Honore de Balzac
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In der Rubrik "Leseprobe" werden kurze Passagen aus verschiedenen Werken zu lesen sein, welche mir ganz besonders gefielen. Diesmal zum Thema: "Schlafmützen". 

Balzac in "Eugenie Grandet"

...bei ihm mussten alle schlafen gehen, 

wenn er sich niederlegte, so wie, 

wenn August der Starke trank, 

Polen berauscht war.

 

WoodstockBalzac in "Eine Evastochter"

Die Leuchten des Zeitalters 

schliefen wie das liebe Vieh.

 

 

Balzac in „Katharina von Medici“

Schlafmützigkeit ist doch

ebenfalls ein Finanzplan.

Balzac in "Die Sühnemesse – Eine Episode aus der Schreckenszeit"

Es liegt in der Natur der menschlichen Seele, selbst der schwächsten, dass einer heftigen Aufregung immer ein Gefühl der Ruhe folgt; denn wenn Empfindungen auch unendlich sind, unsere Fähigkeiten, sie zu ertragen, sind begrenzt.

   

Balzac in "Die Lilie im Tal"

Seelische Vereinsamung bringt dieselben Wirkungen hervor wie wirkliche Einsamkeit: die Stille schärft das Ohr für die leisesten Geräusche, und die Gewohnheit, immer wieder sich in sich selbst zurückzuziehen, bildet eine Empfindsamkeit heran, die in ihrer Feinheit die geringfügigsten Abarten unserer Eindrücke offenbart.

                      Balzac in "Vetter Pons"

Es gibt keinen Schmerz, den der Schlaf nicht zu besiegen vermöchte.

 

Balzac in "Vetter Pons"

Man kann die Glocken läuten hören und weiß doch nicht wo sie hängen.

Balzac in "Physiologie der Ehe"

Wenn du wüsstest, einer deiner Nebenbuhler hätte ein Mittel ausfindig gemacht, dich den Blicken des dir teuren Weibes in einer Stellung preiszugeben, in der du im höchsten Grade lächerlich wärest: zum Beispiel mit schiefem Munde wie eine Theatermaske, oder während deine beredten Lippen wie das kupferne Mundstück eines mit seinem Nass geizenden Brunnens Tropfen um Tropfen eines reinen Wassers absonderten – wenn du das wüsstest, dann würdest du ihn erdolchen. Dieser Nebenbuhler ist der Schlaf. Gibt es auf der Welt einen Menschen, der wirklich weiß, wie er aussieht und was er tut, während er schläft?

Szene aus "Manche mögens heiß" (1959)  mit Jack Lemmon (l.) und Marilyn Monroe

Balzac in "Die kleinen Nöte des Ehelebens

Ich bin ein Feigling... aber wie soll ich der Watteweichheit meines Bettes Widerstand leisten? Meine Füße sind schlaff, ich muss krank sein, ich bin allzu glücklich... Ich will die unmöglichen Weiten meines Traumes nochmals erleben, und meine leichtfüßigen Frauen und die beflügelten Gestalten und die entgegenkommenden Wesen.

Anm. F.W.:  Schlaf bedeutet in der "Menschlichen Komödie" nicht einfach "Augen zu und weg", er hat eine besondere Bedeutung. Balzac tritt hier  als Beobachter der "Schläfer" auf, versteht aber auch die Kausalität zum "wachen Leben" darzustellen. Er beschreibt sehr schön eine Tätigkeit, wofür er sich selbst sehr wenig Zeit gekönnt hat. Sein Schlaf währte in seiner produktiven Phase oft nicht länger als 4 - 6 Stunden. Balzac hielt sich mit Unmengen Kaffee wach, um seine sich selbst gestellte Aufgabe, das Schreiben seiner unzähligen Werke, zu erfüllen. 

In seinem Roman "Louis Lambert" befasst sich  Balzac mit der Traumdeutung. Er fragt sich, was passiert mit dem Körper und dem Geist im Schlaf?: "Ich bin gewandert, ich habe gesehen, ich habe gehört. Bewegung ist unvorstellbar ohne den Raum; der Ton wirkt sich nur in Winkeln und auf Oberflächen aus, und die Farbe entsteht nur durch das Licht. Wenn ich bei Nacht mit geschlossenen Augen in mir selbst farbige Dinge gesehen, wenn ich in der absolutesten Stille Geräusche gehört habe, und zwar ohne die erforderlichen Vorbedingungen, damit der Ton sich bildet, wenn ich in der vollkommensten Reglosigkeit Raumesweiten durchschritten habe, dann müssten wir innere Fähigkeiten haben, die unabhängig von den äußeren physikalischen Gesetzen sind. Dann wäre die materielle Natur durchdringbar durch den Geist."[63] Glauben Sie immer noch, dass wir nur schwarzweiß träumen können? :-)

 
  Schlafmützen II
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