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ZEHNTES KAPITEL |
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Zusammenfassung. |
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Zweck. In den neun
vorangehenden Kapiteln sind neben bekannten Dingen ziemlich viele neue zur Sprache gekommen, so daß der Leser vielleicht
einige Mühe empfinden wird, sich das zu vergegenwärtigen, worauf es ihm
ankommt und was er etwa künftig für seine Arbeit verwerten kann. Es ist
deshalb nachstehend die ganze Angelegenheit nochmals unter dem Gesichtspunkt
der praktischen Arbeit übersichtlich zusammengefaßt worden. Dabei hat es
sich nicht darum gehandelt, bestimmte Vorschriften zu geben, nach denen der
Künstler arbeiten soll, ohne nach links oder rechts zu schauen. Sondern er
soll seine Technik handhaben, wie er seine Glieder und seinen Kopf handhabt,
als Hilfsmittel, das jedem neuen
Zweck in besonderer Weise neu angepaßt wird, dessen Einzelheiten er aber so
sicher beherrscht, daß er die laufende Arbeit unterbewußt erledigt,
ungewöhnlichen Fällen aber mit den zweckmäßigsten Mitteln zu begegnen weiß. Um einen solchen Zustand zu erreichen, muß er sich
die Einzelheiten der Mittel vollkommen geläufig machen. Ich habe deshalb
mit Bewußtsein früher Gesagtes nochmals wiederholt, denn nur durch
Wiederholung macht man sich das Aufgenommene zum geistigen Eigentum. Welche Technik ist die beste? Wenn
auch natürlich eine ganz allgemein gültige Antwort auf diese Frage nicht
gegeben werden kann, da je nach der Verschiedenheit der vorliegenden Aufgabe
nicht immer die gleichen Bedingungen erfüllt werden müssen, so lassen sich
doch gewisse Bedingungen aussprechen, denen in der Mehrzahl der Fälle genügt
werden muß. Und zwar sind die Forderungen zunächst ohne Rücksicht darauf
auszusprechen, ob sie mit den bisherigen Mitteln erfüllt werden können. Denn
ein Fortschritt kann hier wie immer nur verwirklicht werden, wenn das bisher
Unmögliche angestrebt wird, wobei sich denn herausstellt, ob Mittel und Wege
dazu vorhanden sind. Um also bewußt die Möglichkeiten zu entwickeln,
welche die heutigen Fortschritte in der Physik und Chemie der Farbstoffe |
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wie Bindemittel eröffnen, muß man
sich zunächst darüber klar werden, was man von einer idealen Technik
verlangt. Wir versuchen, diese Forderungen auszusprechen. Das
Verfahren muß erstens bequem sein. Das heißt, seine Ansprüche an den
Ausführenden sollen möglichst klein sein. Man muß hierbei das Notwendigste
von dem Entbehrlichen sorgsam scheiden. Notwendig ist, daß jede Farbe, die im
Bilde sichtbar sein soll, an ihren Ort gesetzt wird, daß also der Maler
erstens die richtige Farbe schnellstens finden oder herstellen kann und daß
er zweitens seiner Hand so sicher ist, daß die Farbe in der beabsichtigten
Gestalt oder Form zur Wirkung kommt. Er gibt keine Technik, die dem Künstler
dies ersparen könnte. Nicht notwendig ist dagegen, daß der Auftrag der Tünche
besondere Geschicklichkeit erfordert, wie z. B. das Anlegen gleichförmiger
oder zart abgetönter Flächen beim Aquarell. Ebenso ist es nicht notwendig,
daß man bei der Darstellung von Überschneidungen alle Stellen des
Hintergrundes aussparen muß, an die später Gegenstände des Vordergrundes zu
malen sind, wie dies gleichfalls beim Aquarell geschehen muß. Man kann
nämlich diese große Erschwerung vermeiden, wenn man grundsätzlich mit
Decktünchen arbeitet, welche ein glattes Durchführen des Hintergrundes ohne
Aussparen erlauben, weil die Überschneidungen deckend auf diesen gemalt
werden können. Wie müssen Decktünchen beschaffen sein? Hieraus
ergibt sich alsbald die Forderung, daß an solchen zu zweit gedeckten Stellen
kein technischer Nachteil entsteht. Die Ölmalerei,
welche jener Forderung der Deckmöglichkeit genügt, leidet hier an zwei
wesentlichen Mängeln. Zunächst droht die Gefahr der Rißbildung, wenn man über
eine halbgetrocknete Untermalung eine neue Schicht legt. Der gewissenhafte
Künstler ist daher genötigt, entweder die Untermalung genügend trocknen zu
lassen, d. h. seine Arbeit drei bis sechs Wochen mindestens ruhen zu lassen,
was unerträgliche Verzögerungen bewirkt. Oder er muß die Untermalung an den
Stellen entfernen, die einen neuen Auftrag bekommen sollen, was technisch
mühsam ist und meist nur unvollkommen gelingt. |
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Der zweite
Fehler, welcher beim Übermalen droht, auch wenn der Grund genügend getrocknet
und damit die Gefahr des Reißens abgewendet war, liegt im späteren Durchscheinen
der Untermalung, auch wenn der neue Auftrag sie ganz zugedeckt hatte. Die
Ursache ist hier, daß die aufgetragene Schicht im Laufe der Zeit
durchscheinender wird. Dies liegt einerseits an den chemischen Vorgängen
zwischen Bindemittel und Farbstoff (z. B. Verseifung von Bleiweiß),
andererseits an der Zunahme des Brechungsquotienten, den das Öl beim
Trocknen und namentlich hernach langsam erfährt. Aus der optischen Theorie
der Deckung ergibt sich unmittelbar, daß diese um so schwächer ausfällt, je
mehr sich die Lichtbrechung von Farbstoff und Bindemittel der Gleichheit
nähert. Da nun alle Farbstoffe höhere Brechung haben, als das Öl, so muß
jede Zunahme bei diesem eine Verminderung der Deckung und daher ein
Durchscheinen der Unterlage bewirken. Abschaffung des Öls als Bindemittel. Die Abhilfe
beider Fehler liegt auf gleichem Boden, denn der Schuldige ist in beiden
Fällen derselbe: das Öl als Bindemittel. Dessen Festwerden beruht auf einer
Wechselwirkung mit dem Sauerstoff der Luft, einer Oxydation, welche in der
ersten Zeit schneller, später immer langsamer erfolgt, aber niemals ganz
aufhört. Hierdurch wird der vom Öl eingenommene Raum zuerst vergrößert (was
gegebenenfalls zur Runzelbildung führt), später verkleinert, wodurch die
Risse entstehen, die bei keiner mit Öl gebundenen Tünche auf die Dauer
vermieden, wenn auch unter günstigen Bedingungen lange hinausgeschoben werden
kann. Die gesuchte Abhilfe heißt also zunächst: man muß die trocknenden Öle als Bindemittel entweder ganz ausschalten, oder wenigstens auf ein unschädliches Maß verkleinern. Harztünchen. Welche Möglichkeit gibt es nun, das Öl auszuschalten,
ohne auf die sonstigen Vorzüge der Ölmalerei zu verzichten? Die Antwort
ist: man muß das Öl ganz oder größtenteils durch Harze ersetzen. Harze sind
an sich nicht als Bindemittel zu verwenden, da sie bei Zimmertemperatur
feste, glasartige (amorphe) Massen |
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sind. Flüssige Beschaffenheit kann man ihnen aber geben, indem man sie in geeigneten Flüssigkeiten auflöst. Damit diese Lösungen später fest werden oder „trocknen", wie Lein- oder Mohnöl, müssen die Lösungsmittel flüchtig sein, d. h. sich bei Zimmertemperatur langsam in einen Dampf verwandeln, wodurch sie sich aus der Lösung entfernen und das Harz wieder als glasartige feste Masse zurücklassen. Da es Lösungsmittel
für Harze von allen Graden der Flüchtigkeit gibt, kann man sie je nach Bedürfnis so wählen, daß die
Lösung (oder die aus ihr mit Farbstoff angeriebene Tünche) in wenigen
Minuten, in Stunden, Tagen oder Wochen trocknet. In dieser Beziehung sind
also die Harzlösungen sehr viel entgegenkommender als die trocknenden Öle,
die rund eine Woche brauchen, um fest zu werden. Man kann dies durch den
Zusatz von „Trocknern" (Sikkativen) beschleunigen, doch nicht mehr als
auf einen halben Tag, und dies nur unter Gefährdung der Dauerhaftigkeit. Denn
die gleiche Beschleunigung, welche das erste Festwerden hierbei erfährt,
erstreckt sich auch auf die spätere Oxydation der festen Schicht durch die
Luft, und die Folge ist, daß die unvermeidliche Rißbildung im Alter um so
früher eintritt. Alle diese Nachteile
werden vermieden, wenn man Harzlösungen verwendet. Hier kommt der Vorgang
des Festwerdens zu Ende, nachdem das
Lösungsmittel sich verflüchtigt hat. Die Hauptmenge geht hierbei mit
normaler Verdunstungsgeschwindigkeit fort, und dies ergibt ein vorläufiges
Festwerden der Schicht. Die letzten Anteile dagegen verdunsten nur langsam
und brauchen Wochen bis Monate, bis sie ganz verschwunden sind, namentlich
bei weniger flüchtigen Lösungsmitteln. Man kann dies durch den Geruch
feststellen, falls das Lösungsmittel einen solchen zeigt, was meist der Fall
ist. Dieses langsame Fertigtrocknen ist indessen eher ein Vorteil, da
hierdurch die Schicht Zeit hat, sich den
vorhandenen Verhältnissen anzupassen. Hernach bleibt die Schicht dauernd
unverändert, soweit nicht das Harz selbst empfänglich für Einflüsse von
außen, insbesondere Licht, Luft und Feuchtigkeit ist. Da man aber in der
Wahl der Harze für diese Zwecke sehr weitgehende Freiheit hat, so kann man die dauerhaftesten wählen. |
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Meist wird
sich ein kleiner Zusatz von fettem Öl als günstig erweisen, da er die
Handhabung der Tünche unter dem Pinsel erleichtert, indem er diese
„glatter" oder bequemer vermalbar macht. Die Erfahrungen mit solchen
Mischungen als Kutschenlacke u. dgl. beweisen, daß sie sehr viel dauerhafter
sind, als reine Öltünchen. Dies gilt
insbesondere für die Pflanzenharze.
Unter den in neuer Zeit hergestellten Kunstharzen, die chemisch viel mannigfaltiger
sind, gibt es aber viele, die sich nicht wohl mit Öl vertragen. Diese
verlangen andere Lösungsmittel und Zusätze. Wässerige
Bindemittel. Die
Bedingung der Deckung läßt sich auch erfüllen, wenn man an Stelle der Öl- und
Harzbindemittel solche Klebstoffe verwendet, welche in Wasser löslich sind,
wobei Wasser als flüchtiges Lösungsmittel dient. Mit diesen ist es allerdings nicht möglich, das
Verhalten der trocknenden Öle nachzuahmen, wobei das ganze Bindemittel in
feste Form übergeht, sondern nur das der Harzlösungen, wobei das Lösungsmittel
verdunstet und das Bindemittel in fester Gestalt hinterläßt. Das ist aber
durchaus kein Nachteil, sondern ein Vorzug. Hierbei macht sich
alsbald folgender Umstand geltend. Ein Harz bleibt nach dem Verdunsten des
Lösungsmittels als eine durch Wasser
nicht angreifbare, zunächst zähe, später härter werdende glasartige Schicht
zurück, die von der wechselnden Feuchtigkeit der Luft in keiner Weise
beeinflußt wird. Anders ist es mit den in Wasser löslichen Bindemitteln. Sie
nehmen aus feuchter- Luft Wasser auf und verlieren es an trockener
wieder, kommen also insofern niemals zu vollständiger Ruhe, was für die
Dauer des Bildes sehr schädlich wäre, wenn sie in solchen Mengen an dem
Aufbau der Schicht Anteil hätten, wie es bei Öl und Harz der Fall zu sein
pflegt. Denn bei diesen Tünchen liegen die Farbstoffkörnchen innerhalb einer
geschlossenen Bindeschicht, wie Rosinen im Kuchenteig. Solche Schichten
können die wasserlöslichen Bindemittel im allgemeinen nicht bilden.
Untersucht man z. B. Arabisches Gummi oder Dextrin in Stücken, so erweisen
sich diese als von Rissen durchsetzte spröde Massen, die in sich nicht die
Festig- |
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keit haben
würden, um
eine Bildschicht aufzubauen. Wohl aber
geben sie harte und haltbare Schichten, wenn von ihnen nur so viel vorhanden
ist, daß sie die Farbstoffkörnchen an deren Berührungsstellen miteinander
verkleben. In Zahlen macht das 5 bis 10 % des Farbstoffes aus, wobei sehr viel von dessen Beschaffenheit
abhängt. Gleich große Körnchen schichten sich nämlich am ungünstigsten oder
lockersten, werden daher am schwierigsten verklebt, brauchen am meisten
Bindemittel und halten doch am schlechtesten. Von den bekannten Farbstoffen
zeigt Ultramarin diesen Nachteil am stärksten, weil er beim Schlämmen
sorgfältig auf gleiche Korngröße eingestellt wird, da von dieser Gleichheit
sein „Feuer", d. h. die Reinheit seiner Farbe abhängt. Besteht dagegen
der Farbstoff aus einem Gemenge von Körnchen verschiedener Größe, so setzen
sich die Zwischenräume viel leichter voll, und man erhält reibfeste Schichten
mit viel weniger Bindemittel, weil die Berührungspunkte zwischen den
Körnchen, an denen die Verklebung stattfindet, viel zahlreicher sind. Das Decken bei Wassertünchen. Wenn bei einem mit einer wässerigen Lösung von Gummi, Leim od. dgl.
gebundenen Aufstrich das Wasser verdunstet ist, so befindet sich zwischen
den Körnchen des Farbstoffes hauptsächlich Luft. Daneben bestehen die
Klebestellen, wo sich die Körnchen berühren und das Bindemittel sich
abgesetzt hat. Dort entstehen gleichzeitig „optische Brücken", durch
welche das Licht ohne Rückwerfung von Körnchen zu Körnchen gehen kann,
wodurch der Weißgehalt in der Farbe des Aufstriches vermindert und die
Reinheit und Tiefe erhöht wird. Aus bekannten optischen Gründen ist dagegen die Rückwerfung dort am
größten, wo die Körnchen an Luft grenzen. Neben dem Nachteil (wenn es einer
ist) einer helleren Erscheinung haben solche Aufstriche den Vorteil einer
besonders guten Deckung. Jenes Ideal einer bequemen Technik, das man nicht
auszusparen braucht, ist also bei Deckwassertünchen (Guasch) am ehesten zu
verwirklichen. Dazu kommt noch, daß jene beiden Fehlermöglichkeiten beim Ölbild: das
Reißen und das spätere Durchscheinen („Durch |
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wachsen") hier ausgeschlossen sind. Min kann fast beliebig viele
Schichten von Leimtünche übereinander setzen; haftet die erste gut auf der
Unterlage (nicht geglättetes Papier, Pappe), so sind auch die
darüberliegenden gesichert, da solche Bilder niemals im Alter Sprünge
bekommen. Ebensowenig
hat man ein späteres Durchscheinen zu befürchten. Denn die Deckung erfolgt
durch die Mitwirkung der Luft zwischen den Körnchen, und diese ändert ihre Beschaffenheit
nicht. Auch der kleine Anteil Bindemittel erleidet in Jahrhunderten keine
Änderung. Ich habe Leimkreideaufstriche untersucht, die nachweislich 500
Jahre alt waren und habe sie tadellos erhalten gefunden; der Leim hatte
teilweise seine Löslichkeit in Wasser eingebüßt, war also nur ein besseres
Bindemittel geworden. Aufhellen.
Neben diesen großen Vorzügen besteht ein Nachteil, über dessen Bedeutung
man verschiedener Meinung sein kann. Er besteht darin, daß beim Trocknen das
Wasser die Zwischenräume der Farbstoffkörnchen verläßt, die es bis dahin ausgefüllt
hatte. Die Folge davon ist ein deutliches Aufhellen der Farbe des
Aufstriches, das im Bilde hernach bestehen bleibt. Die bleibende Erscheinung
des Bildes ist also heller als unter dem Malen, und der Künstler muß mit der
Aufhellung rechnen. In
unmittelbarem Zusammenhange damit steht, daß nach Unterbrechung der Arbeit
ein Weitermalen in das aufgehellte Bild hinein zu Widersprüchen führen muß,
wenn man die neue Tünche auf die getrocknete alte einstellt. Diese zweite
Schwierigkeit läßt sich auf zwei Weisen beseitigen. Ein Maler, der nach
alter Weise seine Tünchen vor dem Bilde mit dem Pinsel mischt, braucht bloß
das Bild vorher mit Wasser anzufeuchten (Zerstäuber 1); beim Malen in das
nasse Bild hat er keine Farbschwierigkeiten, und die technische Pinselarbeit
gestaltet sich eher angenehmer. Damit die alte Schicht nicht aufgewühlt
wird, benutzt man solche Bindemittel, welche nach dem Trocknen wasserfest
werden, wie Stärkekleister, Alaunleim oder Sichelleim, die ja auch aus
Gründen der Dauerhaftigkeit den Vorzug verdienen. Freilich bedingt dies, daß
man die Tünchen entweder naß aufbewahrt oder erst |
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unmittelbar vor
dem Gebrauch aus Farbstoff und Lösung herstellt. Da es heute keine Schwierigkeit macht, die
Farbstoffe als feine Pulver zu kaufen, ist ein Feinreiben, wie es in früheren
Jahrhunderten auf dem Reibstein typisch war, durchaus nicht mehr nötig; es
genügt, Pulver und Flüssigkeit kurz mit dem Spatel durchzureiben, um eine
malfertige Tünche zu haben, von der man nicht mehr herstellt, als man
unmittelbar verbrauchen wird. Vorgemischte
Farben. Dies führt gleichzeitig auf einen anderen Weg, die Verschiedenheit
des nassen und trockenen Aufstriches zu überwinden. Es ist
bei weitem besser, statt jedesmal unter dem Malen die Tünchen aus den
Vorräten mit dem Pinsel zu mischen, was für die Abstimmung der
Mengenverhältnisse ein sehr rohes und ungenaues Verfahren ist, die
Farbstoffpulver ein für allemal im voraus zu mischen, so daß man jede im
Bilde nötige Mischung schon fertig hat und nur Pulver und Bindemittel mit
dem Spatel anzumachen braucht. Wer hiergegen einwendet, daß man doch
unmöglich alle denkbaren Mischungen vorher ansetzen kann, sei an das Pastell
erinnert, wo man den größten Teil der Arbeit mit vorgemischten Stiften macht:
daß man nicht die ganze Arbeit so ausführen kann, liegt nur daran, daß bisher
keine allgemeine Regel bekannt war, um auch alle trüben und gebrochenen
Farben systematisch anzusetzen. An anderer Stelle finden sich in diesem Buch
solche Verfahren beschrieben, ein angenähertes, das wenig Arbeit erfordert
und von jedermann ausgeführt werden kann, und ein genaues mit allen Vorzügen
einer gesetzmäßigen Normung, das aber schwieriger ist. Beim Arbeiten mit
vorgemischten Pulvern weiß man, welche man in den fertigen Teilen des Bildes
verwendet hat und kann bei der Fortsetzung ohne weiteres nach den nun
erforderlichen Mischungen greifen, um die Arbeit anzuschließen. Auch lernt
man, da man es mit ganz bestimmten Mischungen zu tun hat, die aus dem
unveränderten Vorrat stammen, sehr bald die nasse Erscheinung der trockenen
zuzuordnen, so daß man nach kurzer Übung den Unterschied beider Zustände
unterbewußt in Rechnung stellt und ungestört durch ihn arbeiten kann. Damit
ist auch die oben (S. 153) erwähnte erste Schwierigkeit behoben. |
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Stärke. Wahrscheinlich
das beste aller wässerigen Bindemittel ist der Stärkekleister, auf dessen
Eigenschaften S. 56 hingewiesen wurde. Ich besitze einige solche Bilder, die
25 Jahre alt sind und sich tadellos frisch gehalten haben. Leider habe ich
dieses vielversprechende Verfahren nicht weiter studiert und kann es daher
nicht als erprobt empfehlen. Vom chemischen und physikalischen Standpunkt
aus ist kein Einwand erkennbar. Auch verdient erwähnt zu werden, daß die ältesten
europäischen Papiere, die man kennt (sie stammen aus dem 12. Jahrhundert),
mit Stärke geleimt sind. Sie haben sich ausgezeichnet gut erhalten. Es wäre also sehr wünschenswert, daß
diese aussichtsreiche Technik eingehend geprüft wird. Eiweiß. Einen Übergang
von den öligen Bindemitteln mit vollständiger Einbettung der Körnchen zu den
wässerigen mit bloßer Verklebung bildet das Eiweiß, das im Mittelalter das
bevorzugte Bindemittel war. Getrocknete Eiweißmassen bilden durchscheinende
Schollen, die zäh sind (sie lassen sich nur schwer pulvern) und sich daher besser
als Gummi oder Dextrin zum Einbetten eignen. Auch ist die Klebewirkung
gering, so daß Eiweiß auch deshalb in größerer Menge zur Schichtbildung notwendig ist. Dies gilt noch mehr, wenn man nicht nur das Weiße vom Ei verwendet, sondern
das ganze Ei zu einer gleichförmigen Masse verarbeitet. Es entsteht dann beim
Trocknen ein zähes Gewebe aus Eiweiß und dem Öl, welches im Eigelb in Form
von Tröpfchen enthalten ist, welches sich im Laufe der Jahrhunderte als ein
dauerhaftes Bindemittel erwiesen hat, obwohl das Eiweiß ein chemisch nicht
sehr beständiger Stoff ist. Nur mit bleihaltigen Farbstoffen verträgt es sich
auf die Dauer nicht, da es locker gebundenen Schwefel enthält, der
allmählich vom Blei aufgenommen wird und schwarzes Schwefelblei bildet. Tempera.
Was
eben über das Eiweiß gesagt wurde, gilt im allgemeinen auch für die
verschiedenen Arten der Emulsionen aus wässerigen und öligen Bindemitteln,
die man unter, dem Namen Tempera zusammenfaßt. Aus chemischen wie maltechnischen
Gründen würde ich einer. aus kaltflüssigem Leim und Mohnöl
zusammengemischten Tempera den Vorzug geben. |
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Leim und Harzlösung ist vielleicht noch besser, doch habe ich keine Erfahrungen
darüber. Der
rein wässerigen Tünche gegenüber hat Tempera den Vorzug, daß sie beim
Trocknen weniger aufhellt, und daß die getrocknete Schicht nach dem
Festwerden des Öles auch gegen Wasser sehr beständig wird. Firnissen. Sowohl die mit
rein wässerigen Bindemitteln, insbesondere mit Stärkekleister wie auch die
mit Tempera gemalten Bilder lassen sich nach dem Trocknen firnissen und
dadurch wasserbeständig machen. Man kann dazu Lösungen von Sandarak in
Weingeist verwenden, unter Zusatz von etwas Rizinusöl, um der Schicht die
Sprödigkeit zu nehmen. Auch Terpentin ist ein guter Zusatz, der die Schicht
besonders glatt macht. Oder man verwendet Zusammensetzungen von der Art des
S. 39 beschriebenen Mallackes. Durch
das Firnissen werden die Bilder in solchem Sinne verändert, daß die Weißen
unverändert bleiben, die dunkleren Stellen dagegen um so mehr verdunkelt
werden, je tiefer sie von vornherein waren. Es wird also die ganze
Farbenskala nach der dunklen Seite auseinandergezogen oder verlängert. Gleichzeitig
werden die Farbschichten durchsichtiger, und zwar in verschiedener Weise je
nach der Brechzahl des Farbstoffes. Man muß deshalb Bilder, die hernach
gefirnißt werden sollen, mit entschiedenem und nicht so dünnem Auftrag malen,
um ein unvorhergesehenes und unerwünschtes Durchscheinen der Unterlage zu
vermeiden. Besonders gut würden sich mit Stärkekleister gemalte
Bilder für späteres Firnissen eignen. Verbessertes
Aquarell. Das Aquarell ermöglicht am leichtesten und schnellsten, auch
größere Flächen in Farbe zu setzen und hat dadurch einen deutlichen Vorteil
gegenüber den deckenden Malverfahren. Wo durch den Gegenstand keine
Schwierigkeiten des Aussparens gegeben sind, was z.B. bei Plakatentwürfen
nicht selten vorkommt, wird man es vorteilhaft verwenden. Auch hier kann man das Verfahren des Vormischens anwenden
und gleichzeitig dadurch, daß man die (angenäherten oder genauen) Normen in gelöster
Form herstellt, aufbewahrt |
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und vermalt, die Arbeit in hohem Maße vereinfachen und sichern. Die Herstellung
solcher Lösungen ist natürlich nur mit wirklich gelösten, nicht bloß
aufgeschwemmten Farbstoffen möglich. Dies ist also der Ort, wo die löslichen
Teerfarbstoffe allein in Frage kommen, da es keine „natürlichen" gibt,
welche den Erfordernissen genügen. Die
Einstellung geschieht ganz so, wie das seinerzeit (S. 89 und 102) für
Farbstoffpulver beschrieben wurde, nur daß an die Stelle des weißen
Farbstoffes Wasser tritt. Man geht am besten von Lösungen aus, die im
Verhältnis 1:25 Wasser hergestellt worden sind, macht eine Verdünnungsreihe
auf die Hälfte, verdünnt hiervon einen Teil wieder auf die Hälfte und fährt so
fort, bis die Lösung beim Auftrag auf Zeichenpapier etwa dem Kreise ca
entspricht. Das Weitere, ist ganz ebenso durchzuführen, wie oben angegeben.
So erhält man annähernd eine vollständige Besetzung des Farbkörpers. Stellt
man von jeder Farbe nur 20 bis 50 ccm her, so hat man für sehr lange Zeit
Material. Die Lösungen kommen in Medizinflaschen von entsprechender Größe und
werden gut verkorkt aufbewahrt. Setzt man den Lösungen Dextrin oder
Arabisches Gummi zu, um das Bronzieren zu vermeiden, so muß man einen kleinen
Zusatz (1 : 100) von Formalinlösung geben, da sich sonst Schimmelpilze
einfinden. Ich
gehe nicht näher auf diese Dinge ein, weil vermutlich noch Jahre vergehen werden,
bis ein Künstler den Mut findet, sich eine solche „nasse Farborgel"
einzurichten. Versieht man das Papier für Aquarellmalerei vorher mit
einem dünnen Überzug von Deckweiß, gegebenenfalls getöntem, so braucht man
Einzelheiten nicht auszusparen, sondern kann sie mit Decktünche in das Bild
setzen, ohne daß solche Stellen hernach „herausfallen" (S. 50). Für den
„Gebrauchsgraphiker" dürfte dies die beste Technik sein. |
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