Eine kurze Geschichte der Homosexualität von der Antike bis in die Neuzeit

 

Zuallererst stellt sich hier die Frage, wie man Homosexualität definieren kann und dann ob es solch eine Homosexualität, wie wir sie definieren, in der Antike überhaupt gegeben hat. Man sagt, dass eine mesopotamische, griechische und römische Kultur nicht möglich war ohne das Verhältnis zweier Männer zueinander. Tatsache ist jedoch, dass man in der antiken Kultur nicht von Homosexualität, sondern von Päderastie (Knabenliebe) sprechen muss. Dies bezeichnete das Abhängigkeitsverhältnis zwischen einem Schüler und einem Lehrer, das sich auch gelegentlich sexuell auswirkte. Sobald bei den Schülern jedoch die Pubertät einsetzte, war so eine Beziehung verpönt.

Der einzige Fall, bei dem man von akzeptierter Homosexualität sprechen konnte, war vielleicht im militärischen Bereich. Man glaubte, dass Soldaten, die einander zugetan waren, sich eher für den anderen einsetzen würden und besser kämpfen würden. Hier war eine Homosexualität, wie wir sie heute bezeichnen würden, durchaus erwünscht.

 

Pan lehrt Daphnis das Flötenspiel – erotische Szene auf griechischer Vase

 

 

In Platons „Gastmahl“ wird klar dargestellt, dass jeder Mensch auf der Suche nach seiner „besseren Hälfte“ ist, von der er getrennt wurde – ganz gleich ob heterosexuell oder homosexuell.

Man kann jedoch beobachten, dass päderastische und vielleicht sogar homosexuelle Beziehungen vom Römischen Imperium, im Mittleren Osten, bis hin zu China und Japan, gang und gäbe waren und ein fester Bestandteil der Kultur waren. Diese Beziehungen gehörten fest zur Pubertät und zu einem gesunden Lebensweg eines jungen Mannes. Die Frage bleibt jedoch, in wieweit diese Beziehungen im Alltag tatsächlich akzeptiert waren, zumal Soldaten Ehefrauen und Kinder hatten.  Vielmehr kann man hier von einer Bisexualität sprechen, die den Alltag der höhergestellten Bevölkerung der Antike ausmachte. Im Dunkeln bleibt wie selbstverständlich die „Homosexualität“ in den niedrigen Schichten, wenn man nicht mehr von kulturellen Motiven ausgehen kann.

Berühmte Persönlichkeiten der Antike, denen Homosexualität nachgesagt wird, sind Alexander der Große und der Kaiser Hadrian.

 

Mit dem Mittelalter änderte sich alles. In dieser Hinsicht kann man das Mittelalter wirklich als einen dunklen Zeitraum betrachten. Interessant wäre zu untersuchen, ab wann und aus welchem Grund das aufkommende Christentum die gleichgeschlechtliche Liebe und die kulturelle Päderastie unter Strafe stellte. Neue Forschungen gehen davon aus, dass diese Ablehnung ein sehr wichtiger Einschnitt für die antike Kultur, und auch die heutige, war. Man bezeichnete gleichgeschlechtliche Paare als Sodomiter, und setzte sie somit auf eine Stufe mit den Tieren. „Sodomiter“ wurden als Ketzer angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Am bekanntesten war wahrscheinlich der Fall der Templer, denen zeremonielle homosexuelle Handlungen nachgesagt wurden.

 

„Sodomitischer Templer“

 

Dennoch konnten einige Adlige und Herrscher ihre Neigung, wenn auch teilweise im Geheimen, ausleben. Besonders im englischen Könighaus werden einigen Königen aus dem Hause Lancaster homosexuelle Beziehungen nachgesagt.

 

Die Renaissance war im Gegensatz zum Mittelalter wirklich ein Wiederaufleben der Antike. Die beiden prominentesten Persönlichkeiten der Renaissance, Michelangelo und Leonardo da Vinci, sollen homosexuelle Neigungen gehabt haben. Mit ihren antik anmutenden Statuen nahmen sie die alte Tradition auf und schufen neue erotisch anmutende Kunstwerke.

 

 

„David“ und „Der sterbende Sklave“ von Michelangelo

 

 

Erst in der Moderne, genauer gesagt im 19. Jahrhundert, wurde der heute bekannte Begriff der Homosexualität eingeführt. Zum ersten Mal in der Geschichte hatte man nun eine neutrale Bezeichnung für die gleichgeschlechtliche Liebe. Doch noch immer wurden homosexuelle Handlungen unter Strafe gestellt. Im Deutschen Reich stellte der Paragraph 175 die Homosexualität bis zum Jahre 1994 unter Strafe und setzte sie sogar teilweise mit wirklich sodomitischen Handlungen gleich.

Obwohl nun ein neutraler Begriff gefunden war, schimmerte das Mittelalter in der Moderne also noch durch. Wie andere aus der Gesellschaft Ausgeschlossene wurden auch Homosexuelle im Dritten Reich verfolgt und getötet.

 

Aufsatzsammlung gegen den Paragraphen

 

Als sich in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts zum ersten Mal Fälle von AIDS häuften, wurden Homosexuelle noch mehr in eine Außenseiterrolle gedrängt. Vorurteile und Unkenntnis verbreiteten in der Gesellschaft eine Abneigung und Angst, vor allem gegen Schwule. Bis der Film „Philadelphia“ für ein wenig Aufklärung sorgte.

 

Tom Hanks als Hauptdarsteller in „Philadelphia“

 

Erst in den letzten Jahren setzt eine allmähliche Emanzipation ein. In Deutschland und Holland können Homosexuelle seit ein paar Jahren legal heiraten. Jedoch ist dies noch immer eine Ausnahme. Eine wirkliche Emanzipation hat vielleicht bis heute nicht stattgefunden und bleibt in vielen Ländern der Welt noch einige Zeit ein Traum, wie der Film „Brokeback Mountain“ zeigt.

 

(by silvie)