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Anm.: F.W.:
Ich freue mich ganz besonders, Ihnen einen Kommentar zum Thema
"Männer in der Menschlichen Komödie" ankündigen zu
dürfen, diesmal von einer Frau, die sich seit langem intensiv mit
Balzac und seinem Werk beschäftigt, Bettina Licht. Frau Licht hat auf ihrer Website (siehe Linkseite!) eine umfassende Studie zum
Lebensweg Balzac's zusammengestellt. Vor einiger Zeit war sie in Paris und
besuchte die Wohn- und Arbeitsstätten des Romanciers, auch von diesem
Besuch erwarten Sie Beiträge auf ihrer Homepage:
"Obwohl
jeder Held Balzacs in der „Menschlichen Komödie“ eine Welt für
sich verkörpert, gibt es männliche Protagonisten-Typen, die Balzac
besonders interessieren.
Da
finden wir einmal den jugendlichen Helden, der sich von Ehrgeiz
getrieben auf seinen Weg in die
Metropole Paris begibt,
um dort z. B. als Schriftsteller berühmt zu werden und sein Glück zu
machen. Doch schon nach kurzer Zeit erlebt die Leserin/der Leser das
tragische Scheitern z. B. eines Lucien Chardon alias Lucien de Rubempré
in „Verlorene Illusionen“ oder eines Raphael de Valentin in „Die
tödlichen Wünsche oder das Chagrinleder“. Meist erleiden die
Helden auch noch unglückliche Liebesbeziehungen mit Frauen, die
entweder sehr viel älter sind als die unerfahrenen, jungen Männer,
oder mit denen aufgrund des unterschiedlichen Standes eine Verbindung
nicht möglich erscheint.
Dies
korrespondiert mit Balzacs eigenen Lebenserfahrungen als ehemals
unentdeckter Dichter. Auch
seine Beziehung mit der um Jahre älteren Laure de Berny verarbeitet
Balzac in z.B. der Geschichte „Die Lilie im Tal“, in der sich der
jugendliche Held Félix de Vandernesse in eine zwanzig Jahre ältere
Dame verliebt.
Die
meisten balzacischen Helden werden von starken Leidenschaften
angetrieben. Passionen, Ehrgeiz oder auch manchmal – wie beim Vetter
Pons – von einer krankhaften Sammelwut. Wenn die Helden das Gute
wollen, dann wollen sie es in Reinform haben, wenn ihre Beweggründe
schlecht sind, dann sind sie es auch ganz und gar, so wie beim
ehemaligen Sträfling „Vautrin“, einer Lieblingsfigur Balzacs.
Kompromisse gibt es für einen Protagonisten Balzacs meist nicht, und
die Helden gehen eher zugrunde, als dass sie ihre Pläne aufgeben.
Ein
anderes wiederkehrendes Thema bei Balzac, ist das des „Vaters“: Es
ist schwer zu unterscheiden welche Vaterfiguren den – zumeist – Töchtern
mehr schaden: Sind es die „bösen“ Väter wie der geizige und
kleinliche Vater Eugenie Grandets oder Dr. Rouget in
„Junggesellenwirtschaft“, der seine arme Tochter Agathe
misshandelt? Oder ist es der Inbegriff eines Vaters,
„der alte Goriot“, der seine Töchter über die Maßen verwöhnt
und damit ihren Charakter verdirbt?
Liest
man die Bücher, in denen Väter eine Rolle spielen, fragt man sich
nach der Beziehung Balzacs zu seinem eigenen Vater. Während Balzac über
seine Mutter vieles äußerte, vor allem negative Einstellungen, hielt
er sich über das Verhältnis zu seinem Vater bedeckt. Man kann
vermuten, dass Balzacs Einstellung zu seinem Vater nicht so schlecht
war, erbte er doch von ihm seine zunächst gute körperliche
Konstitution und seine Physiognomie sowie seinen Drang zum Schreiben.
Balzacs Vater beschäftigte sich nachweislich auch mit der
Schreiberei. Allerdings schrieb er keine literarischen Werke, sondern
Fachartikel und Bücher über seine unterschiedlichen
Interessensgebiete."
PS: Danke, Bettina.
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