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Gleiswendel
Meine im Entstehen befindliche N-Anlage wird einen über Gleiswendel erreichbaren Schattenbahnhof haben. Über Gleiswendel habe ich viel gelesen; nur nicht wie man eine selbst baut. Also war
learning by doing wieder mal angesagt – vielleicht sind meine Erfahrungen für andere von Nutzen.
Ich habe 6mm Sperrholz verwendet, bei dem geringen Gewicht von N-Fahrzeugen besteht keine Gefahr des Durchbiegens. Empfehlen kann ich das trotzdem nicht. Offensichtlich sind auch in Platten, die völlig plan liegen, manchmal interne Spannungen. Wenn man einen schmalen Streifen herausschneidet, halten die 'Nord-Süd' Spannungen den 'Ost-West' Spannungen nicht mehr stand. Das Ganze verzieht sich, das Brettchen ist nicht brauchbar. Ich glaube, ich weiß jetzt, warum Modellbau Menninghaus 9mm Sperrholz für die Trassen-Brettchen ihrer Gleiswendel Bausätze
nimmt! Erste Überlegung ist, wie die Trassen-Brettchen dimensioniert sein müssen. Bei Parallelgleisen kommt Arnold mit einem Gleismitten-Abstand von 3cm in der Kurve aus. Wenn längenmaßstäbliche 26,4m Personenwagen in der Kurve aneinander vorbei müssen, wird das sehr knapp. Wer Flexgleise verlegt, sollte lieber einen Abstand von mindestens 3,5cm wählen. Denn Flexgleise millimetergenau konstant parallel zueinander in einer Kurve zu verlegen, ist schwierig, besonders an den Schienenstößen.
Für die vertikale Fixierung benutzte ich M6 Gewindestangen. Sie sind stark genug um eine stabile Konstruktion zu ermöglichen, und trotzdem schwach genug um sie etwas zu biegen, sollte alles nicht haargenau zusammenpassen. Sie sind preiswert, und man kann jederzeit millimetergenau die Höhe justieren. Die Gewindestangen müssen auch genug Abstand zu den Gleisen haben. Ich habe nicht berücksichtigt, dass der Überhang in der Mitte der Wagen (Kurven-Innenseite) mehr ist als am Ende der Wagen
(Kurven-Außenseite). So wurde der Abstand zu den Gewindestangen an der Innenseite äußerst knapp. Ich würde empfehlen, die Bohrung für die Stange außen 2cm von der Gleismitte zu machen, und auf der Innenseite 2,5cm von der Gleismitte. Wenn die Bohrung 1cm vom Brettrand
platziert wird, kommt man so auf eine erforderliche Trassenbrett-Breite von 10cm, für eingleisigen Betrieb 6,5cm.
Jetzt muss der Kreis geteilt werden, man kann nicht einen ganzen Ring aus einer Platte sägen. Ich wusste nicht, in wie viele Segmente ich teilen sollte und auch nicht, wie ich den Winkel genau messe. Letztendlich ist es doch ganz einfach. Nehmen Sie ein Blatt Papier und zeichnen einen Kreis. Halbieren Sie den Kreis durch einen Strich durch den Mittelpunkt
(xy, Zeichnung 1).
Von Punkt x zeichnen Sie nach links
eine Linie mit der gleichen Länge wie der Radius vom Kreis . Endpunkt a liegt ebenfalls auf dem Kreis. Das Gleiche nach rechts (Linie
xb). Wenn Sie jetzt den Kreis wieder teilen mit Strichen aA und bB durch den Mittelpunkt (Zeichnung 2),stellen Sie fest, der Kreis ist in 6 gleiche Segmente geteilt worden.
So können Sie ein Segment zeichnen, ohne mühselig den Winkel ganz genau messen zu müssen, denn eine Abweichung von nur einen Grad bei 40cm Radius macht einen Fehler von fast 7mm in der Länge des Trassenbretts.
Ich habe ein Segment auf Hartfaserplatte gezeichnet und ausgeschnitten, und als Schablone benutzt. Wie man die Segmente zeichnet ist jetzt klar, aber nicht entschieden ist die Länge, bzw. wie groß die Wendel sein soll. Hier sollte man nicht kleinlich sein – größtmögliche Radien! Nicht nur steile Rampen machen den Loks zu schaffen, auch enge Kurven, denn da wird die Reibung und somit die Bremswirkung größer. Ein Teufelskreis setzt ein – bei kleineren Radien wird der Kreisumfang auch kleiner und die Steigung muss steiler werden um den gleichen Höhenunterschied zu erreichen. Endergebnis: sehr kurze Züge. Machen Sie sich erst Gedanken darüber, was für Züge fahren sollen. Bei Nebenstrecken-Betrieb dürfte es keine allzu großen Probleme geben, die kommen eher mit Riesen-Güterzügen und 13-Wagen Schnellzügen. Ausgiebige Versuche mit den vorhandenen Loks/Fuhrpark, um zu sehen, was die Loks überhaupt an Steigungen bewältigen können, sind der nächste Schritt. Steht nicht viel Platz zu Verfügung, müssen vielleicht Abstriche an den gewünschten Zuglängen gemacht werden. Maßgebende Forderung für meine Planung war, dass die entsprechende Lok Arnolds Henschel-Wegmann Blauer
Enzian-Garnitur nach oben schafft . Diese Wagen haben bekanntlich hervorragende Bremseigenschaften! Schafft dieser Zug die Steigung, haben alle anderen keine Probleme.
(Diese Aussage muss ich im Nachhinein ändern: Drehgestell-Personenwagen
haben gute Rolleigenschaften - machen Sie Ihre Tests mit Güterwagen, und
zwar Zweiachser mit langem Radstand.) Haben Sie festgestellt wieviel Platz zur Verfügung steht, können Sie den Radius wählen und eine Segment-Schablone herstellen. 2% gilt als Traummaß für eine Steigung, 3% ist noch gut, von 5% und steiler wird immer abgeraten. Wird es in der Planung möglich, die doppelgleisige Strecke im Uhrzeiger-Sinn abwärts fahren zu lassen, ist die aufsteigende Strecke auf der
Kreis-Außenseite, und hat somit eine größere Radius und etwas geringere Steigung als das innenliegende Gleis. Motto: jedes Tröpfchen zählt! Die Steigung in einen Wendel wird in N ohne Oberleitung mindestens 4cm betragen müssen, da werden Sie aber nicht dazwischengreifen können. Mehr wäre besser. Jetzt kommt man nicht umhin, rechnen zu müssen. Ich kannte die Formel noch aus der Schule und habe mich gefreut, dass ich doch was Brauchbares gelernt hatte;
Pi x 2R = U, aber ich wusste nicht mehr, wie viel Pi ist – also doch die Tochter fragen . .
.(Pi = 3,14)! Gehen wir von 25cm
Radius aus: 3,14 x 500mm = 1570mm Kreis Umfang. Die weitere Vorgehensweise bleibt Ihnen überlassen. Eine prozentuale Steigung festlegen und sehen, wie groß die Höhenunterschied wird; % x U = H. Beispiel 3
/ 100 x 1570mm Kreis Umfang = 47,1mm Höhenunterschied; oder einen Höhenunterschied wählen und sehen,
wie viel Prozent die Steigung dabei wird: H / U x 100 = %. Beispiel 70mm
/ 1570mm x 100 = 4,45%. Wie man sieht, im ersten Beispiel ist die Steigung ideal, unter 5cm Höhengewinn aber nicht so berauschend. Beim zweiten Beispiel ist reichlich Platz für die Hände, die Steigung wird aber problematisch. So rechnet man dann hin und her um eine akzeptable Lösung zu finden. Und dann muss noch gerechnet werden, wie viele Windungen nötig sind, um von
unten nach oben zu kommen. Die meisten Wendel sind am Ende eine Anlage, und so kommt eine halbe Windung dazu um die Fahrtrichtung durch 180 Grad zu
ändern. Inzwischen ist alles berechnet und ein Haufen Bretter geschnitten. Position von Wendel und Gewindestangen wurden auf die Anlagen-Platte gezeichnet. Als meine Wendel fertig war und bevor sie überbaut wurde, habe ich die Mitte von der Trägerplatte ausgeschnitten, so kann ich von unten hinein, sicherlich wird es irgendwann notwendig einzugreifen. Einfacher wäre, man schneidet ein Loch aus bevor die Montage beginnt. Löcher wurden gebohrt und die auf richtige Länge gesägten Gewindestangen mit Sechskantmuttern und Unterleg-Scheiben montiert. Auf eine zweite Sperrholz Platte wurde alles noch einmal aufgezeichnet. Sechs Trassenbretter wurden auf dieser Platte ausgerichtet und notfalls nachgearbeitet, bis der Kreis richtig zusammen passte. Die Bretter wurden dann, mit einem Streifen aus Resten auf der Unterseite als Verstärkung, zusammengeleimt. Achtung – die 'Kopffreiheit' für die Züge verringert sich dadurch – entsprechend planen. An einer Stelle werden die Bretter nicht zusammengeleimt – der Kreis darf nicht geschlossen sein. Die 6mm Löcher für die Stangen werden an den Nahtstellen durch Brett und Verstärkung gebohrt. Die Gleismittellinie kann jetzt auch am besten aufgebracht werden. Die Steigung in Millimeter geteilt durch 6 ergibt die Steigung 'pro Stange'. Um das erste Brettchen nicht in die Platte einlassen zu müssen, wird es am Steigungsanfang obendrauf befestigt. Die Gleise werden nachträglich unterfuttert, wo sie dann beim Übergang zur Platte in der Luft hängen. Am zweiten Stangenpaar vom Wendelanfang werden Muttern in Position gebracht, obendrauf eine Unterlegscheibe. Die Unterlegscheibe-Oberkante muss in der Höhe der errechneten Steigung minus die Stärke eines Brettes (an dieser Stelle ist die Trasse durch ein zweites Brett verstärkt) sein. Am dritten Stangenpaar zweimal die Steigung minus ein Brett und so weiter. Ich habe etwas Überhöhung auch mit eingebaut, ich glaube außen 3mm höher als innen. Hat man die ganzen Muttern/Scheiben in Stellung gebracht ( die ganze Schrauberei von unzähligen Muttern ist wirklich mühselig ) kann man die erste Wendel über die Stangen schieben. Am siebten Stangenpaar, das eigentlich das erste ist, müssen zwei Scheiben und zwei Muttern ganz nach unten um die Wendel am Anfang an der Trägerplatte zu befestigen, und noch zwei um das freies Ende in der Luft zu halten. Ist die Steigung richtig, können von oben wieder Scheiben und Muttern an den Stangen runter gedreht und alles festgezogen werden. Zu diesem Zeitpunkt werden die Gleise gelegt, bis kurz vor dem freien Ende – oder wollten Sie versuchen zwischen den Etagen zu arbeiten wenn alles fertig ist?! Da der Abstand zwischen Personenwagen und Gewindestangen so gering war, machte ich mir Sorgen, ein Wagen könnte entgleisen und an den Stangen entlang schrammen. Als alles
längst fertig war, entdeckte ich die Lösung. Trinkhalme aus Kunststoff passen genau über die M6 Gewindestangen und bieten dann eine glatte Fläche. Zudem sind sie billig und können leicht zurechtgeschnitten werden. Dann wieder Muttern in Position bringen, zweite Windung anbringen. Das Ende von der ersten Windung mit dem Anfang von der zweiten zusammenleimen und alles festmachen. Gleise verlegen. Irgendwann, je nach Windungsanzahl, kommen Sie oben an und können Wendel und obere Anlagen-Etage verbinden. Viel
Spaß!
Zu den Fotos:1) Von Mitte vorn bis Mitte hinten ist ein halber Kreis montiert und Schienen verlegt. Die Mutter für den ersten vollen Kreis sind in Position. Das einzelne Gleis ganz vorn führt um den Wendel herum und hat keine
Verbindung.

2) Der Wendel ist oben angekommen, die obere Platte fehlt noch. Die Gewindestangen
rechts sind so lang dass sie die Anlagenplatte stützen werden. Nach links wird es Spanten mit Fliegendraht geben, das Gelände steigt an um die Gleise zu verdecken. Links sieht man dass Strom in jeder "Etage" zugeführt wird, immerhin ist ein Kreis mehr als 2 Meter lang. Die kleine braune Rechtecke sind Hartfaserplatte-Stücke die ich nachträglich fixiert habe um verzogene Brettchen wieder in Form zu
zwingen.
3) Fast fertig. Ich machte mir Sorgen, Wagen könnten entgleisen und bis zum Betonboden fliegen. Deswegen die kleinen Pappstreifen die innen und außen ringsherum montiert wurden – wie man sicherlich erkennt, aus Flexgleis Kartons
geschnitten. Sie haben sich bewährt! Allerdings habe ich sie jetzt durch
niedrigerer Streifen ersetzt, die aus durchsichtiges Kunststoff sind. Ich
konnte die Schienen nicht sehen, um entgleiste Wagen wieder auf die Schienen
zu setzen. Ganz hinten in der Ecke ist eine Lampe (kurze Leuchtstoff-Röhre)
senkrecht montiert, es wird zu dunkel um was zu sehen, wenn alles überbaut ist.
Die
Seite http://www.gotthardbahn.ch/8_modellbau/frame.htm
kannte ich damals nicht, da findet man sehr hilfreiche Formeln um Steigungen
u.s.w. zu berechnen.
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überarbeitet
01.2004 |