MALERBRIEFE

BEITRÄGE ZUR THEORIE UND PRAXIS DER MALEREI

VON

WILHELM OSTWALD

LEIPZIG • VERLAG VON S. HIRZEL I904

 

 

VORBEMERKUNGEN

 

Die nachfolgenden Briefe sind zum Teil bereits am Ende des vorigen und am Anfange dieses Jahres in der wissenschaftlichen Beilage der Münchener Allgemeinen Zeitung erschienen. Sie haben mir schon damals eine Anzahl brieflicher Anfragen, Einwendungen, Bestätigungen und anderer Mitteilungen eingebracht, die zum Teil Anlass zu den Erweiterungen gegeben haben, welche sich in dieser Buchausgabe vorfinden. Ich hoffe sehr lebhaft auf weitere derartige Mitar­beit, insbesondere aus den Kreisen der Berufskünstler, damit ich erfahre, nach welchen Rich­tungen meine Darlegungen gelegentlich einer etwaigen späteren Auflage zu verbessern oder zu ergänzen sind.

 

Im übrigen bin ich mir bewusst, dass mein Widerspruch gegen mancherlei durch das Alter ge­heiligte Ansichten nicht verfehlen wird, Widerspruch gegen dies Buch hervorzurufen. Doch bin ich wohl nicht der einzige, der den bisherigen antiquarischen und „philosophischen" Betrieb der Kunstwissenschaften unbefriedigend findet, und an seine Stelle das wissenschaftliche Verfah­ren gesetzt zu sehen wünscht, durch welches allein dauerhafte Ergebnisse bisher haben er­reicht werden können, das empirisch-experimentelle. Wenn dieses uns auch nur zunächst von der einseitigen Überschätzung der Leistungen gewisser Kunstepochen zu befreien helfen würde, so wäre allein dadurch unübersehbar viel für eine wirkliche, d. h. innerliche Entwicklung unserer Kunst gewonnen.

 

Leipzig, März 1904.

 

W. Ostwald.

 

 

Seiten

I.          Physikochemische Seite der malerischen Technik. Der Künstler und sein Handwerk. Die Zeichnung. Vorgänge dabei und Dauerhaftigkeit der er­zielten Produkte. Das Papier und die Fixiermittel.

1-13

 

II.         Warum Bleistiftzeichnungen glänzen und Kohlezeichnungen nicht. Oberflä­chenlicht und Tiefenlicht. Farbige Stifte; Lenbach-Technik, Pastell; seine verschiedenen Anwendungen. Malgründe. Dauerhaftigkeit der Pastell­bilder. Das Farbmaterial und seine Grundlage.

13-23

 

III.         Eigenschaften des Pastells. Sein einziger Mangel: keine durchsichtige Lasur. Selbstherstellung der Pastellstifte. Mischfarben. Malgrund. Verfahren beim Arbeiten. Fixieren; Rezept zu einem guten Fixiermittel. Zusammenfas­sung der mannigfaltigen Vorzüge des Pastells: es ist zurzeit die ausgiebigste und dauerhafteste Technik

23-36

 

IV.       Farbstoffe. Untersuchung auf Verfälschung. Beschreibung der verschie­denen Farbstoffe: Ockerarten, Eisenoxyde, Frankfurter Schwarz, Ultramarin, Chromoxyd, Kobaltfarben, Barytgelb, Preussisch Blau, Indigo, Alizarinlack, Zinnober, Mennige, Chromrot, Chromgelb und -orange. Prüfung der Farbstoffe auf Lichtechtheit.

36-46

 

V.        Theoretisches. Decken der Farbstoffe, beruhend auf Spiegelung und Lichtbrechung. Einfluss des Mittels.

46-54

 

VI.       Grau, teurer Freund! Wirkungsweise der Farbstoffe. Ergänzungsfarben. Einfluss des Mittels. Mischungen durch Addition und Subtraktion. Pointillieren.

54-65

 

VII.       Aquarell. Lasur- und Deckfarben. Bindemittel. Stumpfwerden beim Trocknen und die Wirkung der Firnisse. Grosse Dünne der Farbschichten und daher rührende Schwierigkeiten und Vorteile, Zusammenfassung.

65-75

 

VIII.      Die Wirkung der Galle beruht auf Oberflächenspannung. Das Gerinnen der Wasserfarbe. Einfluss von zugemischtem Deckweiss: die Wirkung trüber Mittel. Darstellung der Fernen durch trübe Lasur. Guasche. Ein neues Problem: der Zusammenhang zwischen Bildschicht und Malgrund

75-83

 

IX.       Das Fresko. Seine mangelhafte Haltbarkeit. Chemische Vorgänge da­bei. Störungen durch die Unterlage. Abhilfe. Chemischer Einfluss des Kalkes auf die Farben. Helles Auftrocknen. Stückweises Arbeiten. Böcklins Unfälle beim Fresko. Verwerfung dieser Technik

83-91

 

X.        Versuchte Rettung des Fresko: Stil. Besteht hier in einer unfreiwilligen Beschränkung. Tempera. Geheimmittel in der Malerei und Warnung davor. Unberechtigte Überschätzung der alten Rezepte. Malerische Alchemie. Künf­tige Entwicklung der Technik. Ölmalerei, ihre Vorzüge. Bindemittel und deren Trocknen. Einfluss des Luftsauerstoffs. Deck- und Lasurfarben in der Öltech­nik. Vorzüge und Nachteile der Öltechnik. Änderung des Bindemittels.

91-104

 

XI.       Die Bedingungen der Dauerhaftigkeit bei Ölbildern. Abschluss des Sau­erstoffs von vorn und hinten. Schollenbildung; ihre Ursache und Vermei­dung. Verbesserung der Malgründe. Trennung der mechanischen und opti­schen Wirkungen. Verschiedene mögliche Methoden.

104-115

 

XII.       Das Trocknen der Ölfarbe und die katalytischen Einflüsse dabei. Nachwir­kungen der Trockenmittel. Dünne Technik. Pastoses Malen.

115-123

 

XIII.      Weisser Malgrund: Lasur auf weisser und farbiger Unterlage. Gelöste Farbtoffe; Diffusion. Asphalt, seine Vorzüge und Nachteile. Lacke als colloi­dale Farbstoffe. Übergänge.

123-133

 

XIV.     Umfang der Lichtskale. Der weisse Untergrund ermöglicht den weites­ten Umfang. Leim-Gipsgrund. Farbenpracht der vlämischen Meister. Tiefen­licht ohne Oberflächenlicht. Luftverschlechterung und Luftperspektive. Gemal­tes „Licht". Möglichste Ausdehnung der Skale nach der hellen Seite. Böcklins Praxis.

133-140

 

XV. Tempera. Verschiedene Möglichkeiten, Beispiele dafür. Emulsions- oder Öltempera. Malgründe in Tempera. Die beste Technik: das Problem ist nicht eindeutig.

140-147

 

XVI.     Verbesserung der Mittel. Physiologische Seite der Technik. Blendungs­wirkungen. Objektive Darstellung subjektiver Erscheinungen. Nachbilder. Aus­blicke auf geschichtliche Tatsachen. Der fleckige Himmel.

148-156

 

XVII.    Die Malakademie und die Urteile darüber. Die Notwendigkeit naturwis­senschaftlichen Unterrichts. Seh- und Malfehler. Bewusstes Schaffen.

156-165

 

 

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