* Lyrischer Gartenkalender *

 

Januar

Februar

März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember

 

(alle Texte Copyright by Margrit Storl)

 

Im Oktober 2005 ist "Mein lyrischer Gartenkalender" als Buch erschienen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

JANUAR

 

 

Des Winters Freud´

 

Das Jahr wird heut vier Wochen alt

und draußen ist es bitterkalt

Die Schneekristalle glitzern, funkeln. 

Von neuem Schneefall sie gar munkeln. 

 

Der wunderbare Sonnenschein 

lädt uns zur Winterwandrung ein.

Die Huskie-Hunde tummeln sich

im Schnee herum und freuen sich. 

 

Ein Schneemann lacht mit Möhrennase. 

Die frißt jetzt bald der kleine Hase. 

Die Kinder, die sich grad noch stritten, 

fahrn fröhlich nun mit ihren Schlitten.

 

Die Welt glänzt wie im Märchen heute,

weil niemand nirgendwo was streute

Die Bäume stehn mit weißer Pracht, 

darunter tobt ne Schneeballschlacht. 

 

Der Sieger geht vergnügt nach Hause 

und macht jetzt eine Mittagspause. 

Ich koche eine heiße Suppe 

und näh ein Kleid für Sarahs Puppe. 

 

 

Des Winters Leid

 

Das Jahr wird heut vier Wochen alt

 und draußen ist es bitterkalt.

Drei schwarzeRaben streiten sich 

um etwas Brot ganz fürchterlich.

 

Die Mäuse frieren unterm Schnee

und haben davon Magenweh.

Auch Regenwürmer kriechen tiefer

und treffen dort manch Ungeziefer. 

 

Der Maulwurf wartet nur darauf,

schließt seine Speisekammer auf.

Der Goldfisch schnappt umsonst nach Luft

Kein Kuckuck aus dem Wald mehr ruft.

 

Vom Frost kriegt mancher Mensch jetzt Beulen,

Dem Eisverkäufer ist zum Heulen.

Die Straßen sind jetzt spiegelglatt.

Wohl dem, der da kein Auto hat.


Ich stricke eine rote Mütze

und komme dabei sehr in Hitze.

Das wird wohl eine Grippe werden,

ich stöhne schon vor den Beschwerden.

 

 

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FEBRUAR


Du hast gedacht, im Februar
beginnt für dich das Gartenjahr?
Das war von dir ganz einfach dumm,
denn Winter ist noch längst nicht um.
Er hat noch einmal zugeschlagen
und läßt von dir sich gar nichts sagen.
Auch wenn die Sonne heller scheint
und mancher Eiszapf deshalb weint,
bleibt doch noch knochenhart der Boden,
und Mimi hat eiskalte Pfoten.
Du darfst es keinesfalls riskieren,
jetzt die Geduld schon zu verlieren
Bleib lieber noch im Warmen hocken
und stopf die alten Gartensocken.
So bleibt dir Mißerfolg erspart
durch den zu frühen Gartenstart.

 

 

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MÄRZ


Der Frühling kommt auch dieses Jahr
verheißungsvoll und wie ein Wunder.
Verjagt mit Macht, was dunkel war,
und macht die Welt tagtäglich bunter.

Durch dürres Gras strebt Annemone
hindurch zur warmen Frühlingssonne.
Die Amsel singt ihr Liebeslied,
der Seidelbast verstohlen blüht.

Ein Klaiberpaar hat bei Frau Meise
sich eingenistet still und leise.
Dort fängt es jetzt zu bauen an
und spielt ganz eifrig Frau und Mann.


Die Frösche tummeln sich im Teich
und füllen ihn mit dickem Laich.
Ein erstes Bienchen summt voll Freude
und findet etwas Nektar heute.

Ich singe leise vor mich hin,
verwundert, daß ich fröhlich bin.
Die Welt ist doch so sorgenschwer!
Wo nehm ich das Vertrauen her?:

Es war ein heller Sonnenstrahl,
der mir die Welt, die noch so kahl,
erwärmte und vom Sommer sprach.
Und daß Gott immer ein Danach
versprochen hat für meine Sorgen.
So wie nach jedem Tag ein Morgen
aufleuchten wird für Dich und mich.
Das glaube ich!


 

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APRIL

 

Mit etwas Verspätung zeigt uns April
in diesem Jahr das, was ER will:
nach herrlich warmen Märzentagen
wird er uns ab jetzt mit Kälte plagen,
mit Graupelschauern, Schnee und Regen.
Kein Sonnenstrahl kommt an dagegen.

Doch dann fällt ihm was Tolles ein:
warm wie im Sommer soll´s jetzt sein.
Und grün und grüner wird die Welt.
Ein Blütenheer wird aufgestellt.
Ab sofort kann man sonnen-baden
und barfuß durch die Wiesen waten.

Schnell alle Gartenmöbel raus!
Bis die geputzt sind, ist´s wieder aus.
Am Ostermorgen fällt gar Schnee,
ein Nebelkleid liegt überm See.
Und spöttisch blitzt ein Sonnenstrahl
Durch Regenwolken aus dem Tal.

April freut sich im Regenbogen,
den er zum ersten Mai gezogen.
Wünscht alles Gute meinem Garten,
rät mir, ein Weilchen noch zu warten
mit Gurken, Paprika, Tomaten.
Denn auch der Mai könnte noch schaden.
Lacht laut dazu im Sonnenschein
Und überlässt mich jetzt dem Mai`


 

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MAI

Es ist noch einmal kalt geworden.
Polarluft sei das. Aus dem Norden!
Der Wald erglänzt nuancenreich.
Kein Grün ist jetzt dem andern gleich.

Und pünktlich wie in jedem Jahr
erscheint der Maienglöckchen Schar.
Wetteifert duftend mit dem Flieder.
Die Vögel singen Liebeslieder.

Eisheilig„ macht sich nun davon.
Läßt hinter sich die Explosion
von hunderttausend bunten Blüten,
die uns mit Farbe überschütten.

Wie gut das allen Seelen tut:
„und siehe, all das ist sehr gut!"
Die Augen tauchen leuchtend ein
Ins Blumenmeer bei Sonnenschein.


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JUNI

Schon wieder ist Vergangenheit
die wunderbare Frühlingszeit.
Jetzt will der Sommer uns verführen,
mit Duft und Farben spekulieren.

Erdbeeren leuchten rot im Beet.
Die Amsel hat sie schon erspäht.
Und sicher wird sie bald entdecken,
wie gut Johannisbeeren schmecken.

Inzwischen gibt es großen Streit
im Blumenbeet zur Mittagszeit.
„Wer ist die Schönste hier im Land?"
-so fragen sie mich ganz charmant.

Ich seh, wie sich die Rosen strecken
und damit alle andern necken:
„WIR sind die Schönsten hier im Land
und auf der ganzen Welt bekannt!"

Ein buntes Wortgefecht beginnt,
wozu im Busch die Amsel singt.
Bis durch den warmen Sommerwind
sie alle ganz erschöpft dann sind.

Die Blüten sind jetzt etwas blasser
und sehnen sich nach frischem Wasser.
Kleinlaut sind sie nach diesem Streit.
Es herrscht jetzt wieder Einigkeit.

Doch unberührt von dieser Krise
glänzt nebenan die Blumenwiese.
Ich pflücke einen schönen Strauß
mit Margeriten für mein Haus.
Und ruf` der stolzen Rose zu:
„Die sind genau so schön wie Du!"


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JULI

Endgültig in den Schrank verbannt
hab ich die warmen Socken.
Und weil sich keine Arbeit fand,
bleib ich beim Reimen hocken.

Der Sommer-Bach singt leise heut,
die Grillen desto greller.
Doch was mich jetzt am meisten freut:
die Bohnen wachsen schneller!!!

Ist heut Gewitter angesagt?
Man könnte es wohl meinen.
Ich hab den Frosch am Teich befragt.
Doch der tat dies verneinen.

Ich weiß nicht, ob er recht behält,
zu schwül ist mir die Luft.
Ganz mäuschenstill ist meine Welt.
Kein Vögelchen mehr ruft.

So bitte ich Dich: „Lieber Gott!
Beschütze Haus und Garten!
Ich danke Dir für unser Brot.
Den Herbst - den laß noch warten!"


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AUGUST

Lila blüht jetzt mein Sommerflieder.
Ich sah den Kaisermantel wieder!
Den Schönen - den vom letzten Jahr!
Ich weiß genau, daß er es war!

Ich kenne auch den Schwalbenschwanz.
Der holte mich zum Flügeltanz 
und lud mich zum Geburtstag ein. 

Wird wohl ein Traum gewesen sein,

in den ich mich heut Nacht versteckte,
weil Heide gestern mich erschreckte:
ihr Blühen läßt den Herbst erahnen,
ein erstes, kleines, leises Mahnen.

Die Sommerzeit ist fast vorbei.
Vergangenheit, was Mai macht` neu.
Doch gibt’s noch reichen Erntesegen
und jede Menge einzuwecken.

Deshalb will ich nicht Trübsal blasen,
nicht schwermütig mich fallen lassen.
Den Herbst erwarten voller Freude.
Noch ist der Winter weit, ihr Leute!

 

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SEPTEMBER


Herbst im Garten

und in meinem Leben.

Wie viele Früchte

hab’ ich wohl gegeben?

Manchmal steck’  ich jetzt

in einem „Tief“,

weil Sommer zu schnell davon mir lief.

 

Septembertage mit goldner Farbe,

spür’  Traurigkeiten nur als Narbe.

Seh’  dankbar unsern Erntesegen,

will Sorgen schnell zur Seite legen,

 

genießen diese Herbstgerüche

und Pilze sammeln für die Küche.

Der Wald steckt heute voller Wunder

und wird mit jedem Tage bunter.

 


 

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OKTOBER

Noch immer blüht es in meinem Garten.
Der erste Frost ließ bis jetzt auf sich warten.
Zwar gibt es nichts mehr im Überfluß,
doch jedes Blümchen ist dafür Genuß.
Bunte Tupfer an Nebeltagen,
Oktober läßt sich so besser ertragen.

Blätter wirbeln durch die Luft,
erfüllen den Garten mit herbstlichem Duft.
Leuchten goldgelb, sogar im Regen.
Wolln sich auf meine Blümchen legen.
Wolln sie ganz zart in den Winterschlaf wiegen,
träumen lassen von Höhenflügen,
vom nächsten Frühling hier im Garten.
Ich glaub, ich kann es kaum erwarten

Am liebsten würde ich gen Himmel springen
und dem dort oben eines singen:
„Komm, lieber Mai, und mache
hier alles, alles neu!"
Denn das ist seine Sache,
macht Kräfte wieder frei.

Will jetzt geduldig sein,
mich am Oktober freun.
Es wird zwar immer kälter
und ich bin ein Jahr älter.
Doch schließlich lebt man wohl
bei Ofenwärme, Speck und Kohl.


 

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NOVEMBER

Der Winter streckt sich lang und gähnt.
Herbst hat ihn noch weit weg gewähnt.
„Noch ist November! Was soll der Quatsch?
Verpiß dich mit all deinem Schneegematsch!"

Der Winter zieht seine Krallen ein.
Aber nur zum Schein.

Er holt schon aus zum neuen Schlag.
Aus ist jetzt der Novembertag.
Die Blümchen sind nun endlich tot,
der Winter mit weiterem Terror droht.

Die Winterreifen müssen drauf,
denn Schnee liegt überall zuhauf.

An Weihnacht wird Winter dann müde sein,
dem Frühling Platz machen ohne Streiterein.
Weihnacht mit tief verschneiten Bäumen
das gibt’s - vor allem in meinen Träumen.

 

 

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DEZEMBER

Weihnachtsträume
für unsere drei Kinder

Komm, laß uns ein wenig träumen
von Wunderkerzen und Weihnachtsbäumen!

Von goldgelben Kugeln und Stollen und Nüssen,
von Heimlichkeiten, die niemand durft wissen,
von Pfefferkuchen und Pyramiden,
die manches Mal auch stehen blieben.

Von Engeln, der Krippe und dem Kind,
den Hirten, den Schäfchen und dem Rind.
Von erfüllten Wünschen im Weihnachtszimmer.
Erwartungsvoll, bei Kerzenschimmer.

„Es begab sich aber zu der Zeit..."-
erst danach wars endlich, endlich so weit!
Nein, erst mußte noch „Stille Nacht" erklingen.
Heimliche Blicke zum Christbaum gingen.

Was hat uns wohl diesmal das Christkind gebracht?
Vor Aufregung hattet ihr letzte Nacht
darüber gemeinsam gestritten, geraten...
Und dann - es könnte ja gar nichts schaden,
ein paar gute Vorsätze anzubringen.
Das gäb mehr Gewicht den gewünschten Dingen.

Ach, länger willst du nicht mehr bei mir bleiben.
Ich spüre, daß andere Dinge dich treiben
zu Deinen Träumen
in eigenen Räumen,
wo ich nicht mehr mit dazu gehöre
und dich darin vielleicht gar störe.