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Dienstag, 25 Januar 2005

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Bischöfliches Pius-Gymnasium / Europaschule / Aachen

Eine Europaschule ist eine lebendige Schule. Das pädagogische Leitziel einer Europaschule besteht in der systematischen Förderung der interkulturellen Kompetenz der Schüler/innen durch das Lernen in einem internationalen Umfeld. Eine Europaschule kann deshalb mit Fug und Recht als Modell einer innovativen und zukunftsorientierten Schule bezeichnet werden.

Auch wenn es in Nordrhein-Westfalen mehrere Europaschulen gibt, so ist anlässlich des EU-Gipfels im Rahmen des Symposiums „Schulen für Europa” durch die „Kölner Erklärung vom 2. Juni 1999” eine neue Basis für die Europaschulen grundgelegt worden. Jede Europaschule hat sich fortan an qualitativ hochwertigen und international ausgerichteten Standards zu orientieren.

Als unser Schulleiter hat Herr Els zu Beginn dieses Jahres eine „Declaration of Consent” unterschrieben, wodurch das Bischöfliche Pius-Gymnasiums sich verpflichtet, aktiv im „Netzwerk europaorientierter Schulen” (NEOS) auf der Basis der „Kölner Erklärung” mitzuarbeiten, an europäischen Konferenzen mitzuwirken und zudem temporäre Verantwortlichkeiten als projektkoordinierende Schule zu übernehmen.

Die Grundsätze der Kölner Erklärung repräsentieren dabei die Vision einer optimalen Europaschule. Sie haben den Charakter einer Selbstverpflichtung. Ausdrücklich werden ausgewiesene Arbeitsziele und gemeinsame europäische Leitbilder durch die Europaschulen anerkannt, die sich im NEOS engagieren. Durch eine interne und externe Evaluation der europäischen Schulaktivitäten soll verhindert werden, dass die Schule, die sich in ihrem Schulprogramm als „Europaschule” definiert, nicht hinter einen einmal gesetzten „europäischen Standard” zurückfällt. In der Vergangenheit ist leider manchem deutschen Gymnasium der Titel „Europaschule” verliehen worden, das seine europäische Aktivitäten dann sukzessive gegen Null gefahren hat, so dass der Titel „Europaschule” zu einem fraglichen Etikett wurde. Die Qualitätsprüfung europaorientierter Aktivitäten durch sogenannte Auditorengruppen, zu denen wir auch gehören, soll diesen Negativprozess verhindern.

Das Netzwerk europaorientierter und europäischer Schulen, in dem das Bischöfliche Pius-Gymnasium als Europaschule jetzt mitwirkt, kooperiert auf den verschiedensten Tätigkeitsfeldern. Gemeinsame Projekte werden durchgeführt, neue Kontakte geknüpft, in zahlreichen Gesprächen und Arbeitsrunden können bei NEOS-Konferenzen Erfahrungen ausgetauscht und neue europäische Projekte impulsiert werden. Jede neue Europaschule schlägt übrigens eine weitere europäische Schule zur Integration in das Netzwerk europaorientierter und europäischer Schulen vor. Unsere tschechische Partnerschule, das Unesco-Gymnasium F.X. Saldy in Liberec, zeigt großes Interesse, im NEOS mitzuarbeiten.

Unsere europaorientierten Aktivitäten findet in der Schulgemeinde eine hohe Akzeptanz. Schüler, Lehrer und Eltern bejahen das europäische Profil des Pius-Gymnasiums, das sich in einer klaren europäischen Akzentuierung des Schulprogramm niederschlägt. Alle europäischen Austauschprojekte stoßen - wie die hohen Teilnehmerzahlen eindrucksvoll belegen - bei den Schüler/innen aller Jahrgangsstufen auf ein großes Interesse und - wie wir wissen - bei den Eltern auf eine höchst positive Resonanz. Ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz des Lehrerkollegiums unterstützt und fördert aktiv die europäischen Aktivitäten unserer Europaschule. Zahlreiche KollegInnen sind unmittelbar befasst mit europäischen Austauschmaßnahmen oder europäisch intonierten Studienfahrten. Etliche KollegInnen beherbergen KollegInnen europäischer Partnerschulen für die Dauer des bi-, tri- oder multilateralen Austauschprojekts und betreuen Tagesprogramme bzw. Unterrichtshospitationen. Auch die Schulleitung und der Schulträger unterstützen aktiv und sehr effektiv die Europaorientierung des Bischöflichen Pius-Gymnasiums, so dass der Akzeptanznachweis der Schulgemeinde auf allen Ebenen erbracht werden konnte.

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung war von dem hohen europäischen Niveau des Bischöflichen Pius-Gymnasiums sehr erfreut. Überzeugt hatten die langjährigen Aktivitäten des Aachener Europa-Forums, in dem kompetente und mitunter sehr prominente Referenten gemeinsam mit den Teilnehmern unterschiedliche Normen und Weltbilder reflektier(t)en, um die Vision einer friedlicheren demokratischen europäischen Zukunft zu entwerfen. Die Diskussion von Konflikten und die Thematisierung von Rassismus und Fremdhass dienen der Ermunterung zur Zivilcourage und besonders dem Appell zur Solidarität.

Überzeugt hat aber auch das Partnerschulgeflecht des Pius-Gymnasiums. Das europäische Partnerschulnetz des Bischöflichen Pius-Gymnasiums reicht derzeit bis an die walisische Grenze zur englischen St. Peter’s Catholic High School in Gloucester, führt von dort weiter zum Collège et Lycée St. Charles im bretonischen Saint-Brieuc, verknüpft sich noch einmal in Frankreich mit der Institution Notre-Dame im elsässischen Strasbourg und dem Collège et Lycée St. Jean Hulst in Versailles, spannt sich weiter zum Humboldt-Gymnasium im sächsischen Leipzig, um vorerst beim tschechischen Unesco-Gymnasium F. X. Saldy in Liberec und einem kooperierenden polnischen Gymnasium in Luban in der Euregio Neiße Halt zu gewinnen. Der Genius Europas lebt vom Reichtum an Sprachen und Kulturen, von der Einheit in der Vielfalt, und wir werden - aller Europhorie zum Trotz - Europa nur dann innerlich stabilisieren und optimistisch gemeinsam den Weg ins dritte Jahrtausend beschreiten können, wenn junge Menschen ganz natürlich in ein europäisches Bewusstsein hineinwachsen. Erst dann werden sie die anderen Kulturen Europas besser verstehen und sie als wesentliche Bereicherung ihrer nationalen Identität empfinden. Nur so kann eine europäische Identität wachsen. 

Europäische Jugendbegegnungen ermöglichen unvergessliche Erlebnisse, die durch nichts substituiert werden können und zweifellos zum Bildungsprogramm und Schulprofil eines um Authentizität sich bemühenden Gymnasiums gehören. Der Euregio Maas-Rhein Rechnung tragend, stehen noch Schulpartnerschaften mit Schulen im benachbarten Belgien und den Niederlanden an. Dem Schüleraustausch und den Schulpartnerschaften kommen gerade im Hinblick auf ein mehrsprachiges Europa mit seinen vielfältigen politischen, kulturellen, aber auch persönlichen Kooperationsformen und Begegnungsstrukturen ein besonderes Gewicht zu. Im Schulalltag lernt der Schüler zwar im Fremdsprachenunterricht in einer schulischen Laborsituation wesentliche theoretische Informationen über die kulturellen Besonderheiten, die spezifische Sozialstruktur, Geschichte oder Geographie des Ziellandes kennen, aber erst über konkrete Schülerpartnerschaften können in authentischen Situationen Sprache, Gesellschaft und Kultur hautnah und praktisch erfahren werden. Die Erprobung der Zielsprache ist als fremdsprachliche Übung eine konkrete Form der beruflichen Qualifizierung und sinnvolle Vorbereitung auf die zukünftige europäische Arbeitswelt.

Zahlreiche individuelle Austauschmaßnahmen werden übrigens auch in Kooperation mit europäischen Austauschorganisationen initiiert, gerade wenn es darum geht, Schüler/innen für einen Trimester- oder Semsteraufenthalt an eine französische Schule zu vermitteln. Die Kontakte über die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien, die sogenannte virtuelle Kommunikation per Fax, E-Mail oder Internet, ist hierbei die conditio sine qua non.

Bi-, tri- oder multilaterale (Austausch-)Projekte stehen im Zeichen neuer pädagogischer Herausforderungen und einer zukunftsorientierten schulischen Infrastruktur. 1999 organisierte das Bischöfliche Pius-Gymnasium gemeinsam mit dem Unesco-Gymnasium F.X. Saldy ein euregionales Ökologieprojekt, dessen Konzeption als zukunftsweisendes Modellprojekt mit dem 1. Internetpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und einer Preissumme von 5000,- DM ausgezeichnet wurde. Im April 2000 führte das Bischöfliche Pius-Gymnasium als projektkoordinierende Schule ein multilaterales Kunstprojekt zum Leitthema „Perspektiven 2000” durch, das über konkrete künstlerische Prozesse, die Installation von Kunstwerken sowie der Organisation einer (Kunst-)Wanderaustellung Fremdheit überwinden half und die kulturelle Prägung als Bereicherung zu nutzen verstand. Im Jahr 2001 wird ein multilaterales Geschichtsprojekt zu dem Thema „Herbst 1989 - Europa zwischen Vision und Wirklichkeit” mit vier europäischen Partnerschulen in die Tat umgesetzt. All dies bedeutet ein Höchstmaß an Kommunikation und Koordination, ein sensible Abstimmung mit den Koordinatoren der europäischen Partnerschulen, langfristige Planungen, Korrekturen von organistorischen Abläufen, lange Telefonate, viele Anträge, die Kooperation mit Institutionen, der Entwurf von Kultur- und Begegnungsprogrammen, konkrete Absprachen mit den in den Projekten involvierten Lehrern, die Betreuung von Schüler/innen, die Regelung der Reisemodalitäten, Kostenberechnungen, die Auswertung von Erfahrungsberichten usw. usf. Europaschule heisst, sich für ein größeres Ganzes kontinuierlich und engagiert einzusetzen.

 

Das Bischöfliche Pius-Gymnasium erzieht als Europaschule zur Mehrsprachigkeit und hat dabei die sprachliche Kompetenz der Schüler/innen im Blick. Dabei bemühen wir uns um ein vielfältiges Sprachenangebot. Das fachinterne Engagement ist dabei genauso wichtig wie die Inszenierung und Aufführung fremdsprachiger Theaterstücke oder Musical-Projekte. Englisch, Französisch und Latein haben an unserer Schule einen festen Ort, Niederländisch und Italienisch werden in Arbeitsgemeinschaften unterrichtet. Nicht unerwähnt bleiben sollten die fruchtbaren Aktivitäten unseres Vereins „Pro lingua latina”, der zum europäischen Profil unserer Schule einen wesentlichen Beitrag leistet.

 

Das Bischöfliche Pius-Gymnasium / Europa Schule Aachen nimmt regelmäßig an europäischen Wettbewerben teil bzw. organisiert Projekttage zum Thema „Europa”. In Zukunft werden unsere  Schüler/innen einen „Europa-Pass” erhalten, der den Charakter eines offiziellen Zertifkats haben wird. Die interkulturelle Kompetenz der Schüler/innen soll dadurch dokumentiert werden, dass die Teilnahme an schulinternen oder -externen Aktivitäten und Projekten als zusätzliche Qualifikation für bestimmte Berufsfelder festgehalten wird.

 

Das Bischöfliche Pius-Gymnasium/Europa Schule Aachen wird durch zahlreiche Institutionen gefördert, und zwar durch die Regio Aachen e.V., durch den Pädagogischen Austauschdienst, die Robert-Bosch-Stiftung, die Bezirksregierung Köln, das Bistum Aachen, das Ministerium für Schule und Weiterbildung und besonders durch das NRW-Programm Gestaltung und Öffnung des Schullebens. Benefizkonzerte im Aachener Europa-Forum helfen, den Europa-Fonds des Bischöflichen Pius-Gymnasium aufzustocken und unkonventionell dort zu helfen, wo Hilfe notwendig ist.

 

Als Europaschule wollen wir aktiv eine europaorientierte Lehr- und Lernkultur im Lebensraum Schule fördern und zur Qualitätsverbesserung von Schule und Unterricht einen sinnvollen Beitrag leisten. Als Europaschule müssen wir an fächerverbindenden und fächerübergreifenden Konzepten schon deshalb interessiert sein, weil diese auch europaorientierte Praxisbezüge von Erziehung und Unterricht einfordern. Projekt- und produktorientiertes Lernen und die konstruktive Zusammenarbeit mit außerschulischen Lernorten/Partnern führt unserer Ansicht nach zu mitverantwortlichem sozialen Handeln auf unserem europäischen Kontinent.

 

Die Verleihung des Titels „Europaschule” an das Bischöfliche Pius-Gymnasium steigert die Attraktivität als Angebotsschule und gibt den Eltern zudem eine klare Orientierung. Als  europäische Modellschule und Zukunftswerkstatt liegt es in unserem Bestreben, den Schüler/innen Lebens- und Berufsperspektiven, also Orientierungskompetenz zu vermitteln, die den drängenden Zukunftsfragen des 21. Jahrhunderts standhalten.

 

 

                                                                                                                      Norbert Weitz

 

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Stand: 26.09.03