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Hallo liebe Freitagsphilosophierende, Heute möchte ich Sie und Euch mit einer Nietzschegeschichte überraschen.
Da ich heute in der neuen Niederlassung Großbeeren bin und wir exchangemäßig
noch Probleme haben, geht die Mail eher verschlungene Wege und der Eigenanteil
ist nahezu null - mein Dank gilt Friedrich Nietzsche. Genug der Vorrede: Aber
es ist mit dem Menschen wie mit dem Baume. Je
mehr er hinauf in die Höhe und Helle will, um so stärker streben seine Wurzeln
erdwärts, abwärts, ins Dunkle, Tiefe - ins Böse.„ ,,Ja
ins Böse!„ rief der Jüngling. ,,Wie ist es möglich, dass du meine Seele
entdecktest?„ Zarathustra
lächelte und sprach: ,,Manche Seele wird man nie entdecken, es sei denn, dass man sie zuerst erfindet.„ ,,Ja
ins Böse!„ rief der Jüngling nochmals. ,,Du
sagtest die Wahrheit, Zarathustra. Ich traue mir selber nicht mehr, seitdem ich
in die Höhe will, und niemand traut mir mehr - wie geschieht dies doch? Ich
verwandele mich zu schnell: mein Heute widerlegt mein Gestern. Ich
überspringe oft die Stufen, wenn ich steige - das verzeiht mir keine Stufe. Bin
ich oben, so finde ich mich immer allein. Niemand redet mit mir, der Frost der
Einsamkeit macht mich zittern. Was will ich doch in der Höhe? Meine
Verachtung und meine Sehnsucht wachsen miteinander; je höher ich steige, um so
mehr verachte ich den, der steigt. Was will er doch in der Höhe? Wie
schäme ich mich meines Steigens und Stolperns! Wie spotte ich meines heftigen
Schnaubens! Wie hasse ich den Fliegenden!
Wie müde bin ich in der Höhe! Hier
schwieg der Jüngling. Und Zarathustra betrachtete den Baum, an dem sie standen,
und sprach also: ,,Dieser
Baum steht einsam hier am Gebirge; er wuchs hoch hinweg über Mensch und Tier. Und
wenn er reden wollte, er würde niemanden haben, der ihn verstünde: so hoch
wuchs er. Nun
wartet er und wartet - worauf wartet er doch? Er wohnt dem Sitze der Wolken zu
nahe: er wartet wohl auf den ersten
Blitz?" Schönes
Wochenende, Micha |