Bischöfliches Pius-Gymnasium / Europaschule / Aachen
Eine
Europaschule ist eine lebendige Schule. Das pädagogische Leitziel einer
Europaschule besteht in der systematischen Förderung der interkulturellen
Kompetenz der Schüler/innen durch das Lernen in einem internationalen
Umfeld. Eine Europaschule kann deshalb mit Fug und Recht als Modell einer
innovativen und zukunftsorientierten Schule bezeichnet werden.
Auch
wenn es in Nordrhein-Westfalen mehrere Europaschulen gibt, so ist anlässlich
des EU-Gipfels im Rahmen des Symposiums „Schulen für Europa” durch die
„Kölner Erklärung vom 2. Juni 1999” eine neue Basis für die Europaschulen
grundgelegt worden. Jede Europaschule hat sich fortan an qualitativ
hochwertigen und international ausgerichteten Standards zu orientieren.
Als
unser Schulleiter hat Herr Els zu Beginn dieses Jahres eine „Declaration of
Consent” unterschrieben, wodurch das Bischöfliche Pius-Gymnasiums sich
verpflichtet, aktiv im „Netzwerk europaorientierter Schulen” (NEOS) auf der
Basis der „Kölner Erklärung” mitzuarbeiten, an europäischen Konferenzen
mitzuwirken und zudem temporäre Verantwortlichkeiten als
projektkoordinierende Schule zu übernehmen.
Die
Grundsätze der Kölner Erklärung repräsentieren dabei die Vision einer
optimalen Europaschule. Sie haben den Charakter einer
Selbstverpflichtung. Ausdrücklich werden ausgewiesene Arbeitsziele und
gemeinsame europäische Leitbilder durch die Europaschulen anerkannt,
die sich im NEOS engagieren. Durch eine interne und externe Evaluation der
europäischen Schulaktivitäten soll verhindert werden, dass die
Schule, die sich in ihrem Schulprogramm als „Europaschule” definiert, nicht
hinter einen einmal gesetzten „europäischen Standard” zurückfällt. In der
Vergangenheit ist leider manchem deutschen Gymnasium der Titel
„Europaschule” verliehen worden, das seine europäische Aktivitäten dann
sukzessive gegen Null gefahren hat, so dass der Titel „Europaschule” zu
einem fraglichen Etikett wurde. Die Qualitätsprüfung
europaorientierter Aktivitäten durch sogenannte Auditorengruppen, zu denen
wir auch gehören, soll diesen Negativprozess verhindern.
Das
Netzwerk europaorientierter und europäischer Schulen, in dem das
Bischöfliche Pius-Gymnasium als Europaschule jetzt mitwirkt,
kooperiert auf den verschiedensten Tätigkeitsfeldern. Gemeinsame Projekte
werden durchgeführt, neue Kontakte geknüpft, in zahlreichen Gesprächen und
Arbeitsrunden können bei NEOS-Konferenzen Erfahrungen ausgetauscht und neue
europäische Projekte impulsiert werden. Jede neue Europaschule schlägt
übrigens eine weitere europäische Schule zur Integration in das Netzwerk
europaorientierter und europäischer Schulen vor. Unsere tschechische
Partnerschule, das Unesco-Gymnasium F.X. Saldy in Liberec, zeigt großes
Interesse, im NEOS mitzuarbeiten.
Unsere europaorientierten Aktivitäten findet in der Schulgemeinde eine hohe
Akzeptanz. Schüler, Lehrer und Eltern bejahen das europäische Profil des
Pius-Gymnasiums, das sich in einer klaren europäischen Akzentuierung des
Schulprogramm niederschlägt. Alle europäischen Austauschprojekte stoßen -
wie die hohen Teilnehmerzahlen eindrucksvoll belegen - bei den Schüler/innen
aller Jahrgangsstufen auf ein großes Interesse und - wie wir wissen - bei
den Eltern auf eine höchst positive Resonanz. Ein ungewöhnlich hoher
Prozentsatz des Lehrerkollegiums unterstützt und fördert aktiv die
europäischen Aktivitäten unserer Europaschule. Zahlreiche KollegInnen sind
unmittelbar befasst mit europäischen Austauschmaßnahmen oder europäisch
intonierten Studienfahrten. Etliche KollegInnen beherbergen KollegInnen
europäischer Partnerschulen für die Dauer des bi-, tri- oder multilateralen
Austauschprojekts und betreuen Tagesprogramme bzw. Unterrichtshospitationen.
Auch die Schulleitung und der Schulträger unterstützen aktiv und sehr
effektiv die Europaorientierung des Bischöflichen Pius-Gymnasiums, so dass
der Akzeptanznachweis der Schulgemeinde auf allen Ebenen erbracht werden
konnte.
Das
Ministerium für Schule und Weiterbildung war von dem hohen
europäischen Niveau des Bischöflichen Pius-Gymnasiums sehr erfreut.
Überzeugt hatten die langjährigen Aktivitäten des Aachener Europa-Forums,
in dem kompetente und mitunter sehr prominente Referenten gemeinsam mit den
Teilnehmern unterschiedliche Normen und Weltbilder reflektier(t)en, um die
Vision einer friedlicheren demokratischen europäischen Zukunft zu entwerfen.
Die Diskussion von Konflikten und die Thematisierung von Rassismus und
Fremdhass dienen der Ermunterung zur Zivilcourage und besonders dem Appell
zur Solidarität.
Überzeugt hat aber auch das Partnerschulgeflecht des Pius-Gymnasiums. Das
europäische Partnerschulnetz des Bischöflichen Pius-Gymnasiums reicht
derzeit bis an die walisische Grenze zur englischen St. Peter’s Catholic
High School in Gloucester, führt von dort weiter zum Collège et Lycée St.
Charles im bretonischen Saint-Brieuc, verknüpft sich noch einmal in
Frankreich mit der Institution Notre-Dame im elsässischen Strasbourg und dem
Collège et Lycée St. Jean Hulst in Versailles, spannt sich weiter zum
Humboldt-Gymnasium im sächsischen Leipzig, um vorerst beim tschechischen
Unesco-Gymnasium F. X. Saldy in Liberec und einem kooperierenden polnischen
Gymnasium in Luban in der Euregio Neiße Halt zu gewinnen. Der Genius Europas
lebt vom Reichtum an Sprachen und Kulturen, von der Einheit in der
Vielfalt, und wir werden - aller Europhorie zum Trotz - Europa
nur dann innerlich stabilisieren und optimistisch gemeinsam den Weg ins
dritte Jahrtausend beschreiten können, wenn junge Menschen ganz natürlich in
ein europäisches Bewusstsein hineinwachsen. Erst dann werden sie die anderen
Kulturen Europas besser verstehen und sie als wesentliche Bereicherung ihrer
nationalen Identität empfinden. Nur so kann eine europäische Identität
wachsen.
Europäische Jugendbegegnungen ermöglichen unvergessliche Erlebnisse, die
durch nichts substituiert werden können und zweifellos zum Bildungsprogramm
und Schulprofil eines um Authentizität sich bemühenden Gymnasiums
gehören. Der Euregio Maas-Rhein Rechnung tragend, stehen noch
Schulpartnerschaften mit Schulen im benachbarten Belgien und den
Niederlanden an. Dem Schüleraustausch und den Schulpartnerschaften kommen
gerade im Hinblick auf ein mehrsprachiges Europa mit seinen vielfältigen
politischen, kulturellen, aber auch persönlichen Kooperationsformen und
Begegnungsstrukturen ein besonderes Gewicht zu. Im Schulalltag lernt der
Schüler zwar im Fremdsprachenunterricht in einer schulischen Laborsituation
wesentliche theoretische Informationen über die kulturellen Besonderheiten,
die spezifische Sozialstruktur, Geschichte oder Geographie des Ziellandes
kennen, aber erst über konkrete Schülerpartnerschaften können in
authentischen Situationen Sprache, Gesellschaft und Kultur hautnah und
praktisch erfahren werden. Die Erprobung der Zielsprache ist als
fremdsprachliche Übung eine konkrete Form der beruflichen Qualifizierung und
sinnvolle Vorbereitung auf die zukünftige europäische Arbeitswelt.
Zahlreiche individuelle Austauschmaßnahmen werden übrigens auch in
Kooperation mit europäischen Austauschorganisationen initiiert, gerade wenn
es darum geht, Schüler/innen für einen Trimester- oder Semsteraufenthalt an
eine französische Schule zu vermitteln. Die Kontakte über die modernen
Informations- und Kommunikationstechnologien, die sogenannte virtuelle
Kommunikation per Fax, E-Mail oder Internet, ist hierbei die conditio
sine qua non.
Bi-,
tri- oder multilaterale (Austausch-)Projekte stehen im Zeichen neuer
pädagogischer Herausforderungen und einer zukunftsorientierten schulischen
Infrastruktur. 1999 organisierte das Bischöfliche Pius-Gymnasium gemeinsam
mit dem Unesco-Gymnasium F.X. Saldy ein euregionales Ökologieprojekt,
dessen Konzeption als zukunftsweisendes Modellprojekt mit dem 1.
Internetpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und einer Preissumme von 5000,-
DM ausgezeichnet wurde. Im April 2000 führte das Bischöfliche Pius-Gymnasium
als projektkoordinierende Schule ein multilaterales Kunstprojekt zum
Leitthema „Perspektiven 2000” durch, das über konkrete künstlerische
Prozesse, die Installation von Kunstwerken sowie der Organisation einer (Kunst-)Wanderaustellung
Fremdheit überwinden half und die kulturelle Prägung als Bereicherung zu
nutzen verstand. Im Jahr 2001 wird ein multilaterales Geschichtsprojekt zu
dem Thema „Herbst 1989 - Europa zwischen Vision und Wirklichkeit” mit vier
europäischen Partnerschulen in die Tat umgesetzt. All dies bedeutet ein
Höchstmaß an Kommunikation und Koordination, ein sensible Abstimmung mit den
Koordinatoren der europäischen Partnerschulen, langfristige Planungen,
Korrekturen von organistorischen Abläufen, lange Telefonate, viele Anträge,
die Kooperation mit Institutionen, der Entwurf von Kultur- und
Begegnungsprogrammen, konkrete Absprachen mit den in den Projekten
involvierten Lehrern, die Betreuung von Schüler/innen, die Regelung der
Reisemodalitäten, Kostenberechnungen, die Auswertung von Erfahrungsberichten
usw. usf. Europaschule heisst, sich für ein größeres Ganzes
kontinuierlich und engagiert einzusetzen.
Das
Bischöfliche Pius-Gymnasium erzieht als Europaschule zur
Mehrsprachigkeit und hat dabei die sprachliche Kompetenz der Schüler/innen
im Blick. Dabei bemühen wir uns um ein vielfältiges Sprachenangebot. Das
fachinterne Engagement ist dabei genauso wichtig wie die Inszenierung und
Aufführung fremdsprachiger Theaterstücke oder Musical-Projekte. Englisch,
Französisch und Latein haben an unserer Schule einen festen Ort,
Niederländisch und Italienisch werden in Arbeitsgemeinschaften unterrichtet.
Nicht unerwähnt bleiben sollten die fruchtbaren Aktivitäten unseres Vereins
„Pro lingua latina”, der zum europäischen Profil unserer Schule einen
wesentlichen Beitrag leistet.
Das
Bischöfliche Pius-Gymnasium / Europa Schule Aachen nimmt regelmäßig
an europäischen Wettbewerben teil bzw. organisiert Projekttage zum Thema
„Europa”. In Zukunft werden unsere Schüler/innen einen „Europa-Pass”
erhalten, der den Charakter eines offiziellen Zertifkats haben wird. Die
interkulturelle Kompetenz der Schüler/innen soll dadurch dokumentiert
werden, dass die Teilnahme an schulinternen oder -externen Aktivitäten und
Projekten als zusätzliche Qualifikation für bestimmte Berufsfelder
festgehalten wird.
Das
Bischöfliche Pius-Gymnasium/Europa Schule Aachen wird durch
zahlreiche Institutionen gefördert, und zwar durch die Regio Aachen e.V.,
durch den Pädagogischen Austauschdienst, die Robert-Bosch-Stiftung, die
Bezirksregierung Köln, das Bistum Aachen, das Ministerium für Schule und
Weiterbildung und besonders durch das NRW-Programm Gestaltung und Öffnung
des Schullebens. Benefizkonzerte im Aachener Europa-Forum helfen, den
Europa-Fonds des Bischöflichen Pius-Gymnasium aufzustocken und
unkonventionell dort zu helfen, wo Hilfe notwendig ist.
Als
Europaschule wollen wir aktiv eine europaorientierte Lehr- und Lernkultur
im Lebensraum Schule fördern und zur Qualitätsverbesserung von Schule und
Unterricht einen sinnvollen Beitrag leisten. Als Europaschule müssen wir an
fächerverbindenden und fächerübergreifenden Konzepten schon deshalb
interessiert sein, weil diese auch europaorientierte Praxisbezüge von
Erziehung und Unterricht einfordern. Projekt- und produktorientiertes Lernen
und die konstruktive Zusammenarbeit mit außerschulischen Lernorten/Partnern
führt unserer Ansicht nach zu mitverantwortlichem sozialen Handeln auf
unserem europäischen Kontinent.
Die
Verleihung des Titels „Europaschule” an das Bischöfliche Pius-Gymnasium
steigert die Attraktivität als Angebotsschule und gibt den Eltern zudem eine
klare Orientierung. Als europäische Modellschule und Zukunftswerkstatt
liegt es in unserem Bestreben, den Schüler/innen Lebens- und
Berufsperspektiven, also Orientierungskompetenz zu vermitteln, die den
drängenden Zukunftsfragen des 21. Jahrhunderts standhalten.
Norbert Weitz