Honore de Balzac
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Balzac in "Cesar Birotteau"

Typ1.jpg (15696 Byte)Sie war der Typus einer Kleinbürgerin, deren Tun und Lassen nicht ohne ein wenig Launenhaftigkeit vonstatten geht, die zunächst ablehnt, was sie selber sich wünscht, und sich ärgert, wenn sie beim Wort genommen wird, deren unruhige Tätigkeit sich auf die Küche und die Kasse beschränkt, auf die schwierigsten Angelegenheiten und darauf, dass die Stopfstellen in der Wäsche nicht zu sehen sind, die liebt und dabei murrt, die nur die einfachsten Gedankengänge begreift, das Kleingeld des Geistes, der über alles redet, vor allem Angst hat, alles berechnet und immer an die Zukunft denkt.

 

Balzac in "Das Chagrinleder"

CulomboDer Beschränkte nennt jene weitschweifenden Geister närrisch, jene unverstandenen Menschen, die in herrlicher Sorglosigkeit um Luxus und Eitelkeit der Welt leben, ganze Tage hinbringen, saugend an einer erloschenen Zigarre, oder einen Salon betreten, ohne die Knöpfe ihrer Kleider immer wohlbedacht mit den Knopflöchern vermählt zu haben.

 
Balzac in "Die Verlassene"

Vortreffliche Freunde

Vortreffliche Freunde, immer ruiniert, wenn man reich ist, immer in einem Badeort, wenn man sie sucht; immer haben sie ihren letzten Louis beim Spiel verloren, wenn man sie um einen bittet, aber immer wollen sie einem ein schlechtes Pferd andrehen; im übrigen sind sie die besten Kerle der Welt und immer bereit, mit einem in die Gondel zu steigen, um eine der Rutschbahnen hinabzugleiten, auf denen man Zeit, Seele und Leben vergeudet!

  Balzac in "Der Pfarrer von Tours"

Es waren da ein, zwei Greise, die es mit den Leidenschaften und dem Geschnatter ihrer Dienstmädchen hielten; fünf, sechs alte Jungfern, die den ganzen Tag damit verbrachten, die Worte ihrer Nachbarn und der ihnen gesellschaftlich über- und untergeordneten Leute durchzuhecheln und ihren Schritten nachzuspüren; und zuletzt mehrere bejahrte Damen, die sich ausschließlich damit beschäftigten, Verleumdungen zu brauchen, ein genaues Verzeichnis aller Vermögen zu halten oder die Handlungen der anderen zu kontrollieren; sie prophezeiten die Heiraten und tadelten auch das Betragen ihrer Freundinnen ebenso erbittert wie das ihrer Feinde. Diese Personen, die in der Stadt saßen wie die Kapillargefäße einer Pflanze, sogen durstig wie ein Blatt den Tau die Neuigkeiten, die Geheimnisse jedes Haushaltes ein...

Balzac in "Verlorene Illusionen"

Wohlgebaut, ein hübscher Mann, ein guter Tänzer und kluger Billardspieler, geschickt in allen Leibesübungen, ein mittelmäßiger Schauspieler der Gesellschaft, Sänger von Romanzen und Beifallklatscher von Bonmots, bereit zu allem, geschmeidig, neidisch, wusste er alles und nichts. Ohne von Musik eine Ahnung zu haben, begleitete er recht und schlecht auf dem Klavier eine Frau, die aus Wohlgefallen eine Romanze singen wollte, die sie unter tausend Mühen im Verlaufe eines Monats gelernt hatte. Unfähig, Poesie zu empfinden, erbat er kühn die Erlaubnis, für zehn Minuten spazierengehen zu dürfen, um aus dem Stehgreif ein Gedicht zu entwerfen, irgendeinen Vierzeiler, der platt wie eine Maulschelle war und in dem der Reim die Idee ersetzte.

 
Balzac in "Verlorene Illusionen"

Die Frauen der großen Welt haben ein wunderbares Talent, ihr Unrecht abzuschwächen, indem sie darüber scherzen. Sie wissen und vermögen alles mit einem Lächeln wegzuwischen, mit einer Frage, die Überraschung vortäuscht. Sie erinnern sich an nichts, sie erklären alles, sie verwundern sich, sie fragen, sie erläutern, sie übertreiben, sie streiten, und schließlich entfernen sie ihr Unrecht, wie man einen Fleck durch ein Seifenbad entfernt: Schwarz wie die Sünde, werden sie im Handumdrehen weiß und unschuldig.

Balzac in "Die Kehrseite der Zeitgeschichte"

Welch ein wunderbarer Repräsentant der heutigen Bourgeoisie: geschwätzig, neugierig, vom Gleichheitswahn verzehrt, auf Kundschaft erpicht, erbost, weil er nicht weiß, warum eine arme Kranke in ihrem Zimmer bleibt und sich nicht zeigt. Mit seinem Vermögen hält er hinterm Berge, und dabei ist er so eitel, dass er es offenbart, nur um sich über seinen lieben Nächsten erheben zu können.

Beiträge div. Autoren. Herausg.v.Ernst Sander. Honore Balzac. Sein Leben und Werk. München. Goldmann. 1966. 165 Seiten. Die "Menschliche Komödie" ist eine Darstellung von über 2000 "Typen". Sie finden sie alle heute noch in den verschiedensten Bereichen und Schichten der Gesellschaft. Die Einzigartigkeit Balzacs besteht im Erkennen fast aller Charaktermerkmale von Personen und dem daraus resultierenden Schluss, dem Typ  bestimmte charakteristische  Handlungsweisen zuzuordnen. Sie treffen sie alle, den Geizhals, den Spieler, den Liebhaber, den Kleinbürger, den Freund ... .

 

Vielleicht erkennen Sie sich wieder, 

ihre Bekannten, ihre Freunde oder ihre Nachbarn?

 

In der Vorrede zur "Menschlichen Komödie" "klagt"  Balzac über "seine Typen": "Es war keine kleine Aufgabe, zwei- oder dreitausend markante Gestalten eines Zeitalters zu schildern; denn das ist letztlich die Summe der Typen, die jede Generation darbietet und die die >Menschliche Komödie< enthalten soll." 

Wir als "Kenner" schätzen ihn deshalb ganz besonders :-) 

 

Was war Balzac für ein Typ? Da fragen wir am besten seine Zeitgenossin,

George Sand:  (vor 200 Jahren am 1.Juli 1804 geboren, Bild anklicken)

George Sand 1838  (1804-1876)"Kindlich und kraftvoll, immer nach irgendeinem Tand lüstern, nie neidisch auf fremden Ruhm, aufrichtig bis zur Überbescheidenheit, dann wieder prahlerisch bis zur Großmäuligkeit, vertrauensseelig gegen sich und andere, sehr gut und sehr verrückt, mit einem Heiligtum innerer Vernunft, in das er sich zurückzog, um sein Werk zu bemeistern, zynisch in der Keuschheit, vollberauscht, obwohl nur ein Wassertrinker, maßlos in der Arbeit und nüchtern in anderen Leidenschaften, positiv und romanesk in gleicher Übertreibung, leichtgläubig und skeptisch, voll Heimlichkeiten und Gegensätzen, so war Balzac schon als junger Mann, unerklärlich für manche durch das beharrliche Studium seiner eigenen Natur, die nicht allen so interessant schien, als sie es in Wirklichkeit war." 

( George Sand in ihrer Autobiographie >Histoire de ma Vie<)

 

Brief an Eva, Paris 23.November 1836: In drei Tagen gehe ich wahrscheinlich nach Rochecotte, um die Herzogin von Dino und den Fürsten Talleyrand zu besuchen, den ich noch nie gesehen habe, und Sie wissen ja, wie sehr ich mir wünsche, jene geistreichen Puter zu sehen, die den Adler gerupft und in die Fallgrube des Hauses Habsburg gestoßen haben.

Charles-Maurice de Talleyrand-PérigordDorothée de Dino Urteil der Herzogin von Dino über Balzac : 

 

>> Er hat mir nicht gefallen. Er ist vulgär vom Äußeren und in seiner Redeweise, und ich glaube auch in seinen Gefühlen... Er hat uns die ganze Zeit, besonders Monsieur Talleyrand, auf das genaueste beobachtet.<< [66]

 

Brief an Eva, Paris 11.Dezember 1836: Herr von Talleyrand ist wunderbar, er hat zwei- oder dreimal geradezu großartige Ideengänge entwickelt. Er hat mich dringend eingeladen, ihn in Valencay zu besuchen... [3]

 


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