Dar es Salaam, Tanzania
Am 17. August war es also so weit: Nach Wochen der Vorbereitung fuhren Hannah und ich nach Zürich zum Flughafen, nein, wir wurden von Hannahs Vater kutschiert..
Von dort ging es dann ins mehr oder weniger Ungewisse, mit Emirates zuerst nach Dubai. Ich war unglaublich aufgeregt. Ich war in meinem kurzen Leben bisher nur einmal geflogen und das vor ewigen Zeiten. Aber alles kein Problem, unser Airbus ist bravourös gestartet, ich habe wie ein Bekloppter aus dem Fenster fotografiert. Dann gings 8 Stunden oder so mit bester Verpflegung Richtung Vereinigte Arabische Emirate, wo wir um gegen 0 Uhr Ortszeit im hell erleuchteten Dubai aufgesetzt sind, und zwar sanft.
Nicht so sanft war die Temperatur, es hatte (um Mitternacht) immerhin 30°C Celsius! Nicht nett, auch nicht, dass unser Reisebüro uns ein von der Fluggesellschaft gestelltes Hotel versprochen hatte, von wegen Aufenthalt über 8 Stunden und so. Gabs nicht. Also haben wir 50 Euro in die lokale Währung (Dirhams) gewechselt, haben uns ein Taxi klargemacht und sind für 40 $ im Hotel „Versailles“ eingecheckt. So weit, so nobel.
Am nächsten Tag sind wir einfach mal aus dem Hotel los Richtung Stadt. Sehr blauäugig, es hat sicher 40 Grad gehabt. Wir hatten ziemlich schnell einen Mords-Helm auf, und so ein Knaller ist die Stadt zu Fuß auch nicht. Also nix wie los zum Flughafen, da haben wir noch den spitzen Service unserer Fluggesellschaft genutzt und ich habe mich durch das Buffet der Emirates-Lounge gefuttert.
Dann gings auch schon weiter nach Dar es Salaam, nicht sofort, irgendein Ofen im Flugzeug hat gestreikt, deshalb waren wir gleich mal ne Stunde zu spät.
Dann aber waren wir über Afrika, in Afrika, Zwischenstopp in Nairobi, der erste Schock: es war 6 Uhr Ortszeit, und stockdunkel. Willkommen am Äquator!
In Dar es Salaam musste ich mich von Hannah trennen, da wir beide in unterschiedlichen Gastfamilien untergebracht waren. Ich wurde vom Bruder unseres Organisators Alawi eingesammelt und dann gings quer durch die Stadt. Erste Eindrücke: unglaublich viele Menschen auf der Straße, stockdunkel – nur auf den ganz dicken Hauptstraßen Straßenbeleuchtung, angenehm kühle Temperatur (~20°C). Und gefahren wird wie bekloppt! Minibusse, gerammelt voll mit Menschen, antiquierte LKW, die jeden Moment auseinander zu fallen drohen, Handwagen, Mopeds, und bei allen funktioniert auf jeden Fall die Hupe.
Meine Familie hat mich sehr nett aufgenommen, die habens relativ nobel gehabt, Er war Comissioner bei der Regierung, Sie hatte ein eigenes „Business“. Ich hatte meine eigenes Zimmer, habe da meine Kram abgeladen und bekam dann erstmal ein einheimisches Bier angeboten, „Kilimandjaro-Lager“. Schmeckt.
Da es schon recht spät war und ich etwas unruhig wurde, weil mich ein Moskito nicht in Ruhe ließ, bin ich bald ins Bett und habe mich unter meinem Moskitonetz verschanzt.
Als es dann mit dem Praktikum losging, taten sich bald die ersten Trübnisse auf: Ich hatte nichts zu tun, war permanent underdressed und wirklich um mich gekümmert hat sich keiner. Die NGO nannte sich REPOA (research on poverty alleviation), aber auch da verschanzte man sich hinter hohen Mauern und täglich wurde eine neue Krawatte ausgeführt, so kams mir zumindest vor.
Außerdem wohnte Hannah eine halbe Stunde per Bus von mir entfernt, und Dala Dala fahren muss man erstmal lernen. Blöd auch, dass ich eigentlich von 8 – 17 Uhr bei der REPOA rumgammeln sollte, um viertel nach sechs wurde es dunkel, und dann sollte man als Weißer nicht mehr alleine unterwegs sein, höchstens per Taxi.
Das ist schon erstmal eine andere Nummer, wenn man plötzlich der einzige Bleiche weit und breit ist und entsprechend als Exot auffällt. Die Leute rufen einem „Mzungu!“ (Swahili für Weißer) hinterher und manchmal kann das gewaltig nerven!
So verbrachte ich die erste Woche damit, mich einzugewöhnen und vor allem Busfahren zu lernen...eigentlich soll es einen Stadtbus geben –irgendwann- da das aber momentan noch in weiter Ferne liegt, vergibt die Stadt Lizenzen an Kleinunternehmen, die mit Unmengen importierter Secondhand Toyota „Hiace“ Minibusse die Leute transportieren. Dabei wird lautstark für das jeweilige Fahrziel geworben, von „Mwenge, Mwenge – Posta“ bis „Mwana Nyamala“ und immer noch irgendwo ein freier Platz aufgetan. Ich saß zum Teil im Bus, mit angezogenen Knien, weil die Abstände zwischen den Sitzen bei Weitem zu kurz waren für meine Gräten, und dachte, da passt unmöglich noch jemand rein: zack – nochmal 5 Leute untergebracht! Die Dala Dalas sind in unterschiedlichstem Zustand, von absolut schrottreif, bis neu, getuned und mit dicker Soundanlage ausgerüstet. Wenn man's mit dem Busfahren draufhat macht es ne Menge Spaß, wenn man über den allgegenwärtigen Stau und die Enge hinwegsieht – ein Fahrt kostet 100 – 150 tansanische Shilling, das sind also 10 – 15 Cent. Ich hab mich also so nach und nach mobil gemacht und bin dann auch bald kreuz und quer durch Dar es Salaam gedüst. Der Verkehr ist unglaublich, wenns geht, wird bei Weitem zu schnell gefahren (80 und mehr in der Stadt), aber meistens ist im Stau stehen angesagt, da darf die Hupe bloß nicht im Eimer sein! Die Dala Dala-Fahrer agieren alle recht schmerzbefreit, was Fahrstil angeht, da wird dann schon mal einfach neben der Straße weitergefahren, wenn Stau ist. Dass dabei die Kiste dauernd aufsetzt scheint nicht wirklich was auszumachen, auf jeden Fall schwankts gewaltig in alle Richtungen.
Als Fußgänger hat man in Dar keine Rechte, das sollte man sich bewusst machen, und nicht damit rechnen dass irgendjemand abbremst – auch an den Linksverkehr muss man sich gewöhnen. Ich habe automatisch immer in die falsche Richtung geschaut, wenn ich die Straße überqueren wollte. Bemerkenswert ist, was alles auf den Straßen unterwegs ist – geteert sind nur die Hauptstraßen: nach europäischen Maßstäben sind die meisten Vehikel mit Sicherheit lange schrottreif und antik sowieso, so etwas wie TÜV gibts nicht. Ich kam aus dem Staunen zum Teil nicht mehr heraus, was an LKWs und Bussen da durch die Gegend gondelt! Reifen werden offensichtlich so lange gefahren bis sie platzen und solange die Karre fährt, fährt sie.
Am ersten Wochenende habe ich dann das erste Mal Hannah im Stadtteil Buguruni besucht. Ist schon ein ganz schönes Eck von Kinondoni aus (wo ich wohnte), besonders wenn Stau ist. Da war jede Menge los, große Familie auf kleinem Raum – da geht was! Nicht so nobel wie bei mir, aber das machts echt nicht aus, wenn die Stimmung so viel besser ist, außerdem will ich nicht im Luxus leben! Naja, Sonntag gabs dann erstmal ne herbe Fleischerfahrung, ich wurde von meiner Familie ausgeführt – zum Strand, vor dem leider eine dicke Mauer ist, so dass man nicht ans Meer kann – in ein „Swiss-Resthouse“, sollte wohl was ganz tolles und exklusives sein, mein Geschmack allerdings nicht. Zum essen gabs dann zwei riesige Platten mit Fleisch, Ziege und Chicken, und sonst nix! Ich hatte etwas Probleme mit der Zubereitung, Fleischbrocken mit Knochen (und teilweise Borsten), dazwischen ein paar Gemüseschnipsel und Knochensplitter in Massen. Das ging an meine Grenzen, Afrikaner stecken das gesammelt in den Mund und ziehen auf der anderen Seite die Knochen wieder raus. Haben sich schlappgelacht, als im Fernsehen kam, dass Metzger in Deutschland zur Schule gehen müssen, und sogar Meister werden können..
Am 26. August war mein Geburtstag, den hab ich allein mit Malaria im Bett verbracht. Das Problem ist, dass man trotz Prophylaxe, Moskitonetz und Spray nicht vermeiden kann, dass man gestochen wird, die Lariam- Prophylaxe schwächt das ganze zum Glück ab, so hab ich 2,5 tage durchgepennt und war dann rechtzeitig zum Wochenende wieder auf dem Dampfer. Und zwar nach Zanzibar, mit Hannah..
Wir haben uns am Fährehafen getroffen. Ich hab von Hannah's Family Unmengen Geschenke bekommen, und zwar von jedem, obwohl ich doch nur 2-mal kurz da war! Ich war echt gerührt. Wir haben die billigste Fähre, die „Aziza“ – offensichtlich eine abgehalfterte griechische Autofähre – genommen, die „nur“ 15 Dollar pro Nase kostet, dafür aber 5 Stunden fährt, statt 1,5 Stunden mit der schnellen, 35 Dollar teuren Fähre. War aber ne lustige Fahrt, alleine schon zu sehen, wie der Kahn in Dar es Salaam noch beladen wurde, kreuz und quer, und da passt noch was, ein unglaubliches Gewusel auf dem Kai.
In Zanzibar angekommen muss man sich auf einiges gefasst machen (wir warens nicht so ganz). Man hat sofort eine Menschentraube an sich hängen, die einem von Hotel über Bootstour bis Marihuana alles andrehen will, und zwar jeder um jeden Preis. Das kommt daher, dass dort jede Menge Touris rumspringen, die alle das dicke Geld dabei haben, und das wissen die Leute. Es herrscht eine teilweise unvorstellbare Armut ( in Dar noch mehr als auf Zanzibar) da ist es nur verständlich, dass man sich so um die Touris „bemüht“, wenn auch leider mit sehr unterschiedlichen Absichten. Das zu unterscheiden ist fast unmöglich, und daher kann es auch gewaltig nerven, die ganze Zeit angehauen zu werden, „Hey my Friend, how are you? Where are you from? Come to Hostel XY, good-a-cheap-a-price” und so weiter, besonders wenn man mal nicht so besonders dick-fellig unterwegs ist. Aber das ist der Deal da, und so läuft das, man muss halt aufpassen, dass man sich nichts Komisches andrehen lässt. Auf jeden Fall sollte man nicht unbedingt auf eigene Faust unterwegs sein, man macht halt eine organisierte Tour zu den Gewürzplantagen, oder zum Strand, und Strandurlaub geht eigentlich nur in den dafür gebauten Bungalow-Arealen, die entsprechend bewacht sind. Traurig fanden wir, wie viele Europäer sich inmitten der offensichtlichen Armut in luxeriösen Beach-Hotels einmieten und sich von der Umgebung abschirmen lassen. Klar ist der Strand unglaublich schön und weiß und das Wasser klar und türkis, aber für uns hatte das einen bitteren Beigeschmack, diese bewachten „Inseln“ inmitten bettelnder Leute zu sehen.
Zurück in Dar war Alltag angesagt, allerdings hat sich bald abgezeichnet, dass ich mir was einfallen lassen musste, bei der REPOA gabs genau NIX zu tun und das nervt schnell gewaltig. Hannah und ich haben den nächsten Wochenendausflug nach Bagamoyo gemacht, da gibts Menge Bauwerke aus der deutschen Kolonialzeit, auch wenn so langsam aber sicher alles in sich zusammenfällt – Bagamoyo war Kolonialhauptstadt bis man sich nach Dar es Salaam „verlegte“. Gereist sind wir per Bus, unser Gastbruder Timoth hat uns an der Haupt-Bus Station in Ubungo abgeliefert, wo wir für 1000 Shilling, also ca. 1 Euro einen Ticket für den "Überlandbus" erstanden haben. Im Bus schwirrten die Moskitos und der Fahrer fuhr so unglaublich zu schnell, dass irgendwann der Motor komplett in Rauch aufging und dann standen wir da, mitten im Gemüse. Irgendwann hat uns ein extrem voller Dala Dala mitgenommen, wir haben uns also da noch mit reingestapelt und sind tatsächlich irgendwann in Bagamoyo angekommen.
Dort haben wir uns, sehr idyllisch, in einer Lodge mit kleinen Cottages eingemietet und hatten da unser eigenes kleines Häuschen, waren fleißig baden und sonnen. In Bagamoyo gibts das einzige „Art-College“ in Ostafrika, da sind jede Menge nette Rastafaris unterwegs und üben sich im trommeln, Skulpturen steinmetzen oder schnitzen, malen usw. Wir haben uns von einem der Rastamänner die Stadt zeigen lassen, haben Fahrräder gemietet und sind damit durch die Gegend gegurkt, war ziemlich lustig und sehr interessant!
Wie das Glück so will, hat sich für mich die Möglichkeit aufgetan, sowohl Praktikum als auch Familie zu wechseln, zu Hannah zu ziehen und auch in der „St. Augustine English Medium Primary School“ als „Lehrer“ auszuhelfen. Ich hab nicht lange überlegt, habe meine Sachen gepackt, mich verabschiedet und bin per Dala Dala umgezogen nach Buguruni.
Die Familie hat auch mich noch untergebracht, ich hab mit meinen beiden Gastbrüdern Timothy und Juan das „Männerzimmer“ geteilt, ich habe sogar einen der Plätze im Bett zugeteilt bekommen. Immer jede Menge los in dem Haus, die Anzahl Bewohner variierte so von 7 – 10 Leute, je nach Besuch: Bibi Irene (unsere Mama), Timoth und Juan (beide Ende 20), Helen (eine Nichte), Cynthia (eine Enkelin), wir und das Hausmädchen Jenny, gerufen Jen-Jenny! Ein Hausmächen hat da irgendwie jeder – die kocht, putzt, wäscht und macht den ganzen Tag, ab 5 Uhr morgens!
Natürlich wurde da nicht ganz so gehoben gewohnt wie in meiner Erst-Familie, es gab zwar Klo und Dusche, aber fast nie fließendes Wasser – in der Nachbarschaft wohnte der Bischof, und der hatte einen 5000 Liter Tank und eine dicke Motorpumpe und legte damit die komplette Umgebung trocken. Nicht so nett. Also mussten wir aus der Wassertonne schöpfen, sowohl für Klo als auch für „Dusche“ – das Wasser ist nicht zu vergleichen mit dem europäischen..
Gekocht wird mit Kohle, Strom ist relativ teuer, aber der Fernseher muss natürlich laufen. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, die Kiste läuft sowohl beim beten, als auch beim Essen oder wenn Besuch kommt, viel Gespräch wird nicht geführt.
Morgens um 7 gings dann für die Bibi, Hannah und mich in die Schule. Die Schüler treten in Reih und Glied und Uniform zum Appell an, begrüßen im Chor die Lehrer, schmettern die Nationalhymne – werden „inspected“ und entsprechend versohlt, wenn die Schulinform schmutzig ist, oder ähnliches, und marschieren dann singend Richtung Klassenzimmer. Prügelstrafe ist ganz normal – ich musste echt schlucken, wie da ganz selbstverständlich Kopfnüsse verteilt werden und der Rohrstock eingesetzt wird – für uns unvorstellbar! Wenn ich in die Klasse kam wurde ich mit einem schneidigen „Education is the Key of Life – Good Morning, Sir!“ begrüßt, alle springen auf und setzen sich erst, wenn man es ihnen aufträgt.
Im wesentlichen habe ich Mathe unterrichtet, was sich auf das Anschreiben von Übungsaufgaben und entsprechende Korrektur mit Rotstift beschränkte. Ich hatte leider keine Ahnung mehr, wie man nun genau schriftlich teilt oder multipliziert – zum Glück konnte Hannah mir das zeigen... Jeden Morgen um 10 Uhr wurde man dann aus der Klasse abgeholt –„Sir, you're needed at the office“ – ab zum Frühstück. Unsere Bibi ist die Headmistress der Schule. Wir, ihre Gäste, nahmen das Frühstück in Ihrem Büro ein – meistens frittierte Kartoffeln und hartgekochte Eier oder auch mal Reis mit Bohnen, im Glücksfall ungetoasteter Toast mit Margarine. Kein „leichtes“ Frühstück...
Ende September gab's ne Woche Schulferien. Wir haben die Zeit genutzt um uns als Touris zu bewähren, haben uns eine 2-tägige Safari klargemacht und sind mit dem „Scandinavia“-Überlandbus nach Arusha, im Norden von Tanzania gereist. Oder besser: gerast. Wie in Tanzania Bus gefahren wird ist echt ein Abenteuer, aber auch ein gefährliches. Man reist per Bus auf einer zweispurigen Straße, ungefähr wie eine Landstraße. Die Busse dürfen offiziell nur 80 km/h fahren, das heißt es wird meistens 100 km/h und mehr gefahren. Die „Scandinavia“ Buslinie ist recht gehoben und nicht ganz billig, das heißt aber noch nicht, dass der Zustand der Busse unbedingt TÜV-tauglich wäre, von den anderen, billigeren Bussen ganz zu schweigen. Und dann wird überholt, dass alles zu spät ist! Leider passieren deshalb auch täglich Busunfälle, meist mit mehreren Toten und unzähligen Verletzten. Obwohl wir manchmal das Gefühl hatten, eher niedrig zu fliegen als zu fahren sind wir sicher in Arusha gelandet. Ich war schwer beeindruckt von der Landschaft, die wir im Höllentempo hinter uns gelassen hatten – hätte gerne öfter angehalten und mir manches näher angeschaut!
Die Ankunft in Arusha wird in den meisten Reiseführern als heftig beschrieben, weil dort jede Menge Touristen zur Safari anreisen, Diebstähle und Belästigungen seien dort am allerschlimmsten. Wir hatten unsere Safari schon organisiert und wurden an der Busstation eingesammelt, in sofern hatten wir keine Probleme. Man fuhr uns dann widerwillig auch zum Guesthouse UNSERER Wahl, Monje's Guesthouse, wo die Übernachtung umgerechnet 2 Euro pro Nase kostet – sauber, aber abenteuerlich! Der Chef hat uns wegen der Sicherheitslage bei Dunkelheit persönlich zum Restaurant gebracht und dort mit uns lecker Pizza gespeist und danach wieder zurück eskortiert. Um drei Uhr nachts wurden wir dann etwas unsanft geweckt. Irgendjemand schrie und hämmerte gewaltig gegen Türen, dann wurde rabiat ein Jeep in den Hof gefahren, die Alarmanlage erstarb schnell wieder. Dann wurde direkt neben uns mit entsprechendem Lärm eine Tür aufgebrochen, danach war dann wieder Ruhe.
Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass ein Gast offensichtlich lange und fröhlich unterwegs gewesen war und dann feststellte, dass er seinen Schlüssel vergessen hatte. Also wurde kurzerhand das Tor zum Hof aufgestemmt und dann die Zimmertür aufgebrochen. Er hat auf ein gemeinsames Foto bestanden – Wahnsinnstyp!
Nichtsdestotrotz, wir wurden pünktlich zur Safari abgeholt, leider nicht mit Landrover sondern mit Allrad-Minibus, weil der Veranstalter uns noch zusätzliche Begleitung verpasst hatte. Wir waren zu fünft angereist, Hannah und ich, Eva aus Berlin und Markus und Martin, zwei Sozialpädagogen auf Tanzania Trip, die wir schon in Bagamoyo kurz getroffen hatten und im Bus nach Arusha für unsere Safrai angeheuert haben. Dazu kamen dann noch ein Inder und ein Japaner älteren Semesters – daher dann der Minibus.
Zuerst gings nach Lake Manyara, das Dach wurde aufgemacht und dann Fotos geschossen was das Zeug hält. Joshua unser Guide hat uns alles an Tieren präsentiert was es da so gibt – und es gibt jede Menge! Landschaftlich auch sehr schön, ich war echt hin und weg. Abends gings dann weiter Richtung Ngorongoro-Crater, keine Asphaltstraße mehr, sondern maximale Schlaglochpiste aus rotem Staub. Unser Guide hat den Minibus ohne Kompromisse da entlang geprügelt, ich dachte, die Karre löst sich jeden Moment in sehr kleine Teile auf. Tat sie aber nicht und so erreichten wir die Campsite auf halben Weg, auf dem Rücken des Rift-Valley- was sonderbarerweise ein Bergrücken ist.(?) Da wars umwerfend, echt schön, unser „mitgeführter“ Koch hat uns Abendessen gekocht und dann wurde im Zelt genächtigt. Morgens um sechs Frühstück und dann weiter, Bandscheibengekloppe auf der Rough Road. Auf den Rand (annähernd 3000 Meter, lt. Guide) des Kraters hoch wächst richtige Regenwaldvegetation und dann gehts runter ins Loch, in die Steppe. Da haben wir eine große Runde gedreht, eilig von einem wilden Tier zum anderen und dann noch eiliger zurück nach Arusha. Die zwei Tage haben sich gelohnt, aber viel länger würde ich keine Safari machen.
Wieder in Arusha sind wir natürlich wieder ins berühmte Monje's Guesthouse eingecheckt und haben uns für den nächsten Tag vom Chef ein Busfahrt andrehen lassen. Eva mit Augenvirus zurück nach Dar es Salaam, der Rest nach Lushoto, Usmabara Mountains, Tanga-Region. Der Bus hieß KLM, der Kollege vom Guesthouse hat uns versichert, das sei der Bus von der bekannten holländischen Fluglinie und wir hätten Anschluss nach Lushoto (mit Umsteigen in einem Kaff namens Mombo).
Ich glaube nicht, dass besagte Fluglinie etwas von der Existenx dieser Höllenmaschine weiß, die da als Bus eingesetzt wird. Technisch sehr abenteuerlich, giftgrün bemalt, bis unters Dach voll gestopft und in einem Höllentempo unterwegs. Wir sind trotzdem heil in Mombo angekommen, allerdings war der versprochene Anschluss-Bus ein Märchen. Also gings im Dala Dala nach Lushoto – immerhin langsam, weil die Karre mit der Steigung nicht so gut klarkam und der dritte Gang nicht so ganz wollte.
Heftiges Klima da oben in Lushoto! Der Reiseführer sagt „ein Klima wie Leipzig im Oktober“, ganz so schlimm ist es nicht, aber schon deutlich kühler als sonst. Wir waren zwei Tage dort und haben eine Wanderung gemacht zu einem der diversen Viewpoints, von denen man ewig weit in die Landschaft schauen kann. Dann trennten wir uns von M & M und sind zu zweit in der nächsten Höllenmaschine Richtung Dar es Salaam aufgebrochen, wo wir nach 9 Stunden Fahrt auch tatsächlich angekommen sind, vorbei an einem großen Busunglück, dass es einem kalt den Rücken runtergelaufen ist.
Unsere Zeit in Tanzania neigte sich dann auch langsam dem Ende zu, wir haben noch eine Woche blau gemacht und sind nochmal nach Bagamoyo gefahren, „zum Urlaub machen“. Danach kam das letzte Wochenende mit vielen Einladungen, unter anderem hat uns der Fahrer des Schulbusses zum Schwein essen eingeladen. Er und sein Bruder haben uns abgeholt, leider sprachen beide kein Wort Englisch, aber spaßig wars trotzdem. Ich musste gegen diverse Leute zum Poolbilliard spielen antreten und genauso viele Biere trinken. Ging aber beides noch überraschend gut.
to be continued ...