Hommage an Balzac
Gedicht von Kathy
MAGNY
Die Lilie im
Tal
wird immer wieder erblühen
für die Herzogin von Langeais,
für Jeanne Récamier und Madame Hanska,
Ihre schöne Fremde,
Ihre so geliebte Gattin.
Der Vetter
Pons und die Kusine Bette
haben den Ball von Sceaux eröffnet.
Ebenfalls auf dem Fest waren
Ursule Mirouet, César Birotteau,
Eugénie Grandet, der alte Goriot.
Im Haus zur ballspielenden Katze
da hauen Rastignac und der Oberst Chabert
mit der Faust auf den Tisch und beschimpfen sich
bei einem vorletzten Glas.
Der Landarzt
und der Pfarrer von Tours
reden miteinander über verlorene Illusionen,
und jeder erwähnt seinerseits,
der eine die Krankheiten, der andere den Himmel.
Die Herzogin
von Abrantès hält noch immer Salon:
dort plaudert man von Glanz und Elend der Kurtisanen,
von tolldreisten Geschichten, Blutrache und Leidenschaft
und springt dabei von Thema zu Thema.
Sie sind
sehr lebendig, alle Ihre Romanfiguren,
diese zweitausend und mehr,
die ihr Hass- und Liebesknäuel in der Menschlichen Komödie abwickeln.
Sie sind Ihnen bis zum Père Lachaise gefolgt
und beweinen Sie noch, ob's Ihnen gefällt oder nicht.
Wer sehr liebt, der straft auch sehr:
Aber Sie haben sie ja auch nicht eben geschont,
Ihre Zeitgenossen,
mit Ihrer so sehr zu Recht aufgeklärten Sicht
einer kunterbunten Gesellschaft.
Wie ein
Darwin der sozialen Arten
in 90 Romanen und mehr
zeigen Sie darin auf, wie sehr
der Mensch ein seltsames Tier ist.
Als Hintergrund Ihrer Geschichten fungieren
die Hauptstadt, aber auch die Provinz
und diese Touraine, diese Loire,
die Sie beide so lieben, ohne dass irgendetwas sie verdrängen kann.
Sie haben sie, lieber Honoré,
mit einem prächtigen Schrein an sich ausgestattet:
dem der Worte und der Gedanken,
die Ihnen unter die Finger liefen.
Die Mauern
von Saché erinnern sich
mit einer exquisiten Rührung
an Ihre Liebe zu der Touraine,
ihren kleinen Leuten, ihren Marquisen.
Heute sind
wir stolz,
Sie zu ehren,
auf unsere Weise,
aufrichtig, ohne Wenn und Aber.
Mögen Sie
gefunden haben
in Ihrem Jenseits
die Schlüssel zur Ewigkeit
neben Madame Hanska.
Aber ich will Sie nicht länger aufhalten:
Ihr Kaffee wird sonst kalt.
*die Übertragung des Textes ins Deutsche zum Zweck
des Verstehens des Originaltextes erhebt keinen literarischen Anspruch.

[«]
[Honoré de
Balzac] [Impressum] [Kontakt] [Übersicht]
[Links]
[Zitate]
[»]
Copyright © 2001 - 2005 Frank Weidemann All rights
reserved.