Rezis A-K

Angel Theory - Fatal Condition --- Endless - 14 Tracks - 55m29s

Mich persönlich machen Namensgebungen, die sich mit Engeln schmücken, immer etwas skeptisch. Man denke an Blutengel oder ähnliches. Doch was einem da so aus den Boxen entgegenschallt ist, ist durchaus angenehm. Eine Mischung aus meist ruhigem Electro bis hin zu E-Pop in Anlehnung an Dark Illumination oder den ewig unterschätzen Good Courage, die Stimme erinnert unverzerrt an Neuroticfish, mit Effekt verliert sie fast jegliche Charakteristik.
Die Vergleiche mit den genannten Bands lassen es vermuten: Neues wird hier nicht geboten; man hat alles schon einmal gehört.
Fatal Condition hat durchaus Qualität und als langweilig möchte ich dieses Album auch nicht bezeichnen. Angel Theory zeigen eindrucksvoll, das sie verschieden Stile beherrschen und sich nicht in eine Schublade stecken lassen; die Innovativität bleibt dagegen etwas zurück. ---b-runner--- 26.05.2004

Armageddon Dildos - Morgengrauen --- Electricblue - 12 Tracks - 45:44

Die "Armageddon Dildos" sind vom Namen her einer der letzten Überbleibsel der Zoth Ommog-Stars der frühen 90er . "East West", "Resist", "Guilty" und einige weitere Electro-Hits gehen auf das Konto diesser Ausnahme-Kombo.
"Morgengrauen" erschien als anfängliches Grauen im Morgen des Jahres 2003.
Eines sei von vorherein festgestellt: Diese EP ist anders als alles, was man von AD gewohnt ist/war. Aber: Gerade Titel wie "Tanz auf dem Vulkan" oder "Traurige Nation" zeigen, dass die Dildos von damals noch am Leben sind. Humor, Gesellschaftskritik und Melancholie sind in diesem Album so nahe verbunden wie selten zuvor. Da wir aus vertraulichen Quellen wissen, dass die AD weiterhin aktiv sind, bleibt nur, das aktuelle Album zu empfehlen und auf das nächste zu warten! Play: 1. Tanz auf dem Vulkan, 4. Traurige Nation, 5. World Unity --- b-runner --- 27.09.2004

Backlash - Impetus --- Synthetic Product Records - 9 Tracks - 68m14s

Eigentlich geistert die CD der schwedischen Formation Backlash schon ziemlich lange im Internet bzw. auf der Homepage von Memento Materia herum. Im Jahr 2002 ist nun endlich ein Label, nämlich SPR, auf die Band aufmerksam geworden und hat den Release für den deutschen Markt lizenziert. Gut sag ich nur, weil es wäre uns da echt etwas entgangen. Das schwedische Label Memento Materia bietet eine breit gefächerte Auswahl an Bands die sich den verschiedensten Stilarten der elektronischen Musik angenommen haben. Auch Impetus (lat. Antrieb, Drang), der kreative Output von Backlash, muss man als etwas ganz besonderes bezeichnen. In Zeiten in denen man im Club fast nur noch Future-Pop auf die Ohren bekommt ist eine CD wie diese eine Wohltat und gelungene Abwechslung. Die Band besteht aus der Vocalistin Malin Andersson und den beiden Niklas Lundquist sowie Oskar Lygner, die für Musik und Lyrics zuständig sind. Der rein elektronische Sound ist sehr ausgefeilt und besitzt oft nette Überraschungseffekte. Auf Atmosphäre und Harmonie wird viel Wert gelegt was in den meisten Tracks durch die Vocals noch zusätzlich unterstützt wird. Das bedeutet jedoch nicht das nur "Extreme-couching-nummern" enthalten sind. Neben Tanzfutter wie das geniale Blind (Ohrwurmrefrain) oder Alter Ego ist mit Spirit In Reverse auch eine krachige-experimentelle Nummer zu finden. Die Klänge in Verbindung mit der Roboterstimme beim Track Impetus lassen sogar eine minimale Vorliebe für Kraftwerk vermuten. Warum auch nicht ? Vor langen Tracks scheinen Backlash auch nicht zurückzuschrecken. Siehe Visionary Fields (9m24s) oder dem nicht langweilig werdenden Regression Is No Option (19m04s) was eigentlich aus zwei Tracks mit kurzer Pause und einer Instrumentalpassage besteht. Im Gegensatz zu einigen anderen Electropop/Electro-projekten bei denen die Female-Vocals einfach nur böse und schrecklich klingen (müssen ??) setzt die Band auf sehr guten Gesang mit schönem stellenweise schon fast poppigen Refrain. Die Stimme von Frau Andersson wird stets passend zum Gesamtklangbild mal clean mal elektronisch leicht überarbeitet präsentiert. Alles in allem eine sehr gelungene CD die in vielen Lebenssituationen gehört werden kann. Geeignet zum zurücklehnen, Kaffee trinken, nachts auf der Autobahn fahren oder tanzen einfach für das was gerade ansteht. Impetus ist eines der definitiven Alben des Jahres 2002 unter den bis jetzt wenigen!! Das Artwork ist durchgehend mit schönen Malereien designt worden, Texte sind ebenfalls enthalten. (www.impetus.nu)
PLAY: 6/Blind, 7/Spirits In Reverse,2/Fix, 4/Alter Ego, 9/Regression Is No Option --- Martin , 30.05.2002

Clear Vision - Deception --- Accession Records - 13 Tracks - 65m49s

Das Myer'sche Projekt formely known as Cleen und Cleaner hat sich nun zu Clear Vision durchgerungen. Auch wenn man mit den Namen ein wenig durcheinander kommen könnte, musikalisch dürfte es keine Schwierigkeiten geben. Deception schließt im wesentlichen an die Solaris an, d.h. auch diese Veröffentlichung steht für tanzbares Material, das sich stilmäßig aus allen Schubladen bedient. Die Samples sind mal wieder die Sahne auf der Torte.
Etwas spaßig erscheint der Opener American Dreaming, was ich aber dem Erzeuger des Originals - Dead can Dance - zuschreiben würde. Das zweite Stück Motion entschädigt schnell für eventuelle Hörschäden. Die Gaststimme von Stefan Netschio bei Track 4 und 5 macht sich auch nicht schlecht, aber Meister Myer passt dann doch besser zu seinen eigenen Hörstücken. In meinen Augen besonders erwähnenswert, weil besonders geil, ist Track 6 - Fucker. Der macht das bisweilen doch etwas schleppende Tempo anderer Tracks wett. She Killer (Spears Mix) demonstriert mal wieder, dass Mr. Clear Vision ein Meister der Klangbearbeitung ist! Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier noch irgendjemand das zugrundeliegende Material erkennen kann. Bladerunner darf natürlich auch nicht fehlen. Samples hieraus finden sich im athmosphärisch-trägen Spider-Hero. Nochmal richtig böse wird's beim ziemlich zerrenden Salz. Fraglich bleibt für mich, warum im ansonsten vollständigen Booklet die Tracks 9 und 12 ausgelassen werden?
Schlußendlich ist Clear Vision nix anderes als Cleaner ...und das ist gut so! D.M. zeigt mal wieder, wo es langgeht. ---b-runner---03.01.02

Config.sys - Ulysses --- Pflichtkauf - 7 Tracks - 42m02s

Auch wenn die EP nicht mehr ganz taufrisch ich, bin ich erst dieser Tage über das schwarze Pappcover von "Ulysses" gestolpert. Das ist so gesehen kein Wunder; den meisten Menschen ist "Config.sys" auch - wenn überhaupt - als Systemdatei eines verbreiteten Betriebssystems bekannt. Dass hierhinter auch Musik stecken kann, beweist diese CD.
Durchgängig Instrumental, mit rar gesäten Samples durchsetzt, fällt die Musik von Config.sys in die Ecke des tanzbaren, gemäßigen Industrial. Doch wird hier kein Klischee bedient; statt allfrequenter Brachialsounds am Stück wird hier durchaus hör- und tanzbare elektronische Musik geboten, der man die investierte Feinarbeit anmerkt. Auch wabern nicht durchgängige 4/4-Beats aus dem Lautsprecher, sondern man setzt auf Abwechslung. Besonders das soundtrackartige "Identitäten" weiß durch seine Athmosphäre zu begeistern. Insgesamt vielleicht kein "Pflichtkauf", aber auf jeden Fall hörenswert. ---b-runner--- 15.05.04

Dance or Die - Schlafende Energie (Limited Edition) --- Synthetic Symphony - 17 Tracks - 75m10s

Hello Earth!! So die Grußfrequenz der Berliner Kultelektroniker Dance or Die. Nachdem man sich so ca. 3 Jahre in den Tiefen des Weltalls rumgetrieben hat, kehren sie nun zurück um der (nicht kleinen) Fangemeinde ihren neuen Datenträger zu präsentieren. Der kurze Besuch beim großen Majorlabel Polydor war ´ne nette Erfahrung, ist nun aber abgehakt. Seit 2001 ist das kleine, aber feine Electrolabel Synthetic Symphony das neue zu Hause der 3 Tüftler. Auch schön!!
Zur CD ....wie bei jeder DOD-CD ist auch hier der Wiedererkennungswert enorm groß. Angefangen bei Wagner´s unverkennbaren Vocals, über die komplexen/vollgepackten synthetischen Klänge bis hin zu den Effekten und Samples. Sie sind Ihrem Stil treu geblieben und sind den Weg, den sie gegen 1989/90 beschritten haben, stetig weitergegangen. Der typische DOD-Sound wurde irgendwie konserviert. Und so beweisen sie auf´s neue, daß man es auch nach vielen Jahren nicht nötig hat, auf jeden Trend aufzuspringen nur um im Geschäft zu bestehen. Ganz im Gegenteil, mit der neuen Scheibe zeigen sie, daß gutes Songwriting, abgefahrene Texte und eben gute Plastikmucke ausreichen um den Fans auf Dauer im Ohr zu bleiben. Kein Versuch weit und breit, vielleicht doch ein bißchen nach VNV, Covenant oder APB klingen zu wollen. Danke, meine Herren!! Das bedeutet jetzt aber nicht das keine flotten, tanzbaren Nummern enthalten wären, was Aliens Electric, Reality Suxxx und das kurze aber heftige Dealbreaker klar machen. Zwischendurch wird man von Captain Nemo (der beste, leider zu kurze Instrumentaltrack) eingeladen, in kühle blaue Tiefen abzutauchen. Als sehr DOD-like gehen die melodiösen Everydaze und Seven durch, bevor wir dann zu den absoluten Highlights des Albums kommen. Kopfhörer auf, Augen zu und ich weiß warum ich die Band so mag.
Die drei folgenden Knaller (Worm, Freeze, Secrets of the Sun) bestechen durch die genialen Texte und die wahnsinnig dichten/vielschichtigen Soundebenen, die perfekt zusammengesetzt eine Hirn-Kino-Atmosphäre erschaffen die nur wenige Bands hinkriegen. Wow, Respekt!! Was noch auffällt ist, daß bei Free erstmals weibliche Vocals zum Einsatz kommen und das bei vielen Tracks im Hintergrund verstärkt die verschiedensten Backvocals eingearbeitet wurden. Die etwas kranke aber auch lustig klingende Space-Opera Retroboy würde normalerweise den Schlußpunkt des Albums setzen, wäre es nicht die Limited Edition mit SW-Aufkleber und den beiden Bonustracks Aliens Electric (close vox mix)+ Dance or Die (das ich mix). Die Mixe besitzen zwar einen gewissen Spaßeffekt, sind jedoch nicht wirklich gelungen.
Abschließend kann ich nur sagen: Kopfhörersucht pur/Freue mich schon auf´s nächste album/Weiterhin im Rhythmus bleiben Jungs!! Das Artwork ist gelungen .... sehr düster und mystisch mit ein paar Bandfotos verziert. Minuspunkt: Keine Texte!! PLAY: 5/Worm, 8/Freeze, 11/Secrets of the Sun, 3/Aliens Electric, 4/Everydaze, 12/Reality Suxxx. ---Martin---02.08.01
P.S.: Frech ist allerdings der optisch und qualitativ lausige Sticker der Ltd. Edition! ---b-runner

Dupont - Intermezzo --- Life is painful Records - 13 Tracks - 58m13s

Dupont haben im Jahre 2001 mit dem Album "Ukraina" so etwas wie eine Retro-Welle eingeläutet. Man ging zurück zu den Ursprüngen des EBM. Harte Beats, rauher Gesang, kräftige Sounds. Spetsnaz & Co führten diesen Oldschool-Trend fort. Nun sind die Schweden wieder zurück und legen ihr aktuelles Album "Intermezzo" vor. Im Unterschied zu dem ersten Album steht nun Riccardo am Mikrophon, der bisher für die Texte zuständig war.
Verglichen mit Ukraina ist der neue Tonträger nun weniger oldschoollastig, der Gesang ist deutlich angenehmer und recht weich, allerdings meist ohne zu poppig zu klingen. Die Klangstrukturen sind immer noch klar, aber nicht mehr so schlicht. Man hat sich offensichtlich entschlossen, sich von der klassichen EBM-Welle ein wenig abzusetzten, ohne jedoch den Stil völlig umzukrempeln. Ganz klar im Vordergrund steht weiterhin die Tanzbarkeit, wobei sich mit "Planless Exhibition" oder "Why don't you dance with me?" auch deutlich ruhigere Titel auf dem Album finden lassen.
Bei den Remixen (Bonustracks) sind die Kollegen von Covenant und Interlace für je einen Track verantwortlich, wobei hier der Interlace-Mix sicherlich eines der Albumhighlights ist.
Insgeamt haben Dupont gezeigt, das sie durchaus entwicklungsfähig sind und legen mit Intermezzo einen würdigen, moderenen Nachfolger ihres Debuts vor. Anleihen aus dem früheren Covenant-Stil sind allerdings häufig zu erkennen, hier wünscht man sich mehr Eigenständigkeit.
Play: 5. Masters of the Herd, 13 Why don't you dance with me? [Remix by Interlace] ---b-runner---16.03.05

Excilpsect/Kaebin Yield - Symbiosis --- Hive Records - 14 Tracks - 71m44s

Das recht neue und hierzulande noch reichlich unbekannte US-Label Hive überraschte uns mit dieser Veröffentlichung. Das Splitalbum enthält von jedem der beiden Soloprojekte sieben Tracks.
Exclipsect ist ein amerikanisches Industrial-Projekt, Kaebin Yield kommt aus Belgien.So unterschiedlich die Herkunft, so kontrastreich ist auch die Produkte.
Exclipsect erscheint recht eingänglich und ist auch für eher geringfügig Industrial-Begeisterte noch reizvoll. Die Klangverläufe sind abwechslungsreich und verspielt, die Rhythmen klar stukturiert und clubtauglich, die dichte Athmosphäre wirkt fast organisch.
Der belgische Part dagegen ist nichts für schwache Nerven. Extrem verzerrte Sounds und nervöse Rhythmen sind nahezu melodielos zu einem schrillen Klanggewittern kombiniert, das entfernt an die Soundeffekte von diversen Waffen in SciFi-Shootern wie Unreal erinnert. Mir persönlich sagt Exclipsect deutlich mehr zu. Daher empfehle ich als Anspieler eher die ersten sieben Titel. In unseren Breitengraden wird diese Koproduktion - übrigens limitiert in einer netten Blechbox - über Ad Noiseam vertrieben. ---b-runner--- 26.05.2004

haujobb - Penetration --- Metropolis Records - 10 Tracks - 56m08s

Die bielefelder elektroniker haben mal wieder in die tasten gehauen und geben uns mit der penetartion-mcd einen wirklich gut klingenden vorgeschmack auf das demnächst folgende album "vertical theory". Und was tummelt sich so alles auf der maxi??
Erstmal penetration, ein neuer track der in der albumversion und in sechs weiteren mixen enthalten ist. Zum zweiten course, ein neuer sehr tanzbarer instrumentaltrack der durch seine hypnotischen synthieflächen begeistert. Teil drei der maxi besteht aus zwei mixen die aus älterem material angefertigt wurden. Hierbei versuchen a23 dem genialen dream aid ihren futur-pop-stempel aufzudrücken und guido le frick versetzt unseeing mit leichten gitarrensamples und aggressiven vocals. Bei beiden mixen empfehle ich allerdings lieber nochmals das original zu genießen.
Doch nun zu penetration, was mal wieder zeigt das es haujobb nach wie vor einfach drauf haben. Sie präsentieren einen sehr eingängigen, melodischen track im midtempo mit typischem myer-gesang und viel atmosphäre. Es macht den eindruck als hätten sie die zurückliegenden wirklich guten alben (ausnahme: ninetynine) genau analysiert und die besten elemente herausgefiltert um sie dann zu diesem genialen track zusammenzubauen. Sollte das der sound sein, der uns auf dem nächsten album erwartet, dann kann man sich schon jetzt darauf freuen.
Was die einzelnen mixe angeht, so ist der floormix mit mehr druck und volumen richtig gut für die tanzfläche geeignet. Der forma tadre rmx klingt wie ein track von deren ersten album navigator, der converter-rmx ist hingegen mit vielen industrialparts angereichert. Alle drei kann man als echt gelungen bezeichnen. Nicht so gut kommen da die penetration-remixe von a23, der amalgamousmix und der wohl eher etwas ironisch gemeinte futurefuckrmx weg.
Das artwork ist wie gewohnt sehr technisch gestaltet und zeigt schräge irgendwie zerrupfte computergraphiken die aussehen als hätte man einen volvo v70 durch den schredder genudelt. Der text zu penetration ist abgedruckt, doch nicht nur das. Ich sag nur: we also want to thank all the buyers of this cd. If someone will put these tracks on some fucked up server to offer our music to download (without our permission), we will find you and burn your fucking house down. Thank you for your attention. Ich schmeiß mich weg ....recht haben die beiden!!
Play: 1/ penetration, 3/ course, 2/ penetration (floormix), 4/ penetration (forma tadre rmx) --- Martin---13.08.2002

Informatik - Nymphomatik --- Metropolis Records - 11 Tracks - 64m40s

Da sind sie wieder, die Elektroniker aus Amiland, die uns 1995 und 1998 mit "direct memory access" und "syntax" zwei recht außergewöhliche, kantige und qualitativ hochwertige Alben geliefert haben. Doch im Vergleich zum letzten Jahrtausend haben sich einige Dinge geändert, denn erstens ist mit der Nymphomatik (welch ein Titel!) aus Informätik Informatik geworden und zweitens mit Tyler Newman ein drittes Bandmitglied hinzugekommen.
Die hauptsächliche Veränderung betrifft jedoch die Musik von Informatik - leider. Hatte man auf den ersten Veröffentlichungen noch mit Vocoder-Effekten zu kämpfen, muss man sich jetzt eine völlig unverzerrte Stimme anhören. Fragt sich, welches das geringere Übel ist. Der Gesang bewegt sich in meinen Ohren im Dunstkreis von A 23 und VNV Nation, klingt jedoch nicht ganz so pathetisch.
Die elektonische Klangerzeugung hat ebenfalls an viele Stellen das zweifelhafte Prädikat Futurepop verdient. Kaum ein Klischee wird ausgelassen. Es hat den Anschein, als hätten Da5id Din & Co versucht, noch schnell auf den - hoffentlich bald entgleisenden - Zug aufzuspringen, um ein Stück des Mainstream-Electro-Kuchens abzubekommen (Metapher über Metapher... :)).
Wen wundert's da noch, dass der Publisher der Nymphomatik sich "Future Pop" nennt? Wollen wir mal hoffen, dass dieses Album eine Ausnahme bleibt. Anspieltipps: keine. Empfehlung: Im Regal lassen und die alten CDs nochmal hören. ---b-runner---23.11.02

Rezis L-Z

Loss Of Centre - Humans Loosing Humanity --- Glasnost Records – 12 Tracks – 76m01s

Mit den Worten We are such stuff - as dreams are made on - and our little life - is rounded with sleep wird man beim herausnehmen dieses Silberlings konfrontiert und darf sich auf eine ausgeweitete Stunde musikalischen Hochgenuss freuen. Schnell das Zitat aus der Labelbekanntmachung: „Mortal Constraint Mitglied Jürgen Fahrner illustriert den Zyklus vom Sein und Nichtsein: Eine in Gefühlsschwankungen gebettete Reflexion über die langsame Selbstauflösung des Menschen und seiner Art. Das Zentrum unserer Persönlichkeit droht in der Strukturkrise der Evolution Verlorenzugehen. In erlebnisreichen, beruhigend erzählerischen Synthesizervariationen wird versucht, aus dieser Gefangenschaft auszubrechen und zu neuen Perspektiven zu finden.“
Wesentlich minimalistischer als auf der gemeinsamen Veröffentlichung mit Ingo Lindmeier geht Jürgen Fahrner mit diesem Projekt um. In den Songs beherrscht er perfekt, mit geringst möglichem Einsatz, das größtmögliche Hörerlebnis zu erzielen. Erscheint einem der erste Song mit seinen geschickt eingesetzten Samples noch eher stupid monoton, so soll man im Folgendem eines besseren belehrt werden. Hier begrüßen die ausgeklügelten Synths vertrauensvoll den zugewandten Hörer. Die Beats hallen und harren im Klangraum und vor Einsatz der Vocals macht sich eine bedrohlich erscheinende Fläche den Platz frei. Die sehr gefälligen unverzerrten Textpassagen werden von einem Flüstern begleitet, dass dem Song eine weitere besondere Note verpasst. Sehr düster geht es im instrumental gehaltenen Stück „Curtain of Beauty“ zur Sache, ein Song der zur individuellen Wahrnehmung wie geschaffen ist. Absolut genial schließt sich „Lethargy“ an, welches einige Überraschungen für den „Subtilisten“ ;] parat hält. Wie geschaffen für einen Filsoundtrack breitet sich das Stück „Vision of Light & Warmth“ aus. Der Song „Misquotation“ sollte auch für einige andere Künstler aus diesem Bereich elektronischer Musik als Inspirationsquelle gedient haben. Auch in allen weiteren Tracks wird die sehr hochwertige und eigenständige Qualität nicht vernachlässigt. Das Album ist trotz des Minimalistischen Grundbildes sehr abwechslungsreich und kann auch nur allen denen dringend empfohlen werden, die diesen Output nicht verfolgt haben und eine Alternative suchen. Fazit: Zurücklehnen und die Brainmachine aktivieren! ---RK00010111---16.11.02

Mortal Constraint - The Legend Of Deformation --- Glasnost Records – 12 Tracks – 60m59s

Mit dem ´94 auf Glasnost Records erschienenem Longplayer “The Legend Of Deformation” haben die Soundperfektionisten Jürgen Fahrner (´95 Loss of Centre) und Ingo Lindmeier (´95 Polygon) einen Stil elektronischer Musik entwickelt, der in seinen Ursprüngen mit Bands, wie The Klinik, Clock DVA und Dive verglichen werden kann und dessen musikalisch-mentale Tiefe und Originalität für einige Musiker als Inspirationsquelle diente.
Auch dieses Kunstwerk ist, meines Erachtens, eines der Alben, von denen man nie genug in die Ohren und Gedankengänge bekommen kann, denn auch hier gibt es mit jedem Sekundenschlag besondere Eindrücke durch musikalische Projektionen zu entdecken. Die Fähigkeit zeitlose elektronische Musik auf einen Tonträger zu bannen, sollte den Musikern dieser Formation nicht abgesprochen werden können. Dieses und auch das Solomaterial stellen definitiv ein Stück Musikgeschichte dar!
Zurück zum Album. Wie auch bei vielen anderen Veröffentlichungen in diesem Bereich, wird man im Opener relativ behutsam an die Stimmung herangeführt, welche einem den Zugang zu nachfolgenden Songs eröffnen soll. Das Grundgerüst des zweiten Tracks „Growing Faces“ besteht aus einer fortwährend wiederholten industriellen Soundcollage, deren Intensität gekonnt den Einsatz der verworrenen Vocals vorbereitet und begleitet, dazu stößt eine verzogene Höhe, die dem Song einen spirituellen Touch hinzufügt. Etwas temporeicher gestaltet sich das genial eingeleitete Stück „Hollow Peace“. Ähnlich wie beim Halloween Soundtrack klimpern einem anschließend in Track 4 „Confusion“ Synths in die Ohren, die gegen den schleppenden Mechsound arbeiten und nach längerer Aufmerksamkeit, sehr zu verwirren wissen. Mein heimlicher Favorit (eigentlich der gesamte Output) liegt mit Song 5 vor. In „Torture Game“ explodieren Soundelemente in der ansprechenden, fast schon eingängigen elektronischen Grundstruktur und man beherbergt, wie auch in den anderen Songs, eine unendliche Tiefe durch die Hintergrundklangtüfteleien. Auch in den darauffolgenden Songs wird dieser intelligent produzierte Stil aufrecht erhalten und ich möchte das Material nicht totreden. Es fehlen auch einfach die Worte dieses Machwerk zu beschreiben. Auch hier gilt es wieder das Album selbst zu entdecken. Vielleicht noch ein Zitat aus der Labelbeschreibung dieses Platte: „Durch ihre individuelle Schaffensweise fand die Band einen ganz eigenen Stil, der in synthetisch klinischem Industrial-Techno mündet und derart subtile Sounds enthält, dass akustisch in Tabuzonen der menschlichen Psyche eingedrungen wird“. Und ein weiteres mal kann ich nur jedem der die Alternative sucht empfehlen, sich diese Veröffentlichung zuzulegen. Futter für die Synapsen!!! ---RK00010111---16.11.02

Pain Station - Dead is dead --- COP International - 10 Tracks - 64m58s

Mal davon abgesehen, dass bei diesem Album einige Rezensionisten ins Fettnäpfchen traten, weil sie den Musikstil als Dark Ambient bezeichneten und egal ob sich einer nun mehr unter dem Begriff Dark Techno oder dem Begriff Ambient vorstellen kann, sollte sich letztlich jeder sein eigenes Bild von dieser Veröffentlichung machen, denn es lohnt sich!
Fest steht jedenfalls, dass auf Scott Sturgis´ viertem und letztem Longplayer wirklich jede Sekunde ein besonderes Hörerlebnis darstellt. Es ist eines der Alben, die man nur ganz selten in die Hände, Ohren und Venen bekommt. Scott Sturgis hat den Stil der ersten drei Alben ("Anxiety", "Disjointed" und "Cold") perfektioniert, um mit seinem eher im Hintergrund gebliebenem Mainprojekt an der Stelle aufzuhören, an der andere versuchen bereits errungenes breitzutreten. Das Pain Station niemals als kommerzielles Projekt gedacht war, sollte wohl jedem, der den Output verfolgte, verständlich sein.
Zurück zum Album. Elektrisch-Morbide-Industrial-Soundscapes verschlingen den Konsumenten und verdauen seine Vorstellungskraft, bis der Plattenteller die letzte Drehung vollendet. Eigentlich kann man einzelne Stücke nicht hervorheben und doch möchte ich versuchen einige Dinge über die einzelnen Songs darzulegen. Der Opener "Do you feel it?" vermag dem Hörer langsam aber keinesfalls uneffektiv zu vermitteln, das normale Alltagsdenken abzulegen. Eine zähflüssig dahinziehende Tiefe hält den inneren Aufbau des Songs aufrecht, auch nachdem die schwebend-schraubenden Sounds in den Kopf eindringen. Das zweite "Suffocate" beginnt stupid-fließbandartig-mechanisch und setzt nach Einsatz der Vocals mit einer bedrohlichen-dunklen Soundpassage und einer melancholisch-verwirrten Höhe einen starken Kontrast, der wohl den Konflikt des Protagonisten darstellen soll und mit fortlaufender Verhaltensänderung dessen, verändert sich auch die Struktur des Titels, so dass Gegensätze zu melodiöser Einheit verschmelzen und den Wahnsinn des Protagonisten verdeutlichen. Im dritten Stück "Tell me what you want" bedient sich der Künstler auch einiger psychedelischer Elemente aus den 70-er Jahren. Erinnert die Soundcollage im zweiten Drittel des Songs doch stark an Pink Floyds "Echoes" - Zwischenspiel. Aber das regte auch schon vor Jahren den Geist der Hörerschaft an, oder? Auch das 8 1/2 minütige "Sinking" bedient sich psychedelischer Einlagen. Spätestens an dieser Stelle sollte der gemeine Alltag in den Hintergrund gestellt sein. Auch "Taint" ist eine Reise Wert. Das Besondere hier ist eine durch den unteren (hinteren) Bereich gefesselte Klangstruktur. Der Titelsong mit seiner brodelnd-tieffrequent-liquiden Untermahlung ist rein instrumental gehalten. "I think i want to" sollte dann doch eher dem Dark Techno zugeschrieben werden. Spärlich eingesetzte Vocoder-Vocals fusionieren mit schleppendem noisigem Rhythmus und die genial eingesetzten Drum-Breaks dominieren im Song. Artifizierte Klänge in Minimalistischem Gewand präsentiert dann "Never again" ohne dabei das Konzept des Albums zu gefährden. Und in ähnlicher Weise, wie es auch die Heroen aus den Siebzigern in Ihrem "Time" taten gibt Herr Sturgis ein Signal des Erwachens in "Is it Time" mit dem Unterschied, dass der Blech-Stanz-Weckton Bestandteil des Rhythmusgeflechtes wird und sich über weite Strecken des Songs zieht, welcher zum Ende sehr Noise-Lastig wird und mit einigen sägenden und stechenden Klangelementen aufwartet. Den Abschluss bildet das konfus-schräge "Desire". Wie schon erwähnt muss man das Album selbst entdecken. Deshalb kann ich nur jedem der die Alternative sucht empfehlen, sich diese Veröffentlichung zuzulegen. Sagt ich wäre Irre, aber ich werde mich an diesem Teil nie Satthören! Gespannt darf man auf Scotts neues Projekt Prey sein. Neuigkeiten gibt es unter www.auriclemedia.com. ---RK00010111---01.05.02

Polygon - Refuge --- Glasnost Records – 12 Tracks – 73m26s

Wenn man vom allgemeinen Coverartwork auf den Inhalt so mancher CD´s spekulieren möchte, kann das schon einmal nach hinten losgehen. Bei dieser Veröffentlichung jedoch ist die Visualisierung Programm. Gleich zu Beginn ein Zitat der Labelumschreibung zu Polygon´s 1995-er Album "Refuge": „Eine Form aus tausend Formen in ständiger Veränderung: Das Vieleck als Symbol für das Leben. Inspiriert von Kult-Regisseur John Carpenter enthält das erste Soloalbum von Mortal Constraint Mitglied Ingo Lindmeier imaginäre Filmsoundtracks in düster psychopathischer Kulisse. Minimalistische Elektronik an der Kette wie ein Höllenhund in der Zuflucht vor dem eigenen Ich“.
Wird man im Opener noch sanft durch hallende Klänge an die atmosphärische Grundstimmung herangebracht werden einem in Track 2 liquide Peitschenschläge in düsterstem Gewand untermahlt mit klaren elektronischen Sound Elementen, minimalistisch strukturierten Beats und abgefahrenen Vocals in die Trommelfelle injiziert, bevor im nächsten Stück "Dreamgate" die Pforten der Wahrnehmung gänzlich geöffnet werden können. Sehr viel Emotion steckt im vierten Song, indem ein femininer Sample im Rhythmusgeflecht eingebaut ist und der ähnlich außerirdisch abgefahren liquide Sounds wie Track 2 und 3 beinhaltet. Das instrumentale „Tears in the Wind“ setzt mehr auf ambiente Strukturen, wie Glockenschläge und einige mittelalterliche Instrumente, ohne jedoch den elektronischen Hauptgedanken außer Kraft zu setzen. Im Folgesong wird man durch die ausgedehnten Synthieflächen in den Abgrund gezogen und die Vocals sorgen für übriges, um den „Dialog with Death“ führen zu können. Mit „Beyond Awareness“ liegt ein Track vor, aus dessen minimalistisch gehaltenem Rhythmus Hunderte von Beeps und Bleeps entsprießen und dessen Hintergrund stetig von melancholischen Soundteppichen untermahlt ist. Hinzu kommt ein sehr anschaulicher Text des Künstlers. Vier weitere geniale Songs folgen und runden ein, ich verwende dieses Wort absichtlich, perfektes Album ab. Hier lässt sich kein favorisierter Track ausfindig machen, das Album existiert nur im Ganzen. Erneut steht die Divise...man kann diese Musik nicht beschreiben...man muss sie erleben! Science Fiction...außerirdisch gut...Mindmovies fürs Braincinema!!! ---RK00010111---16.11.02

Pur Nature - Demo CD --- 3 Tracks - 16m08s

Es passiert - leider - selten genug, dass wir vom EC eine Promo zugeschickt bekommen. Es passiert - leider, leider - noch viel seltener, dass wir mit einer solchen auch etwas anfangen können. Eine der rühmlichen Ausnahmen liegt uns hier vor.
Pur Nature ist ein dreiköpfiges Projekt aus dem Koblenzer Raum. "Teufel", "Eddie" und "Roger" haben ihre noch recht junge Band dem Old-School-EBM verschrieben, ohne dabei langweilig zu klingen. Speziell der erste von drei Tracks der Demo könnte durchaus demächst die Tanzflächen unsere Clubs befeuern. Rhythmisch-treibend, aber dennoch mit der gewissen Trägheit, die den klassichen EBM charakterisiert, kommt "Rain" aus den Boxen. "Think Tank" ist sehr minimal gehalten und geht mir nicht so gut ins Ohr; hier ist noch etwas an den Feinheiten zu feilen. Aber mit "Evil Dreams" können die drei schon wieder Punkten. Wem das bisher gelesene zusagt, sollte sich unbedingt auf der Homepage des Projekt den neusten Song, "Bloody Snow" herunterladen. Hier zeigen Pur Nature, dass sie in den gerade mal 10 Monaten ihres Bestehens so einiges dazugelernt haben und richtig was auf der Pfanne haben. Die kühle Athmosphäre aller Songs sowie die charakterische Stimme von Sängerin und Sänger könnte das Markenzeichen von Pur Nature werden. ---b-runner---21.03.04

Roger Rotor - Malleus Maleficarum --- Ant-Zen - 10 Tracks - 56m17s

Draußen in der großen Welt elektronischer Musik sieht es ein wenig anders aus als in der Geschichte mit den gallischen Dorf und dem römischen Reich, denn hier kämpfen die tapferen Helden zwar ohne Zaubertrank, aber dafür an mehreren Fronten gegen die Übermacht Einheitsbrei. Eine herausragende Rolle in diesen Bemühungen nimmt schon seit einer kleinen Ewigkeit das Label Ant-Zen ein. Nicht immer gut- und selten leichtverdauliche Kost wird hier angeboten, die garantiert anders ist als all das, was derzeit den Clubgänger in jeder Scheuendisco quält.
Eine dieser Veröffentlichungen trägt die Nummer 154. Malleus Maleficarum ist ein Album, das zum Hören und Tanzen gleichermaßen geeignet ist. Hypnotisierende, aber abwechslungsreiche Klangteppiche sind unterlegt mit niederfrequenten, treibenden Hintergründen, die sowohl bei 140 als auch bei 20dB angenehm im Ohr liegen. Das Album ist komplett instrumental, wird aber trotzdem nicht langweilig, da die ideenreiche Elektronik der Schweizer für Spannung sorgt.
Und da es bei Ant-Zen wohl kaum eine CD gibt, die sich mit einem schnöden 08/15-Cover zufrieden geben muss, freut man sich über das Album schon beim auspacken. Play: 2. The Bastard burns my head, 7. Wolfish---b-runner---18.12.03

Stromkern - Light it Up --- Dependent - 10Tracks - 50m47s

Stromkern haben sich jüngst zurückgemeldet. Mit "Light it up" geht die sympathische Band neue Wege, ohne ihren eigentümlichen Charakter zu verlieren. So hört man vielerorts Gitarren, die sich angenehmerweise im Hintergund halten und sich dem Hörer nicht aufdrängen; genau so kommen aber auch Klavier und typische Electrosounds zum Einsatz.
Die meisten Tracks sind recht flott und durchaus tanzbar; sehr angenehm fallen die Strukturwechsel innerhalb der Songs auf. Teilweise verfremdet, ansonsten unverkennbar ist natürlich wieder der Stromkern-typische Sprechgesang zu vernehmen. Neben acht ausschließlich von Stromkern (J. Ned Kirby und Kelly Shaffner) produzierten Titeln finden sich auch zwei Stücke mit Gastsängern, wobei Hindsight mit Victoria Lloyd auffällig ruhig ist. Dafür geht es mit Delete direkt darauffolgend recht krachig ans Werk.
Insgesamt ist Stromkern ein Album gelungen, welches eingängig, aber nicht einfach zu hören ist und welches zeigt, das sich die Band auch nach einigen Jahren und Veröffenlichungen immer noch steigern und verbessern kann. Zur Veröffentlichung des neuen Albums gibt es übrigens auf Dependent den Stromkern-Song "Reminders" zum kostenlosen Download. Play: 2. Reminders, 6. Ruin, 10. Delete ---b-runner---10.10.2005

Terminal Sound System - Last Night I Dreamed Of Armageddon --- Hive Records - 9 Tracks - 70m33s

Und wieder erreichte uns von dem (wohl uns besonders wohlgesonnenen) amerikanischen Label Hive eine Silberscheibe, die eine Erwähung wert ist. Terminal Sound System präsentieren mit ihrer sechsten Veröffentlichung eine gute Stunde elektronischer Entspannung mit hohem Niveau. Grade der minimalistische Einsatz von Klängen und Tönen lädt zum Zurücklehnen und Zuhören ein.
Man versinkt schnell in warmen, runden Klangkonstruktionen, jedoch ohne sich zu langweilen. Die ruhigeren Strukturen werden abwechslungsreich von eindringlichen Zwischenklängen unterbrochen, ohne diese auseinander zu reißen.
Unter http://terminal.antisound.net/?03 gibt es für interessierte Ohren auch Hörproben zu laden.
Play: 5. (Study of) Decay of Elements, 9. (i)=x ---b-runner---15.03.2005

V.S.B. - Atomic Erotic --- Nightclub Rec. - 14 Tracks - 67m57s

Als "Multimedia-Industrial-Elektro-Projekt" bezeichnet sich das Duo V.S.B., dass uns mit abwechslungsreichem Electro in verschiedenen Ausprägungen beliefert und hier auch durchaus hörenswerte Tracks am Start hat. Ob man den optischen Teil des Projekts so begeisterungswürdig findet wie den akustischen, sei jedem selbst überlassen. Der Name des Albums ist hier Programm, doch die Performance mit Stahlmasken, Kettensägen und vielen Gruft-Mädels triff zumindest meinen Geschmack nicht.
Zurück zur Musik: Treibende Rhythmen, eine tiefe, nur leicht verzerrte Stimme und Anleihen in den verschiedenen Spielarten elektronischer Musik mit einer Bandbreite von Gitarren à la Zeromancer bis hin zu Industrialklängen, dazu ein paar gezielt plazierte Sounds ergeben eine durchaus ansprechende Mischung. Der Erstling von V.S.B. ist ganz klar in Richtung Club ausgelegt, wobei die Tanzbarkeit der Qualität nicht schadet.
Mein persönlicher Favorit ist "Motorherz", ein brachialer percussionlastiger Konzepttrack, der auf der Tanzfläche sicherlich so richtig Spaß macht. Etwas harmloser, aber dafür mit Ohrwurmcharakter: "Behind the Mask".
V.S.B. können mit ihrem charakteristischen Sound und ihrem Ideenreichtum punkten; ob das Image dem zuträglich ist, bleibt dahigestellt. ---b-runner--- 15.05.04

Various Artists - Electro Steel Corp. V.1.0 --- Wire Records - 16 Tracks - 68m19s

Ja, ja, die Labelsampler! Man kennt diese Dinger schon seit Jahrzehnten. Kosten einen Haufen Geld und bestehen zu 90% aus irgendwelchen zusammengestoppelten Tracks, die man bis auf eine oder zwei Ausnahmen im Leben nicht wieder hören möchte - und die hat man sowieso schon auf einem Album.
Sie landen häufig als Staubfänger in den unteren Reihen des CD-Regals oder werden gar als Untersetzer für die Kaffetasse zweckentfremdet.
Dass dem nicht unbedingt so sein muss, zeigt uns die Veröffentlichung der wiederauferstandenen Labels Wire-Records. Dort finden sich 16 größtenteils unveröffentliche oder exclusive Tracks von bekannten und weniger bekannten Bands komprimiert wieder.
Der Name des Samples ist Motto, was heißt, dass hier komprimiert tanzbarer Electro geboten wird. Freunde des Sounds von Suicide Commando, VAC und ähnlichen Kapellen werden mit dem Sampler voll ins Schwarze treffen.
Qualitativ sind die Tracks allerdings recht unterschiedlich, wobei ich den Eindruck habe, das die Reihenfolge der Titel auf dem Sampler auch den Entwicklungsstand der Bands wiedergibt. So stehen kraftvolle und ausgefeilte Tracks wie die Beiträge von "Unter Null", "Stereomotion" und "Noice Process" solchen doch recht langweiligen und gehaltslosen Stücken wie "Wake me up" von "Legacy of Music" oder "Laß' mich..." von "Syndrodox" gegenüber.
Hörschnipsel aller Tracks gibt es übrigens hier: http://www.wire-world.de/audio.htm ---b-runner---23.03.05

Void Construct - Sensory Division --- Cryonica - 12 Tracks - 68m14s

Ach, was wurden wir armen Electros in den letzten Monate gequält. Stumpfsinniges Futurepop-Gedüdel vom Fließband tönt einem in allen Clubs entgegen. Verstörte DJs versuchen, mit Old-School-EBM entzündete Trommelfelle zu kurieren, doch Heilung bringt einem bereits geschädigten Electrohead eigentlich nur gute, neue Musik.
Die Veröffentlichung von Void Construct könnte hier möglichweise Linderung bewirken. Auch wenn die Musik auf dem zweiten Tonträger der Band nicht ganz mit electronischen Genies wie haujobb oder VAC konkurrieren kann, erkennt man doch dahingehende Tendenzen.
Fangen wir mal von außen an: Ein hübsches Cover mit Texten im Booklet und eine Tracklist, die sich wie ein Cyberpunk-Roman liest - das macht doch gleich mal einen positiven Eindruck. Wichtiger als die optische Qualität ist aber die akustische. Hier setzt Void Construct auf leicht verzerrten Gesang, ab und an eingestreute Samples und eher rauhe Sounds. Das ganze erzeugt eine füllende, recht aggressive Athmosphäre, die vielen Tracks dank solider Rhythmen das Prädikat "tanzflächengeeignet" verleiht. Das kritische Ohr mag hier und da eventuelle noch leichte Futurepop-Elemente wahrnehmen; dies beeinflußt den guten Gesamteindruck jedoch kaum. Abgesehen von den schnelleren Tracks finden sich auch noch einige ruhigere Stücke auf dem Album. Hier tritt die schon oben erwähnte Athmosphäre weiter in den Vordergrund und die soundtrackartige Klangtüftelei kommt insbesondere bei den Instrumentaltiteln zur Geltung. Insgesamt ein wirklich gutes Electroalbum mit einer Spannbreite von 90 bis 155 bpm. Play: 3. Disconnected, 6. Traumatech, 10. Random Access. ---b-runner---26.05.03

Y-Luk-O - Kerion Celsi --- Sonic-X - 13 (14) Tracks - 71m11s

Na schau, da ist sie wieder, die Band mit dem Namen, dessen Aussprache mir bis heute Rätsel aufgibt. Der zweite Longplayer des Duos ist am 5.5. zu erwerben, gehört haben wir ihn schon jetzt:
Kerion Celsi ist vor allem eines: ruhiger. Viele Low-Tempo-Tracks scheppen sich latent träge aus den Boxen. Dass trotzdem keine unerwünschte Gruftstimmung oder gar Langeweile aufkommt, liegt an der konsequent elektronischen Musikgestaltung. Wie schon auf dem ersten Album Dead without you sorgen ausgefeilte Klangteppiche und ruhige, aber kräftige Rhythmen für eine dunkel-technische Athmosphäre. Die unverwechselbare Stimme des Sänger trägt ebenefalls hierzu bei. Gitarrenklänge dagegen kommen deutlich kürzer als auf dem Debut-Album.
Für dem ersten Track konnte Y-Luk-O Meister Codenys von 242 als Mixer gewinnen. Dieser bringt in das Stück den Stil ein, den die Frontler derzeit auch in ihren eigenen Neuveröffentlichungen pflegen. "September 11th" nimmt hintergründige Anleihen an alten Apoptygma-Tracks, ist jedoch völlig eigenständig. "Memories" erinnert ein wenig an Index: Ruhig und trotzdem äußerst kraftvoll. Mein persönlicher Favorit ist "Further", dieser Track dürfte auch auf den Tanzflächen möglicherweise öfter zum Einsatz kommen. Auf jeden Fall ebenfalls hörenswert ist das Stück "Wo bist Du?", welches man am ehesten als Vorlesung mit elektronischen Klangrahmen beschreiben kann. Ein Grinsen springt einem in's Gesicht, wenn man sich den "à la Queen Mix" von "S.K.E.S. part 3" anhört. Warum, wird hier aber nicht verraten... "The Run of the Sun" kombiniert diverse teilweise exotische Elemente zu einem recht eingängigen Track, der tellenweise als "snogisch" bezeichnet werden kann.
Der dreizehnte Track beinhaltet außer dem Outro "...empty again" noch einen kuriosen Bonus-Titel. Schönes Detail: Die Lücke zwischen den Stücken wurde so gesetzt, dass sich eine Laufzeit von 1:11:11 ergibt :-).
Insgesamt erweitern Y-Luk-O erfolgreich ihre Stilpalette weiter. Industrial, Electro, EBM, Ambient, Dark-Wave, Metal und Klassik sind nur ein Teil der Elemente, die man in Kerion Celsi fernab von gängigen Klischees entdecken kann. Die meisten Stücke sind nicht unbedingt was für die Tanzfläche, aber aufgrund der elektonischen Qualitäten und der innovativen Mischung von Stilen und Ideen als Boxenfutter sehr empfehlenswert. Play: 4. Memories, 5. Further, 6. Bruchstücke sammeln..., 11. The Run of the Sun ----b-runner---06.04.2003

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