Honore de Balzac
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In der Rubrik "Leseprobe" werden kurze Passagen aus verschiedenen Werken zu lesen sein, welche mir ganz besonders gefielen. Diesmal zum Thema: "Briefe". 
Balzac in "Eine Evastochter"

 

Der Briefwechsel, 

bei dem die Feder immer kühner ist 

als das gesprochene Wort, 

bei dem der in Blumen gehüllte

Gedanke sich an alles heranwagt 

und alles sagen kann.

 

Balzac in Beatrix

Kein erster Liebesbrief ist je, wie man glauben könnte, ein glühender Erguss der Seele. Bei allen jungen, unverdorbenen Menschen wird ein solcher Brief von allzu überschwenglichen, allzu mannigfachen Aufwallungen begleitet, um nicht die Quintessenz mehrerer versuchter, verworfener, von neuem begonnener Briefe zu sein.

Balzac in "Vater Goriot"

Ein Brief ist eine Seele; er ist ein dermaßen getreues Echo der sprechenden Stimme, dass zartbesaitete Gemüter ihn zu den köstlichsten Schätzen der Liebe zählen.

Balzac in "Was alte Herren sich die Liebe kosten lassen"
"Ich teile deine Ansicht über anonyme Briefe, lieber Ferdinand", hatte der Herzog von Chaulieu geantwortet, nachdem er den Brief gelesen hatte; "aber wenn man sie auch verachtet, muss man sie dennoch benutzen. Es ist mit solchen Briefen genau wie mit den Spionen."

Balzac in "Das Antiquitätenkabinet"

Der Brief hatte kein finanzielles Postskriptum, jene unangenehme Schlussfolgerung bezüglich des Nervus rerum, die jeder junge Mann in solchem Fall hinzufügt.

 

 

 

Balzac in "Physiologie der Ehe"

"Hier muss nun der Professor zu seiner Schande gestehen, dass man zwei Liebende durch kein Mittel verhindern kann, miteinander zu korrespondieren."

Brief an Eva vom 09.September 1833: >>Warum lassen Sie die leeren Seiten in ihrem Brief stehen? Doch lassen Sie's - lassen Sie's! Nur nichts Erzwungenes. Dieses leere Weiß, ich fülle es aus. Ich sage mir, dass Ihr Arm darübergestrichen hat und küsse das Weiße. Adieu, meine Hoffnung, auf bald![3] 

 

Briefe an die FremdeAnm.F.W.: Über den Briefwechsel Balzacs gibt es sehr viel zu sagen, sind doch fast alle Briefe von ihm "gerettet" worden.  Balzac führte einen fast tagebuchgenauen Briefwechsel mit Eva Hanska. Am 7. November 1832 erhält Honoré de Balzac einen anonymen Brief, gezeichnet von einer >Unbekannten< aus Odessa. Wie sich später herausstellt ist die "Fremde", Evelina Hanska. "Briefe in Fülle... Die schönsten und unmittelbarsten gehen an Evelina von Hanska, jene Frau im fernen Russland, die mächtig wie das Schicksal selbst in sein Leben eingreift. Sechzehn Jahre, bis zu seinem Tode, währt dies Drama seines Herzens. Er besucht die Geliebte in Neuchatel, in Genf, in Wien, in Petersburg, in Baden-Baden; er begleitet sie nach Antwerpen und Amsterdam, und durch Italien bis Neapel; danach muss er sie noch dreimal in Russland besuchen, ehe er endlich, am 15. Mai 1850, sein Ziel, die Vermählung mit Gräfin Evelina von Hanska erreicht. Ein Traum Balzacs ging in Erfüllung. Diese Briefe geben uns Auskunft über sein unermüdliches Schaffen sowie die Gefühls- und Gedankenwelt Balzacs. >> Schau, ein Brief,<< so schreibt er an seine Mutter, >>das bedeutet für mich nicht bloß Geld, sondern eine Stunde Schlaf und einen Tropfen Blut.<< [3]  Balzac-Biograph Stefan Zweig berichtet von einem unaufrichtigen Briefwechsel Balzacs. "Balzac wird niemals oder nur selten der >>Unbekannten<< die Wahrheit über sich sagen, und ihr ganzer Briefwechsel wird bis zum Ende so unaufrichtig bleiben, wie er begonnen." [65] Wer sich daran stört, dem sei gesagt, dass Balzac seine Briefe nicht für die Öffentlichkeit bestimmt hatte. Zum Schutz der Intimsphäre  seiner Geliebten und späteren Frau, der Gräfin Hanska, hat er ihre Briefe auf Wunsch der Verfasserin am 3. September 1847 verbrannt, dem schrecklichsten und traurigsten Tag seines Lebens. (Quelle: Pierrot: Lettres à Madame Hanska*)  Dass uns dennoch seine Briefe erreicht haben, haben wir einem Belgier zu verdanken, Vicomte Spoelberch de Lovenjoul. Dieser kaufte nach dem Tod der Frau Hanska alle Bücher und Papiere Balzacs auf, denen er habhaft werden konnte.

Frauenbriefe, Globus Verlag Berlin 1920Die Briefflut war immens, so schrieb er 1548  Briefe außerhalb der Korrespondenz an seine Geliebte. Die erhaltenen Briefe an Frau Hanska zählen 414 Stück. Mit einem Teil ihrer Briefe wurde er durch seine Haushälterin, Frau von Brugnol, erpresst, und verbrannte sie (s.o.).

Trotz einiger Lücken bleibt Balzacs Briefwechsel monumental, und die Balzac-Forschung wird durch ihn neue Impulse bekommen. [78]

*) Seit 1960 wurde die gesamte Korrespondenz Balzacs in mustergültiger Form veröffentlicht; dies ist einem einzigen "balzacien" zu verdanken: Roger Pierrot. [78]

Für die "Forscher" möchte ich noch eine andere geheimnisvolle Korrespondenz Balzacs erwähnen, die 23 Briefe an eine geheimnisvolle Louise. Louise Lefévre hatte mit Balzac lediglich brieflichen Kontakt. Ein Jahr nach Balzacs Tod wollte ihr Ehemann diese in der Zeitschrift "La Mode" veröffentlichen. Auf Grund einer von Eva durchgesetzten gerichtlichen Verfügung, durften diese Briefe nicht abgedruckt werden. Der geldgierige Ehemann musste die bereits erhaltenen 3000 Franc zurückzahlen.[77]

 

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