|
Natürlich wußte ich, dass ich, kaum aus den Dolomiten
zurück, nach 4 Arbeitstagen nochmal eine gute Woche Urlaub haben
würde - schließlich hatte ich den Urlaub ja so beantragt
:-) Was ich jedoch noch nicht wußte, war, was ich in dieser Woche
anstellen sollte. Bergsteigen war ich ja gerade gewesen, so dass meine
Füße auf jeden Fall eine Erholungspause gebrauchen konnten
bzw. wenn dann nur für eine leichte Tour noch mal beansprucht werden
sollten. Diese Option strich ich also schon mal. Vielmehr bekam ich
daheim angekommen richtig Lust auf eine Biketour zum Abschluß
der Saison. Zum einen war ja mein neues Bike durch einen Defekt an der
Federgabel nach knapp 2 Monaten zum Garantiefall geworden, wodurch ich
die Transalp-Tour in diesem
Jahr noch mal mit dem alten Bike absolvieren mußte und ich das
neue Gefährt bis dato gar nicht richtig testen konnte. Außerdem
gab es noch ein paar "offene" Streckenabschnitte von der Transalp
2000, die ich gerne noch nachgeholt hätte, konkret den Tarscher
Paß und das Rabbijoch mit der Haselgruber Hütte. Tja, so
blätterte ich also abends nach dem zweiten Arbeitstag ein wenig
in meinen alten Bikeheften in der Hoffnung auf eine Anregung für
meine angedachte Tour, so dass ich nicht noch in so wenigen Tagen eine
ganze Tour planen mußte. Und, wie es der Zufall wollte, bekam
ich das Mountainbikemagazin 09/00 in die Finger, in dem die "Ronda
Extrema", eine Ortlerumrundung, beschrieben war. Na das hörte
sich doch an wie für mich geschaffen :-)
Eifrig begann ich die zwei Seiten genauer zu studieren und schon wenig
später war mir klar, dass ich die Tour in Angriff nehmen würde!
Gut, ein paar Unsicherheitsfaktoren gab es schon noch, zum einen, dass
ich keine Landkarte für die ganze Region hatte, dann die Frage,
ob die Unterkünfte zu der Jahreszeit noch offen haben würden
und natürlich, wie das Wetter werden würde, denn schließlich
ging es zwei mal über die 3000m-Marke und auch über zahlreiche
andere nicht gerade niedrige Pässe. Mit einem verfrühten Wintereinbruch
könnte ich die Unternehmung in der Form vergessen, außer,
ich würde mein Bike gegen Schneeschuhe o.ä. tauschen ... Außerdem
war auch klar, dass ich mehr warme Sachen einpacken müßte
im Vergleich zu einer Transalp-Tour im Sommer, doch irgendwie würde
das schon alles passen. Mit meinem jugendlichen Optimismus sah ich das
alles recht locker vom Sofa daheim :-)
Tja, nach einigem Hin und Her und wenig erholsamen Tagen und Nächten
gelang es doch noch alles in der kurzen Zeit auf die Reihe zu bekommen.
Daniel war
so nett und scannte mir in einer Nacht- und Nebelaktion die fehlenden
Kartenstücke, die ich dann in bester Qualität ausdruckte und
in Klarsichtfolien einpackte. Dazu suchte ich im Internet nach den Öffnungszeiten
und Telefonnummern für die Hütten und telefonierte schließlich
wie ein Weltmeister, um die Hütten soweit wie möglich zu reservieren.
Nichts wäre fataler gewesen als nach einer 10h-Etappe an der Hütte
festzustellen, dass diese bereits geschlossen hatte ... Ein paar kleine
Veränderungen zur Originalroute aus dem Mountainbikemagazin hatte
ich mir sowieso vorgenommen, so dass auch die eine oder andere Übernachtung
anders ausfallen würde als angegeben, aber letztlich hatte ich
eine stimmige Etappenplanung gefunden, die zwar keinesfalls einfach
war rein von den Fakten her, aber die mir dennoch machbar und vor allem
lohnenswert schien. Bis auf drei Ausnahmen hatte ich überall Erfolg
mit der Reservierung, zum Teil wieder mit abenteuerlichen Telefonaten
auf Italienisch, in denen ich mich mit Ach und Krach verständlich
machte und am Ende ein "va bene" zu hören bekam, so dass
ich wußte, dass die Reservierung in Ordnung gehen würde ...
Die restlichen Übernachtungen müßte ich dann eben vor
Ort klären, was zwar ein kleines Restrisiko darstellte, aber ich
hatte zahlreiche Telefonnummern und Infos zu diversen Hütten in
der Region im Gepäck, so dass das schon gut gehen würde. Die
Wetterprognosen waren recht brauchbar für die ersten paar Tage
und somit gab es dann auch kein Zurück mehr.
Am Sonntag gegen 18.00 wurde das Bike samt dem doch ganz schön
schwer gewordenen Rucksack ins Auto geladen und schon ging's los gen
München, wo ich noch Zwischenstopp bei einer Freundin machte. Montag
früh ging die Fahrt dann streßfrei weiter bis nach Latsch
im Vinschgau, wo ich schnell einen geeigneten Parkplatz für eine
Woche fand. Nach den letzten kleinen Schraubereien am Bike und dem Auffüllen
meiner Trinkflaschen sowie ein paar Stückchen Schokolade als Wegzehrung
für die ersten paar Kilometer fiel dann gegen 13.30 der Startschuß
zur Ronda Extrema. Beim gemütlichen Losradeln durch das beschauliche
Latsch auf knapp 700 m Meerhöhe war der Name der Tour noch keinesfalls
Programm, aber in den Folgetagen sollte sich das grundlegend ändern.
Mir sollte eine grandiose Woche mit dem Bike im Hochgebirge bevorstehen
...
|