Archiv P/reviews A-K

Absurd Minds - Deception

Eigentlich wollte ich mich nun gar nicht über dieses Machwerk auslassen, aber wenn es sonst jeder tut, kann ich es auch nicht lassen! Außerdem war es höchste Zeit, endlich mal wieder was Neues zu schreiben! Nun gut, wenn schon, denn schon: Das dürften sich wohl die Jungs von A.M. überlegt haben, als sie beschlossen, die alten Pitchies wieder mit neuem Leben zu erfüllen! Daß das aber so ein Erfolg würde, hätte wohl keiner Gedacht! Ich muß sogar zugeben, das mir der erste Track "brainwash v2" noch recht gut gefällt. Leider hält sich das nicht allzulange! Musikalisch auf schon erwähntem Pitchfork-Level, sind die Texte so platt, daß nicht mal ich, der wegen Englisch seinerzeits fast durchgerasselt wäre, daran gefallen finde. Oh Mann, ich dachte, so plattes Gesülze hätten wir hinter uns!? Nun gut, wer alte Pitchies mag, wird auch deren Plagiat zugeneigt sein. Bei Mastertune hats auch geklappt! ---b-runner---17.10.00

Accession Records Vol. One - Sampler --- Accession Records - 17 Tracks - 77m33s

Eigentlich ist es ja mit Samplern immer so eine Sache, meistens sind 1/3 der Tracks wirklich gut, 1/3 eher durchschnittlich und der Rest eigentlich gar nicht hörbar.Das ich mich bei meiner letzten CD-Bestellung ganz spontan doch für den ersten Teil des Accessionlabelsamplers entschieden habe, lag zum einen an der Auswahl der Bands, zum anderen an der Spielzeit von fast 78 min. und natürlich dem Midprice. Eines vorweg: die oben beschriebene 1/3 Theorie kann man bei diesem Sampler nicht anwenden, denn was hier geboten wird ist durchweg qualitativ hochwertiges Material. Von zeitgemäßen Electro, Wavigem über Synthiepop bis Experimentell wird ein Schnitt quer durch die Szene gemacht, wobei (Yippie) der Electroanteil etwas überwiegt. Die Newcomer Angels of Venice eröffnen mit einem ruhigen, instrumentalen ja schon fast nach Enya klingenden schönen Track.
Instrumental geht´s dann auch weiter mit Diary of Dreams, die aus dem Blade Runner Main Theme eine nette tanzbare 2001-Version gebastelt haben. Assemblage 23 bringen sich mit Anthem im Strongholdmix ein, was auch auf dem 1. Album der Band zu finden ist. Cleaner "Dubmixen" den Klassiker von Nitzer Ebb "Fun to be Had", Megadump bieten im Funker Vogt-Stil (mit deutschem Gesang) einen Track ihres neuen Albums und haujobb (hört, hört) teigen mit "Unseeing" etwas experimentell wo es mit dem neuen Album Polarity hingehen soll.
Die Jungs von Psyche schicken mit Unbreakable einen glasklaren Synthiepoptrack ins Rennen und Claire Voyant beweisen ihr Können mit einer Ballade unterstrichen von Victoria Lloyds wunderschönen, weichen Gesang. Absoluter Höhepunkt der CD sind jedoch die Tracks von Cut Rate Box und Diorama. Schon im letzten Jahr vom Electricafeteam zu einer der besten Newcomerbands 2000 erkoren, knallen die US-Elektroniker mit Zionsank richtig rein. Genialer Electro von cleanen Vocals unterstützt liefert dem Hörer den absoluten "Overkick". Es folgt in Nanosekunden die Message vom Elektronengehirn an den gesamten Körper: You like your Body, move your Body!! Still stehen nicht erlaubt !! Genauso hält es sich mit Advance vom neuen Dioramaalbum was mit etwas dunklerer, tieferer Stimme arbeitet jedoch auch sofort voll in Bein und Ohr geht. Beim zweiten Beitrag von Cut Rate Box wurde Stefan Netschio von Beborn Beton als Gastsänger ans Mikro gekettet was "In your Eyes" gesanglich einen leichten Synthiepoptouch verleiht.
Auch ein echtes Hammerstück!! Ansonsten tragen die noch etwas unbekannteren Acts wie GASR, Aesma Daeva und The Azoic noch je einen Track bei. Fazit: Ein Sampler den man auf jeden Fall weiter empfehlen kann. Nebenbei noch: Als sehr informativ kann man das Accession-Booklet bezeichnen, da von fast jeder Band Bilder, Internetverbindungen und sonstige Info´s abgedruckt sind.
Tracks: 2/Diary of Dreams-Blade Runner 2001, 4/Cut Rate Box-Zionsank, 5/Diorama-Advance, 6/haujobb-Unseeing, 7/17Claire Voyant-Blinking Tears, 13/Cut Rate Box-In your Eyes, 8/Psyche-Unbreakable. ---Martin---25.5.01

Accessory - jukka 2147.de --- Out of line - 11(12) Tracks - 63m01s

Aha, mal wieder ein Newcomer von Out of Line. Da ist man erst mal skeptisch, schließlich gab es bei OOL schon einige angebliche Electrowunder, die sich dann als Flop herausstellten! Aber hey, das sieht nicht nur gut aus (das Cover), sondern kann sich auch hören lassen (die CD). Es ist allerdings schon merkwürdig, welche spontanen Assoziationen sich beim Anhören einstellen. So erinnert so einiges an die Jungs von Dark Illumination, aber auch X-m.t.p., haujobb., Digital Factor und nicht zuletzt auch die 242’s scheinen ein wenig Einfluß auf Accessory gehabt zu haben. Electronisch gibt es also eine durchaus ansprechende Mischung mit vielen Samples. Die Stimme wurde teilweise kräftig mit Effekten beigeschliffen, aber der Gesang ist durchaus angenehm (außer Feindflug Mix). Auch sonst gibt es einige nette Passagen, doch ingesamt wird die ganze jukka2147 mit der Zeit dann doch etwas eintönig, was vor allem an dem guten alten EBM-Schema liegt, daß zwar die Tanzbarkeit sichert, aber sich durch fast alle Tracks zieht. Vielleicht wirds beim nächsten Album. Fazit: EBM is not dead! Super Schrankkoffer-Musik! Nette Ideen, aber ingesamt nicht so richtig prickelnd. Und: "Hardcore" ins Mikro zu brüllen (2. Deadline), ist irgendwie peinlich, oder? Highlights: 1.Souliner, 3.Relict ---b-runner---10.3.01

Aghast View - Phaseknox --- Gashed - 11 Tracks - 68m32s

Heh, super aghast view aus brasilien hauen endlich mal wieder ein neues album raus. Nachdem die letzte cd "carcinopest" (noch bei zoth ommog) von anfang bis schluß in hirnlosem geknüppel kombiniert mit "ich bin so böse"-grölgesang ausartete, so muß ich sagen, ist das neue material schon eher was für kleine verwirrte electroköpfchen. Die band hat etwas abstand genommen von gestampfe und alten angestaubten klängen. NEU.... sie benutzen den typischen ebm-lastigen-aghast-view-stil, mischen moderne elemente + tolle effekte unter und klingen somit irgendwie frischer, zeitgemäßer, ja besser!! Auch am gesang wurde schwer gefeilt, so wird bei 2-3 stücken ein richtig melodischer refrain geboten, in den restlichen tracks geht´s eher härter zur sache. Wie schon beim gesang so halten sich auch beim sound melodie und härte die waage, immer wieder unterbrochen von langen instrumentaltracks. Der einzigste minuspunkt der cd liegt darin das einige lieder vielleicht ein bißchen zu lang geraten sind. Die brasilianer verlieren sich ab und zu in langen instrumental- passagen, so das sich beim anhören manchmal die frage aufdrängt: nächster track?? Ach, ne noch gar nicht fertig!! Trotzdem, unterm strich: ein geiles electroalbum, das man sich ohne bedenken zulegen kann. Aghast view haben einen großen schritt in die richtige richtung gemacht und eine sehr gute cd abgeliefert. Weiter so!! Ebenfalls lobenswert: das schöne booklet mit texten und coolem motiv auf der rückseite des booklets.
Antesten: 1. Timeless, 4. Glasswaves, 5. Reason, 6. Deviance, 8. Fieldlights. ---Martin---23.2.01

Concrete Nature - Encrusted --- Gashed - 12 Tracks - 51m42s

Das aus dem hohen norden kommende duo michael h. hartmann und sönke siemsen präsentieren uns hört , hört auf dem kanadischen label "gashed" ihr debütscheibchen. Sunny schramm von abscess (wohl im moment etwas langeweile) hat kräftig mitproduziert, was der ganzen cd richtig gut getan hat. Vorweg : Man erkennt zwar hier und da ähnlichkeiten zu seiner ex-band , aber keine panik , es ist kein abscessclon kreiert worden, auf keinen fall!! Zur musik ... Nach dem intro wird man gleich mit einem der besten tracks der cd " inside me " an die wand genagelt. Wie für den tanztempel gemacht !! Genialer einstieg !! Es beginnt eine mixtur aus tanzbaren , instrumentalen und tracks der mittleren gangart (einen vor, einen zurück, einen fallen lassen). Concrete nature basteln ein gerüst aus mehrschichtigem, komplexem electro/dark techno, bei dem im hintergrund immer wieder großzügig melodische synthieflächen eingeflochten werden. So ist fast in jedem track an irgendeiner stelle ein melodischer part zu entdecken der begeistert. Zusätzlich wird der sound abgerundet mit einigen sprachsamples aus diversen filmen. Was den gesang angeht arbeitet die band mit mäßig verzerrten bis "etwas heiser" klingenden vocals. Schade eigentlich, ich denke das material würde ohne einsatz des verzerrers noch 10 x besser kommen, ohne an härte zu verlieren. Wer jetzt einen komplett neuen sound sucht , der sucht vergeblich. Jedoch muß ich ehrlich zugeben das es dieses debütteil "ganz locker" mit allen anderen bands aufnehmen kann , die schon wesentlich länger im geschäft sind und es bis jetzt noch nicht geschafft haben so eine klasse an den tag zu legen. Hut ab vor den beiden nordlichtern, ein genial produziertes electroalbum, mit allem was dazu gehört. Ich bin mir sicher von denen hören wir noch einiges. Das artwork ist ganz nett, einzigstes manko: es sind keine texte abgedruckt. Kann man jedoch unter www.concrete-nature.de nachlesen.
Testracks: 2.Inside me, 4.Dungeon keeper, 5.Exclusive audience, 6.Icy hands, 11.Assimilate to hate. ---Martin---23.2.01

Covenant - United States of Mind --- Dependent - 11(10)Tracks

Es ist immer wieder bewundernswert, was die Schweden so alles können. "united states of mind" ist, wie jedes Covenant-Produkt völlig anders als erwartet, aber doppelt so gut. Die Tracks "like tears in rain", "helicopter", "dead stars" und "one world one sky" stehen bei mir besonders hoch im Kurs. Die Tanzbarkeit ist bei den meisten Tracks gegeben, trotzdem sollte man die Ohren spitzen, was sich denn da im Hintergrund noch so tut. Schlichtweg der Oberhammer für alle Freunde des Covenant-Sounds. ---b-runner

Cut.Rate.Box - New Religion

G.Wygonik und Clint Sand heißen das in Amerika schon länger bekannte und nun nach Europa blickende Musiker-Duo Cut.Rate.Box, welches mit seinem hier erschienenem ersten Album "New religion" zeigt, daß man mitausgedehntem Spektrum und innovativem Sound auch als Newcomer in derLage ist, viele der Zeitgleich produzierten Veröffentlichungen aus dem Genre in die Tasche zu stecken. Mit Gast-Vokalisten wie Stefan Ackermann (Das Ich),Daniel Myer (Haujobb, Cleaner), Adrian Hates (Diary of dreams) hat man ein paar namhafte Künstler auf das Debut gebannt. Besonders positiv fallen Stefan Ackermann in "Heart braek cinema V2" und Daniel Myer in "Nothing" auf, wobei der eigene Gesang des Künstlers G.Wygonik sehr gut mit den harmonisch und auch elektronisch aggressiven Melodien funktioniert. Anspieltipps sind: "Heart break cinema", "Copper" (mit subtil eingesetzten Gitarren!), "Misery" (Synthetisch poppig), "Traum-maschine" (bohrende im Wechsel mit flächigen Synthies) und "Nothing".Für mich waren Cut.Rate.Box die Newcomer des Jahres 2000! ---RK00010111

Cyber-Tec - Cyber-tec

"let your body die" ist gleichzeitig Namensgeber und Motto der ersten Veröffentlichung von C-Tec, die damals noch unter dem Name Cyber-Tec begeisterten. Neben dem Titel-Track bekommt der Electronicer noch die Titel "human", "cauterized", und "radiance" - vor Allem ersteres in diversen Mixen - geboten, so z.B. von Birmingham 6, K-Nitrate und TV Overdose. Wenn Ihr diese CD noch irgendwo findet, schlagt zu! Übrigens gibt es zu der eben genannten noch hinreißend geile T-Shirts! ---b-runner---2000

C-Tec - Cut

Auch wenn sich Herr DeMeyer neuerdings eher uninteressiert an elektronischer Musik gibt (siehe TT 33, S. 10), hat er zusammen mit seinen beiden Kollegen mal wieder gezeigt, wo´s langeht. "i die tomorrow" ist der absolute Killertrack. Mal wieder was richtig schön krachiges! Aber auch die anderen Tracks (z.B. "brutal, she left, ...) machen diesen in einer schönen Klappbox erhältlichen Silberling äußertst kaufenswert. Einige Sound lassen Erinnerungen an das "cyber-tec project" wieder erwachen, während der Abstand zur "darker" doch recht deutlich ist. ---b-runner

Decoded Feedback - Reflect in Silence

Die zum Einstieg in das Fulltime-Album "Mechanical Horizon" produzierte Maxi CD enthält 3 Versionen des Titelstückes, einen Remix des auf dem Album vertretenem Track´s "Immortal" und den Non-Album-Track "Lifeless". Auch wenn gleich bei der ersten Version vertraute Rythmen der Erfinder der Electronic Body Music das Ohr kitzeln, beweisen die Nordamerikaner einmal mehr, daß sie tanzbare Musik mit eingängigen Melodien und düsterem Gesang verbinden und damit den Hörer überzeugen können. Viel Potential zeigt der Alpha/Omega Mix von "Immortal" in dem die verzogene Vortragsweise sehr anspricht. Auch der nicht auf dem Album vertretene Song besitzt Wiedererkennungswert und läßt sich schnell in seiner Struktur im Kopf nieder. Kein muß aber ganz Nett! ---RK00010111

Din_Fiv - Escape to reality

Das zweite Album des Solo-Projectes um den Amerikaner Da5id Din kann sehr gefallen. Schon im Opener "Through the looking glass" wird man durch weit ausgedehnte Sphärensounds, wabernde Sequenzer und durch angenehm programmierte Drums auf die hohe Qualität dieser Produktion hingewiesen und gleichzeitig von der sich aufbauenden Atmosphäre (ich zitiere: "die sich irgendwo zwischen Melancholie und Futurismus bewegt") in den Bann gezogen. Im weiteren Verlauf versteht man es durch abwechslungsreiche Kompositionen den Hörer weit von den Bedientasten seines Abspielgerätes fernzuhalten. Der Höhepunkt dieses Albums ist für mich der Song "Live for today", der mich in Teilen des Intro ein wenig an VAC´s "Slut" erinnert, später jedoch zu einem genial treibenden düster-melancholisch verwobenen Titel mutiert. Das darauf folgende "Cata" scheint mir sehr eng im Zusammenhang mit "Retrogradiation" des Informätik-Albums zu stehen. Mehr als gespannt darf man auf nachfolgendes Material des Bostoners sein. Sehr empfehlenswert! ---RK00010111

Dupont - Ukraina --- Life is Painful - 10 Tracks - 40m08s

Mit Dupont dürfte das junge Label LIP aus Stuttgart einen ersten großen Erfolg zu feiern haben. Die drei Schweden geben uns das zurück, was uns seit dem Ende von NEP etwas fehlt, nämlich deftigsten EBM in Reinform. Hier gibts nur eins: Tanzen! Zum reinen Anhören ist Ukraina weniger geeignet, aber in den CD-Wechsler meines altersschwachen Fords gestopft fährt die Kiste konstant 180 - in der Stadt ;-). Hier wird richtig geknüppelt und gebrüllt, was das Zeug hält (Extrembeispiel 9. Expo2k).
Doch Dupont sind kein Klon á la Mastertune; sie haben ihren eigenen Stil, den "alten Zeiten" wieder neues Leben einzuhauchen. Einige moderne Sounds und Elemente ergänzen mal mehr, mal weniger die klassiche EBM-Basis, die immer wieder Erinnerungen an That total Age und auch Showtime hervorruft. Die Soundqualität ist allerdings um einiges besser als die der Vorbilder.
Also, Abtanzen ist für offene Ohren durchweg garantiert; ausgenommen das Outro Batuskaf. Prinzipiell erscheinen die 40 Min. Spielzeit ein bißchen dürftig, aber lieber so, als - wie bei vielen anderen Bands - das Album noch mit irgendwelchen "Abfallstücken" vollzustopfen. Und: wer die 40 Min. durchhält, dürfte reichlich ausgepowert sein. Wirklich störend dagegen finde ich das doch recht armselige CD-Cover.
Play it loud! Tracks: 1. Money, 4. Train for nothing, 7. More life ---b-runner---03.01.02

Frontline Assembly - Epitaph (Ltd.) --- Metropolis - 10(11) Tracks - 67m47s

Öha, die Herren Leeb und Peterson wollen’s also nochmal wissen! Nachdem uns das 1999er Album "Implode" wieder Hoffnung machte, das die "FLAvour of the weak" doch nicht den neuen Style von FLA einführen sollte, wurde "Epithaph" schon in den ersten Ankündigungen als "Back-to-the-rotts-Album" gehypt. Doch was ist nun dabei herausgekommen?
Also prinzipiell ist alles beim Alten; Bill und Chris machen die Musik, Greg Reely mischt und Dave McKean macht’s Cover. Auf der ltd. CD findet sich noch ein 11. Hidden-Track, der aber als instrumentale Soundcollage nicht unbedingt erwähnenswert ist. Dies gilt leider auch mal wieder für das Digipak, aber ich war ja noch nie so begeistert von McKeans Design.
Muskalisch haben sich FLA nicht allzuweit aus dem Fenster gelehnt; "Implode" war im direkten Vergleich innovativer. Oder, um es positiver auszudrücken: FLA haben zu ihren Stil zurückgefunden und machen wieder das, was sie am besten können: athmosphärischen Electro mit schrägen, verschachtelten Sounds, typischen Texten und kräftigen Rhythmen.
Außer bei "Krank it up", welcher der schwächste Song von Epitaph ist, hält sich das Tempo in Grenzen, wobei "Dead Planet" noch einer der anregendsten Titel ist. Grundsätzlich werden bei den meisten Track mehr oder weniger starke Erinnerungen an längst verloren geglaubte Zeiten wach, ohne das sie angestaubt klingen. Experiment geglückt! Insbesondere die Intros der Tracks sind FLA-typisch recht lange und dicht. "Everything must perish" ist für meinen Geschmack fast etwas zu weich geraten.
Insgesamt zeigen FLA mal wieder, wie man’s richtig macht, wobei die erste Albumhälfte irgendwie besser gelungen ist als die zweite.
Persönliche Anspieltips: 2/Dead Planet, 3/Backlash, 4/Epithaph, 10/Existance ---b-runner---23.10.01

haujobb - Polarity --- Metropolis Records - 19 Tracks - 52m18s

YES, haujobb machen endlich wieder richtig gute Musik. Etwas irritiert reagierte ein Großteil der Fangemeinde auf das letzte Album ninetynine. Zu wenig war das aneinanderreihen von schrillem Gepiepse, kühler Rhythmik und sehr spärlichem Gesang um die Fans vom neuen haujobbstil zu überzeugen. Mit der aktuellen CD Polarity versuchen die Elektroniker Daniel Myer und Dejan Samardzic zwischen der neuen Weiterentwicklungsstufe und den beiden besten Alben Freeze-Frame-Reality und Solutions for a small Planet eine Verbindung herzustellen.
Anspruchsvolle+komplexe Elektronik, viele vertrackte Rhythmen, sowie Breaks, eingestreute Drum&Basselemente und endlich wieder atmosphärische Flächen für mehr Volumen prägen den neuen Sound. Fast alle Tracks präsentieren sich melodiöser, songorientierter auch mit mehr Lyrics als auf dem Vorgängeralbum, was sehr erfreulich ist.
Daniel Myer lebt dabei ungebremst seine Experimentierfreudigkeit mit den eigenen Vocals aus und läßt somit keine gesangliche Monotonie aufkommen. Das Tracklisting ist interessant aufgebaut: so folgt einer kurzen Instrumentalsection jeweils ein Track mit Gesangspart. Irgendwie spaßig, jedoch wünscht man sich nach den vielen kurzen Instrumentalausflügen doch lieber "einen" 6-12 min. Track ala Solid State Logic oder Sensor. Alle Tracks liegen zwischen 120-140 BPM was bedeutet das bei den meisten abzappeln Pflichtprogramm ist. Kracher wie Subsonic, Sinus Problem und Demon lassen da keine Zweifel aufkommen. Hier und da wird zwar durch Breaks in Pianoform oder anderer Instrumentierung etwas das Tempo aus den Songs genommen, jedoch stört das nicht weiter. Einzige Ausnahme: das geniale Boom Operator......Schade!! Neu, und das kann man ganz sicher als gelungenes Experiment bezeichnen ist der für haujobb eher untypische ganz ruhig aufgebaute Track Violator, einer der absoluten Knaller des Albums.
Fazit: haujobb ist ein super Album mit vielen verschiedenen Facetten gelungen.....tanzbar, spacig, ruhig, Musik aus einem uns noch bevorstehenden unbekannten Zeitraum. Bei der Qualität die das Audiomaterial besitzt wäre es meiner Meinung nach genial wenn die beiden Musiker noch eine "Polarity-Remix-EP" (Frames) nachschieben würden. We will see!! Thema Booklet: Wie bei haujobb schon so oft sehr "BLAU" gehalten, mit Texten, tollen (Live)-Bildern, wirren Zahlen und Computergraphiken >> insgesamt sehr cool!!
PLAY: 4/ Sinus Problem, 2/ Subsonic, 16/ Violator, 6/ Centuries in me, 8/Demon ---Martin---18.11.01

 

 

Archiv P/reviews L-Z

Matrix - The War is over --- Out of Line - 15 Tracks - 63m31s

Es kommt beim Electricafé recht selten vor, dass eine Veröffentlichung von Out of Line näher betrachtet wird, und das hat auch seinen Grund: Mir ist kein anderes Label bekannt, das seine Veröffentlichungen so übertrieben in den Himmel lobt und soviel Bockmist hervorbringt!
Nun gut, Matrix sind bei Ool und darum geht nun. Nachdem der Erstling von Matrix einige Beachtung fand, schien es nicht uninteressant, sich auch mal das Nachfolgewerk der Band anzuhören. Bei "The War is over" wird eins ganz fix klar: Nix Neues! Wer A 23, VNV Nation, Icon of Coil und den ganzen Brei mag, wird auch Matrix mögen, die sich bei den obengenannten reichlich an Elementen bedienen! Die meisten Sounds hat man schonmal irgendwo gehört.
Dabei ist die Band an sich gar nicht mal schlecht. Die Musik ist durchweg tanzbar und eingänig, der Sänger kann was und wirklich eintönig ist das ganze auch nicht!
Kurz gesagt Future-Pop-Electro, wie ihn z.B. Evils Toy vielleicht heute machen würden, wären sie nicht versehentlich gleich dreimal durch den Feinwaschgang gejagt worden! Teilweise starke Weichei-Tendenzen. Tracks: 2. Silence, 10. Phoenix ---b-runner---03.01.02

Mnemonic - Identifikationsstörung --- Alfa-Matrix - 14 Tracks - 65m59s

Ein neues Label aus Belgien, dem Land der EBM-Pioniere, mit dem genialen Namen Alfa-Matrix lässt in letzter Zeit so manche CD auf die Electrowelt los. So auch das Debüt der Newcomerband Mnemonic die aus Sebastian Schulz (Vocals, Produktion) und Michael Belletz (Programing, Texts) besteht. Normalerweise halte ich ja von Labelbeschreibungen nichts, hier jedoch trifft die Vorabinfo schon "in etwa" zu. Laut Label orientieren sich die beiden Electroheads an zwei der bekanntesten Acts der Szene, nämlich Front Line Assembly und haujobb. Meiner persönlichen Meinung nach erinnert mich die Band in Stil und Gesang aber eher an die ersten VÖ der US-Elektroniker von T.H.D. (TotalHarmonicDistortion). So, jetzt aber Schublade zu. Wie klingen Sie denn nun wirklich?? Tanzbarkeit, melodische Refrains, füllende Synthieflächen, abgedrehte/verdrehte Rhythmen und vereinzelt auch Sprachsamples bestimmen den Sound von Mnemonic. O.K., manchmal entsteht der Eindruck das einfach zu viele Sounds + Breaks aufeinandertreffen und so das "fließende Element" etwas vernachlässigt wird, die tracks etwas eckig und kantig klingen. Jedoch ist das bei der Vorliebe für die o.g. Bands und deren voluminösen Sound auch schnell passiert. Die engl. Vocals passen sehr gut zum Gesamtbild und werden zu keiner Zeit nur runtergerattert , so wie das bei einigen anderen Bands der Fall ist. Zwischendurch kommen auch die Industrialfans auf Ihre Kosten, da die Instrumentaltracks die zur Auflockerung mal nebenbei eingespielt werden sehr Industriallastig ausfallen. Hier könnte man noch erwähnen das das Tracklisting in drei Gruppen eingeteilt ist : alle engl. Titel = engl. Vocaltracks (7), alle dt. Titel = Instrumentaltracks (4), track 12-14 = Rmxe. Was die drei Remixe angeht, so ist der von Somatic Responses (der ein geiles Rhythmusgerüst präsentiert was richtig knallt) der einzige der erwähnenswert wäre. Fazit: Wenn ich mir Songs wie Shadowchild oder Dopetunnel anhöre, hoffe ich das die beiden hart weiterwerkeln, damit wir irgendwann die 2. Mnemonic hören dürfen. Speziell die zwei genannten tracks stechen heraus, sind einfach genial und für den floor auf jeden Fall geeignet. Ach, und überhaupt .....Debütprüfung locker bestanden !! Freue mich schon auf´s nächste Album. Das Artwork der CD ist "sehr schlicht" gehalten. Nach dem Minimalprinzip auf das nötigste zusammengerafft ... leider auch ohne Texte !! PLAY: 3/Shadowchild, 2/Dopetunnel, 7/Outsider. ---Martin---18.12.2001

Neuroactive - Neurology 1994-2000 --- Cyberware Productions/A Different Drum - Tracks: CD1:11/CD2: 11+2CDROMS - CD1 49m12s, CD2 52m18s

Wie könnte man am besten die Wartezeit bis zum nächsten Album überbrücken? Natürlich mit einer Compilation bestehend aus unveröffentlichtem Material, raren Tracks oder irgengwelchen Mixen für diverse Sampler. Die beiden unterkühlten Finnen von Neuroactive sind wohl beim aufräumen des Studios auf einige schon länger gespeicherte Klangexzesse gestoßen. Und somit war die Idee für die Neurology 1994-2000 geboren. Auf CD1 werden bis auf 3,7,8 Mixe und Remixe aus der Zeit von 1997-2000 geboten, d.h. vom Fiber-Optik-Rhythm-Album und den dazugehörigen ausgekoppelten Maxies.Dabei sind "Timemachine (neurotransmitter remix)" und "Contempt (hard mix)" die Titel, die man hervorheben sollte, da sie gegenüber dem Original in ein dichteres, fetteres Soundgewand gepackt wurden. Ebenfalls sehr nett klingt "Vapour" von 1997. Die restlichen Mixe aud CD1 sind O.K., aber mir persönlich einfach zu poppig.
Auf CD2 befindet sich älteres Material aus den Jahren 1994-1997. Die Mixe sind stellenweise etwas zu verschnörkelt, von daher empfehle ich die etwas schlichteren Versionen auf den Alben "Morphology"+"Phonic Trace" zu genießen. Am Ende der CD gibt´s dann noch was für´s Auge, nämlich 2 CDROM-Tracks von "Space Divider" und "Scanner". Auch schön. Für eingefleischte Neruoactive-Fans ein muß, weil Sammlerstück (Limitiert auf 1500). Einem Neuroactive-Einsteiger lege ich jedoch eher die beiden ersten Alben ans Herz.
Und jetzt noch das Wort zum Sonntag: Schnief, Heul.....ganz ehrlich jetzt mal, ich wünschte die Band würde sich 2001 wieder etwas weg bewegen vom simplen Synthiepop der letzten Veröffentlichungen und zurück kehren zu dem, was sie einzigartig hat klingen lassen, nämlich dem spacigen, komplexen, leicht unterkühlten Sound à la Phonic Trace+Morphology. Na,ja wir werden sehen, keiner weiß, was die Zukunft bringt!!
Was das Artwork angeht, haben sie sich richtig Arbeit gemacht.Das limitierte Teil erscheint in einem schönen aufklappbaren Digipack, in dem sehr übersichtlich aufgelistet ist, welcher Track aus welcher Zeit stammt und welche Musiker im Zeitraum von 1994-2000 an Neuroactive mitgewirkt haben.
Tracks: CD1 3/Vapour, 2/Timemachine, 11/Contempt. Tracks:CD2 1/Space Divider, 2/Burning, 3/Scanner, 4/Shapeless, 5/Media Prayer. ---Martin---15.05.01

Neuroactive - Neuron MCD

Klein, aber fein, so könnte man diese MCD treffend beschreiben. Die zwei Mixe von "neuron", das im Original auf dem "phonic trace"-Album zu finden ist, sind schön, aber weniger spektakulär, die Versionen von "she’s a liquid" und "invisible transfers" dagegen schon. Athmosphärisch, aber trotzdem treibend. Insgesamt 19 Minuten erstklassige Musik in einem netten Cover verpackt. ---B-Runner---2000

Neuroticfish - Velocity --- Bloodline - 4 Tracks

Die neue MCD von Neuroticfish im Medizin-cover gibt einen recht gespaltenen Ausblick auf die nächsten Veröffentlichungen. Der Titeltrack "velocity" ist im Original nicht wirklich überzeugend, auch wenn die Stimme von Herrn Klein wieder ziemlich gut klingt. Insgesamt wenig abwechslungsreich, aber tanzbar. Wer es simpel mag, wird es mögen. Die Mixe machen den Kohl auch nicht fett, speziell Herr Myer hat sich mal wieder sehr gewöhnungsbedürftig ausgetobt. Zu guter letzt noch der Schlußtrack "neurocaine". Hier muß ich sagen, das ist doch mal was! Ein bißchen härter als "velocity" und viel athmosphärischer. Also, ich warte gespannt aufs nächste Album. ---b-runner

Noyce TM - The white Room

Bald präsentiert sich uns die zweite Fulltime-Veröffentlichung von Noyce TM; für uns höchste Zeit, endlich mal die erstere publik zu machen. Also, wenn man(n) sich den Digipak anschaut, zweifelt man an der electronischen Qualität dieser CD. Wenn man sich allerdings die Mühe macht, die CD in den Player zu legen und auf "Play" zu drücken, wird man eines Besseren belehrt. Die Stimme des Sänger schwankt zwischen "Lakeien-Tief" und "Electro-Kühl"; die Musik ist größtenteils nur zu empfehlen und äußerst abwechslungsreich. ---b-runner

Orgy - Vapour Transmission --- Elementree/Reprise Records - 13 Tracks - 47m42s

Na Endlich! Schon Ende 2000 in den USA zu hören,kommt der neue Orgy-Silberling auch zu uns in die Läden geschwappt(VÖ:26.März).Mit Album Nr.2 und einer erschreckend breit angelegten Werbung im Gepäck starten die LA-Cyber-Rock-Elektroniker den zweiten Anlauf, die Europäer davon zu überzeugen das ihre Blue-Monday-Coverversion von ´98 kein One-Hit-Wonder war. Orgy haben den Stil ihrer Musik gegenüber dem Vorgängeralbum "Candyass" noch etwas verfeinert, zwar gelingt das nicht bei jedem Track, aber beim Großteil der 13 Liedchen. Textlich bewegt sich die Band im Futuregenre: Digitale Träume, Big Brother is watching you-Thematik etc.... Sollte ich den Sound ganz grob beschreiben, so wäre das wohl ein Vier-Punkte-Plan: 1. Tief gestimmte Gitarren, die oft nicht mehr als diese zu erkennen sind, eher nachschrägen Synthiesounds klingen; 2. Nette Elektronikspielereien; 3. Jay Gordon´s Vocals, die einfach perfekt zur Orgymucke passen und 4.Gutes Songwriting und einen spacigen, fetten Bombastsound. PLAY !!
Das Vapour Transmission Intro wird aktiviert,gefolgt von Suckerface bei dem der Hörer gleich gezeigt bekommt, wo der Hammer hängt.
"Do you believe yourself, it´s not Science" schreit sich Jay Gordon aus der Seele und ein typisches Orgystück bewegt sich in Richtung verschmalzten Gehörgang. Track 3 streichen wir weil nicht erwähnenswert. Tja,und danach kommen gleich drei Knaller in Folge:Das geniale Opticon sticht dabei direkt heraus, weil man sich dem ansteckend,wippenden Takt und dem Geilen Refrain (Hirnfras garantiert) nicht entziehen kann. Ebenso hält es sich mit Fiction (Dreams in Digital) und EVA.
Speziell an den drei Titeln hört man im Detail, wie hart die Band am Gesamtsound getüftelt hat; alles klingt fließender, besser abgerundet. Auch in der zweiten Hälfte der CD fällt auf, daß viel Wert auf einen melodischen Mitsing-Refrain gelegt wurde(Eyes-Radio-Lies, Saving Faces). Selbst Saving Faces was nicht nur musikalisch sondern auch gesanglich etwas schrill anfängt, entwickelt sich nach mehrerem hören zum Ohrwurm. Lediglich die Stücke gegen Ende der CD gefallen mir nicht so gut, da die "Schraddelgitarren" zu stark dominieren, etwas mehr Elektronik hätte da gut getan.
Unterm Strich: Ein gutes Album, das gegenüber dem Vorgänger eine Weiterentwicklung erfahren hat. Ich freue mich auf den Herbst 2001, da die Band dann angeblich durch Europa touren will. Nebenbei noch ein Tip für Visualfreaks: Das Video von Fiction (Dreams in Digital) sollte man nicht verpassen, sehr nett gemacht. Cover:geht als "GUT" durch, weil Texte abgedruckt + futuristische fast Mangamäßige Bilder der Bandmitglieder....cool!!
Tracks: 4/Opticon, 5/Fiction, 6/EVA, 10/Saving Faces, 2/Suckerface, 9/Eyes-Radio-Lies. ---Martin---15.05.01

Plastic Assault - We Score --- Blooline/Connected – 12 Tracks – 74m21s

Nur zu häufig blickt man als Teilnehmer des modernen Straßenverkehrs in den Rückspiegel, um festzustellen, wer in Zeiten ständig wachsenden Verkehrs so noch das Los des ewig im Stau-Stehens mit einem teilt. Erschreckend fällt hierbei auf, daß die Anzahl der Offensivpopler (Leute, die ohne Scham verhärteten Nasenschleim ans Tageslicht bohren) ständig wächst. Doch nun ist Schluß damit, denn auf Bloodline gibt es einen Neuzugang aus Limburg Namens Plastic Assault und ich kann Euch sagen, bei der Power, die diese erste Veröffentlichung besitzt, haut´s Euch den Finger in Warp-Geschwindigkeit aus der Nase. Harte kompromisslose EBM-Rhythmen, meterdicke Synthesizerwände gepaart mit Filmsamples und verzerrten Vocals. Die eingängigen Refrains und aggressiven Texte erinnern teilweise an Front Line Assembly, sind aber so professionell umgesetzt, daß selbst Gegner der Abkupfertechnik hier ihren Spaß haben werden.
Schon im Opener „Crackhead" gibt´s voll auf die Zwölf. Gnadenlos dringen einem die Drums und sägenden Synthies in den Kopf, um hier erst einmal aufzuräumen. Gefolgt vom genial treibenden „Shotgun Blast", daß dem Einfluß aus Vancouver sehr stark angelehnt ist und daher auch einschlägt, wie zu Hochzeiten des Duos um Bill Leeb und Rhys Fulber. Mein persönliches Highlight des Albums aber liegt mit „!Splat!" vor. Der Song ist geprägt von treibenden Drums, genial eingesetzten Vocals, einer hinterschwelligen Fläche, grenzenloser Coolness und ist so einfach der Clubsmasher schlechthin. Im nächsten Titel „Devotchka" sind auch mal Gitarrensamples verwertet, was aber keineswegs als störend empfunden werden kann. Etwas minimalistischer aber mit sehr viel Charme kommt dann "Zero" daher. Hier wird man zu einer Verschnaufpause geladen. Im Soundteppich gefangen fühle ich mich ein wenig an Mlada Fronta´s „Lobotomy" erinnert. In guter alter „Crash flight 232/92"-Manier präsentiert sich anschließend „The bite". In Stück Nummer 8 „Das letzte Stück Dreck", daß komplett in Deutsch getextet wurde und subtil wieder diesen „Zero"-Soundteppich beinhaltet übt Mastermind Gabor Andrae wohl eine persönliche Rache. Nun folgen zwei eher durchschnittliche Songs, bei denen letzterer fast schon wieder die Finger in Richtung Riechorgan anheben lassen könnte. Mit „Strangled" und „Collide" weiß man dies jedoch zu verhindern und läßt das Album würdevoll ausklingen.
Wer jetzt immer noch unbeeindruckt im Auto sitzt, sollte die Finger von den Drogen oder seine körperliche Verfassung vom Spezialisten prüfen lassen. EBM ist nicht tod!
Fazit: Man hat sich von mehreren großen Electro-Act´s inspirieren lassen und dieses mehr als gut in die Strukturen der Songs verarbeitet. Weiter so!
Anspieltipps: 4."!Splat!", 2."Shotgun blast", 6. „Zero"....
---RK00010111---05.10.01

Project Pitchfork - Daimonion (Ltd. Ed.) --- East West - 14 Tracks - 65m28s

Wenn ich so zurück denke bin ich jetzt schon seit einigen Jahren Pichforkfan und somit ist es auch immer etwas besonderes wenn die Pitchies einen neuen Release auf die Szene los laßen. Die Vorfreude jedoch wurde schon nach der 1. Auskopplung "Existence"
ein bißchen gebremst. Irgendwie konnte man sich auch nach mehrmaligem hören und sehen nicht so recht für den Titel begeistern. Wie würde wohl das Album klingen? Zunächst ganz nett.......
Mit Daimonion haben die Pitchies einen perfekten Track ausgewählt um die folgenden fast 66min. einzuleiten. Ehrlich gesagt einer der besten Tracks den die Band je zusammen gebastelt hat. Timekiller die 2. Singleauskopplung legt erfreulicher Weise mit recht flotten, treibenden Synthies los, verliert aber im Mittelteil auch genauso schnell wieder an Energie. Trotzdem ganz nett. Es folgen Sand-Glass und We Are One die noch am ehesten an das Pitchfork-Wiedererkennungsmuster herankommen. Lustig ist der Satz im Stampf-Refrain "We Are One" der einem alten Alpha-Omega-Fan (ich erinnere an Requiem "One By One") bekannt vorkommen sollte. Tja und das war´s dann mal für´s erste, weil was danach kommt hat Peter Spilles wohl mit Äußerungen wie:
"Wir versuchen uns nicht selbst zu kopieren/ Wir probieren immer wieder neu und anders zu klingen/ Wir experimentieren gern...." wohl gemeint. Es fehlt den folgenden Tracks bestimmt nicht an guten Ansätzen oder tollen Ideen, jedoch ist festzuhalten das bei keinem Lied zwischen Nr.6 und Nr.13 so richtig der Funke überspringt. Die Pitchies haben sich Mühe gegeben, das ist richtig, jedoch macht es den Anschein als hätten sie probiert von allem was in der Szene gerade geht ein bißchen in jeden Track hineinzupacken. Und das geht voll nach hinten los!! Nebenbei entsteht der Eindruck (speziell gegen Schluß des Albums) das viel Wert darauf gelegt wurde nicht zu hart zu klingen. Mucke für eine etwas breitere Masse?? Ich will es der Band nicht unbedingt unterstellen!! Fakt ist: Sollte sich das nächste Album von der ersten bis zur letzten Minute so anhören, werden PP wohl einige ihrer alten Fans verlieren. O.K. genug der Standpauke. Unbedingt erwähnen sollte man den letzten Track der CD "The View", ein tolles Sahneteil zum Schluß. YES!!! Genau solche Tracks sind es, die mich immer wieder erfreuen. Mit "Daimonion" und "The View" beweist die Band das sie´s immer noch drauf hat. Sie zeigt uns wie breit gefächert die Möglichkeiten in der Elektronik sind und wie leicht es ist auch nach vielen Jahren immer noch interessant und neu zu klingen.
Das 3-D Coverartwork der Limited Edition ist wirklich schön gemacht, schade nur das auf Bonustracks oder CD-Romtracks verzichtet wurde.
Tips: 1/Daimomion, 14/The View, 5/We Are One, 2/Timekiller, 3/Sand-Glass. ---Martin---25.05.01

Second Disease - Am i God? --- Maschinenwelt/SPV – 12 (13) Tracks – 61m40s

Wuppertal ist nicht nur Entstehungsort vieler Staubsauger, nein hier sind auch Lars Hoffmann und M.Ronald Kraft ansässig. Sie sind keine Vertreter (oder doch?), sondern die Köpfe der Dark-Electro-Formation Second Disease und sie überraschen uns nun mit ihrer neuen Fulltime-Mini-CD „AM (i) GOD? The DOGMA Remixes".
Mal vorneweg gesagt läßt meine Begeisterung für Remix-Veröffentlichungen sehr stark nach. Sind doch in Bezug auf Vielfältigkeit, Kreativität und Qualität meist große Abstriche zu machen. Auch diese Veröffentlichung macht da keine Ausnahme, wird das Remixte Material fast ausnahmslos oberflächlich vorgetragen. Es würde auch hier die Devise lauten: „Stehen lassen, Original fassen", wenn da nicht noch vier neue Stücke drauf wären, die dann wieder im Zeichen stimmungsvoller und atmosphärischer, elektronischer Musik stehen, wie sie auch schon auf dem sehr guten Debüt „Flame the dark true" (CD Zot [h ommog] 162) zu hören waren, welches sehr stark vom Skinny Puppy-Stil beeinflußt war.
Thematisch begleitet wird man in den neuen Songs vom Manoj Night Shyamalan-Film „The Sixth Sense" in dessen Inhalt es um einen 8-jährigen Jungen mit gespenstischen Visionen geht. Durch eine Auswahl geschickt eingesetzter Samples aus dem Film, wird von Beginn an eine Grundstimmung gelegt, die im Kopfkino des Hörers den Vorhang öffnen. So geschehen im wohl besten Stück der MCD Namens „Deep inside", indem die Stimme des Vincent Grey (Aus der Eröffnungs-/Schlüsselszene des Films) zu hören ist, um dann mit Filmmusikalischem Hintergrund die wabernden Sequencer einzuleiten, welche wiederum die Drums heraufbeschwören und der „freak´ige" Titel formt sich in eine atmosphärische Rhythmik. Auch das darauffolgende Stück „Am i god?" und der laut Cover vorletzte Track „One day" profitieren von den Filmsamples. In „Am i god?" wird zum Teil deutsch getextet und auch hier wurde weniger Tanzflächenorientiert gearbeitet, so daß mehr Wert auf die emotional bewegende Grundstimmung gelegt werden konnte. So verhält es sich auch auf dem Only-Home-Listening-Song „One day", dessen dichte Atmosphäre düster-gespenstisch ins Bewußtsein des Hörers projiziert wird. Als Bonus wird die CD mit einer gelungenen Live-Interpretation von „Fatal succes" beendet (Track 14!).
Fazit: Auf die Verstärkung von Morph (3."Conflict") und Solitary Experiments (6."Angel of death") hätte man komplett verzichten sollen und auch die Schlummer-Version von „Can´t be me" (7."CBM") [schnarch] ist überflüssig.....Sorry! Auf Grund der Remixe kann diese Mini-CD nur als bedingt empfehlenswert eingestuft werden, wobei Neueinsteiger sicherlich positiver urteilen werden. Man darf gespannt neuem Material entgegensehen und jedem, dem Second Disease noch kein Begriff ist, sei hiermit das Debut ans Herz gelegt.
Filmtipp: Jedem der einen DVD-Player sein eigen nennt ist der Film „The Sixth Sense" empfohlen (DD5.1, DTS5.1, ca. 40 Kröten oder Verleih). Selten konnte für mich ein Schauspieler seine Rolle so genial Mimen wie Donnie Wahlberg in der des „Psychopathen" Vincent Grey. Schaut mal rein!
Anspieltipps: 4."Deep inside", 5."Am i god?", 11. "One Day", 1. "Frantic", 12."Can´t be me (be master 2000 extented)" ---RK00010111---04.10.01

Sonic-Xperience-Sampler --- Sonic-X - 14 Tracks - 73m14s

Hurra, es tut sich was im Electro-Land! Nachdem Gashed, Accession und Inception Records in der letzten Zeit der altehrwürdigen Konkurrenz schon mal gezeigt haben, wo der Hammer hängt, schickt sich nun eine neues Label namens Sonic-X an, die Electro-Keule zu schwingen und ein paar neue, frische und ideenreiche Bands an den Start zu schicken. Die Frankfurter machen’s dann auch gleich ganz anders und bringen nicht wie üblich ein paar neue CDs diverser Bands auf den Markt und hoffen, das diese einschlagen, sondern schieben uns einen Sampler mit größtenteils unbekannten Acts zu!
Den Anfang machen Massiv in Mensch, die wohl der eine oder andere dann doch schon kennen wird. Ihr brachialer Beitrag ist wie der von den ebenfalls nicht wirklich neuen Inscape eher zu vernachlässigen! Dead turns Alive geben dann schon ein wenig Gas und sind recht interessant. Mein persönlicher Favorit ist Headscan: abgedrehter, treibender Electro mit Sounds, die einem die Plomben aus den Zähne ziehen. Ausbaufähig! So, nun gehts ein wenig bergab mit dem guten Sampler, weder Epeleptic Shock (umpf, umpf, ...), Inscape (Out of Line - no comment -), Spiritual Cramp (gute Sängerin, aber sonst langweiliger Dark-Synth-Pop) noch Unique (Euro-Synth-Pop) können mich zu (Freuden-)tänzen veranlassen. Nun gut, November Process gehören dann schon wieder zu den Lichtblicken dieses Samplers. Parallelen zu Din_Fiv sind zu finden. <E.S.R.> bohren danach auch ganz kräftig mit "re-animate" im Ohr; Liquidated Error rufen direkt Erinnerungen an THX wach (kennt die eigentlich noch jemand?), was durchaus positiv zu verstehen ist. 2. Platz! Void Kampf kann man dann schon wieder nicht mehr so ernst nehmen, hat aber was von schnellern VAC-Tracks. Track 12-14 kann man sich dann leider doch wieder ziemlich sparen, nix für verwöhnte Electro-Öhrchen!
Insgesamt: Durchweg tanzbar, einige interessante neue Acts, von denen man gerne mehr hören möchte, aber auch unverzeihliche Ausrutscher wie Inscape, Coinside und Torso Fiction (Adversus sehe ich mal als Sonderfall an ;-))! Auffällig ist auch, das die (subjektiv) besten Acts dieses Samplers die unbekanntesten sind, was zeigt, welches Potential Newcomer zur Zeit haben. Hoffentlich kriegen die drei Sonic-X-er einige der besseren dazu, mal ein paar Tracks mehr unters Volk zu bringen.
Anspieler: 3/Headscan - "zenith", 8/November Process - "mindshadow", 9/<E.S.R.> - "re-animate", 10/Liqidated Error - "lost way". ---b-runner---12.07.01

Stromkern - Night Riders --- Scanner - 10 Tracks

Mit Ihrer dritten in D erhältlichen Veröffentlichung zeigen Stromkern wieder einmal, daß es immer noch möglich ist, im Bereich elektronischer Musik innovativ zu sein. "night riders" ist in vier Versionen auf der CD, wobei mir das Original am Besten gefällt. Wie auch bei den meisten anderen Tracks werden hier electro(-nische) Sound und druckvolle Drums mit klassischen Elementen verbunden. Der unverzerrte, rap-ähnliche Sprechgesang trägt ebenfalls dazu bei, das der Stromkern-Stil unverwechselbar ist. "solar" ist ein Instrumental-Track der im Prinzip nur aus Drums besteht, was nicht unbedingt jedermanns Sache sein dürfte, aber sehr gut geeignet ist um - entsprechend laut - die Nachbarn zu ärgern. "heretic III" ist eine leicht abgeänderte Version des altbekannten "heretic", aber elektronisch ausgefeilter. ---b-runner

Stromkern - rE-aLign --- Scanner - 8 Tracks - 39m42s

Remixen ist in und die Stromkernchens waren hier schon immer ganz vorne mit dabei. Bis jetzt hat es allerdings noch nicht geschadet.
Auch die rE-aLign bringt diesbezüglich neue Perspektiven. Die Remixer-Liste bildet einen Rundumschlag über die Szene; so dürfen beispielsweise Seabound, cut.rate.box und haujobb mal mitmixen. Die Ergebnisse sind abwechlungsreich und so kommt es, wie es kommen muss: es ist für jeden was dabei.
Wer ein wenig zappeln mag, dem seien die etwas primitiven Seabound- oder Echo Virus-Mixe empfohlen. Etwas rauher dagegen ist die Variante von cut.rate.box; La Floa Maldita lassen ein paar Gitarrenklänge in "perfect sunrise" einfließen. Infrastructure und Battery Cage sind für die Sparte verspielter Elektronik zuständig. Von Herrn Myer gibt's ein schlagzeuggeladenes Sahnestückchen und auch der neue sk:-Track "Anthrax" kann sich durchaus hören lassen. Insgesant viel Spass zum Preis einer MCD. Play: 4. Armageddon (Infrastructure Rmx), 7. Terrorist (haujobb Rmx), 8. Anthrax ---b-runner-23.11.02

The Fair Sex - Lost Traces of the Far Side --- Endless Rec. - 4 Tracks

Das diese MCD hier erwähnt wird, ist Endless Records zuzuschreiben, die uns eine Promo geschickt haben (was ja nun nicht allzu oft passiert ;)). Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich die Platte aus dem Umschlag holte: The Fair Sex?... Moment, die kenn' ich doch noch irgendwie. Aber eben nur irgendwie... Ah, der Groschen fällt... Die haben mich doch beim Zillo 1995 gelangweilt. Na gut, trotzdem mal reinlauschen...
Eines vorneweg: Für ausschließlich digital ausgerichtete Electrolauscher ist die MCD eher im Range besserer Fahrstuhlmusik einzuordnen. Wer allerdings auch mal an wavigen Sachen gefallen findet, ist hier nicht schlecht bedient.
Lost Trace ist in der ersten Version nicht der Brüller, das gilt auch für den letzten Titel The Palace of the Bad; die Retrofuture Version von The Far Side und der Misplaced-Mix von Lost Trace dagegen sorgen durch einen gutbürgerlich-treibenden Rhythmus und eingängige Melodien für Tanzbarkeit und Retrostimmung (daher auch die Benennung von Track 2?). Das Ende August erscheinender Album wird zeigen, ob das Comeback von The Fair Sex auf Qualität oder Erinnerungen an vergangene Zeiten beruht - für möglich halte ich nach dieser MCD beides. Tracks: 2. The Far Side (Retrofuture), 3. Lost Trace (Misplaced) ---b-runner---28.07.02

Update: Der Electro-geneigte Hörer sollte besser die Finger von dem nachgerückten Album TFS lassen. Die "Perlen" sind schon auf der MCD. ---b-runner---05.09.02

Y-Luk-O - Dead without you --- (Sonic-X) - 11 Tracks - 47m45s

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Das Album erscheint erst Ende März/Anfang April!
Y-Luk-O ist ein Zwei-Mann-Projekt, an dem Album selbst haben allerdings noch andere Bands und Personen mitgemischt. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil als Industrial-Electro-Nu-metal. Auf Dead without you hört man - zum Glück - von Letzerem recht wenig (außer bei Pointless - da wird's laut). Wenn gitarrige Sequenzen zu hören sind, dann meistens kräftig bearbeitet und eher im Hintergrund. Erstaunlich ist die sehr hohe Qualität des Albums. Obwohl ich hier nur eine Promo-CD-Rom im Player kreisen lasse, ist der Sound optimal.
Y-Luk-O musikalisch in eine Schublade zu bringen, ist ziemlich schwierig. Auf jeden Fall ist für jeden was dabei: Harte Drums und ruhige Rhythmen, klare und verzerrte Stimmen, Industrial-Sounds und Klavierpassagen sowie diverse Samples.
Auch wenn sich kaum ein Track so anhört wie der andere, haben Y-Luk-O eine prägnanten Stil entwickelt. Durchgehend auffällig ist die Stimme des Sängers und die Athmosphäre, die die Tracks erzeugen und die ich nicht besser beschreiben kann als ein düster-böser High-tech-Sound, der für die Verfilmung von Neuromancer sicherlich dienlich sein könnte!
Ein clubtauglicher Kracher ist gleich der erste Track Ecstasy. S.K.E.S. wird etwas weicher, ist aber immer noch ziemlich heftig (Spontaner Gedanke: Pitchies nach einer Frischzellenkur ;-)). Der Titel-Track selbst bleibt eher düster-schleppend. Gefahrenfrau verstehen meine Hörzentren als Club-Song mit Anleihen am Old-School-EBM. An Satomi (6.) stören mich ein wenig die kreischenden Sprachsamples zwischendrin. Bei den Tracks 7 und 9 tritt der "Nu-Metal-Faktor" ein wenig in den Vordergrund, was die Sache vor ziemlich krachig werden läßt. Spaßig ist das achte Stück mit Samples von Walter Ulbricht und Bewegungsgarantie. Fast melancholisch, aber ohne ins "Gruft-Gesülze" abfallend präsentiert sich Red (10.).
Feststeht, dass mit Dead without you keine Langeweile aufkommt und dass es einmal mehr eine neue Band gibt, die so mancher alteingesessen zeigen kann, wie's besser geht.
Y-Luk-O haben es geschafft, einen charakteristischen Stil zu basteln, der sich aus der grauen Masse abhebt. Ein wenig seltsam finde ich allerdings die Übergangsstückchen zwischen den Tracks. Außerdem hoffe ich persönlich, dass Tracks wie Pointless eher die Ausnahme bleiben.
Also, freuen wir uns auf die anstehenden Veröffentlichungen. Neben dem Album selbst soll es in diesem Jahr auch noch ein Remix-Album geben.
Play: 1. Extasy, 3. S.K.E.S., 8. Shallow Beliefs, 10. Red ---b-runner---16.01.02

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