Ein paar Bilder

 

aus: Ostpreussen - Was ist das ? (Hrsg.: Landsmannschaft Ostpreußen e.V., Abt. Kultur; Parkallee 86; 20144 Hamburg)

 

Marienburg i.Westpr.
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[S/W-Foto, um 1930]

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[Postkarte n. col. Foto, um 1905]

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[Postkarte n. col. Foto, Verlag M.R.D., um 1905]

Die Marienburg mit einem Teil der Stadt von der Westseite über die Nogat gesehen. In dieser Richtung - nach Südosten - erkennt man links das Hochmeisterschloß, etwas nach hinten versetzt das große Hochschloß, vor dem am Ufer das Nogattor mit seinen beiden runden Wehrtürmen steht. Weiter nach rechts - nach Süden - erkennt man die Burgmauer, die mit ihrer Rundung die Burg umfaßt. Daran schließt sich die Stadt Marienburg mit ihrer Stadtmauer an. Aus den Häusern der Stadt ragt der Kirchturm des St. Johann hervor.
Die früheren Brücken führten zum Nogattor, während diese Holz- und Pontonbrücke etwa zur links außerhalb des Bildes liegenden Vorburg führt.

Die beiden unteren Bilder zeigen noch einmal die Burg von der Westseite sowie einen etwas selteneren Blick auf die Südostseite, auf der das Hochschloß mit der daran gebauten Schloßkirche zu sehen ist.

Gemälde der Ostseite der Marienburg, Postkarte [Gemälde der Ostseite der Marienburg, Postkarte um 1930]
 

Der Hof des Hochschlosses in den 40er Jahren.
[Postkarte n. Foto v. Hans Hildenbrand, Verlag H. Hemmpel, Marienburg/Westpr. 2814, etwa 1943]

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Königsberg i.Pr.
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[Postkarte n. coloriertem
Foto, etwa 1900-1920]

Das Königsberger Stadttheater, nördlich des Schlosses im Stadtteil Tragheim gelegen, ist im klassizistischen Stil von Friedrich Gilly entworfen und 1809 erbaut worden. Es ersetzte das 1797 abgebrannte Schauspielhaus, das 1755 errichtet worden war. Nach dem Brand hatten wohlhabende Königsberger Bürger einen Neubau geplant. Dazu gründeten sie 1804 eine Theater-Aktien-Gesellschaft und forderten zum Kauf von Aktien auf. 1805 schenkte der König den notwendigen Baugrund auf dem Platz, auf dem zuvor die Garnisonkirche [1] gestanden hatte. 1806 wurde der Grundstein gelegt. Für uns erstaunlich ist sicherlich, daß sogar während des napoleonischen Krieges der Theaterbau fortgeführt wurde. - Das bürgerliche Leben war zu dieser Zeit eben etwas anderes als ein staatsbürgerliches, was sich aber zur Befreiung 1813 ändern sollte. - Das Theater wurde als Panoramatheater nach den Plänen von Johann Valerian Theodor Müller gebaut, bot gut 1500 Plätze und wurde bereits 1808 mit Mozarts Titus eröffnet. Doch schon zwei Monate später brannte das Theater infolge einer Brandstiftung durch den Theatermaler J.A. Breysig ab. Breysig hatte dies vermutlich aus verletztem Ehrgeiz getan, wurde damals nicht als Verursacher erkannt und arbeitete danach in Danzig bis zu seinem seeligen Ende als Leiter der Kunstschule. 1809 war das Theater als Kulissentheater wieder aufgebaut. Der Elan, auch die Größe dieses Theaters, gemessen an der damaligen Einwohnerzahl von weniger als 60.000 Menschen, wie auch all die verschiedenen Theaterzeitungen und -zeitungsbeilagen zeigen welchen Stellenwert das Theater für die Königsberger Gesellschaft hatte, auch wenn dessen Unterhaltung einige Probleme bereitet hatte.

Richard Wagner war im Stadttheater Dirigent und seit 1836 Musikdirektor. 1836 auch heiratete er die Königsberger Schauspielerin Minna Planer in der Tragheimer Kirche, mußte die Stadt aber wohl wegen "drückender Schulden" bald verlassen.

In der Folgezeit wurde das Theater noch mindestens zwei Mal umgebaut, berühmte Schauspieler wie z.B. Arthur Kraußneck, 1912 Emil Jannings, spielten hier. Bemerkenswert ist auf jeden Fall, daß erst nach der Königsberger Aufführung von Bizets Carmen 1879 der Erfolg für die Oper begann. Zuvor hatte Paris die Aufführung abgelehnt, und die Wiener Aufführung war ohne Belang geblieben.

[1] Die Garnisonkrichenbauruine, die wegen des feuchten Untergrundes 1736 nicht zu Ende gebaut worden war, wurde bis auf das Turmfundament abgerissen. Ein Exerzierhaus, das neben der Kirchenruine gestanden hatte, wurde ebenfalls abgerissen. Der gesamte Platz, der als Exerzierplatz genutzt worden war, wurde in dieser Zeit umgestaltet bzw. angelegt.

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[Foto, um 1940]
 
Das Neue Schauspielhaus; links führt die Hufenallee am Tiergarten vorbei nach Amalienau, rechts vor den Häusern der Hansaring zum nahe gelegenen Hansaplatz, also zum Nordbahnhof.

Neben dem Stadttheater gab es viele sog. Sommertheater, die an wechselnden Orten in der Stadt spielten und sich über die Jahrhundertwende zum 20. Jh. hinaus bis zur Entstehung der Lichtspielhäuser großer Beliebtheit erfreuten. Sie waren es, die die Experimente mit neuen unkonventionelleren Theaterstücken wagten. Von diesen Theatern ist das Luisentheater als länger bestehendes hervorzuheben. 1910 wurde von der Schiller-Theatergesellschaft ein Haus in der Roßgärter Passarge erworben und als Theater umgebaut, das von einer Neues Schauspielhaus G.m.b.H. unterhalten wurde.

Während des Ersten Weltkrieges war das Stadttheater als Verwundetenlazarett in Benutzung, so daß die Theateraufführungen, die wie auch das sonstige kulturelle Leben trotz allem so gut es möglich war, weitergeführt wurde, nur noch im Neuen Schauspielhaus stattfinden konnte. 1918 wurde das Stadttheater wieder der Theater A.G. übergeben.

In den 30er Jahren übernahm im Zuge der politischen Gleichschaltung die Stadt die Verwaltung der Theater. Viele Schauspieler mußten wegen ihrer nicht-arischen Abstammung aufgeben, doch obwohl nur noch politisch unverfängliche Stücke gegeben werden konnten, blieben die Theater auf einem hohen Niveau.

Das Stadttheater war im August 1944 in den englischen Bombenangriffen zerstört worden, doch das Neue Schauspielhaus arbeitete sogar noch in den letzten Wochen der Belagerung Königsbergs. U.a. wurde der Durchhaltefilm 'Kolberg' gezeigt, und das städtische Orchester spielte noch.

Während heute vom Theater und dem davor gelegenen Theaterplatz nichts mehr übrig ist, steht das Neue Schauspielhaus noch und wird von den Russen als Theater genutzt.

Der Vorplatz des Nordbahnhofes: Der Hansaplatz, nur kurze Zeit "Adolf-Hitler-Platz" betitelt. Links, im Bahnhofsgebäude das Hotel Continental "Hospiz": Links des Bahnhofes führt die Stresemannstraße nach Norden. An ihrer Ecke zur Händelstraße befand sich das Polizeipräsidium, das Haus mit dem Türmchen.

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[S/W-Foto, um 1930]

Aus Mangel an geeigneten Gebäuden sind heute im Nordbahnhof die konsularischen Vertretungen Polens, Litauens, Dänemarks, Schwedens und Islands untergebracht.

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Das Polzeipräsidium des vorigen Bildes, einmal als Postkartenmotiv.
[S/W-Foto, schätzungszweise um 1910]

Tilsit
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Das Stadttheater von Tilsit.
[Postkarte n. Foto, etwa 1930]

Braunsberg

Die Kreisstadt Braunsberg ist eine der ältesten Städte Ostpreußens. Wohl anstelle einer prußischen Siedlung ('Brußeberge', daher der Name) wurde die erste Stadtsiedlung als kleine Burg um 1240 vom Deutschen Orden erbaut. Sie lag handelsgünstig an der Mündung der Passarge ins Frische Haff. In den Prußenaufständen wurde die Burgsiedlung 1242 sowie 1260 zerstört. Daraufhin erbaute man die Stadtsiedlung etwas weiter oberhalb der Passargemündung, wo sie durch eine Flußschleife - auch vor Hochwasser - geschützter lag. Dies ist die im damaligen Grundriß von 400 x 250 m angelegte Altstadt, wie alle Ordenssiedlungen sehr geometrisch, mit einem Straßennetz in Leiterform konzipiert.
Bereits 1254 waren Braunsberg die Stadtrechte vom ermländischen Bischof Anselm verliehen worden. Die neuere Stadt erhielt jedoch die Handfeste und die lübischen Stadtrechte 1284 vom Lübecker Bischof Heinrich Fleming. Die ersten Siedler kamen entsprechend aus Lübeck und Holstein, aber auch aus Hannover und Westfalen. Die Burg war bis 1340 Residenz des Bischofs von Ermland. 1342 wurde auf der östlichen Uferseite die Neustadt durch Bischof Hermann von Prag gegründet, die unbefestigt blieb und erst 1772 mit der Altstadt vereinigt wurde.
Braunsberg hat viele Aufstände und schwere Kriege erlebt: Bürger rebellierten 1396, 1444 gegen den Bischof und zerstörten 1454 einen Teil der Burg. Nach der Niederlage in der Schlacht bei Tannenberg 1410 unterwarf sich die Stadt dem polnischen König, wurde aber bald vom Hochmeister Heinrich von Plauen, dem Verteidiger der Marienburg, wieder besetzt und wurde 1414 wieder dem Bischof von Ermland übergeben. In den Auseinandersetzungen der preußischen Städte, die sich 1440 zum sog. Preußischen Bund zusammengeschlossen hatten, versuchten die Braunsberger Unabhängigkeit vom ermländischen Bischof zu erreichen, verbündeten sich sogar mit dem polnischen König, wandten sich aber nach "schweren Bedrückungen" durch böhmische Söldner wieder dem neuen Bischof zu, der sich schließlich 1466 unter den Schutz des polnischen Königs stellte. Doch das Wirrwarr war damit nicht am Ende: Im sog. Pfaffenkrieg blieb Braunsberg auf Seiten des Bischofs Nicolaus von Tüngen und stellte sich damit gegen den Polenkönig, widerstand 1478 einer polnischen Belagerung. Im sog. Reiterkrieg blieb Braunsberg von 1520 bis zum Krakauer Frieden 1525 vom Ordenshochmeister Albrecht von Neujahrsmorgen besetzt. Im 1. polnisch-schwedischen Krieg erschien Gustav Adolf 1626 mit seiner Kriegsflottte im Hafen und besetzte die Stadt bis 1635. Die Bibliothek des Jesuitenkollegs wurde geraubt und befindet sich noch heute in der Universitätsbibliothek Uppsala. 1655, im 2. Schwedenkrieg wurde Braunsberg vom Großen Kurfürsten besetzt, der die Stadt 1663 wieder dem ermländischen Bischof gab. Die Schweden und Polen kamen nochmals im Nordischen Krieg zwischen 1703 und 1709 als sich abwechselnde Besatzer. Diesen drei Kriegen folgte jeweils eine Pestepidemie. 1772 schließlich kam Braunsberg mitsamt dem Ermländischen Bistum bei der 1. polnischen Teilung an Preußen und wurde Garnisonsstadt.
Seit Mitte des 14. Jhs. gehörte Braunsberg der Hanse an und war Stapelplatz, d.h. Haupthandelsplatz, für das Ermland. So gründete sich der wirtschaftliche Erfolg v.a. auf den Seehandel mit Getreide, Flachs und anderen Naturprodukten, die nach England, Skandinavien und ins Baltikum verschifft wurden. Seit Anfang des 19. Jhs. die Straßen und später die Eisenbahnen an Bedeutung gewannen, verlor Braunsberg zugunsten von Elbing und Königsberg als Handelsstadt. An Industrien gab es um die Jahrhundertwende u.a. Gerbereien, eine Brauerei (Bergschlößchen), eine Zigarrenfabrik. Seit 1890 gab es in Braunsberg das Ermländische Gestüt für Kaltblutpferde. Diese als Ermländer bekannten Pferde waren aus einheimischen, von den Ordenspferden und damit wiederum von den prußischen Schweiken abstammenden, sowie belgischen Kaltblutpferden für die schweren Böden in Ostpreußen gezüchtet worden.
Die Umgangssprache in der Stadt war plattdeutsch in einer besonderen Ausprägung, das Käslauisch. Amtssprache war seit dem 14. Jh. immer Hochdeutsch, im 15. Jh. auch Latein.
Bekannt war Braunsberg auch durch sein Lyceum Hosianum, eine kleine Hochschule mit einer philosophischen und einer theologischen Fakultät, die als solche 1818 aus einem Königlichen Akademischem Gymnasium entstanden war, seit 1912 "Staatliche Akademie" bezeichnet. Ihr Ursprung liegt jedoch in der entfernten Vergangenheit einer Pfarrschule des 14. Jhs., die 1565 in ein Jesuitenkolleg und 1567 in das Ermländische Priesterseminar umgewandelt wurde, das seit 1578 als Missionsseminar für die nordischen Länder bis 1798 bestanden und viele Theologen ausgebildet hatte. Dieses Hosianum besaß eine reiche Skulpturensammlung, und die katholische Pfarrkirche der Stadt, deren Bau 1343 begonnen worden war, soll es mit dem Frauenburger Dom an Schönheit aufgenommen haben. Sie war ebenfalls als Hallenkirche mit Chor erbaut. Braunsberg stand oft in Konkurrenz zu Frauenburg, war aber seit jeher das geistige Zentrum des Ermlandes. Der Historische Verein für Ermland - heutiger Sitz ist Münster/Westf. - tagte abwechsend in Braunsberg und Frauenburg.
Braunsberg als ermländische Stadt war fest in katholischer Hand, erst 1772 entstand eine evangelische Gemeinde, 1830 wurde eine ev. Kirche nach Entwürfen eines Schinkel-Schülers erbaut.
Gegen Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Stadt als Teil des Heiligenbeiler Kessels schwer zerstört und am 20. März 45 von den Russen besetzt. 1939 hatte Braunsberg 21.142 Einwohner. - Heute ist es auf polnischem Gebiet, erheblich kleiner und unbedeutend.

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["Braunsberg - Marktstrasse". Postkarte n. col. Foto, Verlag Reinicke & Rubin, Magdeburg 3682, um 1908]
 
Die Marktstraße liegt auf dem Ostufer der Stadt. Sie diente seit alters her zugleich als Marktplatz. Evtl. handelt es sich bei der Kirche im linken hinteren Bildteil um die kleine Pfarrkirche St. Trinitatis der Neustadt. Der Druck der Postkarte ist erstaunlich datailscharf: Die beiden Geschäftshäuser links tragen die Schriftzüge "F. Abraham Seiler Mstr." bzw. "Brot- u. Kuchen-Bäckerei von Carl Döpner", und der Mann in der weißen Hose links zwinkert dem Fotographen zu.

Heiligelinde

Im Kreis Rastenburg, 6 km südöstlich von Rößel, befindet sich eine der schönsten Kirchen Ostpreußens, die 1687 bis 1730 erbaute Barockkirche Heiligelinde. Die Geschichte dieser Kirche ist uralt, denn an ihrer Stelle hatten schon die Ureinwohner, die Prußen, eine ihrer heiligen Stätten mit einer alten Linde. Zur Entstehungslegende gehört auch, daß 1311 in der dortigen Nähe von den Litauern verschleppte Christen befreit worden sind. Mitte des 14. Jahrhunderts gab es an fast derselben Stelle eine kleine Wallfahrtskapelle mit einem Marienbild auf dem Stumpf der alten Linde, die jedoch im Laufe der Reformation 1524 zerstört wurde. Der Herzog von Preußen verbot den Katholiken den Besuch des Ortes, doch die Wallfahrten wurden weiterhin so zahlreich unternommen, daß man den Sekretär Stephan Sadorski des polnischen Königs 1617 das Gut Linde kaufen ließ, der wieder eine Wallfahrtskapelle auf den alten Fundamenten errichtete und dieses an das Domkapitel des Ermlandes verschenkte. Das Nutznießungsrecht erhielten die Rößeler Jesuiten. Da die Wallfahrten noch weiter zunahmen, mußte man die Kirche größer und umfangreicher neu bauen, was nach und nach in den Jahren seit 1687 geschah. Baumeister Ertly aus Wilna (Vilnius) baute das Gotteshaus und seine Anbauten in seiner schönen Lage zwischen dem Deinowosee (Heiligelinder See) und dem Wald.


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[nach einer Lithographie aus dem Jahre 1838]

Ertly errichtete die Gebäude in Anlehnung an italienisches Barock mit vielen Statuen und reichen Fassadenverzierungen. Die Figuren auf dem Kirchenumgang stammen vom Tiroler Bildhauer Christoph Perwanger, der in Tolkemitt lebte. Das eiserne Prunk-Hauptportal hat die Schmiede von Johannes und Christof Schwarz in Rößel geschaffen, und die Fresken im Umgang und der Kirche selbst, die teilweise leider zerstört worden sind, wurden vom Heilsberger Mathias Meyer gemalt. In dem reich ausgeschmückt gestalteten Innern steht die sehr harmonisch eingefügte Orgel des königlich-preußischen Orgelbaumeisters Josua Mosengel aus Königsberg. 1722 gründeten die Jesuiten in Heiligelinde zur Ausgestaltung der Gottesdienste und Missionierung eine Musikschule und ein Freilichttheater. Mehrere zweigeschossige Gebäude (auf der obigen Lithographie noch zu erkennen) wurden auch für diese Zwecke an die Südseite angebaut.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens verhinderte der ermländische Bischof Josef v. Hohenzollern 1812 die Übernahme der Kirche in staatlichen Besitz und beließ sie als Pfarrkirche für den Ort Heiligelinde, der sich im Laufe der Zeit aus dem alten Gut Linde entwickelt hatte. Seit 1930 hat der Jesuitenorden die Betreuung der Kirche wieder übernommen.

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[Foto, 1993]

Orte der Kurischen Nehrung

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[Postkarte. Fotografie u. Verlag Fritz Krauskopf, Königsberg Pr., Steindamm 64, Nr. 10658, etwa 1935]

Eine der schönsten Landschaften Ostpreußens wie überhaupt einmaligsten Landschaften ist das Kurische Haff mit der Nehrung. Die Fotografie ist mit "Kurisches Haff u. Kurische Nehrung. Fischer am Tal des Schweigens und der Toten Düne" erklärt. Das Tal des Schweigens liegt südlich Nidden, gleich hinter dem Parniddener Berg, heute in Litauen. Auf dem Foto ist das Tal von den beiden Kurenkähnen verdeckt, der Parniddener Berg rechts und links die sog. Tote Düne, die nicht mehr wanderte. Im Tal des Schweigens sind 1916 während des Krieges in einem als Vergeltung für nach Afrika verschickte deutsche Kriegsgefangene eingerichteten Lager kriegsgefangene Franzosen untergebracht gewesen. Der beabsichtigte Zweck, die Rücksendung der Deutschen von dort, wurde nach kurzer Zeit erreicht. Der Vergleich der Sandwüsten der Nehrung mit denen Afrikas ist dabei nicht sehr weit hergeholt; die Nehrung hat die höchsten Dünen Europas.

Die Wimpel der Fischerkähne tragen die Farben Niddens, was aber in dieser meisterlichen Gegenlichtaufnahme nur mit der Lupe auszumachen ist.

Da die Russen mit den nach ihrer Meinung zu schwerfälligen Kähnen nichts anfangen konnten, wurden die meisten der Kähne zu Brennholz zerschlagen. Ein Teil wurde nach Russland gebracht. Die Boote, die dann anschließend von den russischen Fischern verwendet wurden, waren aber zunächst nicht stabil genug für die rauhen Bedingungen auf dem Haff. - Im frühen Mittelalter hatten die Kuren mit diesen flachbodigen Kähnen die ganze östliche Ostsee befahren und sich gewissen Respekt bei den Wikingern verschafft. Nicht nur diese überfielen nämlich Kurland, sondern die Kuren im Gegenzug auch Gotland. - Heute gibt es noch einige wenige dieser Kähne, die von litauischen Künstlern instand gesetzt worden sind, als Touristenattraktion auf dem nördlichen Haff; früher waren es Hunderte.

 

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