Die eigentliche Altersbestimmung
Wie wir bereits gelernt haben, beträgt der Anteil an C-14 im Vergleich zu C-12 in der
Atmosphäre, wie auch in lebenden Organismen 1,2 · 10-12.
Proben mit dieser C-14 Konzentration werden in der Fachsprache als modern bezeichnet.
Stirbt nun der Organismus, so findet kein Kohlenstoffaustauch mehr statt.
Durch den Zerfall von C-14 verringert sich aber dessen
Anteil kontinuierlich mit der Halbwertszeit von 5730 Jahren.
Die stabilen Isotope C-12 und C-13 bleiben jedoch in der Probe enthalten.
Der Anteil an C-14 wird auch in pMC (percent Modern Carbon = Prozent an modernen Kohlenstoff)
ausgedrückt.
D.h. eine Probe, in der der C-14 Anteil 1,2 · 10-12
beträgt hat 100 pMC.
Angenommen wir stellen fest, dass die C-14-Konzentration einer Probe 6 ·
10-13 beträgt (50 pMC). Es ist also die Hälfte des ursprünglich
vorhandenen C-14 zerfallen. Somit beträgt das Alter der Probe 5730 Jahre.
Methoden zur Altersbestimmung
Um das Alter einer Probe ermitteln zu können ist es also notwendig, den Anteil der noch
vorhandenen C-14 Atome herauszufinden. Hierzu gibt es zwei Methoden:
Die konventionelle Zählrohrmethode und die neuere sogenannte
AMS-Methode.
Bedingt durch die Halbwertszeit von 5730 Jahren eignen sich beide Methoden zur Altersbestimmung
von organischem Material im Alter von 500 bis 50000 Jahren.
Zählrohrmethode nach Libby
Diese konventionelle Methode wurde 1949 von Willard Frank Libby und
seinen Mitarbeitern entwickelt. Zunächst wird die zu untersuchende Probe chemisch so
aufbereitet,
dass sie nur noch reinen Kohlenstoff enthält. Dieser wird anschließend zu
CO2 verbrannt, welches direkt in ein
Geiger-Müller-Zählrohr eingefüllt wird.
Zerfällt nun ein im CO2 enthaltener C-14 Kern, ionisiert dies das im
Zählrohr enthaltene Gas, was sich wiederum als elektrischer Impuls bemerkbar macht.
Man misst also die C-14 Zerfälle in einer bestimmten Zeiteinheit. Der Quotient aus der Anzahl der
zerfallenen C-14 Kerne und der dazu benötigten Zeit heißt Aktivität A. Die Einheit der Aktivität
ist die Anzahl der Zerfälle pro Sekunde, auch als Bequerel (Bq) bezeichnet.
Die Aktivität ist proportional zur Anzahl der C-14 Atome Nt.
D.h. Je mehr C-14 Atome noch vorhanden sind, desto größer ist die Anzahl der Zerfälle.
Hier führen wir nun den Proportionalitätsfaktor k ein, er wird Zerfallskonstante genannt.
Die Zerfallskonstante k ist definiert als Quotient aus ln2 (natürlicher Logarithmus von 2 = 0,693)
und der Halbwertszeit, hier 5730 Jahre.
Somit lässt sich nun aus der Aktivität die
aktuelle Anzahl der C-14 Atome
Nt ermitteln.
Da die Masse der untersuchten Probe bekannt ist, kann man über das Verhältnis C-14/C-12 =
1,2 · 10
-12 die
ursprüngliche Anzahl der C-14 Atome
N0 errechnen.
Setzt man nun diese beiden Größen (alternativ auch die
Massen m0
und mt) in das Zerfallsgesetz
ein und löst nach t auf, erhält man als Ergebnis das Alter der Probe in Jahren.
Diese Gleichung liegt auch dem
C-14 Rechner zugrunde.
Trägt man in ein Koordinatensystem den Anteil N
t in Abhängigkeit der
Zeit t ein, erhält man folgenden Graphen:
Vor- und Nachteile der Zählrohrmethode
Der radioaktive Zerfall ist ein statistischer Prozess; d.h. es zerfallen einmal mehr, einmal
weniger Atome. Um die Zerfallsrate genau bestimmen zu können muss man daher möglichst viele
Zerfälle messen. Um eine Genauigkeit von ±1% zu gewährleisten müssen 10000 Zerfälle erfasst
werden. Da C-14 aber eine vergleichsweise lange Halbwertszeit hat und die C-14 Konzentration
sehr gering ist erfordert die Zählrohrmethode große Probenmengen (mindestens 1 g) und lange Messzeiten.
Dadurch ergeben sich unter Umständen Messzeiten, die sich in der Größenordnung von Tagen und
Wochen bewegen.
Der Vorteil der Zählrohrmethode liegt in einer relativ kleinen, einfachen und kostengünstigen
Apparatur.