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X. Lieber Freund! Auf Ihre Bemühungen, der
Freskotechnik ihr traditionelles Ansehen zu wahren, wäre vielerlei zu
erwidern, doch werden wir dies Ende Seite 91 |
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wohl besser auf unsere nächste Zusammenkunft
verschieben, wo Rede und Gegenrede schneller aufeinander folgen. Denn um eine
fruchtbare Verhandlung zu führen, müssen wir uns zuerst über irgendwelche
gemeinsame Ausgangspunkte klar geworden sein, von denen aus wir die weitere
Verständigung suchen können. Nur auf eine Ihrer Bemerkungen lassen Sie mich
eingehen; Sie sagen, keine andere Technik hätte einen so grossen Stil wie das
Fresko, und daher sei es das geeignetste Verfahren für monumentale Malerei. Wir hatten ähnliche Fragen bei einem
früheren Anlass berührt und ich hatte Ihnen bereits damals nicht verhehlt,
dass ich mir bei diesen Worten nichts Bestimmtes denken konnte, worauf Sie
wieder replizierten, jeder Maler wisse, was damit gemeint sei. Ich muss also
versuchen, den jedenfalls vorhandenen Sinn des Wortes selbst
herauszubekommen. Am besten denke ich Ihre Meinung zu treffen, wenn ich den
Ton auf die Tatsache lege, dass die Ausübung der Technik nicht jede
beliebige Ausdrucksweise ermöglicht, sondern nur begrenzte Arten; so wird
man zweifellos Sonnenuntergänge und ähnliche farben- und lichtreiche
Naturerscheinungen nicht in Fresko darstellen wollen. Sind durch die Aufgabe
selbst derartige Probleme gegeben, so wird man sich bei ihrer Ausführung auf
Andeutungen Ende Seite 92 |
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Freiwillige Beschränkung beschränken
und eine „naturalistische" Ausführung vermeiden, weil sie unzulänglich
bleiben müsste. Hierdurch behält das Produkt etwas Abstraktes, denn da es
sich nicht um eine grosse Annäherung an die Naturerscheinung handeln kann, so
muss der Künstler seine Wirkung in der Zeichnung und in dem gedanklichen
Inhalt des Dargestellten suchen. Ich hoffe, mit dieser Schilderung das
Wesentliche getroffen zu haben, wenn Sie auch vermutlich ein wenig den
gehobenen Ton vermisst haben, in welchem sonst derartige Fragen abgehandelt
zu werden pflegen. Nun werden Sie mir aber auch zugeben, dass man sich ähnliche
Beschränkungen in jeder anderen Technik auferlegen kann, indem man die
Palette, d. h. die Zahl und den Umfang der anzuwendenden Farben, entsprechend
einschränkt. Man kann also in jeder anderen Technik in ähnlichem Stil malen,
wie er durch die Natur des Fresko gegeben ist: nur kann man in den anderen
Techniken ausserdem Aufgaben bewältigen, denen gegenüber Fresko versagt. Es
liegt bei diesem also nur eine Beschränkung vor, die dem Künstler zwangsweise
auferlegt wird, während er sie sich nötigenfalls freiwillig auferlegen
könnte. In einer solchen Eigenschaft kann ich keinen Vorzug, sondern nur
einen Nachteil sehen. Damit wollen wir das Fresko vorläufig
bei- Ende Seite 93 |
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seite lassen und uns den noch übrigen
Arten der malerischen Technik zuwenden. Es sind hauptsächlich zwei, die
Ölfarbe und die Tempera. Zur Einhaltung einer strengen
Systematik wäre es hier nötig, zunächst die Tempera vorzunehmen, weil das,
was man jetzt darunter versteht, auch auf die Anwendung des Wassers zur Verdünnung
der Farbe herauskommt, also auch eine Aquarelltechnik im weiteren Sinne ist.
Dies empfiehlt sich aber deswegen nicht, weil es gegenwärtig einen ganz
bestimmten Begriff der Tempera nicht gibt. Vielmehr stehen wir hier auf dem
Boden einer Alchemie, einer geheimen Rezeptenkunst, an welcher die
Fortschritte der heutigen Wissenschaft anscheinend ganz einflusslos vorüber
gegangen sind. Aus den alten Malbüchern werden halbverstandene Anweisungen
herübergenommen, nach eigenem Gutdünken verbessert und dann von dem
glücklichen Erfinder als grosse Geheimnisse auf das ängstlichste gehütet.
Von Zeit zu Zeit tritt ein derartiges neues Malverfahren mit grossem
Geräusch an die Öffentlichkeit; Erfinder und Fabrikanten rühmen ihm eine
unerreichte Leuchtkraft und ein unvergleichliches Feuer der Farbe nach, verschweigen
aber sorgfältig, woraus das Bindemittel der neuen Farben besteht. Man kann
es nicht oft genug wiederholen, dass die An Ende Seite 94 |
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wendung derartiger Farben für den
Maler ungefähr dasselbe bedeutet, wie eine Kapitalanlage in
südamerikanischen Staatspapieren für einen Familienvater. Es kann ja sein,
dass die Sache etwas taugt, aber die Wahrscheinlichkeit spricht nicht dafür,
und ehe man ihm genau sagt, was man ihm in die Hand gibt, sollte kein Maler,
der es mit seiner Kunst ernst nimmt und der seinem Käufer oder Auftraggeber
gegenüber etwas wie Verantwortlichkeit empfindet, solche Sachen anwenden.
Die Beispiele, wo durch die Anwendung von derartigen Geheimmitteln hochbezahlte
Kunstwerke bereits nach wenigen Jahrzehnten, ja Jahren so weitgehende
chemische und mechanische Veränderungen erlitten haben, dass ihr Wert auf
einen geringen Bruchteil herabgegangen ist, sind leider so zahlreich, dass
man sie nicht einmal anzuführen braucht. Gewöhnlich wird hiergegen von den
Betroffenen wieder ein neues Geheimmittel angewendet und durch Quacksalberei
das Übel schliesslich nur noch ärger gemacht. Auch versäumt man dann meistens
nicht, darauf hinzuweisen, dass die alten Rezepte der grossen vlämischen und
niederdeutschen Künstler, deren Bilder nach bald einem halben Jahrtausend
noch glänzend und farbenfrisch erscheinen, durch Verlöschen der Tradition
verschwunden seien, und dass daher heute keine Hoffnung bestehe, das gleiche Ende Seite 95 |
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zu erreichen. Demgegenüber muss auf
das schärfste betont werden, dass auf Grund unserer heutigen wissenschaftlichen
Kenntnisse eine mindestens ebenso sichere Beherrschung des Materials möglich
ist, und dass man Bilder herstellen kann, die mit wissenschaftlicher Wahrscheinlichkeit
eine gleiche Dauer gewährleisten. Aber derartige Resultate erzielt man nicht
nach der Methode des Alchemisten, der „nach unendlichen Rezepten das Widrige
zusammengoss", sondern durch klare Fragestellung, auf welche die
Wissenschaft immer noch auch klare Antwort zu geben gewusst hat, wenn auch
nicht immer von heute auf morgen. So; damit-habe ich meinem Herzen
zunächst Luft gemacht. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich z. B. in den
Aufzeichnungen über Böcklin mich überzeugen muss, welche unendliche Zeit
dieser grosse Mann mit unnützen und richtungslosen Versuchen verdorben hat,
die ihm ein nicht eben grosser Betrag von chemischer und physikalischer
Kenntnis erspart hätte. Natürlich kann auch der kenntnisreichste
Naturforscher nicht alles vorauswissen. Aber ein solcher versteht zu
experimentieren; dies ist eine ebenso schwere Kunst wie das Malen. Denn es
kommt nicht nur darauf an, etwa alte Rezepte nachzumischen und zu probieren,
ob sie etwas taugen, sondern Ende Seite 96 |
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man muss sich von der Wirkungsweise
jedes Stoffes, der erfahrungsmässig brauchbare Resultate gibt, ein klares
Bild machen, und dann die Ansätze so variieren und durcharbeiten, dass der
angestrebte Zweck am vollständigsten erreicht wird. Hierbei handelt es sich
meist um ein Kompromiss zwischen verschiedenen, sich teilweise
widersprechenden Forderungen; in unserem Falle sind es vorwiegend die beiden
Fragen der optischen Ausgiebigkeit und der Dauerhaftigkeit. Die eine Forderung
zu befriedigen, ohne gegen die andere zu verstossen, ist eine Aufgabe, die
nur durch systematische, nach den Regeln der Wissenschaft streng
durchgeführte Arbeit gelöst werden kann. Die Technik der Malerei muss hier
eine Entwicklung durchmachen, wie sie die Medizin durchgemacht hat, denn sie
steckt ihrerseits noch ganz und gar in der Epoche der Geheimmittel und des
absurdesten Aberglaubens. Diese Entwicklung zu beschleunigen, ist eine
Aufgabe, für die sich wohl ein Mann erwärmen mag. Bekanntlich werden heutzutage fast alle Bilder mittels
Ölfarben hergestellt. Ölfarben im heutigen Sinne sind allgemein erst seit
der sogenannten grossen Zeit der italienischen Malerei, die durch die Namen
Lionardo, Raffael und Tizian gekennzeichnet ist, zur Anwendung gekommen. Was
die Technik der als Ende Seite 97 |
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Erfinder der Ölmalerei geltenden
Vlamen, der Brüder van Eyk, gewesen ist, weiss man heute noch nicht mit
Sicherheit; dass es nicht die heutige Ölmalerei gewesen ist, ergibt sich aus
dem sehr bedeutenden Unterschiede ihrer Erhaltung gegenüber der der
unzweifelhaften Ölbilder aus etwas späterer Zeit. Die Annahme von Ernst
Berger, dass die vlämische Technik Öltempera gewesen sei, hat manches für
sich, kann aber hier nicht eingehend erörtert werden. Jedenfalls stehen wir
vor der Erscheinung, dass die reine Öltechnik gegenüber jenen ausgezeichneten
Kunstwerken sehr schnell Boden gewonnen und die anderen Verfahren fast
vollkommen verdrängt hat. Die Ursache hierfür liegt in zwei Umständen.
Einmal gestattet die Öltechnik, die beiden Prinzipien des Farbauftrages, die
D e c kung und die Lasur, neben- und übereinander gleichzeitig anzuwenden,
und gewährt somit dem Künstler einen grösseren Umfang von Ausdrucksmitteln
als eine der vorbesprochenen Methoden. Ferner hat die Ölfarbe während des
Malens jederzeit das gleiche Aussehen, welches sie auch nach dem Festwerden
behält; der Künstler kann also seine Wirkungen so genau abstimmen, wie er
will, und ist keinen unvorhergesehenen Wandlungen seines Werkes ausgesetzt.
Allerdings ist dieser letzte Vorteil ein trügerischer, denn Ende Seite 98 |
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wenn sich die Ölfarbe auch nicht in
Wochen und Monaten im Tone verändert, so tut sie dies doch sicher in
Jahrzehnten und Jahrhunderten. Der wohlbekannte warmbraune Ton der alten
Ölbilder ist ein Zeugnis dafür; er beruht nicht auf ursprünglicher
Farbbeschaffenheit, sondern auf der Änderung, welche das als Bindemittel
benützte Öl im Laufe der Zeit erlitten hat. Doch hierauf
wollen wir erst später ein wenig näher eingehen; zunächst betrachten wir die
chemischen und optischen Eigenschaften der Ölfarbe. Das
Bindemittel dieser Farben ist Lein-, Nuss- oder Mohnöl, kurz ein
„trocknendes" Öl. Unter einem solchen versteht man ein Öl, das an der
Luft in eine harzartige, feste Masse übergeht. Dass dies alle Öle nicht tun,
kann jeder am Oliven- oder Speiseöl sehen, das durch langes Stehen an der
Luft zwar ranzig, d. h. übelschmeckend wird, aber nicht fest. Was beim
Festwerden stattfindet, ist im wesentlichen ein Oxydationsvorgang, d. h. das
Öl nimmt aus der Luft einen von deren Bestandteilen, den Sauerstoff, auf und
verbindet sich mit diesem zu jener festen Masse. Daher trocknen die Ölfarben
nur auf dem Bilde oder auf der Palette, nicht aber in der Tube, denn in
dieser sind sie gegen den Zutritt des Luftsauerstoffs geschützt. Ende Seite 99 |
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Bei dieser
Umwandlung geht das Öl in eine nahezu gleiche Menge des harzartigen Produktes
über. Das ist zwar nicht ganz genau, denn das Volum des Produktes ist, namentlich
nach langer Oxydation, ein wenig kleiner als das des Öls; dies kommt aber
erst später in Frage. Hierdurch ist nun der optische Charakter der Ölfarbe
gegeben. Während bei den verschiedenen Arten der Wasserfarbe der
Hauptbestandteil des Bindemittels, das Wasser, ohne Rest verdunstet, und
deshalb die Farbe als eine wesentlich aus dem Farbstoff bestehende,
einigermassen poröse Masse hinterlässt, so bleibt das Öl seinem Raume nach
erhalten, und die festgewordene Farbe ist nicht porös, sondern besteht aus
dem durchsichtigen Harz des festgewordenen Öls, in welches die
Farbstoffkörperchen eingelagert sind. Optisch
ergibt sich hieraus das Folgende. Haben die Farbstoffkörnchen eine grosse
Lichtbrechung, so wird die Gesamtmasse deckende Eigenschaften haben, da die
Lichtbrechung des Öls, obwohl grösser als die des Wassers, doch hinter jener
der Farbstoffe zurücksteht. Es hat nämlich Wasser 1.33, Öl 1.48, Bleiweiss
aber 2.00. Immerhin wird es hier doch unter sonst gleichen Umständen eines
bedeutend dickeren Farbauftrages bedürfen, um mit etwas, weniger brechenden
Farbstoffen die Ende Seite 100 |
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gleiche
Deckung zu erzielen, wie sie etwa bei Guasche erreicht wird, und so bietet
sich für die Ölmalerei der starke „pastose" Auftrag in vielen Fällen mit
einer gewissen Notwendigkeit an. Doch muss betont werden, dass diese
Notwendigkeit ein Übel ist und dass ein Ölbild um so sicherer im Laufe der
Zeit zu Grunde geht, je pastoser es gemalt ist. Ich will nicht leugnen, dass
mir diese Voraussicht manchmal bei der Besichtigung von Ausstellungen einen
gewissen Trost gewährt. Hat der mit
Öl angeriebene Farbstoff dagegen keine grosse Lichtbrechung, so treten die in
meinem vierten Briefe beschriebenen Erscheinungen ein. Das Licht findet wenig
Hindernisse bei seinem Durchgange durch das Gemenge und dieses hat im
wesentlichen die optischen Eigenschaften eines farbigen Glases. Damit eine
derartige Farbe ihre Wirkungen tut, muss sie auf einen Untergrund getragen
werden, der seinerseits das Licht zurückwirft, ganz wie das beim Aquarell im
engeren Sinne der Fall ist. Derartige Farben nennt man L a s u r f a r b e n.
Man kann sie in Deckfarben verwandeln, wenn man sie mit deckendem Weiss
mischt. Da aber hierbei ein Teil des Weiss als trübe Schicht vor dem dunklen
Farbstoff sich betätigt, so werden alle
derartigen. Farben durch Mischung mit Weiss (S. 78) nach der blauen
Seite umgestimmt. Ende Seite 101 |
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Dies ist
namentlich beim Rot auffallend Krapp als Lasur wirkt unvergleichlich wärmer,
als mit Weiss gemischt, wo er ins Violett zieht. Durch diese
Einbettung der Farbkörper in ein Mittel von verhältnismässig hoher Brechung
ist nun in erster Linie eine bedeutende Verminderung des weissen oder grauen
Oberflächenlichtes erreichbar, und es gelingt daher, die Wirkung des Bildes
in beliebigem Masse durch farbreiches Tiefenlicht zu bestimmen. Hierauf
beruht insbesondere die ungemein farbige Wirkung jener altvlämischen Bilder,
die, wie sie auch gemalt sein mögen, bezüglich ihrer, optischen Eigenschaften
den Ölbildern zugerechnet werden müssen. In der heutigen Technik werden diese
Wirkungen allerdings meist verschmäht; teils mögen sie den Künstlern nicht
genügend bekannt sein, teils erfordert ihre Anwendung ein umständlicheres
Verfahren als das flotte Heruntermalen mit fertig gemischten Tönen. Ein zweiter Erfolg der Einbettung ist
die mechanische Widerstandsfähigkeit der Farbschicht. Ölbilder können ohne
schützendes Glas aufgehängt werden und man kann sie von angesetztem Staub und
Schmutz durch Abwaschen reinigen. Dieser Vorzug ist indessen nicht ganz
zweifellos; war er wichtig zu einer Zeit, wo die Herstellung hinreichend Ende Seite 102 |
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grosser und
ebener Glasplatten nicht ausführbar war, so fällt er heute nicht ins Gewicht,
wo auch für sehr grosse Gemälde Spiegelglasscheiben zu Preisen erhältlich
sind, die weit unter denen der Kunstwerke selbst liegen. Ohne Glasschutz aber
ist das Ölbild sowohl den schnellwirkenden Unbilden der Nachlässigkeit oder
des Vandalismus wie den langsam wirkenden der Luftverunreinigungen,
insbesondere dem Russ und der schwefligen Säure der modernen Städte
ausgesetzt. Demgemäss schreiten die Museumsverwaltungen immer mehr und mehr
dazu, auch die Ölbilder hinter Glas zu setzen (wogegen vom Standpunkte der
künstlerischen Wirkung gar nichts zu sagen ist), -und damit wird jener
mechanische Vorzug der Ölbilder einigermassen zwecklos. Denn diesen
Vorzügen gegenüber stehen sehr erhebliche Nachteile. Da das Bindemittel einen
entscheidenden Anteil an der optischen Wirkung des Gemäldes hat, so wird jede
Änderung des ersten auch die letztere ändern. Nun ist das harzartige
Oxydationsprodukt der trocknenden Öle durchaus kein unveränderlicher Stoff;
der Oxydationsvorgang bleibt nicht stehen, sondern schreitet langsam fort,
wobei das Harz braun wird und an Volum mehr und mehr verliert. Demgemäss ist
ein jedes Ölbild in fortwährender Veränderung begriffen. Diese Veränderung
hat eine verschie Ende Seite 103 |
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dene
Geschwindigkeit je nach der Natur der Farbstoffe, die dem Öl beigemischt
sind. Daraus ergeben sich denn die zahllosen Krankheiten der Ölbilder,
durch welche ein besonderer Stand von Heilkundigen für diese Patienten, die
Restauratoren, erstanden ist. Doch dies ist eine so weitschichtige Sache,
dass ich für diesmal Schluss machen muss. Mitte Seite
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