|
|
Die Symbole OstpreußensKreuz - Adler - Elch
|
||||||||||||||||||
|
Immer wieder einmal wird man von interessierten Mitmenschen gefragt, was typische Symbole für Ostpreußen seien. Ohne auf das Warum für diese Fragestellung näher eingehen zu wollen, ist es offenbar so, daß ein Symbol, eine Figur oder ein Wappen, ein knappes, idealerweise prägnantes Sinnbild ist, das ohne Bindung an irgendeine Sprache eine komplexe Sache darstellt. Zu dieser Sache gehört dann meistens auch ein Herrschafts- und Rechtsanspruch. Für die meisten Menschen heute steht aber wohl eher eine emotionale Nähe zum Symbolisierten im Vordergrund - oder einfach der Zierwert des Symbols. Für die Ureinwohner Ostpreußens, die Prußen, wird es wohl genauso wenig gesellschaftliche Identifikationssymbole gegeben haben, wie dies bei den Germanen der Fall war. Diese Art von Symbolen, wie auch der damit verbundene Staatsgedanke, kam erst über die Römer und Franken zu den anderen Völkern Europas. Vor dieser Zeit stellten Symbole die Mächte dar, die für die Menschen wichtig waren und waren daher im weiteren Sinne individuelle Symbole. Da auch die Prußen als westbaltisches Volk eine Naturreligion mit mehreren Göttern pflegten, verwendeten sie ganz ähnliche Darstellungen wie die Germanen und Kelten. So finden sich z.B. auf Fibeln (in etwa die altertümlichen "Sicherheitsnadeln" zum Halten der Umhänge bzw. Mäntel), Spangen, Gürtelschnallen, Trensen, Trinkhörnern usw. Sonnen- und Sternsymbole, einfache Zauberknoten und Blüten- und Tierdarstellungen als teilweise kunstvolle Verzierungen. Auffallend ist aber, daß die Prußen, wie auch die anderen baltischen Völker, viel weniger Tierdarstellungen verwendet haben. Es wird sogar angenommen, daß diese aus der Einflußnahme der Wikinger auf die Balten herrühren. Ihre Vorliebe für rein geometrische Ornamente zeigt sich dagegen immer wieder.
Gesellschaftliche Symbole mit staatstragenden rechtlichen Ansprüchen sind wohl erst durch die Ritter und Söldner der Deutschen Ordens im 13. Jh. ins prußische Siedlungsgebiet gebracht worden. Dabei ist natürlich das schlichte schwarze (Ordens-)Kreuz auf weißem Grund als Erkennungsmerkmal des Deutschen Ordens zu nennen. Jeder Ordensritter trug es auf seinem Schild und seinem Mantel. Den Schild bzw. das Wappen des Hochmeisters des Ordens zierte zusätzlich ein darüber gelegter kleiner Schild, der Herzschild, mit einem schwarzen Adler, der in engster Verbindung zum deutschen Reichsadler steht. Die Enden der schwarzen Kreuzbalken sind im Hochmeisterwappen zusätzlich mit kleinen Balken abgeschlossen.
Die einzelnen Ritter des Deutschen Ordens haben die durch das Kreuz viergeteilte Fläche für ihre persönlichen Wappen so verwendet, daß in die Viertel links oben und rechts unten das schwarze Ordenskreuz auf weißem Grund gesetzt wurde und die beiden anderen Viertel durch hauseigene oder persönliche Symbole ausgefüllt wurden. Auch die Ordensniederlassungen (Komtureien und Balleien) haben eigene Wappen geführt - und tun dies im heutigen Deutschen Orden, der seinen Hauptsitz in Wien hat, nach dieser alten Tradition weiterhin. Das Wappen mit dem schwarzen Kreuz auf weißem Grund sowie das Hochmeisterkreuz sind gesetzlich geschützte Zeichen. Auch der Hochmeister steht in der Tradition und führt noch heute ein Hochmeisterwappen. Einige Flaggen der Ordenskomtureien aus dem 14. Jahrhundert:
Ein in der Vierteilung und den Farben dem Ordenskreuz nachempfundenes
kreuzförmig geteiltes Wappenfeld mit abwechselnd weißen und
schwarzen Feldern findet sich wiederum sowohl bei vielen Verzierungen,
auf Dokumenten oder an Gebäuden, als auch in den Wappen
ostpreußischer Städte.
Offenbar werden die vier Felder in gleichberechtigter Weise auch spiegelverkehrt gezeichnet. Die Farben Schwarz und Weiß sind die Farben Preußens und finden sich auch in der Flagge der Provinz Ostpreußen wieder, die schließlich bis zum Ende der Herzogszeit (bis 1701) schlicht das Herzogtum Preußen darstellte und von dem erst daraufhin sein Name auf das gesamte Brandenburg-Preußen überging. Diese schwarz-weiß geteilte Fahne haben höchst wahrscheinlich schon die Ordensritter als Fähnchen an ihren Lanzen getragen, denn so findet man sie auf verschiedensten Darstellungen. ![]() Auf die Provinzflagge gehört zusätzlich mittig der schwarze preußische Adler mit goldener Bewehrung, d.h. goldfarbenem Schnabel und goldfarbenen Fängen, auf silbernem Feld. Während dieser Adler bis etwa 1920 ein ineinander gezeichnetes "FR" für "Fridericus Rex" auf der Brust, einen goldenen Apfel mit Kreuz und ein ebensolches Szepter mit Adler in den Fängen sowie eine goldene Krone auf dem Kopf trug, wurden diese königlichen Insignien danach abgelegt. Anders als der heutige Bundesadler, der eine rote Bewehrung hat, trägt der preußische Adler wie seit Jahrhunderten aber eine goldene Schulterzier und etwas selbstbewußter, ein halboffenes Gefieder. ![]() Flagge und Wappen der Provinz Ostpreußen
Nur der Vollständigkeit zur Genüge soll hier auch kurz das Wappen der Schwesterprovinz dargestellt werden: Im Wappen Westpreußens trägt der Adler keine goldene Brustzier, sondern eine goldene Krone um den Hals. Zusätzlich ragt nach links hinter dem Adler ein zum Schlag erhobener weiß-geschützter Schwertarm hervor. In dem folgenden Bild ist das Feld grau gezeichnet, was aber wohl auch für das heraldische Silber stehen soll.
![]() Flagge und Wappen der Provinz Westpreußen
Neben dem "administrativen" Wappentier hat sich allerdings ein ganz typisch ostpreußisches Tier mit seiner Kopfpracht immer mehr als Sinnbild Ostpreußens in den Vordergrund geschoben: unser Elch. - Das ist kein Wunder, denn hier war die letzte deutsche Heimat dieses "Urtieres". Bereits die "Yorckschen Jäger", ein 1813 gegen die napoleonische Herrschaft aufgestellter Freiwilligen-Verband, trugen Elchkopf und -schaufel an ihren Uniformröcken und -mützen. Spätere ostpreußische Verbände, die beispielsweise 1919 gegen die Rote Armee, die immer näher und bedrohlicher an die ostpreußische Grenze heranrückte, aufgestellt wurden, setzten dies in verschiedener Form fort. Der Elchkopf wurde immer mehr das Symbol für das treue und tapfere Zusammenstehen in der Not. So hat sich insbesondere nach 1945 die Elchschaufel, schwarz auf weißem Feld, als ein eher volkstümliches - auch politisch vollkommen unbeschriebenes - Symbol für das Land Ostpreußen im Bewußtsein der Menschen herausgebildet. Im Zusammenhang mit der Bedeutung der Elchschaufel muß man kurz auf Freiherr v. Wrangel eingehen: Denn ganz erheblichen Anteil an der Akzeptanz und Beliebtheit der Elchschaufel trägt Dr. Wolf Freiherr von Wrangel, der 1897 im Kreis Gerdauen geboren wurde. Nachdem er als junger Mann aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekommen war, hatte er Jura in Göttingen und Königsberg studiert, war in den preußischen Verwaltungsdienst eingetreten und 1932 zum Landrat in Mohrungen ernannt worden. 1935 mußte er im Zuge der Gleichschaltung dieses Amt aufgeben, weil er sich weigerte, in die NSDAP einzutreten. Während des Krieges war er Offizier und nach seiner erlittenen Verwundung Oberkriegsverwaltungsrat im besetzten Nordfrankreich. Nach dem 20. Juli 1944 war von Wrangel unter dem Verdacht der Mittäterschaft am Sturz Hitlers verhaftet, jedoch bald wieder aus der Haft entlassen worden. Es gelang ihm, mit seiner Familie nach Niedersachsen zu flüchten, wo er 1946 von der britischen Besatzungsmacht als Oberkreisdirektor für Hannoversch Münden eingesetzt worden war. Bereits bald nach Kriegsende 1945 hatte von Wrangel begonnen, Anschriften Heimatvertriebener zu sammeln und so die Gründung der Landsmannschaft Ostpreußen am 3. Oktober 1948 in Hamburg miteingeleitet. Auch bei der Schaffung des "Göttinger Arbeitskreises" war er Gründungsmitglied. 1949 wurde die Landsmannschaft in das Vereinsregister eingetragen, und 1957 ist die Elchschaufel beim Deutschen Patentamt als geschütztes Warenzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen e.V. eingetragen worden. Was der Elch als ganz sonderbares Wesen im tieferen Bewußtsein manches Ostpreußen seit je her verkörpert, ist nicht ganz leicht auszudrücken. Benno Dilba [2] hat es mit seinen Worten wohl recht gut getroffen: "Kein Tier der ostpreußischen Heimat verkörpert in gleicher Weise die eigentümliche Schönheit der ostpreußischen Landschaft wie der Elch. Seine urwüchsige Erscheinung und seine ruhigen und doch kraftvollen Bewegungen korrespondieren mit der urweltartigen ostpreußischen Natur im Elchwald, die geprägt war von Flüssen und von tiefliegenden Wiesen, von Birken und Erlenwäldern, von verlandeten Seen, sturmgeknickten Bäumen und vermodertem Wurzelzeug. Die friedfertige und zugleich altertümlich anmutende Gestalt des Elches erinnert an den Urbeginn des Lebens, an die menschliche Vergänglichkeit und an die Unendlichkeit der Zeit." Und was für das neu entstandene populäre Elchschaufel-Wappen gilt, das trifft auch für die Flagge Ostpreußens zu: Neben der offiziellen Provinzflagge hat sich heutzutage die Flagge der Landsmannschaft Ostpreußen e.V. als das repräsentierende Emblem etabliert. Sie trägt nicht mehr den herrschaftlichen preußischen Adler auf schwarz-weißer Flagge, sondern an dessen statt die Elchschaufel im Schild, und ist damit sozusagen die ostpreußische Fahne des einfachen Mannes und der einfachen Frau.
![]() Flagge und "Wappen" der Landsmannschaft Ostpreußen
![]() Elch in Ostpreußen, Fotographie von Fritz Krauskopf
So haben wir also als Wappen und Fahnen, die für Ostpreußen stehen:
Zu all diesen heraldischen Symbolen kommen ganze Reihen rein dinglicher Symbole, die gleichsam eineindeutig mit Ostpreußen in Verbindung stehen oder auch nur eine engste Assoziationen zu diesem Land erzeugen. Dies sind unter vielen weiteren:
Nicht zu vergessen, verknüpft man natürlich auch eine keinesfalls kurze Reihe von Persönlichkeiten mit Ostpreußen, von Simon Dach über Nikolaus Kopernikus, der aber eigentlich ein Westpreuße war, zu vornehmlichst Immanuel Kant. Literatur
|