Pathophysiologie der Lungenentzündung (Pneumonie)

Eine der häufigeren internistischen Erkrankungen, verbunden damit, dass die Lungenentzündung eine der häufigsten Todesursachen ist. Ihr Auftreten ist häufig nicht akut, eine Entwicklung des Krankheitsbildes entsteht meist über einen Zeitraum von Tagen. Wichtig ist, die Unterscheidungen zu kennen, die im englischen Sprachraum gemacht werden. Hier spricht man von Pneumonie (Oder Lungenentzündung) nur, wenn die Ursache auf mikrobiellen Erkrankungen beruht. Weitere Ursachen können aber z.B. physikalisch (Strahlen, Fremdkörper in den Bronchien), chemisch (Reizgase, Öle, Magensäure) oder Kreislaufsstörungen (Infarktpneumonie, Stauungspneumonie) sein. Im Englischen wird z.B. bei der Strahlen Lungenentzündung der Begriff Pneumonitis verwendet. Gemessen an der Definition der klassischen Entzündungszeichen ist das natürlich auch vollkommen richtig.

 Die Pneumonie infektiöser Genese ist ein Krankheitsbild mit starken Krankheitszeichen: Den Patienten geht es schlecht, zum Husten kombiniert mit eitrigem Auswurf kommt noch Fieber, teils kombiniert mit Schüttelfrost. Auch dem medizinischen Laien ist klar, dass es sich hier um einen kranken Menschen handelt, in einem schlechten Allgemeinzustand.

Sehr häufig ist die Infektion mit Bakterien, unter ihnen sind die PNEUMOKOKKEN (siehe auch großes Mikrobio Skript) zu nennen. Eine bakterielle Pneumonie kann einem ablaufenden Schema zugeordnet werden. Immer im Hinterkopf behalten: Eine eitrige Entzündung ist eine bakterielle Entzündung!

 

 1. Anschoppungsphase

Vielfach ist ein Lungensegment oder auch ein Lungenlappen betroffen. Innerhalb von Stunden, und das ist ein großer Unterschied zu den anderen Pneumonien, entsteht hier eine stärkste Entzündung in dem Lungenteil, er wird mit Blut und eiweißreicher Flüssigkeit gefüllt, die Kapillaren erweitern sich und weiße Blutkörperchen und Makrophagen wandern ein. Diese Phase (1 von 4) wird Anschoppungsphase genannt. Hier entsteht ein gewisser Widerspruch zu meiner vorherigen Aussage, eine Pneumonie würde über einen Zeitraum von Tagen entstehen.

2. Rote Hepatisation

Am 2.bis 3. Tag wird der Abschnitt von Fibrinfäden durchzogen und die Konsistenz ändert sich. Nun sind reichlich Erythrozyten in das Geflecht eingelagert, zusammen mit abgelösten Pneumozyten. Zur Erinnerung: Pneumozyten Typ 1 kleiden das Alveolarepithel aus und bilden die Diffusionsstrecke mit, Typ 2 produzieren den Surfactant. Die Phase hat ihren Namen von der Brüchigkeit und dem Aussehen von Lebergewebe.

3. Graue Hepatisation (4. – 6.Tag)

Höhepunkt der Erkrankung, die Farbe entsteht aus dem Fibrinexsudat, aus Kapillarein- sprossungen emigrieren Leukozyten, die Lunge wird schwer und ist Luftarm.

 4. Gelbe Hepatisation (7. – 8. Tag)

Die Entzündung ist nun eitrig, das alveoläre Exsudat ist von Leukozyten beherrscht. Eitrige Entzündung: Granulozytäre Infiltration! Das Gewebe verfettet zusätzlich. 

5. Lyse (9. – 11. Tag)

Die Leukozyten verflüssigen die Fibrinfäden, das enzymatisch aufgelöste Exsudat wird auf dem Lymphwege abtransportiert oder abgehustet. Der Auswurf ist rahmig eitrig.

Nach 14 Tagen ist die Lunge wieder komplett entfaltet und belüftet, sie ist wieder im Gesunden geheilt, ohne Spätfolgen. Der lateinische Begriff dafür ist „Restitutio ad integrum. Nach 4 Wochen ist das letzte Fibrin aufgelöst. Selten bleibt noch ein Rest Fibringewebe über, dieser wird durch Granulationsgewebe ersetzt und ein nicht mehr funktionierender Bezirk entsteht. Er ist induriert (verhärtet), ähnlich einer Narbe.

Die virale Lungenentzündung läuft anders ab, ein typischer Ablauf ist nicht zu benennen. Deswegen werden die viralen, aber auch einige bakterielle Lungenentzündungen den atypischen Pneumonien zugeordnet. Beispiele für atypische bakterielle Pneumonien sind die Chlamydien, Mykoplasmen und  Legionellen. Die Diagnose der atypischen Pneumonie erfolgt vorwiegend über das Röntgenbild, selbst wenn noch keine eindeutigen klinischen Symptome wie starkes Fieber oder produktiver Auswurf vorhanden sind, lässt sich im Thorax Röntgen schon eine zentrale Pneumonie mit freiem Lungenmantel nachweisen.

Weitere Formen des Befalls siehe hier