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“Wir wissen wohl, was wir sind, aber wir wissen nicht, was wir  sein könnten.

    William Shakespeare

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Leitbild ... “Community-Living”
- DIe Methodik der “persönlichen Zukunftsplanung”.

  • ICL ... Inclusive Community Living

Anfang der 90er Jahre wurde in Kanada der Grundstein gelegt für das „Inclusive Community Living“ (ICL); seine Definition lautet:

Inklusion heißt MIT(gestalten),
nicht nur IN der Gesellschaft leben!

Diese Form des Füreinander-Denkens und –Handelns in Gruppen, Gemeinden, Stadtteilen, Teams usw. wurde seitdem weiterentwickelt, um das Potential krisenhafter Entwicklungen, die Menschen in Phasen von Lebensübergängen und situativ bedingt erleben können, zu minimieren oder präventiv auszuschließen.

  • PCP ... Person centred planning
    (= Methodik der persönlichen Zukunftsplanung)

Wie sieht die Zukunft von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen aus? Wie geht es nach der Schule weiter ? Wo können unsere Kinder spter wohnen ? Wo werden sie arbeiten ? Wie gestalten sie ihren Tag ?

Die Methodik, die innerhalb der Integrationsforschung für das »ICL« entwickelt wurde, ist die »Persönliche Zukunftsplanung« (»PCP« ... Person Centred Planning). Sie soll in einem differenzierten Analyse-, Entwicklungs- und Planungsprozess helfen, Antworten auf diese Fragen zu finden, Ziele zu formulieren und Strategien für deren Umsetzung zu entwickeln. Die Formel ...

  • Grundannahme ...
  1. Jeder Mensch hat eine Zukunft, er sollte ...
  2. (a) seine Zukunft selbst gestalten,
    (b) seine Ideen und
    (c) Träume davon haben und
  3. versuchen diese im Laufe des Lebens nicht aus den Augen zu verlieren.

Dazu bedarf es immer wieder im Leben einiger Weichenstellungen und Entscheidungsprozesse. Oft ist man dabei auf Unterstützung angewiesen, dies gilt besonders für Menschen mit Behinderungen – in deren Zukunftsgestaltung müssen Helfer, Unterstützer, Freunde und möglicherweise auch viele besondere Rah

 

Circle of Friends (CoF)

 

UStKr/Agent

 

path

 

MAP

 

menbedingungen mit eingeplant werden.

Die Persönliche Zukunftsplanung (im Folgenden abgekürzt als »PZP«) ist ein methodischer Ansatz, der vor ein paar Jahren unter anderem durch Stefan Doose, Andreas Hinz und Ines Boban aus den USA nach Deutschland »importiert « wurde.

Im Folgenden werden dazu die Sichtweise, Methode und der Ablauf der »PZP«  geklärt werden und verdeutlicht werden.

  • Andere Sichtweise erforderlich ...

Die »PZP macht meist erst einmal eine andere, neue Sichtweise in Bezug auf die Lebensmöglichkeiten von Menschen (nicht nur mit körperlichen, seelischen oder geistigen Behinderungen) erforderlich.

Durch das eingefahrene System der Behindertenpädagogik und der Behindertenbetreuung ist der überwiegende Teil der Gesellschaft daran gewöhnt, nur in diesen Rastern zu denken. Ausserhald dieses oft sehr spezialisierten Systemes können sich die Beteiligten, Verantwortlichen und auch die Betroffenen meist nicht (mehr) vorstelllen.

  • Weitere Voraussetzungen ...

Erst wenn wir es (als Einzelner und als Gesellschaft bzw. Gesellschaftsgruppierungen) schaffen, uns eine neue Sichtweise anzueignen, wird es möglich sein, Phantasie, Träume und Visionen zu entwickeln und andere Wege auszudenken, vorzubereiten und zu beschreiten.

Zu dieser anderen Sichtweise gehört unter anderem, dass man die Person als Bürger und nicht als Patient oder Klient betrachtet, dass die Unterstützung nicht als Versorgung und Betreuung oder als Erziehung und Förderung, sondern als Assistenz für die Gestaltung der Zukunft gesehen wird, dass Problemlösungen nicht durch Behandlung und Therapie sondern durch eine Neugestaltung der Umwelt angestrebt werden.

Bei all den Überlegungen steht natürlich der Betroffene selbst im Mittelpunkt, er selbst soll seine Wünsche und Vorstellungen umsetzen und entscheiden wie sein Leben gestaltet wird.

Bei Betroffenen (auch mit einer sog. Lern- oder geistigen Behinderung) muss ein Kreis von engen Vertrauten und Freunden (s.g. »Circle of Friends« (CoF)) mit ihm seine Wünsche und Träume formulieren, um in seinem Sinne Zukunft planen zu können.

Die Orientierung an der individuellen Person ist maßgebend, nicht die Orientierung an der “Behinderungsart” ! - Nicht die Defizite und Bedürfnisse stehen im Vordergrund, sondern die Interessen und Fähigkeiten !

  • Die Planung einer »Persönlichen Zukunftskonferenz« ...

Die individuelle Zukunftsplanung lässt sich durch ein methodisches Instrument, der s.g. persönlichen Zukunftskonferenz (im Folgenden abgekürzt als »PZK«) am ehesten auf den Weg bringen und am besten formulieren.

Dazu wird ein sogenannter »Unterstützerkreis« (im Folgenden abgekürzt als »UStK «) eingeladen, im Rahmen eines Treffens gemeinsam über die Zukunft des Betroffenen nachzudenken.

Wer einem solchen »UStK« angehört, sollte in erster Linie der Mensch entscheiden, um dessen Zukunft es geht. Sinnvollerweise setzt sich eine solche Gruppe aus Menschen zusammen von denen man sich Hilfen für die Situation verspricht:

Menschen die einem nahe stehen, Familienangehörige, Verwandte, Freunde, und auch Assistenten, evtl. Lehrer, Therapeuten, Ärzte, denn auch deren Fachwissen und Sichtweise kann für die Zukunftsplanung sehr wichtig sein.

Ein versierter Moderator darf natürlich auch nicht fehlen. Die Angehörigen des  »UStK sollten mit dem Sinn der »PZK« und der veränderten Sichtweise vertraut gemacht werden und ein geeigneter Termin mit genügend Zeit in einer angenehmen Umgebung gefunden werden.

Ablauf der »PZK« ...

Das Verfahren »Making Aktion Plan« (im Folgenden abgeküzrt als »MAP«), das von O´Brien und Forest in Toronto entwickelt wurde, eignet sich gut für die erste Phase der Konferenz, da hierbei gemeinsam ein Blick auf die Person gerichtet wird, um die es geht, es gliedert sich in acht aufeinanderfolgende Etappen:

  1. Vorstellung: Wer ist wer? Was hat er / sie mit der Person zu tun?
  2. Geschichte: Was gibt es Bedeutendes aus der Vergangenheit oder Gegenwart der Person zu berichten?
  3. Traum: Welche Träume gibt es für die Person?
  4. Albtraum: Kurz negative Befürchtungen benennen!
  5. Person: Wer ist die Person für mich? Welche Eigenschaften schätze ich an ihr besonders?
  6. Stärken: Welches sind die Gaben, Talente und Vorlieben der Person?
  7. Bedürfnisse: Was braucht er/sie jetzt oder für die Umsetzung der Träume?
  8. Planung: Was wir / ich tun können / wollen...
  9. Liste der Aktionen ...

Mit »MAP« lassen sich so schon nächste Schritte einleiten, für Dinge die jetzt bald zu tun oder zu verändern sind. Wenn es darum geht, sich auf Utopien, bestimmte Zielsetzungen und Veränderungen hin zu bewegen, eignet sich das Verfahren »Planning Alternative Tomorrows With Hope« (im Folgenden abgeküzrt als » PATH«) von ’Brien, Forest und Pearpoint sehr gut.

Hierbei wird die Gruppe mit einer imaginären Zeitmaschine in die Zukunft versetzt und eine Zielperspektive formuliert, der man sich dann auf dem Weg der sieben Schritte (path) nähert:

  1. Schritt: Ziel: Zeitreise in das Jahr xy:
    Wie sieht angenehmerweise diese Gegenwart aus?
    Was hat sich in der vergangenen Zeit ereignet?
    Wie lebt, wohnt, arbeitet die betroffene Person?
    Wie gestaltet sie ihr Leben? So viele Facetten wie möglich!
  2. Schritt: Wie sieht es jetzt aus? - Zurück in die Gegenwart.
    Welche Begriffe und Bilder fallen uns für die gegenwärtige Situation ein?
  3. Schritt: Wen wollen wir einbeziehen um an das Ziel zu gelangen?
    Wie soll das geschehen?
    Welche Bündnispartner
    haben/brauchen wir?
  4. Schritt: Was kann uns stärken?
    Hier geht es um die persönliche aber auch um die professionelle Ebene.
  5. Schritt: Zeitreise 1 Jahr weiter:
    Welche Schritte sind bereits getan?
  6. Schritt: Zeitreise 6 Monate: Wie haben wir uns den Zielen genähert?
  7. Schritt: Nächste Woche: Womit fangen wir an?
    Was tun wir nächste Woche?

Zu guter Letzt macht es meist noch Sinn einen »Agenten« für die Überwachung der einzelnen Schritte aus dem Kreise der Unterstützer zu benennen, der/die den Kontakt zu dem beteiligten Personenkreis hält und den Überblick bewahrt, wie sich die Dinge entwickeln. Aufgabe eines Agenten wird es eines Tages auch sein, den »UStKr« zu einer weiteren PZK einzuladen.

  • Zusammenfassung ...

Zukunftsplanung mit Hilfe der »PZK« eignet sich für fast alle Entscheidungsprozesse des Lebens – nicht nur für die Frage »was kommt eigentlich nach der Schule?«, für Behinderte wie für Nicht-Behinderte. Sie kann sich auf die Schullaufbahn ebenso beziehen wie auf die Berufswahl und -ausbildung, auf Freizeitgestaltung und Wohnumfeld oder auch auf den Ausbau von Freundeskreisen.

Das in Deutschland etwas visionär anmutende Denken einer solchen Methodik erweitert den Horizont aller Beteiligten, öffnet die Augen für völlig neue Wege und macht dazu bereit mit vereinten Kräften an einer individuellen integrierten Zukunftsgestaltung zu arbeiten. Positive Ergebnisse in Deutschland zeigen, dass in dem Land der “Miesepeter”, “Angsthasen”, “ewigen Zweifler” besonders dieser gemeinschaftsorientierte Ansatz viele Kräfte freisetzen und mobilisieren kann.

  • Quellen ...
  • Kluge, M.: »Titelthema: Persönliche Zukunftskonferenzen: Und was kommt nach der Schule?«, Bayrisches Integrationsinfo - Landesarbeitsgemeinschaft Bayern / Gemeinsam Leben / Gemeinsam Lernen e.V. (10. Jahrgang, 1. Halbjahr 2003, Heft 01/2003)
  • .Doose, S.: »I want my dream!«, Persönliche Zukunftsplanung, 2000.
  • Boban, I. und Hinz, A.: Persönliche Zukunftskonferenzen – Unterstützung für individuelle Lebenswege, http:://bidok.uibk.ac.at/, 1999.
  • Kann, P. van und Doose,S.: Zukunftsweisend, 1999.
  • Pearpoint, J., O´Brien, J. und Forest, M.: Planning Alternative Tomorrows With Hope, A Workbook for Planning Possible Positive Futures, Toronto 1993.
  • O’Brien, J, und Forest, M.: Action for Inclusion, Toronto 1989.
  • Leitbild (PDF)

    Leitbild


     

     

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