zur Anfangsseite

Orte und Wohnplätze in Ostpreußen

(Zum Betrachten der eigentlichen Listen benötigen Sie einen Browser, der mit Rahmentechnik (frames) klar kommt und bei dem Javascripte ausgeführt werden dürfen.)

Den Witz, bei dem man fragt, wie der unaussprechliche Ort vor dem Erdbeben geheißen hat, den kennt wohl jeder. Wer die neuen Ortsnamen Ostdeutschlands liest bzw. lesen muß, weil die Presseagenturen partout die neuen Namen benutzen wollen, obwohl sie zur selben Zeit auch Moskau und nicht Moskwa schreiben, kann den Worten in den allermeisten Fällen keinen Ort, kein Bild zuordnen.

Wer vielleicht von seiner Großmutter weiß, daß sie noch in Sawadden geboren sei, aber versäumt hatte, nach genauerem zu fragen, kommt mit älteren Landkarten nicht zurecht. Sawadden gibt es gar nicht - oder gleich mehrmals. Und der gute alte Westermann versagt sowieso kläglich.

Wegen dieser Umstände habe ich für alle Interessierten diesen Index der Ortsnamen (und auch Wohnplätze, wie das im Amtsdeutsch heißt), erstellt. Er ist längst nicht vollständig, aber ich arbeite daran ... Übrigens auch durch Ihre Mithilfe, lieber Leser, denn Sie dürfen mir gern eine E-Mail schreiben, wenn Sie einen Fehler oder eben nicht Opas Geburtsort gefunden haben.

Thomas Salein


Räumliche und zeitliche Abrenzungen

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Provinz Ostpreußen, d.h. mit all den Gebieten, die historisch zu ihr gehören, also einschließlich des Memellandes und des Soldauer Gebietes. Auch der nach 1920 geschaffene Regierungsbezirk Westpreußen ist hier berücksichtigt. Andererseits sollen aber auch die anderen deutschen Siedlungsgebiete außerhalb Ostpreußens nicht vollends vergessen werden. So sind auch Orte mit deutschen Namen aus dem gesamten Baltikum hier aufgeführt, soweit sie mir bei meiner Suche untergekommen waren. Dieser Teil wäre an sich eine eigene Arbeit wert, aber er ist hier doch eingeschlossen, weil es durchaus sinnvoll sein kann. Sucht man vielleicht ein Neustadt und keines will passen, ... in Litauen, nicht weit von Heydekrug, gab es nämlich auch eines. - Auch der Ende 1939 neu geschaffene Regierungsbezirk Zichenau (Ciechanow) in Nordpolen wird hier am Rande und allein der Vollständigkeit halber behandelt, sofern es dort Orte gab, die einen amtlichen deutschen Ortsnamen bekamen oder für die bereits vorher ein deutscher Name verwendet worden war.

Der Zeitraum, der hier Beachtung findet, ist ausgehend vom 1. September 1939, sozusagen abends, rückwärtsgerichtet bis in die Anfänge der historischen Zeit. Das bedeutet, daß für Ostpreußen die Verwaltungsgrenzen von 1939 gelten und Ortsnamenveränderungen aus älterer Zeit bis dorthin aufgeführt werden sollen. Dies kann natürlich nur für die Zeit ab etwa 1811 einigermaßen genau geschehen. Alle Veränderungen davor sind höchstens mit ungefähren Zeitangaben bekannt, und wenn ein Ort um 1200 einen bestimmten Namen hatte, dann soll auch das hier erwähnt werden. - Abweichend von der genannten Verwaltungsgliederung aus dem Jahre 1939 ist die Behandlung des zu diesem Zeitpunkt bestehenden Samland-Kreises als die Kreise Fischhausen und Königsberg, aus denen der Samland-Kreis am 1. April 1939 geschaffen worden war, sowie die Aufteilung des Kreises Pogegen, der erst am 1. Oktober 1939 auf die Kreise Heydekrug und Tilsit-Ragnit aufgeteilt worden war.

Was aus den Ortschaften seit 1939 geworden ist, wird hier ebenfalls aufgeführt. D.h. die heutigen polnischen, russischen oder litauischen Namen sollen ebenfalls möglichst vollständig zugeordnet werden, bzw. der Untergang des Ortes angezeigt werden.

Neben amtlichen Ortnamen sind hier auch einige Namen genannt, die nur im Sprachgebrauch der Bewohner benutzt worden sind. Auf diese niederdeutschen, nehrungskurischen oder prußischen Worte ist kein besonderes Augenmerk gerichtet, aber sie sind so wie gelesen bzw. gehört aufgenommen, auch wenn es sich bei den jeweiligen Sprachen nicht um definierte Schriftsprachen gehandelt hat, was aber die Legitimation dieser Ortsnamen nicht vermindern soll.

Als Quellen für meine Daten haben mir u.a. zur Verfügung gestanden:

  1. Amtliches Gemeinde-Ortsnamenverzeichnis der deutschen Ostgebiete unter fremder Verwaltung. Band 1 und 2. 2. Aufl. 1955. Herausgegeben von der Bundesanstalt für Landeskunde (Remagen: Vlg. dieser Bundesanstalt)
  2. Fritz Gause: Neue Ortsnamen in Ostpreußen seit 1800. Verzeichnis der Änderungen im Ortsnamenbestand der Provinz Ostpreußen (alten Umfanges) seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. 1935. (Königsberg i.Pr.) (Neudruck durch Ver. f. Familienforschung in Ost- u. Westpr. e.V., Hamburg, erschienen 1983 als Sonderschrift Nr. 53)
  3. Fritz R. Barran: Ortsnamenverzeichnis Nördliches Ostpreußen. Königsberger Gebiet und Memelland. 1992. (Leer: Vlg. Rautenberg) ISBN 3-7921-0490-3
  4. Die Straßenkarten 1:200.000
    • Nördliches Ostpreussen mit Memelland. Königsberg - Tilsit - Gumbinnen (Nr. RS 001),
    • Polen, Südliches Ostpreussen, Masuren. Allenstein - Rastenburg - Lyck (Nr. PL 010),
    • West-Ostpreussen. Thorn - Elbing - Allenstein (Nr. PL 011).
    1999. (Dietzenbach: Höfer Vlg.)

Der Listenaufbau

Ein Listeneintrag sieht beispielsweise so aus:
  • Hohensee
    • 22.04.1936: Choszewen Umbenennung zu diesem Datum
    • 01.10.1935: Choszewen A Umbenennung zu diesem Datum
      • 01.10.1935: Choszewen B Eingemeindung zu diesem Datum

Hier steht, daß der Ort am 1.9.1939 auf deutsch Hohensee heißt. Was dann folgt ist wie eine kleine Chronologie, die man am einfachsten unten, am ältesten Zeitpunkt beginnt: Am 01.10.1935 wurde der Ort Choszewen B (sprich: Koschewen B, denn dies ist noch die ganz alte Schreibweise eines SCH-Lautes) in Choszewen A eingegliedert. Durch diese Eingemeindung fiel der Name Choszewen B ab diesem Zeitpunkt weg. Choszewen A wurde zugleich in Choszewen umbenannt, was in der darüberstehenden Zeile zu finden ist, und am 22.04.1936 wurde Choszewen dann in Hohensee umgetauft. Die weitere Einrückung einer Zeile soll verdeutlichen, daß sie sich auf die darüber stehende nach links ausgerückte Zeile bezieht.

Das wird hier wichtig:
  • Jänichen
    • 01.04.1939: Freimannsdorf Eingemeindung zu diesem Datum
      • 16.07.1938: Baginski Umbenennung zu diesem Datum
    • 16.07.1938: Jänischken Umbenennung zu diesem Datum

Jänichen hieß also vor dem 16.07.1938 Jänischken. Am 01.04.1939 wurde Freimannsdorf in Jänichen eingemeindet. Aber was ist mit Baginski ? Weil die Zeile mit Freimannsdorf die nächstobere nach links ausgerückte ist, und ein als Marke hinter Baginski steht, heißt dies, daß Freimannsdorf noch bis zum 16.07.1938 Baginski hieß. Wenn man mit dem Mauszeiger einfach einmal auf die farbigen Zeichen an den Zeilenenden geht, erhält man eine kurze Erklärung.

Noch ein Beispiel:
  • Eichental
    • __.__.19__: Almenhausen Eingemeindung zu diesem Datum
    • __.__.19__: Damerau Eingemeindung zu diesem Datum
    • __.__.1928: Ranglacken Umbenennung zu diesem Datum
    • DT, 1476: Ranglauken
    • DT, 1466: Rangelawke

Irgendwann 1928 wurde Ranglacken umbenannt in Eichental. Später wurden dann noch die Ortschaften Damerau und Almenhausen in Eichental eingemeindet. Erwähnt werden hier aber auch noch zwei alte deutsch-prußische Namen, nämlich Rangelawke (sprich: Rangelauke), das 1466 genannt wurde und Ranglauken, das in einer Quelle von 1476 zu finden ist.


Abkürzungen und Zeichen

gemeindefreies Grundstück (Gutsbezirk, Rittergut o.ä.)
die russ.-poln. Grenze hat heute Teile des Ortes durchschnitten, d.h. praktisch, daß der Ort zum großen Teil "abgetragen" worden ist
die Ortsnamensänderung wurde noch nach dem 01.09.1939 vorgenommen
Ortsname und Ort entstanden erst nach dem 01.09.1939
Ort gehörte vom 10.01.1920 - 01.10.1939 zum Lkr. Pogegen, Memelland
Ort im Soldauer Gebiet liegend
Wohnplatz, Gemeindezugehörigkeit unklar
der Ort besteht heute nicht mehr
 
Gründe der Ortsnamenänderungen sind:
 
Namensänderung zum angegebenen Datum
Wegfall durch Eingliederung zum angegebenen Datum
Wegfall durch Zusammenschluß dieses Ortes mit dem/den anderen gleichen Datums und der Kennung [Z]
Festsetzung einer Zusatzbezeichnung zum angegebenen Datum
Verleihung eines Namens/einer Bezeichnung zum angegebenen Datum
Neubildung zum angegebenen Datum
Neubestimmung der Schreibweise zum angegebenen Datum

Sonstige Abkürzungen:
 
 
Abb. Abbau
b. bei
...bez. ...bezirk
Bhf. Bahnhof
Etabl. Etablissement (neuer Ort)
Fh., Fö. Forsthaus, Försterei
Gm. Gemeinde
Kol. Kolonie
Kr. Kreis
Ksp. Kirchspiel
Lkr., Landkr. Landkreis
Of., Ofö. Oberförsterei
RegBez. Regierungsbezirk
Vw. Vorwerk
Wpl. Wohnplatz
Zgl. Ziegelei
DT deutsch
EE estnisch
KU kurisch
LT litauisch
LV lettisch
NDT niederdeutsch
PL polnisch
PR prußisch
RU russisch


Tipps zur Suche

Da die Seiten mit Ortsnamenlisten wegen verschiedener Erweiterungen recht unübersichtlich werden können, merken Sie sich: Dreh- und Angelpunkt ist immer die Verwaltungsübersicht, d.h. die stilisierte Karte Ostpreußens.

Nur als Anmerkung: Die Indizes in litauischen Quellen sind folgendermaßen sortiert:

a, b, c, è, d, e, è, ... i, y, j ... s, ¹, ... z, ¾

Hier werden ausschließlich die folgenden diakritischen Zeichen verwendet:

È è   è   £ ³   © ¹   ® ¾

Alle anderen Sonderzeichen sind auf die einfachen Buchstaben reduziert. Die Indizes sind nach ASCII sortiert, d.h. im linken Fenster der folgenden Seiten finden sich das polnische L (£), die Umlaute, akzentuierten Zeichen und das SZ am Ende. Falls man dennoch einen Ort nicht findet, könnte es daran liegen, daß er hier mit einer näher beschreibenden Vorsilbe der folgenden Tabelle abgelegt ist. Bei polnischen Ortsnamen ist es nicht selten, daß diese entsprechenden Namenszusätze 'mal vor, 'mal hinter dem Hauptnamen stehen.

weiter zu den Ortsnamenlisten

 Deutsch Litauisch Polnisch Russisch
Adlig (Adl.) - - -
Alt Senieji Stary, Stara, Stare (Str.) Starij
Deutsch (Dt.) Niemiecki
Groß (Gr.) Didieji Wielkie, Wielki, Wielka (Wlk.) Velikij
Klein (Kl.) Ma¾ieji Ma³e, Ma³a, Ma³y (M³.) Malij, Malaja
Köllmisch (Köllm., Kölm.) - - -
Königlich (Kgl.) [Karali¹kieji]
Mittel
Neu Naujieji Nowa, Nowy, Nowe (Nw.) Novo, Novij
Ober Verhnij
Preußisch (Pr.) Prusky, Pruska
Schatull - - -
Unter Nishnij

Des weiteren entsprechen sich in etwa folgende Begriffe:

 Deutsch Litauisch Polnisch Russisch
Burg Pilis Zamek
Dorf Kaimas Wioska; Wies
Feld Laukas Pole Pol'e, Polje
Forstgut Giriu dvaras
Forsthaus (Fh.), Försterei (Fö.) Girininkija (gir.) Leśniczówka
Friedhof, Kirchhof Kapinės
Gemeinde (Miestas) Gmina
Gut Dvaras Majatek
Gutshaus Didžiulis namas Dwor zabytkowe; Pałac
Haff Marios Zalew Zaliv
Kirche Bažnyčia Kościoł
Kirchspiel Parapija Parafia Majatek
Kreis (Kr.) Apskritys [Hrabstwo ?]
Kriegsgräberfriedhof, Soldatenfriedhof [Kariu kapinės ?] [Cmentri wojenny ?]
Landkreis,
Stadtkreis
(Lkr., Kr.)
Rajonas Powiat Rayon
Leuchtturm ©vyturys Latarnie Morskie
Moor Pelkė Bagno
Mühle Malunas M³yn
Nehrung Nerija Mierzeja Kosa
Oberförsterei (Of., Ofö.) Vir¹utnis girininkija (vir. gir.)
Ostpreußen Prusija Prusy Wschodnie
Regierungs-
bezirk
(RegBez.)
Wojewodztwo
Schloß Rūmai Zamek; Pałac
See E¾eras (e¾.) Jeziorno (jez.) Ozero (oz.)
Stadt Miestas Miesto Gorod
Vorwerk (Vw.) Palivarkas Wolka
Wald Miškas; Giria Las
Ziegelei Plytinė Cegielnia

 

Die Umschrift des Kyrillischen geschieht nach verschiedenen Normen. Im Angelsächsischen wird oft die Transliteration nach ALA (American Library Assoc.) benutzt, hier wird das ISO-System in der Modifikation des BKG (Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Berlin) verwendet. Sucht man einen russischen Ortsnamen, der nach einem anderen System umgeschrieben worden ist, sollte man in Betracht ziehen, daß einige Buchstaben nach anderen Systemen auch anders umgeschrieben werden. So entsprechen sich oft:

j i oder [kein Buchstabe]
è tsch
' [kein Buchstabe]
h ch
oe oje

Wenn in einigen Fällen zwei lateinische Schreibweisen angegeben sind, so ist die erste vorzuziehen. Als kleines Hilfswerkzeug gibt es auf den folgenden Seiten ein Javascript, mit dem Benutzer des Internet Explorers die Möglichkeit haben, kyrillische Buchstaben in lateinische umzusetzen (Buchstabenkonverter).


weiter zu den Ortsnamenlisten

zur Anfangsseite   zum Seitenanfang

 

Für manche freundlichen Ergänzungen bedanke ich mich herzlich bei allen, die mir dazu geschrieben haben.

Thomas Salein E-Post

weiter zu den Ortsnamenlisten