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Liebe Freitagsphilosophierende, nach den tendenziell "seichteren" Freitagsphilosophien der Vorwochen muss ich jetzt mal wieder einen "brutalen Hammer" servieren. Am besten ausdrucken und zu Hause lesen, denn in der Hektik und Abgelenktheit der Arbeit wird diese Freitagsphilosophie nicht verstanden werden können. Ich danke Friedrich Nietzsche für seine tatkräftige Mitwirkung.
Ein Reisender der viele Länder und Erdteile gesehen hatte und gefragt wurde welche Eigenschaften er bei den Menschen überall gesehen hatte sagte; “Sie haben einen Hang zur Faulheit.” Mancher wird sich denken er hätte richtiger und besser gesagt; “Sie sind alle furchtsam.” - sie verstecken sich hinter Sitten und Meinungen. Im Grunde weiß jeder Mensch recht wohl dass er nur einmal als ein Unikum auf der Welt ist und das kein, noch so seltsamer Zufall, zum zweiten mal ein so wunderlich buntes Mancherlei zum Einerlei, wie er es ist, zusammenschütteln wird. Er weiß es, aber er verbirgt es wie ein böses Gewissen. Weshalb? - als Furcht vor dem Nachbarn, welcher das Herkömmliche fordert und sich selbst damit verhüllt. Aber was ist es das den Einzelnen zwingt den Nachbarn zu fürchten, herdenmäßig zu denken und zu handeln und seiner Selbst nicht froh zu sein? Schamhaftigkeit vielleicht bei Einigen und Seltenen bei den Allermeisten ist es Bequemlichkeit, Trägheit - kurz jener Hang zur Faulheit von dem der Reisende sprach. Er hat Recht die Menschen sind noch fauler als furchtsam und fürchten am Meisten gerade die Beschwerden, welche ihnen eine unbedingte Ehrlichkeit und Nacktheit aufbürden würde. Der Mensch, welcher nicht zur Masse gehören will, braucht nur aufhören gegen sich bequem zu sein. Er folge seinem Gewissen, welches ihm zuruft, sei du selbst das bist du alles nicht! - was du jetzt tust, meinst begehrst. Wie trost- und sinnlos kann ohne diese Befreiung das Leben werden? Es gibt kein öderes und widrigeres Geschöpf in der Natur als dem Menschen, welcher seinem Genius ausgewichen ist und nun nach rechts und nach links und nach rückwärts und überall hin sieht. Und wenn man mit Recht vom Faulen sagt - er töte die Zeit (Zeit totschlagen)- so muss man von einer Periode welche ihr Heil auf die öffentlichen Meinungen, d.h. auf die privaten Faulheiten, setzt ernsthaft besorgt sein das eine solche Zeit wirklich einmal getötet wird. Ich meine das sie aus der Geschichte der wahrhaften Befreiung des Lebens gestrichen wird. Wie groß muss der Widerwille späterer Geschlechter sein, sich mit der Hinterlassenschaft jener Periode zu befassen in welcher nicht die lebendigen Menschen, sondern öffentlich meinende Scheinmenschen regierten. Weshalb vielleicht unser Zeitalter für irgendeine ferne Nachwelt der dunkelste und unbekannteste, weil unmenschlichste Abschnitt der Geschichte sein mag. Wir haben uns über unser Dasein selbst zu verantworten. Folglich wollen wir auch die wirklichen Steuermänner dieses Daseins abgeben und nicht zulassen das unsere Existenz einer gedankenlosen Zufälligkeit gleiche. Ich will den Versuch machen zur Freiheit zu kommen, sagt sich die junge Seele und da sollte es sie hindern das zufällig zwei Nationen sich hassen und bekriegen oder das ein Meer zwischen zwei Erdteilen liegt oder das rings umher eine Religion gelehrt wird, welche doch vor ein paar tausend Jahren noch nicht bestand? Das bist du alles nicht selbst sagt sich die junge Seele - niemand kann dir die Brücke bauen über die gerade du durch den Fluss des Lebens schreiten musst - Niemand außer Dir allein! Zwar gibt es zahllose Pfade und Brücken und Halbgötter die dich durch den Fluss tragen wollen, aber nur um den Preis deiner selbst! Du würdest Dich verpfänden und verlieren! Es gibt in der Welt einen einzigen Weg auf welchem niemand gehen kann außer Dir. Aber wie finden wir uns Selbst wieder? Wie kann sich der Mensch kennen? Er ist eine dunkle und verhüllte Sache. Und wenn der Hase sieben Häute hat so kann der Mensch sich sieben mal siebzig Häute abziehen und wird noch nicht sagen können; Das bist Du nun wirklich das ist nicht mehr Schale. Ich wünsche Ihnen und Euch ein schönes Wochenende, Euer Micha |