Honore de Balzac
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"Die Kartause ist ein großes und schönes Buch. Ich sage es Ihnen ohne Schmeichelei, ohne Neid, denn ich wäre unfähig, es zu machen", schrieb 1839 Balzac an Stendhal.

 

Stendhal (1783 - 1842), eigtl. Henri Beyle, ist mit Balzac und Flaubert der bedeutendste Realist französischer Sprache. Sein Pseudonym wählte er nach der Geburtsstadt Winckelmanns: Stendal bei Magdeburg. Nach dem Sturz Napoleons sah er sein Heimatland zunehmend kritisch und lebte viele Jahre in Italien - dem Land der Freiheitsliebe .

 
Wie war Balzac selbst als Kritiker? Hier ein Auszug aus "Balzac und der französische Realismus" von Georg Lukács:
Balzac als Kritiker Stendhals  

Frédéric Stendal, alias Marie Henri Beyle (1783 - 1842)Am 25.September 1840 veröffentlicht der auf dem Gipfel seines Ruhms stehende Balzac eine begeisterte, außerordentlich tiefe Kritik über den Roman "Die Kartause von Parma" des damals noch keineswegs anerkannten Stendhal. »Balzacs Kritik ist ein Muster an konkreter Analyse eines großen Kunstwerks. Es gibt in der gesamten kritischen Literatur wenig Fälle, in denen die wesentlichen Schönheiten eines Kunstwerks mit so liebevollem Eingehen, mit einer so zarten und kongenialen Einfühlungsgabe aufgedeckt worden sind. Balzacs Kritik ist das Muster einer Kritik vom Standpunkt des großen, denkenden Künstlers, der sich seiner Kunst bewusst ist.«

   
Revue Parisienne 25. September 1840 - Nachdruck

Anm. FW: Das Phänomen ist, dass Stendhal nur von 2 Leuten richtig eingeschätzt wurde. Der erste war Goethe und der zweite Balzac. Kein Viktor Hugo und auch nicht sein bester Freund Prosper Mèrimèe glaubten an einen Nachruhm Stendhals.

http://www.frankreich-sued.de/grenoble-server/stendhal.htm

 

In einem Brief an Eva Hanska, vom 15. Juli 1840, schreibt er über die gegenwärtige Kritik:

Revue Parisienne 25. September 1840 - Nachdruck

"... Befürchten Sie nicht, dass ich, wenn ich so handle, ein niedrigereres Niveau zeige als die gegenwärtige Kritik: heutzutage existiert die Kritik nicht mehr. Wir sehen überall hasserfüllte Angriffe von Mann zu Mann, vom Neid diktierte Behauptungen, denen zu widersprechen man sich gar nicht erst herablässt, und infame Verleumdungen. Aber ein wirklich gebildeter Schriftsteller, der über die Dinge nachgedacht hat, der die Hilfsmittel der Kunst kennt und dessen Kritik von der lobenswerten Absicht getragen wird, die Verfahren der Literaturwissenschaft zu erklären und zu rechtfertigen, ein Schriftsteller, der die Werke, mit denen er sich auseinandersetzt, gelesen hat, ein solcher Mann ist zu suchen. Man wird ihn nicht so bald finden. Hier der Grund dafür: ein Werk zu lesen, sich darüber selbst Rechenschaft abzulegen, ehe man dem Publikum darüber Rechenschaft ablegt, die Schwächen des Werkes zu suchen im Interesse der Literatur und nicht um des traurigen Vergnügens willen, den Autor zu kränken, das ist eine Aufgabe, die mehr als einen Tag braucht. Sie erfordert Wochen. ..."[108]

   
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