Die Langsamkeit neu entdecken. |
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Pfingstferien. Wohin bei dem wechselhaften Wetter? Also gut wieder nach Steierdorf , schließlich ist es fast liebgewordene Tradition. Aber bitte gemütlich. Gesagt, getan. Erster Zwischenhalt in Passau, wo das Grabmal der Urgroßeltern steht. Dann vor Wien die Autobahnumgehung rechts liegen lassen und statt dessen die Stadt durchqueren: Ein Genuss, vorausgesetzt man vermeidet die Stoßzeiten. Die erste Etappe endet mit der Übernachtung am Neusiedlersee. Am nächsten Tag weiter. Wir riskieren einen Abstecher durch Budapest und bereuen es nicht. Schließlich Cenad: Die EU-Grenze liegt jetzt eine Stunde vor Temeswar. Freundliche Behandlung, wir werden praktisch durchgewunken und erreichen diese zweite Etappe auf zum Teil erneuerten Straßenbelag. Spätestens beim Spaziergang vor der Kathedrale, fällt mir auf, wie viel Anschauungsmaterial wir für den Preis von 1-2 Tage zusätzlicher Reisezeit gewinnen konnten. Passau, das 1945 viele Steirer auf der sogenannten Flucht aufgenommen hat; Neusiedler See als Schauplatz des Falls des Eisernen Vorhangs. Wien, Budapest und Temeswar bedürfen wohl keine weitere Erläuterung bzgl. ihrer Rolle in der Geschichte unserer Gemeinde. Die Realität holt uns wieder ein mit dem recht provokativen Wahlplakat „ Cine nu are nemti sa-si cumpere! Timisoara are! Voteaza nemteste!“. Ein Blick auf die Wahlvorschläge mit den jeweiligen Minderheiten/Interessengruppen verrät uns, dass Temeswar der bekannte Schmelztiegel geblieben ist: für Rumänen, Ungarn, Serben, Türken, Ukrainer, Bulgaren und natürlich für die Deutschen. Gerade wird Johnny Weissmüller Jr. vor dem Continental begrüßt. Auch die Speisekarte von „Maestro“ (etwas versteckt neben der innerstädtischen katholischen Kirche) dokumentiert die einmalige Mischung. Ich entscheide mich aber für „ciorba de perisoare“ und „puichite“ (Froschschenkel). Beides sehr gut, aber irgendwie trauere ich den großen Suppentopf von Costinel in Sigismund nach. Keine Frage: Wir waren reif für Steierdorf, auch wenn uns die immer noch andauernde Wasserkrise bekannt war. Zwar wird es langsam besser: Die Versorgung zwischen 17 bis 21 Uhr hat sich stabilisiert, zweifellos der Verdienst von Dani Vlad, der sich neuerdings darum kümmert. Aber Wasser bleibt knapp. Also noch einmal ausgiebig duschen und dann los. Wahlkampf auch hier. Gabi Plestici kandidiert für das
Deutschen Forum und gewinnt, als eine der wenigen landesweit,
einen Platz im Gemeinderat. Gratulation! Mit Sicherheit auch eine
Anerkennung für die immer noch enthusiastischen Jugendarbeit.
Wir fanden den Einsatz einiger von der Stadtverwaltung
abbestellten Leute im Friedhof sowie die Versprechung bei der
Renovierung der Hauptallee mitzuhelfen lobenswert. Auf jeden Fall, der Steierdorfer Friedhof war erst mal für die Pfingstfeiertage vorbereitet. Besonderen Dank geht an die Mitglieder unseres Heimatvereins Mariette Hlinka, die mit der mitgebrachten Bronzfarbe die Hauptkreuze selber neu gestrichen hat, und Brigitte Boritsek, die weitere Vorbereitungen getroffen hat. Die Festlichkeiten haben Samstag begonnen. Volkstänze
werden von den Jugendgruppen um den neu aufgestellten Maibaum
vorgeführt. Auch die ganz Kleinen sind dabei. Es ist schön
zu zusehen und wir fühlen uns bestätigt in der Meinung,
dass die großzügige Spende seitens unseres
Heimatverbands der Banater Berglanddeutschen gut angelegt ist.
Die neue Woche hat auch die versprochene Wetterverbesserung
eingeleitet. Innen Sitzbänke aus Holz, spartanisch aber verhältnismäßig
sauber. Die schmiedeisernen Gepäckablagen aus
Erinnerung sind leider verschwunden. Möglicherweise bieten
die etwa einmal im Jahr durchgeführten Nostalgiefahrten mit
historischen Wagen und Dampflokomotive eine Gelegenheit zum
Wiedersehen. Bei der Ankunft (die Linie führt vorbei an der
„Preparatie“) wird uns die desolate Lage der
Kohleindustrie nochmals bewußt. Die angekündigten
Schließungen sind wohl unvermeidlich. Und dann wird noch über einen sensationellen Fund an einem
noch geheimen Ort kolportiert. Es soll sich um die älteste
Spuren prähistorischen menschlicher Zivilisation in Europa
handeln. Auf jeden Fall sollen diese Tage mehrere Archäologen
mit Ausgrabungen und Auswertungen beginnen. Am nächsten Tag noch ein Besuch in Anina im städtischen Spital. Hygienisch in einem vorbildlichen Zustand. Technisch fehlt es natürlich an allen Ecken. Seitens der Stadtverwaltung wird die Umstellung der Heizung auf Holz versprochen. Unser Heimatverein führt mit den Spitaldirektor Gespräche über ein lebenswichtiges EKG Gerät. Wir werden hoffentlich bald darüber informieren können. Spätestens am 2 Oktober beim Steirertreffen in Herzogenaurach (siehe gesonderte Einladung). Wir machen uns langsam auf die Rückreise. Florin Lataretu Pfingsten 2004 |
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