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| Balzac in "Cesar
Birotteau" |
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Sie war der
Typus einer
Kleinbürgerin, deren Tun und Lassen nicht ohne ein wenig
Launenhaftigkeit vonstatten geht, die zunächst ablehnt, was sie selber sich wünscht, und sich ärgert, wenn sie beim
Wort genommen wird, deren unruhige Tätigkeit sich auf die Küche und die Kasse
beschränkt, auf die schwierigsten Angelegenheiten und darauf,
dass die
Stopfstellen in
der Wäsche nicht zu sehen sind, die liebt und dabei murrt, die nur die einfachsten
Gedankengänge begreift, das Kleingeld des Geistes, der über alles redet, vor allem Angst
hat, alles berechnet und immer an die Zukunft denkt.
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Balzac in "Das Chagrinleder"
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Der Beschränkte nennt jene
weitschweifenden Geister närrisch, jene unverstandenen Menschen, die in herrlicher
Sorglosigkeit um Luxus und Eitelkeit der Welt leben, ganze Tage hinbringen, saugend an
einer erloschenen Zigarre, oder einen Salon betreten, ohne die Knöpfe ihrer Kleider immer
wohlbedacht mit den Knopflöchern vermählt zu haben.
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Balzac in "Die
Verlassene" |
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Vortreffliche
Freunde, immer ruiniert, wenn man reich ist, immer in einem Badeort,
wenn man sie sucht; immer haben sie ihren letzten Louis beim Spiel
verloren, wenn man sie um einen bittet, aber immer wollen sie einem ein
schlechtes Pferd andrehen; im übrigen sind sie die besten Kerle der Welt
und immer bereit, mit einem in die Gondel zu steigen, um eine der
Rutschbahnen hinabzugleiten, auf denen man Zeit, Seele und Leben
vergeudet! |
| Balzac in "Der Pfarrer von Tours" Es waren da ein, zwei Greise,
die es mit den Leidenschaften und dem Geschnatter ihrer Dienstmädchen
hielten; fünf, sechs alte Ju ngfern,
die den ganzen Tag damit verbrachten, die Worte ihrer Nachbarn und der
ihnen gesellschaftlich über- und untergeordneten Leute durchzuhecheln
und ihren Schritten nachzuspüren; und zuletzt mehrere bejahrte Damen,
die sich ausschließlich damit beschäftigten, Verleumdungen zu
brauchen, ein genaues Verzeichnis aller Vermögen zu halten oder die
Handlungen der
anderen zu kontrollieren; sie prophezeiten die Heiraten und tadelten
auch das Betragen ihrer Freundinnen ebenso erbittert wie das ihrer
Feinde. Diese Personen, die in der Stadt saßen wie die
Kapillargefäße einer Pflanze, sogen durstig wie ein Blatt den Tau
die Neuigkeiten, die Geheimnisse jedes Haushaltes ein...
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Balzac in
"Verlorene Illusionen" |
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Wohlgebaut, ein
hübscher Mann, ein guter Tänzer und kluger Billardspieler, geschickt
in allen Leibesübungen, ein mittelmäßiger Schauspieler der
Gesellschaft, Sänger von Romanzen und Beifallklatscher von Bonmots,
bereit zu allem, geschmeidig, neidisch, wusste er alles und nichts.
Ohne von Musik eine Ahnung zu haben, begleitete er recht und schlecht
auf dem Klavier eine Frau, die aus Wohlgefallen eine Romanze singen
wollte, die sie unter tausend Mühen im Verlaufe eines Monats gelernt
hatte. Unfähig, Poesie zu empfinden, erbat er kühn die Erlaubnis,
für zehn Minuten spazierengehen zu dürfen, um aus dem Stehgreif ein
Gedicht zu entwerfen, irgendeinen Vierzeiler, der platt wie eine
Maulschelle war und in dem der Reim die Idee ersetzte.
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| Balzac in "Verlorene Illusionen" |
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Die Frauen der großen Welt haben ein wunderbares
Talent, ihr Unrecht abzuschwächen, indem sie darüber scherzen. Sie
wissen und vermögen alles mit einem Lächeln wegzuwischen, mit einer
Frage, die Überraschung vortäuscht. Sie erinnern sich an nichts, sie
erklären alles, sie verwundern sich, sie fragen, sie erläutern, sie
übertreiben, sie streiten, und schließlich entfernen sie ihr
Unrecht, wie man einen Fleck durch ein Seifenbad entfernt: Schwarz wie
die Sünde, werden sie im Handumdrehen weiß und unschuldig.
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Balzac in "Die Kehrseite der Zeitgeschichte" |
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Welch ein wunderbarer Repräsentant der heutigen
Bourgeoisie: geschwätzig, neugierig, vom Gleichheitswahn verzehrt, auf
Kundschaft erpicht, erbost, weil er nicht weiß, warum eine arme Kranke
in ihrem Zimmer bleibt und sich nicht zeigt. Mit seinem Vermögen hält er
hinterm Berge, und dabei ist er so eitel, dass er es offenbart, nur um
sich über seinen lieben Nächsten erheben zu können. |
Die "Menschliche
Komödie" ist eine Darstellung von über 2000 "Typen".
Sie finden sie alle heute noch in den verschiedensten Bereichen und
Schichten der Gesellschaft. Die Einzigartigkeit Balzacs besteht im
Erkennen fast aller Charaktermerkmale von Personen und dem daraus
resultierenden Schluss, dem Typ bestimmte
charakteristische Handlungsweisen zuzuordnen. Sie treffen sie
alle, den Geizhals, den Spieler, den Liebhaber, den Kleinbürger, den Freund ... .
Vielleicht erkennen Sie sich wieder,
ihre Bekannten, ihre Freunde oder
ihre Nachbarn?
In
der Vorrede zur "Menschlichen Komödie"
"klagt" Balzac über "seine Typen": "Es
war keine kleine Aufgabe, zwei- oder dreitausend markante Gestalten
eines Zeitalters zu schildern; denn das ist letztlich die Summe der
Typen, die jede Generation darbietet und die die >Menschliche
Komödie< enthalten soll."
Wir
als "Kenner" schätzen ihn deshalb ganz besonders :-)
Was
war Balzac für ein Typ? Da fragen wir am besten seine Zeitgenossin,
George Sand:
(vor 200 Jahren am 1.Juli 1804 geboren, Bild anklicken)
"Kindlich und
kraftvoll, immer nach irgendeinem Tand lüstern, nie neidisch auf
fremden Ruhm, aufrichtig bis zur Überbescheidenheit, dann wieder
prahlerisch bis zur Großmäuligkeit, vertrauensseelig gegen sich und
andere, sehr gut und sehr verrückt, mit einem Heiligtum innerer
Vernunft, in das er sich zurückzog, um sein Werk zu bemeistern, zynisch
in der Keuschheit, vollberauscht, obwohl nur ein Wassertrinker, maßlos
in der Arbeit und nüchtern in anderen Leidenschaften, positiv und
romanesk in gleicher Übertreibung, leichtgläubig und skeptisch, voll
Heimlichkeiten und Gegensätzen, so war Balzac schon als
junger Mann, unerklärlich für manche durch das beharrliche Studium
seiner eigenen Natur, die nicht allen so interessant schien, als sie es
in Wirklichkeit war."
(
George Sand in ihrer Autobiographie >Histoire de ma Vie<)
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Brief an Eva, Paris 23.November 1836: In drei Tagen
gehe ich wahrscheinlich nach Rochecotte, um die Herzogin von Dino und
den Fürsten Talleyrand zu besuchen, den ich noch nie gesehen habe, und
Sie wissen ja, wie sehr ich mir wünsche, jene geistreichen Puter zu
sehen, die den Adler gerupft und in die Fallgrube des Hauses Habsburg
gestoßen haben. |
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 Urteil
der Herzogin von Dino über Balzac :
>>
Er hat mir nicht gefallen. Er ist vulgär vom Äußeren und in seiner
Redeweise, und ich glaube auch in seinen Gefühlen... Er hat uns die
ganze Zeit, besonders Monsieur Talleyrand, auf das genaueste
beobachtet.<< [66]
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Brief an Eva, Paris 11.Dezember 1836: Herr von Talleyrand ist wunderbar,
er hat zwei- oder dreimal geradezu großartige Ideengänge entwickelt.
Er hat mich dringend eingeladen, ihn in Valencay zu besuchen...
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