+ + + „SchöneAugenWeide“ + + +
FLYER RS HIER! - - - - -
FLYER VS HIER!
Was ist eine SchöneAugenWeide?
Dazu muss man an das fünfte KFF OSW erinnern, welches letztes Jahr im Oktober 2011 in Oberschöneweide stattfand.
Wie in jedem Jahr kamen an zwei Abenden die besten Filmeinreichungen auf die Leinwand.
Schon in den ersten Stunden des Festivals wurde jedem Zuschauer klar, dass sich die meisten Filme in den zwischenmenschlichen Bereichen abspielen, sei es in einem Drama oder einer Komödie. Das hielt den Zuschauer in Bann und sein jeweiliges Mitgefühl war im Saal spürbar, sei es wenn er sich freute, entsetzte oder einfach über geistreichen Humor lachen konnte.
Ein hochwertiges cineastisches Programm, das durch seine Vielfältigkeit alle Facetten menschlichen Seins zum Ausdruck brachte.
Aus den Festival – Filmen hat die Organisation nun noch einmal die besten Kurzfilme ausgewählt, um sie an einem der zentralsten Orten für besonderes Filmvergnügen, nämlich dem Moviemento – Berlin zu zeigen, da sie nicht nur sehenswert sind, sondern hinsichtlich ihrer Bildsprache zu einer völlig neuen Seherfahrung führen.
Die Bildsprache der ausgewählten Filme zeigt ihre Stärke durch die Nahaufnahme und die Wiederspiegelung ehrlicher Gefühle und Handlungen. Hier hat der Zuschauer keine andere Möglichkeit, als sich auf die jeweilige Geschichte einzulassen und sich mit Wahrheiten des menschlichen Daseins auseinanderzusetzen.
Alle Handlungen spielen sich in sehr nahen zwischenmenschlichen Bereichen ab, mit aller Konsequenz werden innere Lebensgefühle sehr nah auf die Leinwand gebracht.
Sicher im eigenen Lebenskontrukt, das den Gedanken eines Schicksalsschlags beinah´ ausschließt wird durch den Film „Allein der Gedanke“ von Alexander Kluth etwas entgegengesetzt. Durch eine Unaufmerksamkeit verändert sich das Leben des Landwirtes Matthias, der in einen tödlichen Unfall verwickelt wird, von dem nur er weiß und den er zu verheimlichen versucht. Die dadurch entstehende seelische Not wird in starken emotionalen Bildern umgesetzt und zeigt folgerichtig, was passieren kann, wenn man Schuld verinnerlicht.
Oder was ist, wenn wir am Ende unseres Lebens angelangt sind und wir uns auf den Friedhof wiederfinden, um das Grab des einst geliebten Menschen zu pflegen? Welche Schicksale verknüpfen sich, wenn Herr Schinkel der Frau Hartmann die Gießkanne zum Grabe ihres Mannes trägt, wo man doch so nah „beieinander“ liegt. Auf dem Friedhof verliebt man sich auch. „Sonntagskaffee“ von Daniel Krüger erzählt liebevoll die Geschichte zweier alten Menschen.
Von einer anderen Warte aus erzählt „Resonanz“ von Dinh Tran, eine Liebesgeschichte – Minh ein vietnamesischer Einwanderer und Spüler in einem fremden Land verliebt sich ausgerechnet in die Tochter des gutbürgerlichen Floristen. Er lernt sie bei seinem Hobby diverse Sounds und Erzählungen in seiner Umgebung mit dem Diktiergerät aufzunehmen kennen und sucht eine Möglichkeit sich mit ihr zu verabreden. Trotz seiner Sprachbarriere und anderen skurrilen Schwierigkeiten kommt es zu dem glücklichen Moment eine Liebeserklärung abzugeben. In diesem fast zehnminütigen Kurzfilm wird die jugendliche Kraft der Liebe deutlich, die Hürden zu überspringen weiß.
Eine gesellschaftliche Pointe auf unsere Wichtigtuerei und unserem gesellschaftlichen Gehorsam ist die Animation „Nesejdes Z Cesty“ von Veronika Szemlova. Hinter ihr versteckt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, immer der Einhaltung von sozialen Normen zu folgen, die von Personen in einer bestimmten Machtposition kontrolliert werden und durch manch´ Handlungsmaxime auch individuelle Verhaltensmöglichkeiten einengt.
„Vaterlandsliebe“ von Nico Sommer ist ein herausragender Film, der in dokumentarischem Stil Jens, einen ganz normalen Typ von nebenan beschreibt, für den es nur schwerlich zu begreifen ist, dass Deutschland immer multikultureller wird. Seine bedingungslose Liebe zum Vaterland, sein Streben deutsche Kultur, Tugend und Tradition hochzuhalten reflektiert eine Person aus einer gesellschaftlichen Gruppe, die durch beschränktes Wissen sich behaupten und durch diese Haltung durchsetzen möchte. Da sich diese Haltung auf nationalsozialistischem Gedankengut aufbaut und selbstsicher von der Hauptfigur kommentiert wird, ist es umso mehr eine dramaturgische Überraschung, wenn sich diese im Bild völlig anders darstellt. Dadurch schafft der Film eine wichtige Diskussion weiter anzuregen, weil eine solche Einstellung zwangsläufig scheitern muss. Dieser Film sollte deshalb auch Einlass in Schulen finden, um Aufklärungsarbeit zu leisten, damit kommende Generationen für diese Thematik weiterhin sensibilisiert werden.
Der Gewinnerfilm des KFF OSW 2011 war „Der Mieter“ von Dave Lojek, der mit klassischen Gruselmitteln die Geschichte von Julia erzählt, die kürzlich allein in eine Altbauwohnung gezogen ist.
Ein sehr interessanter Film ist „Acedia“ von Erhan Dogan, der sich mit Gewalt in U-Bahnhöfen befasst und ein solches Ereignis aus der Perspektive des Beobachters erzählt. Die entscheidende Frage, wie würde der Mensch sich in einer solchen Situation verhalten, wird durch zwei Möglichkeiten beantwortet und stellt diese auch an den Zuschauer.
„Thekenkante“ von Wittich und Vogel ist eine der lustigsten Komödien, die ohne Dialog bestens funktioniert. Milieu, Mann an der Bar, die männliche Wirtin, der ewige Gast beim Kartenspiel und die sexy Mieze, die mitten in der Nacht die Bar betritt. Es gibt sie wirklich die Nachtgestalten, die man in den Bars, die niemals schließen, trifft, deren Wirte auch Wirtinnen sein können. Dort sitzen des Nächtens die einsamsten und suchen mit ihrem Bier sitzend ihrem großen Liebesglück zu begegnen…und das immer unter dem wachsamen Auge der Wirtin.
„Felix“ von Anselm Belser, einer der kürzesten Filmbeiträge eröffnet am 25.02.2012 das Programm „SchöneAugenWeide“ im Moviemento - Berlin. Der Film ist nach einer wahren Begebenheit und in Augenhöhe des kleinen Hauptdarstellers, der in seinem kindlichen Aktionismus kaum zu halten ist, gedreht. Sein spielerischer Eifer führt zu einer Reaktion mit der er selbst nicht gerechnet hätte.
„The (easy) Guide to becoming a famous artist” von Eita-Maria Hansberger ist eine animierte Satire, die in fünf Schritten erklärt, wie einfach es doch ist ein berühmter Künstler zu werden.
„deux frères. la femme. le feu. le silence.“ von Philippe Zwick Eby ist ein Drama um zwei Brüder, welche durch das plötzliche Erscheinen einer jungen Frau aus ihrer Alltagsharmonie gerissen werden. Die no-budget-Produktion besticht mit sehr emotionalen Bildern.
„SchöneAugenWeide“ am 25.02.2011 um 20 Uhr im Moviemento-Berlin Kottbusser Damm 22
In einem zweistündigen Programm mit zwei Blöcken werden folgende Filme gezeigt:
1. Block: 20:00 bis 21:10
1. „Felix“ - Anselm Belser
2. „Der Mieter“ - Dave Lojek
3. „Resonanz“ - Dinh Tran
4. „deux frères. la femme. le feu. le silence.“- Philippe Zwick Eby
5. „Nesejdes Z Cesty“ – Veronika Szemlova
6. „Vaterlandsliebe“ - Nico Sommer
kurze Pause
2. Block: 21:20 bis 22:20
1. „Thekenkante“ von Wittich & Vogel
2. „Acedia“ - Erhan Dogan
3. „Sonntagskaffee“ - Daniel Krüger
4. „Allein der Gedanke“ - Alexander Kluth
5. „The (easy) Guide to becoming a famous artist” – Eita-Maria Hansberger
„Alles was die Dramaturgie in petto hat, konnte gesehen, bestaunt, gefühlt und miterlebt werden. Von klassisch tragisch bis humorvoll-komisch kamen gerade in den Zwischentönen der Filme die Attribute zum Tragen, die das menschliche Dasein, ja eben das Leben mit ausmachen.“ S. Bruelke - Filmbericht
OSW bleibt wahrscheinlich immer JWD – schade eigentlich - deshalb:
-„SchöneAugenWeide“ – Moviemento Berlin –
Samstag, den 25.02.2011 ab 20 Uhr Saal …..
Abendkasse 7,00 € ermäßigt 6,50 € Schüler 5,00 €
Infos: www.kff-osw.de und www.moviemento.de
Bei Fragen wendet Euch bitte mit einer Email an: kff-osw@gmx.de
Viele Grüße vom Festivalteam