Honorede Balzac
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Ein wenig Aufrichtigkeit

ist die rarste Ingrediens der Gesellschaft.    

(aus "Das Bankhaus von Nucingen")

Balzac in "Das Chagrinleder"

Der erste der Grenzpfähle einschlug, war sicherlich ein schwacher Mensch, denn die Gesellschaft profitiert nur von den Schwachen. Der Wilde und der Denker, die beiden Extreme der sittlichen Welt, hegen Abscheu vor dem Eigentum.

   

Balzac in "Der Landarzt"

 

 

Ein echter Patriot ist nur der Bürger, der so tief von der Bedeutung der Gesetze durchdrungen ist, dass er ihnen auch dann zur Durchführung verhilft, wenn er selbst dabei Kopf und Kragen riskiert. Einen Übeltäter in Frieden ziehen lassen, heißt das nicht, an seinen künftigen Schandtaten mitschuldig zu werden.

 

Balzac in "Der Stein der Weisen"

Die Gesellschaft befleißigt sich keiner der Tugenden, die sie von den Menschen verlangt; stündlich begeht sie Verbrechen, aber sie begeht sie mit Worten; durch Scherze bereitet sie böse Taten vor, wie sie das Schöne erniedrigt, indem sie es lächerlich macht; sie spottet der Söhne, die ihre Väter allzu sehr beweinen; aber sie tut diejenigen in Acht und Bann, die sie nicht zur Genüge beweinen; ferner, so ist sie nun mal, amüsiert sie sich damit, die Leichen zu wägen, noch ehe sie erkaltet sind.

 

 

Balzac in "Ferragus, das Haupt der Verschworenen"

Eine Frau ist für ihren Gatten stets alt und missfällig, aber stets strahlend, elegant und geputzt für den andern, für den Nebenbuhler aller Ehegatten, für die Gesellschaft, welche alle Frauen verleumdet und verlästert.

 

Balzac in "César Birotteau"

Bei Leuten, die auf der sozialen Leiter

eine Sprosse höher steigen,

geht nichts auf einfache Weise vonstatten.

 
Balzac in "Das Lebenselixier"

Für die Kaufleute ist die Welt ein Stoffballen oder eine Masse kursierender Banknoten; für die meisten jungen Männer ist sie eine Frau; für einige Frauen ist sie ein Mann; für gewisse Geister ist sie ein Salon, eine Gesellschaft, ein Stadtviertel, eine Stadt;...

Die Bauern, Aufbau Verlag Berlin und Weimar

Anm. F.W.: "Balzac faszinierte Gesellschaft. Er ähnelte einem ehrgeizigen Soziologen, der von der Idee getrieben ist, die ganze Gesellschaft dadurch zu erklären, dass er sie  vollständig beschreibt. Nichts sollte ausgelassen werden: keine Lebensform, kein Beruf, keine soziale Schicht, keine Art sich zu kleiden, keine Region Frankreichs. Balzacs Romane beschreiben das Leben in der Stadt und auf dem Lande, die Sphäre der Wirtschaft, des Handels, der Banken und des Unternehmertums, die Welt der Kunst und Literatur, das Privatleben in der Familie, die Öffentlichkeit und die Politik mit ihren Ränken und Intrigen.  Die soziale Skala reicht von der Welt der Prostituierten über das Spießbürgertum bis in die Höhen des Geldadels und der Aristokratie. Balzac beobachtet die nachrevolutionäre Gesellschaft im Umbruch: den Niedergang der Monarchie, die Verbürgerlichung der Gesellschaft, die Bedeutung des Geldes, die Strukturveränderung in der Familie." [86] Die Gesellschaft, ein weiter Begriff. Reden wir heute von einer Gesellschaftsordnung, so wird dieser Begriff auch im Geschäftsleben verwendet.  Balzac sieht im Gesellschaftsbegriff, die Menschen. Die Gesellschaft ist um uns herum und wir sind ein Teil von ihr. Die Gesellschaft gibt, die Gesellschaft nimmt. 

In seinem Roman "Der Landarzt" berichtet er von den Grundfesten der Gesellschaft: "Nicht ohne Grund, mein Lieber, wirft das Sprichwort die drei Schwarzröcke zusammen, den Priester, den Mann des Gesetzes und den Arzt: der eine sorgt für die Wunden der Seele, der andere für die des Geldsacks, der letzte für die des Leibes; sie stellen die drei Grundfesten der Existenz der Gesellschaft dar: das Gewissen, den Besitz, die Gesundheit."

Von Balzac wird berichtet, er wäre ein Salonlöwe gewesen. Sein großes Ziel, seinen Eintritt in die "große Gesellschaft", die Pariser "haute société" des Stadtviertels Faubourg Saint-Germain, wird von seinen Zeitgenossen oft mit spöttischen Karikaturen belegt. 

1830 verkehrt er in den Salons der Comtesse Merlin, der Madame RécamierSophie Gay und bei Baron Gérard. Das ist für ihn umso beachtlicher, da er sich durch seine Verschuldung oft auf der Flucht vor seinen Gläubigern befand.  Wer aber glaubt, dass Balzac sich in den oberen Schichten der Gesellschaft besonders wohl gefühlt hat, wird durch seine Aussage in der "Duchesse von Langeais" : "Man findet in den Höhen der Gesellschaft ebensoviel Schmutz wie in den Tiefen, er ist dort nur härter und vergoldet." wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Für uns, seine Leser, hat er sehr dazu beigetragen, die Mechanismen in der Gesellschaft zu verstehen.

 

Wer sind die Lebemänner, -frauen  und Dandys der "Menschlichen Komödie"?: "... in der Welt der Pariser Lebemänner, der de Marsay, der Ronquerolles, der Maxime de Trailles, der des Lupeaulx, der Rastignac, der Vandenesse, der Ajuda-Pinto, der Beaudenord, der La Roche-Hugon und der Manerville, die er bei der Marquise d'Espard, bei den Herzoginnen von Grandlieu, von Carigliano, von Chaulieu, bei den Marquisen d'Aiglemont und von Listomère, bei Madame Firmiani, bei der Gräfin von Sérisy, in der Oper, ..." (aus "Das Antiquitätenkabinet") 

 

Balzac sagte mal: >>Moi, j'aurai porté une société toute entière dans ma tête << [78] Zu deutsch etwa: "Ich trage eine ganze Gesellschaft in meinem Kopf". Das hat er allerdings, mit den fast 3000 Typen seiner "Menschlichen Komödie".

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