Eintracht Power
UEFA-Pokal 1980




Der Weg zum Triumph:



1. Runde:
FC Aberdeen – Eintracht Frankfurt 1:1
Tore:
0:1 Cha (13.)
1:1 Harper (53.)

Eintracht Frankfurt – FC Aberdeen 1:0
Tor: 1:0 Hölzenbein (49.)

2. Runde:
Dinamo Bukarest – Eintracht Frankfurt 2:0
Tore:
1:0 Multescu (21./Foulelfmeter)
2:0 Augustin (88.)

Eintracht Frankfurt – Dinamo Bukarest 3:0 n.V.
Tore:
1:0 Cha (73.)
2:0 Hölzenbein (90.)
3:0 Nickel (92.).

Achtelfinale:
Eintracht Frankfurt – Feyenoord Rotterdam 4:1
Tore:
1:0 Cha (19.)
2:0 Nickel (30.)
3:0 Müller (55.)
4:0 Lottermann (59.)
4:1 van Deinsen (86.)

Feyenoord Rotterdam – Eintracht Frankfurt 1:0
Tor: 1:0 Peters (90.)

Viertelfinale:
Eintracht Frankfurt – Zbrojevka Brünn 4:1
Tore:
1:0 Nachtweih (12.)
1:1 Horny (31.)
2:1 Lorant (44./Foulelfmeter)
3:1 Nickel (50.)
4:1 Karger (71.)

Zbrojevka Brünn – Eintracht Frankfurt 3:2
Tore:
1:0 Horny (9.)
1:1 Karger (18.)
1:2 Neuberger (71.)
2:2 Kotacek (89.)
3:2 Kopenec (90.).

Halbfinale:
FC Bayern München – Eintracht Frankfurt 2:0
Tore:
1:0 Dieter Hoeneß (50.)
2:0 Breitner (76./Foulelfmeter)

Eintracht Frankfurt – FC Bayern München 5:1 n.V.
Tore:
1:0 Pezzey (30.)
2:0 Pezzey (86.)
3:0 Karger (103.)
3:1 Dremmler (104.)
4:1 Karger (107.)
5:1 Lorant (118./Foulelfmeter)

Finale:
Borussia Mönchengladbach – Eintracht Frankfurt 3:2
Tore:
0:1 Karger (37.)
1:1 Kulik (45.)
1:2 Hölzenbein (71.)
2:2 Matthäus (77.)
3:2 Kulik (88.)

Eintracht Frankfurt – Borussia Mönchengladbach 1:0
Tor: 1:0 Schaub (81.)


Vor 25 Jahren: Ohne Regen hätte es mit dem Uefa-Cup nicht geklappt
Quelle: FNP 

Frankfurt. Wenn Bernd Hölzenbein sich flach legte, flach gelegt wurde oder einfach nur auf dem Hosenboden saß, wurde Fußball-Geschichte geschrieben. Nicht nur aus der Perspektive der Fans von Eintracht Frankfurt, sondern weltweit. Wer hat ihn nicht noch vor Augen, jenen Sturz in den Strafraum der Niederländer nach der Attacke von Wim Jansen im Juli 1974? Foul oder nicht Foul? Diese existenzielle Frage lassen wir mal weiterhin im Raum stehen. Das WM-Endspiel jedenfalls kippte, der Rest ist bekannt.

Jene ins Gedächtnis gemeißelte Szene wäre nicht mehr erwähnt worden, ja, dieser ganze heutige Rückblick wäre, dafür kann man die Hand ins Feuer legen, nicht geschrieben worden, hätte der Himmel über Frankfurt am Abend des 7. November 1979 nicht seine Pforten geöffnet. Denn wen würde es heute noch interessieren, wenn die Eintracht damals in der 2. Runde des Uefa-Pokals ausgeschieden wäre? Gegen Dinamo Bukarest, weil das Rückspiel nach einer 0:2-Hinspiel-Niederlage nur 1:0 gewonnen wurde.

Aber das Schöne (und Grausame) am Fußball ist ja, dass es immer diese 90. Minute gibt. Und in dieser 90. Minute am 7. November 1979 hob Willi Neuberger einen letzten Hoffnungs-Ball in den Dinamo-Strafraum, Charly Körbel köpfte Richtung Bukarester Tor – und dann? 

Hölzenbein, dieses alte Schlitzohr, hat es dieser Tage im Fernsehen, der HR kramte die Szene aus dem Archiv, wieder mal verschmitzt geschildert: «Nach Charlys Kopfball war ich, verzweifelt, mitgelaufen und ausgerutscht. Stefan, der Torhüter, hatte das ganze Spiel über super gehalten. Alle zwei Minuten hatte er sich die Handschuhe trocknen müssen, weil es so stark regnete. Und jetzt saß ich unter ihm, als er den Ball fallen ließ. Wenn ich das sehe, muss ich immer wieder lachen über den Torwart.» 

Ja, und dann nickte der Holz kurz, und das seifige Leder trudelte zum 2:0 über die Linie, das zappelnde Elend Stefan vergeblich hinterher. In der Verlängerung gewann die Eintracht 3:0. Als HR-Studiogast, neben ihm Deutschlands Tischtennis-Ass Timo Boll, war es Hölzenbein ein Bedürfnis, seinen Anteil am legendären Treffer klar zu stellen: «Viele Leute haben gesagt, das sei Zufall gewesen, der Ball sei mir auf den Kopf gefallen. Aber ich musste schon ein bisschen was beitragen, und meine schnelle Reaktion hatte ich auch dem Tischtennis als Ausgleichssport zu verdanken.» 

Sechseinhalb Monate später saß Bernd Hölzenbein wieder auf dem, diesmal trockenen, Rasen des Waldstadions, nachdem er gerade noch mit einem Teamkollegen und etlichen Gegnern von Borussia Mönchengladbach um den Ball gerangelt hatte. Aber nun war er für zwei, drei Sekunden passiver, gebannter und dann genießender Augenzeuge, wie ein 19 Jahre alter Frechdachs aus Osthessen den Ewigkeits-Lorbeer erntete. 

Im O-Ton von Fred Schaub, dem Bub mit dem Schnäuzer, hörte sich das so an: «Im Fallen hat Hölzenbein noch zwei Borussen-Spieler geblockt und den Ball zu mir gekickt. Dann habe ich ihn gestoppt, halb rechts, sieben, acht Meter vor dem Tor von Wolfgang Kneib, völlig frei, der Holz hat ja die Gasse freigeblockt. Der Ball lag auf meinem starken linken Fuß. Als er dann drin war, war es ein unbeschreibliches Gefühl. Das ganze Stadion tobte.» 

Und tobte auch zehn Minuten später, als der belgische Schiedsrichter Ponnet abgepfiffen hatte. Die Eintracht gewann mit diesem 1:0 – das Hinspiel auf dem Bökelberg hatte Frankfurt 2:3 verloren, obwohl, so Borussia-Trainer Jupp Heynckes, «die Eintracht die bessere Mannschaft war» – den Uefa-Pokal. Am 21. Mai 1980, also vor exakt 25 Jahren. 

Weshalb an diesem Wochenende kräftig gefeiert werden soll. Heute auf jeden Fall, wenn die Eintracht die «Helden» von damals zu einer Feier im Metropolis und anschließendem Trip auf dem Main einlädt. Ob frühere und aktuelle, junge und alte Eintrachtler auch am Sonntag feiern können, ist eine andere Geschichte. 

Das Uefa-Pokal-Glanzstück war natürlich auch ein Triumph für den danach scheidenden Trainer Friedel Rausch. «Goldfinger» wurde er in jenen Wochen genannt, weil er gleich mehrere Male Spieler eingewechselt hatte, die dann prompt entscheidende Tore erzielten. Fred Schaub, der im Final-Rückspiel 13 Minuten vor Schluss für Norbert Nachtweih kam, war nur der klassischste Fall. 

Und Rausch, der nach einem Kurz-Intermezzo 2001 mit der Eintracht abstieg und heute mit 65 Jahren sein Leben am Vierwaldstätter See genießt, entpuppte sich als Prophet. Vor dem Heimspiel gegen Gladbach meinte er: «Mit Fred habe ich etwas Besonderes vor.» Rund ein Jahr zuvor, als Schaub bei einem seiner ersten, insgesamt aber nur 58 Bundesligaspielen für die Eintracht, Hannover und Dortmund, das Siegtor gegen Düsseldorf erzielt hatte, sagte Rausch: «Dieser Junge wird eines Tages noch 40 000 zum Rasen bringen.» Gegen Gladbach waren es noch 20 000 mehr. 

Doch es blieb bei diesen Sekunden des überschäumenden Glücks. Später mal bemerkte Schaub: «Vielleicht bin ich an diesem Tor gescheitert. Bei jedem neuen Verein wurde ich an diesem Tor gemessen.» Ein tragischer Verkehrsunfall im April des vergangenen Jahres in der Nähe seiner Heimat (Heubach bei Fulda) beendete sein Leben. Erschüttert waren viele Eintracht-Fans schon Jahre zuvor, als sie vom plötzlichen Herztod des österreichischen Abwehr-Stars Bruno Pezzey erfahren hatten. 

Der Publikumsliebling mit der schwarzen Lockenpracht hatte vor allem im hochklassigsten aller 12 Uefa-Cup-Spiele für Furore gesorgt, als seine zwei Tore im Frankfurter Halbfinal-Rückspiel das 0:2 bei Bayern München egalisierten und in einer irren Verlängerung der Tage später zum Meister gekürte FCB mit 5:1 überrollt wurde. Die Trumpfkarte in diesen 30 Minuten hieß Harald Karger. Der «Schädel-Harry» aus Burgsolms war in jenen Monaten drauf und dran, die Bundesliga im Stile eines unerschrockenen Jung-Siegfried zu erobern. Doch, oh Jammer, eine im Final-Hinspiel in Gladbach erlittene Verletzung (Innenbandschaden) war so hartnäckig, dass eine Karriere, die ganz viel versprach, drei Jahre später trostlos zu Ende ging (28 Bundesligaspiele, 9 Tore). Seit ein paar Monaten trainiert Karger den Bezirksligisten SG Hoechst. 

Nicht nur im Finale, sondern schon seit dem Viertelfinal-Rückspiel bei Zbrojevka Brünn stand ein anderer Spieler im Abseits. Ein anderer Spieler? Es war «Mr. Eintracht» schlechthin, der in 15 Jahren den Spiel-Stil einer Mannschaft, mehrerer Mannschaften so geprägt hatte wie kein Eintracht-Spieler zuvor und danach. Eine komplizierte Mittelfuß-Geschichte, erlitten nach einem Foul von Lothar Matthäus (ja, genau der) im Bundesligaspiel in Frankfurt gegen Mönchengladbach am 15. März 1980, hatte die glanzvolle Karriere von Jürgen Grabowski (441 Bundesligaspiele, 109 Tore, zwei DFB-Pokalsiege, Weltmeister) beendet. 

«Natürlich habe ich mich nach dem 1:0 gegen Gladbach gefreut, aber zu Luftsprüngen war ich nicht in der Lage», blickt der «Grabi», seit Jahren leidenschaftlicher Golfer, zurück. Wohl auch, weil das Verhältnis zu Rausch, gelinde ausgedrückt, problematisch war. Damals hieß es oft, es habe Autoritäts-Konflikte zwischen dem relativ jungen Trainer Rausch und mächtigen Spieler-Persönlichkeiten wie Grabowski, Hölzenbein, Nickel oder Pezzey gegeben. Grabowskis Version heute: «Der Trainer hatte es mit uns einfach. Aber ich hatte ein Problem mit Rausch. Es war eine ganz harte Saison für mich, aber tiefer möchte ich nicht mehr graben.» 

Klar ist auf alle Fälle, dass im «Gesamtpaket Eintracht» in der Saison 1979/80 nicht alles stimmte, denn eine Mannschaft, «die von der Qualität her genial war» (Horst Ehrmantraut, damals Eintracht-Profi im zweiten Glied), hätte in der Bundesliga nicht nur Neunter, übrigens nur drei Punkte vom ersten Abstiegsrang entfernt, werden dürfen. Wie dem auch sei, im Uefa-Pokal, der «damals fast die Reputation wie heute die Champions League hatte, war die Konzentration punktgenau da» (Ehrmantraut). Und die Eintracht in einem der besten deutschen Fußball-Jahre (1980 Europameister, vier Bundesligisten im Uefa-Pokal-Halbfinale, HSV im Landesmeister-Finale) in Europa ein echter Hit.

© Eintracht Power, 1996-2005 - Stand: 21.05.2005 Fehlt das Menü?
Erstfassung: 21.05.2005