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Warten Sie die Erfahrungen des Lebens ab,
ehe Sie sich ein Urteil über das Leben bilden.
(aus "Die
Lilie im Tal") |
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Balzac in
"Tante Bette"
Das
Leben ist ein Bekleidungsstück;
wenn es schmutzig
ist, bürstet man es aus!
Wenn es ein Loch hat,
stopft man es;
aber man bleibt so
lange damit bekleidet,
wie man kann!
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| Balzac in "Die
Lilie im Tal" |
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Das
ist das Leben,
das
wirkliche Leben:
große
Ansprüche,
kleine
Ereignisse.
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| Balzac
in "Modeste Mignon" |
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Die
Traurigkeit, verursacht durch die Vernichtung aller unserer
Hoffnungen, ist eine Krankheit; sie bringt oft den Tod. Es wird nicht
eine der geringsten Aufgaben der heutigen Physiologie sein, zu
untersuchen, auf welchen Wegen, durch welche Mittel ein Gedanke dieselbe
Zerstörung anrichtet wie ein Gift, wieso die Verzweiflung den Appetit
benimmt, den unteren Magenmund verschließt und alle Bedingungen des
kräftigen Lebens verändert.
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Balzac in "Die Frau von dreißig
Jahren"
Man
muss seine Schmerzen zu vergessen wissen,
oder sich ein Grab höhlen.
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Balzac in "Vetter Pons"
Ein von Liebe
umgebener Kranker, von Leuten gepflegt, die Anteil an seiner Gesundheit
nehmen, wird unter gleichen Bedingungen gerettet, wo ein von bezahlten
Kräften überwachter unterliegt. |
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| Balzac in
"Vautrins letztes Abenteuer" |
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| Das Leben des zum Tode Verurteilten,
der seine Verbrechen nicht gestanden, seine Mitschuldigen nicht verraten
hat, ist grauenhaften Qualen unterworfen. |
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| Balzac in "César Birotteau" |
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Bei großen Krisen wird die Physis
dort angegriffen, wohin das Temperament des Individuums den Sitz des
Lebens verlegt hat: Die Schwachen bekommen Koliken, Napoleon fällt in
Schlaf.
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Balzac in "Der Landarzt"
Am Sterben ist nichts zu lachen,
aber auch nichts zu weinen. |
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Balzac in "Das Lebenselixier"
Der Tod ist mit seinen Launen genauso
unberechenbar wie eine Kurtisane mit ihrer Verachtung; aber er ist treuer,
er hat noch niemals jemanden betrogen. |
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Anm. F.W.: Erörterungen
über das Leben und den Tod nehmen in der "Menschlichen Komödie" einen breiten Raum
ein. Ein Beispiel grenzenloser Aufopferung für einen Freund wird im Roman "Vetter Pons" deutlich, wo es dem deutschen Musiklehrer Schmücke gelingt, den
todkranken Pons noch einmal ins Leben "zurückzuholen". Balzac
macht uns deutlich, wie sehr der kranke Mensch jemanden braucht, der
Anteil an seiner Gesundheit nimmt und ihm Liebe gibt (s.o.). Im Falle des Todes schreibt er aber
deutlich: "Am Sterben ist nichts zu lachen, aber auch nichts zu weinen"
(s.o.). Selbst
in
seinem Leben trug sich Balzac mit Selbstmordabsichten.
In seinen Helden, z.B. Raphael in "Das
Chagrinleder", lebt er diese
Empfindungen nach. Später
versucht er einen befreundeten Notar, Peytel, vor der Hinrichtung zu
bewahren, aber ohne Erfolg.(Peytel war des Mordes an
seiner Frau und seinem Diener angeklagt) (siehe auch
"Thema des Monats - August 2002").
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Balzac in "Derbdrollige Geschichten"
Wenn
sich die Tage erfüllt haben,
soll
man dem Tod auch keine böse Miene zeigen. |
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Der Romancier Barbey
d'Aurevilly würdigte Balzac in der
Zeitschrift >>La Mode<< unter dem Titel: "Balzac
ist tot": >>...In
dieser Woche verlor Frankreich, ja Europa, einen der größten Geister
unseres Jahrhunderts... Menschen wie Balzac sind so rar, dass wir wohl in
absehbarer Zeit kaum wieder einen so überlegenen Geist begegnen dürften.
Nur in ganz seltenen Fällen schenkt die Schöpfung unserer Welt solch
einzigartige Menschen... So folgte auf Rabelais nach sehr langer Zeit
Molière und dann bis zu Balzac überhaupt niemand. Mit dem
bedeutendsten Kopf, den Gott jemals geschaffen hat und wieder zu Staub
werden ließ, nahm die Erde des sich allzu früh öffnenden Grabes auch alle
noch ungeschriebenen Meisterwerke mit sich, die in ihm umgingen gleich dem
Geist, der über den Wassern schwebt... Balzac ist tot! ..."
[68]
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An was ist denn der liebe
Verstorbene gestorben? Über die Todesursachen macht sich Balzac in "Die
Lilie im Tal" so seine
Gedanken: "Es
scheint, als stürbe niemand an Kummer, an Verzweiflung, an Liebe, an
verborgenem Elend, an vergeblich gehegten Hoffnungen, die immer wieder
gepflanzt und dann entwurzelt werden. Die moderne Namensgebung hat
raffinierte Bezeichnungen, um alles zu erklären, wie "gastrisches
Fieber", "Herzbeutelentzündung" und die tausend
Frauenleiden... ."[46]
Wer will schon wissen, was es für ein Mensch war, der uns verlassen hat, bei
dieser Bevölkerungsdichte? ;-) Balzac weist auf die eigene
Individualität eines jeden Menschen hin: "Wie viel edle Wesen verlassen diese Erde,
ohne einen verständnisvollen Geschichtsschreiber gefunden zu haben, der ihr
Herz ergründet und dessen Tiefe und Weite ermessen hat? "
[46]
"Den Toten muss man
Achtung bezeigen. "
[31]
Über den Tod Balzac‘s und dessen Beziehung zu seinen Werk
und Romanfiguren gibt es vielseitige
Auffassungen. Der Autor des Buches „Das deutsche Kunstmärchen. Geschichte,
Botschaft und Erzählstrukturen“, der Literaturwissenschaftler Dr.
Paul-Wolfgang Wührl, ist der Frage nachgegangen und fand die Ihn
überzeugende Antwort in Stefan Zweigs : „Baumeister der Welt (Balzac)“:
Notiz
zu St. Zweig: „Baumeister der Welt“ (Balzac)
Zweig beantwortet die von mir aufgeworfene Frage, wie es zu begreifen ist,
dass B. sich auf selbstmörderische Weise buchstäblich für sein Werk
aufgeopfert und mit fünfzig Jahren
zu Tode geschuftet hat, mit überzeugenden Argumenten:
Demnach war B. ein Besessener, ein Somnambuler, der zwischen der
äußeren Welt, für deren Genüsse er weder Zeit noch Geld hatte, kaum mehr
unterscheiden konnte, so dass er mit dem von ihm geschaffenen Figuren wie
mit lebenden Menschen umging. – Alles, was er seine Figuren stellvertretend
erleben ließ, erlebte er
mit, als (befriedigendes) Surrogat für das tatsächliche
Erlebnis (Liebesfreuden, Tafelgenüsse etc.)- In diesem Sinne war er ein
„Baumeister der Welt“, einer, der sich eine innere
Welt schuf, die
ihren äußeren Ausdruck in seinem Werk
fand. – Die damit verknüpften Analysen der
entstehenden bürgerlichen Gesellschaft
haben zum Teil bis heute nichts von ihrer
Gültigkeit verloren, etwa die Beschreibung
der Funktion des Geldes, das als Surrogat für Macht
benützt werden kann und es erlaubt, über andere zu herrschen und in ihren
Intimbereich einzudringen, wie es etwa der schmuddelige Gobseck praktiziert,
der seine Einsamkeit und Bindungsunfähigkeit kompensiert, indem er seine
Wucherkredite für Machtspiele einsetzt.-
(So erkläre ich mir auch die Raffgier moderner Raubtier-Kapitalisten, die
das von ihnen zusammengeraffte Geld ja gar nicht mehr ausgeben können,
sondern wie Dagobert Duck im Gelde baden oder es für Huren, Yachten, Parties
oder zahllose kostspielige Ehefrauen verschleudern.)
Erstaunlich in diesem Zusammenhang bleibt B. s unglaubliche
Wahrnehmungsfähigkeit, mit der er die flüchtigsten Eindrücke für immer
speichern konnte; denn für „Welterfahrung“ im realen Sinne, hatte er ja kaum
Zeit.
(Dr. Paul-W. Wührl, notiert am 9.Febr 08)
http://www.kunstmaerchen.de/
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