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Der Sinn der "Menschlichen Komödie" Eine kleine philosophische Betrachtung
Balzac beabsichtigte, in drei großen Reihen von Sittenstudien, philosophischen Studien und analytischen Studien den Menschen, die Gesellschaft und die Menschheit zu beschreiben, zu richten und zu zergliedern. Individuelles sollte typisiert, Typisches individualisiert werden. [Ernst Sander]
"Die Suche nach dem Sinn der "Menschlichen Komödie" in unserer heutigen Zeit" heißt es im Titel. Haben wir den Sinn gefunden? Wo liegt der Sinn?
Sie merken schon, dass Sie es hier mit einer "Fangfrage" zu tun haben :-). Meine Meinung ist, der Sinn der "Menschlichen Komödie" liegt in uns selbst. Jeder kann entscheiden: Was nehme ich mir an und was nicht? Was ist für mein Leben sinnvoll? Diese Antwort in uns wird sehr häufig durch das Alter, Geschlecht bzw. die persönlichen Erfahrungen entschieden. Balzac sagt uns nicht: >Mach dies oder das!<. Er stellt sich nicht über uns. Wo er keine fertige Wahrheit hat, fragt er sich: >Sollte man daraus nicht diese oder jene Beziehung ableiten?<. Will man Balzacs Romane zum Zeitvertreib wie eine spannende Geschichte lesen, wird man enttäuscht sein. Will man sie aber lesen, um zu lernen oder zum besseren Verstehen der Menschen und der Gesellschaft, so hat sich für Sie eine unermessliche Fundgrube geöffnet: "Gewisse Leser, vor allem jene, die auf Spannung versessen sind, werden einwenden, diese Erklärungen seien zu weitschweifig. Es ist daher angebracht, hier darauf aufmerksam zu machen, dass der Historiker der Sitten härteren Gesetzen unterliegt als der Historiker der Tatsachen." (Balzac in "Die Bauern") Balzac wollte 137 Romane in der "Menschlichen Komödie" vereinen, auf 74 Romane und 19 Erzählungen hat er es gebracht. Ist das Werk deshalb unvollendet? Eine vollständige Analyse der Gesellschaft hätte er auch mit 137 nicht erreicht. Jeder seiner Romane hätte genügend Stoff für weitere Analysen und Interpretationen beinhaltet. Es gab und gibt ein paar Leute, die behaupten, dass das Werk nicht allein auf seiner Beobachtungsgabe aufgebaut sein kann, sondern mehr in den Bereich der Phantasie übergeht. Es ist möglich, dass nicht alles beobachtet wurde, dennoch ist es sehr wahrscheinlich. Jeder Mensch der sehen kann, verarbeitet das Gesehene in seinem Gehirn. Das Auge ist ja nicht umsonst ein Sinnesorgan. "Das Beobachten war bei mir bereits intuitiv geworden, es drang bis zum Wesen vor, ohne das Äußere zu vernachlässigen; oder vielmehr, es erfasste die äußeren Einzelheiten so trefflich, dass es augenblicklich darüber hinausging; es verlieh mir die Fähigkeit, das Leben des betreffenden Individuums, das ich beobachtete, zu leben." (aus "Facino Cane") Aber der Mensch denkt nicht nur, er denkt auch "weiter". Balzac hatte ein ungeheures Genie auch zukünftige Handlungen abzusehen. Er erkannte kausale Zusammenhänge und leitete von den Ursachen schon die Wirkungen ab, als sie noch keiner dieser selbsternannten "Kritiker" wahrhaben wollte. Ob nun Balzac alles erlebt, beobachtet oder erfahren hat, können wir nicht mehr erfragen; aber Fakt ist, dass er sich über Alles Gedanken gemacht hat. Schachspieler, welche die Spiele von Großmeistern nachspielen, erkennen manchmal den Sinn eines Zuges erst nach 10 weiteren Zügen und sind erstaunt über den Weitblick ihres Idols. Ähnlich ist es, wenn man Balzac liest; auch hier werden Wirkungen aufgezeigt, z.B. durch in früher Jugend gesetzte Ursachen (sehr gut dargestellt in "Die Lilie im Tal"). Der "Streit", ob Beobachtungsgabe oder Phantasie des Autors, ist relativ unabhängig davon. Jeder in der "Menschlichen Komödie" aufgezeigte Charakter kann existieren, auch heute, egal ob er durch Beobachtung oder daraus abgeleiteter Phantasie geschaffen wurde*. Oder fragen wir ihn selbst:>> Denken ist Sehen!<< sagte er eines Tages zu mir, hingerissen von einem unserer Dispute über den Ursprung unserer inneren Bildung. >> Alles menschliche Wissen beruht auf Deduktion, und die ist eine langsame Schau, durch die man von der Ursache zur Wirkung hinabsteigt, und von der Wirkung zur Ursache hinauf; oder, weitergreifend ausgedrückt, alle Poesie wie jedes Kunstwerk geht aus einem schnellen Erschauen der Dinge hervor.<< (aus "Louis Lambert") *) mit Ausnahme von Seraphitus - Seraphita, dieser im fleischlichen Leib eingekerkerten engelhaften Phantasiegestalt aus Frau und Mann Nun sind wir wieder beim Sinn. Früher habe ich Balzac bei der Formulierung meiner Liebesbriefe "zu Rate gezogen", danach habe ich mir schöne und sinnvolle Sätze aus seinen Werken aufgeschrieben und heute rauche ich nicht mehr und setze keinen Euro mehr in eine Lotterie. "Finden Sie Ihren Sinn!" und schreiben Sie mir. Balzac sagt, der Autor kann nur den "Anstoß" geben, den Sinn muss jeder selbst finden: "Wer die Dichtung versteht, sucht in seiner Seele zu entwickeln, was der Autor im Keim seiner Verse legte." (aus "Verlorene Illusionen") Worin liegt der Sinn dieser Homepage? Bis in die Tiefe der Menschlichen Komödie dringt sie nicht, das ist auch nicht meine Absicht. Sie soll anregen, sie soll an Balzac erinnern, sie soll euch animieren, mal etwas von diesem großen Genie zu lesen. Warum?, weil ich soviel von ihm gelernt habe und ihn weiterempfehlen möchte. Schreibt eure Erfahrungen.
Wer ein passendes Zitat zu einem der aufgeführten Themen (alle Themen) findet, darf hier (auf dieser hp) stehen. Bitte die Quellenangabe nicht vergessen. Bedingung: Zitat aus der "Menschlichen Komödie" von Balzac zu einem auf dieser Homepage aufgeführten Thema. Mangels unbegrenzten Speicherplatzes bitte pro Absender erstmal nur einen Vorschlag. Bild oder Bildvorschlag bitte mit angeben. Beachtung: Diese Website soll weiterhin für jede Altersgruppe zugänglich sein. Zitat und Bild sollen dem Gedankengut Balzacs (kein Spott, keine Beleidigung von Personen) nicht widersprechen und einen Bezug zur heutigen Zeit darstellen, somit behält sich der Autor dieser Website die letzte Entscheidung über eine Veröffentlichung vor. Zu dem angemeldeten Zitat wird der Name, Datum und die Stadt/Land des Lesers als "Finderlohn" veröffentlicht. Damit wir hier keine "Computerhaie mit Suchfunktion" an Land ziehen, werde ich mir das Recht vorbehalten, ein paar Fragen zum Inhalt des Werkes zu stellen. Wer möchte, kann auch ein paar Gedanken zu dem von ihm ausgewählten Zitat äußern, die dann natürlich (auf Wunsch) mit veröffentlicht werden können. Aus Platzgründen bitte keine Romane schreiben. Wenn ihr meine kleinen Bedingungen akzeptiert, freue ich mich auf eine gute gemeinsame Gestaltung :-). |
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