TAG FÜR TAG (Januar - März 2007)


ERSTE WOCHE


Samstag, 27. Januar 2007


"Estais locos?" sagt unser Nachbar Amador, als wir um 11.00 Uhr in Los Llanos ankommen: "Seid ihr verrückt?" - Nun ja, dem kann man nicht so ganz widersprechen. Schon auf der Hinfahrt lag etwas Schnee, südlich der Loire so ein paar Zentimeter, weshalb die Landschaft schön anzusehen war und wir beschlossen, uns etwas mehr Zeit zu lassen und in St. Emilion noch eine weitere Zwischenübernachtung zu machen. Dort waren wir fast die einzigen Gäste im Dorf und im Hotel, denn hier lagen dann doch 15 cm Neuschnee. Am nächsten Tag in Asturien dann konnte man von der Küstenautobahn schon sehen, dass die Schneefallgrenze bei etwa 300 Metern lag, wir übernachteten also nochmal im Hotel, in Llanes im Hotel Miraolas, und konnten tatsächlich aus dem Fenster das Meer und die Wellen sehen, von Schnee keine Spur. Also fuhren wir nach Posada und kauften kräftig ein. Dann ging's den Berg hoch.

Ab Meré lag etwas Schnee, im Dorf Canales eine ganze Menge, aber die Dorfstrasse war geräumt. Ab dem Haus, wo der Lehrer wohnt, fahren wir dann durch jungfräulichen Schnee, und 250 Meter weiter hilft auch der Allrad-Antrieb nichts mehr. Es geht nicht mehr weiter. Wir stapfen zu Fuß zur Cabana hoch, holen Schaufeln und nach 2 Stunden schweißtreibender Arbeit kommen wir mit dem Auto einen Kilometer weiter, bis zu einem kleinen Parkplatz am Bach; dort beginnt der Schlußanstieg, das steilste Stück, da ist nichts zu machen.

Wir schleppen Koffer und Taschen nach oben und schauen uns in Ruhe um: 30 cm Neuschneee, noch nicht einmal ein Traktor ist hier gewesen, am Haus nichts kaputt. Bei sonnigem, aber kaltem Wetter (3 Grad) stapfen wir durch den Schnee zur Quelle und holen Wasser.

Abends machen wir uns den Rest der Linsensuppe warm, die wir aus Horrem mitgebracht haben und freuen uns, dass es am Ofen nicht mehr so gräulich kalt ist: Bis zum Abend steigt die Innentemperatur von 6 Grad auf immerhin 12 Grad.




Sonntag, 28. Januar

Wieder ist Schneeschaufeln angesagt, vormittags und dann nach dem Mittagessen weiter. Aber irgendwann ist das Auto glücklich oben und die Innentemperatur steigt auf 14,5 Grad, die Solaranlage wird angeschlossen.

Eine Gruppe von Wanderern kommt vorbei, sie sind teilweise mit Schneebrettern von den Bergen heruntergekommen. Arbeit macht warm, aber um 18.30 Uhr ist es dunkel und mir tut schon das Handgelenk weh vom Schneeschippen. So sitzen wir beim Schein von einigen Kerzen und einer elektrischen Leselampe abends müde am Ofen - im Schlafsack, denn bei 14,5 Grad will sich so rechte Gemütlichkeit nicht einstellen.




Montag, 29. Januar

Nachts leichter Frost, um kurz nach 9 geht die Sonne hinter den Bergen auf, aber mehr als 7 Grad wird's nicht. Es taut, aber langsam. Ebenso langsam wird es drinnen wärmer. Roswitha füttert den Ofen mit Unmengen von Holz, so dass es immerhin 16 Grad wird. Gleichzeitig aber bekommen wir Panik, weil der im Schuppen gelagerte Holzvorrat rapide abnimmt. Drum werden eine Weide und eine Esche neben dem Haus gefällt.

Nachmittags stapfen wir durch den Schnee nach oben, was nur geht, weil die Wanderer gestern eine Spur gemacht haben. Ansonsten sind oben keine Spuren von Menschen zu sehen, nur ein paar Hasen sind rumgehoppelt und ein paar Pferde. Und zwei Menschen mit Langlaufskiern müssen dagewesen sein.

Dann die Sensation des Tages: In der Nähe des großen Wasserbassins oben läuft ein seltsames graues Tier langsam durch den Schnee, so gut 200 Meter von uns entfernt: Das ist offensichtlich einer der Wölfe, die hier zum Leidwesen der Viehzüchter ihr Unwesen treiben. Aber weder die Pferde, die im Schnee scharren, um etwas Fressbares zu finden, noch die Geier, die über dem Tal kreisen, regen sich irgendwie über den Wolf auf. Wir auch nicht, und dann ist er auch schon hinter ein paar Felsen verschwunden.




Dienstag, 30. Januar

Trüber Tag, da wird es nicht wärmer als gut 4 Grad, nachmittags regnet es auf den Schnee. Wir hacken Holz, fahren nach Posada einkaufen. In den leeren Geschäften - Touristen kommen jetzt keine - sitzen die Verkäuferinnen und frieren, Heizungen gibt es hier keine, manche haben neben der Kasse einen tragbaren Petroleum-Ofen stehen. Wir kaufen eine Axt, einen Blecheimer für die heiße Asche und Gummistiefel für mich, denn bei dem Matsch überall sind Gummistiefel die wichtigste Fußbekleidung.

Nachts laufen 3 Kühe durch den Schnee, die irgendwo ausgerissen sind.




Mittwoch, 31. Januar

Es wird nicht wärmer, Nieselregen, Nebelbänke, wir gehen zur Quelle um Wasser zu holen und machen Holz klein. Weil es nachmittags noch mehr nieselt, versuche ich drinnen eine neue Küchenleuchte zu montieren, ohne vollen Erfolg.

Die Innentemperatur steigt auf 17 Grad, wie warm es ist, hängt entscheidend davon ab, wie weit man sich vom Ofen entfernt.




Donnerstag, 1. Februar

Solange Schnee auf dem Dach liegt, haben wir wenigstens immer genug (Regen-)Wasser. Morgens kommt freilich kein Wasser aus der Leitung, weil sie eingefroren ist. Wer denkt denn auch an sowas - kalte Nächte in Spanien. Ab und zu regnet es wieder auf den Schnee, immerhin ist es heute draußen fast 9 Grad und drinnen 18 Grad.

Die Küchenlampe wird endlich fertig und funktioniert, ein echter Fortschritt: die 12-Volt-Halogen-Birne gibt nicht viel Licht, aber beleuchtet schön Herd, Töpfe und Teller.

Nachmittags kommt dann die Sonne, und nur mit Rollkragen-Pullover (aber langer Unterhose) werden noch ein paar Bäumchen gefällt und direkt klein gehackt. Das frische Holz kann natürlich nicht in diesem Winter verbrannt werden, es landet je nach Durchmesser auf einem der Haufen. Aber wohin damit?




Freitag, 2. Februar

Morgens fahren wir nach Cangas de Onis, gehen in den China-Billig-Laden, ins Internetcafe und in den Arbol-Supermarkt. Auch hier überall kühl in den Geschäften, wir wärmen uns im Café "La Golosa" auf.
Wieder oben essen wir einen kräftigen Eintopf und fällen eine weitere Weide und eine 30jährige Esche mit Hilfe von Amador, der nicht zusehen kann, wie wir uns mit einer stumpfen Kettensäge abmühen. Roswitha geht alleine zur Quelle, ich zerkleinere Äste. Der letzte Schnee taut vom Dach. Und weil die Sonne nicht scheinen will, ist die Solar-Batterie leer. Wieder nur Kerzenlicht in der Küche ...




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