwa ein Drittel).
Lange Musiksendung aufgenommen, diese 2 Titel
(erfahrungsgemäss nach 1/3 und 2/3) will man partout nicht löschen. Also
Anfang, Mitte und Ende schneiden ("Teile löschen"), schon sind nur
noch die 8 Netto-Min. belegt. Teilen* ist auch möglich.
Die 2 Titel sind jetzt im Inhaltsverzeichnis vorn und bleiben da, der
physikalische Ort kann dem Besitzer völlig egal sein. "Dahinter"
stehen 1:52 Std. (alles in SP) zusammenhängend zur Verfügung, reicht für das
nächste Konzert oder auch einen Film.
Wenn die Titel nach ein paar Wochen immer noch gefallen können sie ggf.
verlustfrei auf Festplatte und von da auf DVD-R überspielt werden (und auf
DVD-RAM und HDD gelöscht werden).
*Teilen hielt ich bisher für
selbstverständlich, zumindest bei den japanischen Marken. Dass dem nicht so ist
beweist Sony, deren Modellen HX 900/ 1000 fehlt nämlich u.a. dieses Feature.
(Bei den neueren Modellen ist dieser Mangel und ein paar andere behoben, es
bleiben aber immer noch einige übrig)
Deshalb: Alle hier erwähnten gerätespezifischen Features gelten auf jeden Fall
für die Panasonic-Modelle, z.B. DMR-ES10, DMR-ES15, DMR-EH52, DMR-EH60, DMR-EH56,
DMR-EH65, die übrigens seit Jahren praktisch jeden Test in einer Fachzeitschrift
gewinnen und mit denen es relativ wenig Probleme gibt.
Bei anderen Marken kann man da nicht mehr sicher sein. Wenn, dann vielleicht
noch bei Pioneer, JVC und Hitachi.
Samsung besitzt die Frechheit, ein Gerät rauszubringen (DVD-R121), das auf DVD-RAM kein Time-Shifting
kann, und das noch nicht mal etwas anderes Abspielen kann während einer Aufnahme! Und das ausgerechnet
bei einem Modell ohne HDD! Der Toshiba D-R255 ist bauähnlich und kann das
folglich auch nicht, der wird höchstwahrscheinlich von Samsung gebaut.
Punkt 18 (verlustfreie Kopien in Highspeed) können die LG-Recorder nicht, wenn
die Aufnahme bearbeitet wurde.
Noch mal zum festplattengleichen Verhalten:
Die Festplatte, die ja (zu Recht) immer größere Beliebtheit erlangt, hat gegenüber DVD-RAM genau 2 Vorteile:
Größere Kapazität und
schnellerer Zugriff wenn im Zeitraffer hin- und her "gespult" wird, speziell bei gleichzeitiger Aufnahme.
Mehr nicht!
Das heißt, eigentlich gibt es da noch einen Vorteil:
Bei einer Festplatte fragt niemand, ob die auch auf allen anderen Geräten abspielbar ist...
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Autor: Dieter Schlumbohm
Start: 4.10.04
Last Update: 29.8.07
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