Broschüre

Editorial

Diese Broschüre ist das Ergebnis eines Diskussionsprozesses mehrerer Organisationszusammenhänge aus dem süddeutschen, ostdeutschen und Berliner Raum. Wir sind in mehreren bundesweiten und regionalen Bündnissen zumbevorstehenden G8‑Gipfel aktiv. Mit den Texten veröffentlichen wir einige, uns wichtig erscheinende Aspekte zur Anti-G8-Mobilisierung und zu darüber hinausweisenden politischen Perspektiven.



Anlass ist unsere Kritik an nicht längerfristig angelegter, rein aktionistischer Kampagnenpolitik wie das „Eventhopping“ zu den verschiedenen Gipfelprotesten. Mobilisierungen und ihre Protest- und Widerstandsaktionen begreifen wir als einen Teil eines kontinuierlichen Prozesses der politischen Klärung, der Organisierung auf verschiedenen Ebenen und der Weiterentwicklung politischer Praxisformen.

Wenn die Regierungen der G8-Staaten auf den Gipfeltreffen die Umsetzung ihrer Interessen koordinieren und voranbringen, genügt es nicht, ihnen dabei nur unseren Protest und Widerstand entgegenzustellen. Die Aktivitäten müssen vielmehr als Gradmesser des Standes unserer allgemeinen Organisierungs- und Diskussionsprozesse gesehen werden. Ob die Proteste letztlich Erfolge haben, hängt schließlich von der Richtigkeit der davor entwickelten Analysen und Strategien sowie der Stärke unserer Organisierungen ab. Die unmittelbare Praxis, auch bei den Gipfelprotesten, legt immer die vorhandenen Fehler und Mängel offen, was als Anlass genutzt werden muss, um auf den gemachten Erfahrungen aufzubauen.

In der Broschüre geht es folglich um mehr als eine Einschätzung der Bedeutung der G8-Gipfeltreffen und der Entwicklung des Widerstands dagegen. Sie soll einen Teil zur Debatte um die Analyse der aktuellen Verhältnisse beitragen, daraus eine Kritik an verschiedenen politischen Ansätzen entwickeln und über die herrschenden Verhältnisse hinausweisende politische Perspektiven vermitteln. Im Anhang dokumentieren wir außerdem, als Teil einer Debatte zu politischer Praxis, eine Positionierung zu militantem Widerstand, nicht nur bei den Gipfelprotesten. Dazu gibt es außerdem eine Chronologie, die den Bereich der politischen Militanz zum G8-Gipfel 2007 beleuchtet.

Unser Ziel besteht letztlich darin, auch nach den Anti-G8-Protesten, die entstandenen Verbindungen weiterzuentwickeln und verbindliche langfristige Strukturen aufzubauen, die auf gemeinsamen theoretischen und praktischen Grundlagen enger zusammenarbeiten. Einige dieser inhaltlichen Grundlagen, die für eine, auch in der BRD hoffentlich wieder stärker in Erscheinung tretende, revolutionäre Bewegung unserer Meinung nach wesentlich sind, haben wir versucht in dieser Broschüre darzustellen.

Viel Spaß beim Lesen und Anregungen für weitergehende Diskussionen wünschen die HerausgeberInnen der Broschüre.