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Baum
des Jahres 2003
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Die Schwarzerle (Alnus glutinosa)
Das
Kuratorium "Baum des Jahres" hat die Schwarzerle zum "Baum
des Jahres 2003" gewählt:
Die Schwarz- oder auch Roterle findet sich meist an Bach- und Flussläufen,
Teichen bzw. Seen und dort wo es ganzjährig feucht ist. Doch
gerade die typischen Erlenbruchwälder stehen heute durch Entwässerungsmaßnahmen
auf der roten Liste gefährdeter Biotope. Flussbegradigungen
und die Umwandlungen von Feuchtwiesen haben den typischen Lebensraum
der Schwarzerle in der Vergangenheit zudem stark reduziert.
Welche Auswirkungen der Rückgang solcher Ökosysteme haben
kann, zeigen u.a. auch die Hochwasserereignisse im Sommer 2002.
Neben der Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume
ist die Schwarzerle derzeit besonders stark durch einen pilzähnlichen
Organismus bedroht. Mit der Wahl, die Schwarzerle zum Baum des Jahres
2003 zu ernennen, möchte das Kuratorium die öffentliche
Aufmerksamkeit auf diese hochgradig bedrohte Baumart lenken.
Entwicklungsgeschichtlich gesehen stammt die Schwarzerle aus der
Familie der Birkengewächse, von der uralten Erlengattung Alnus,
ab. Der Name Alnus stammt wahrscheinlich vom keltischen "entlang"
ab. Ihren deutschen Namen verdankt die Schwarzerle ihrer schwärzlichen
Borke. Für die zweite, vielfach verwendete Bezeichnung "Roterle",
war das rötliche Holz namensgebend.
Wahrscheinlich stammt die Schwarzerle aus Zentraleuropa. Sie verbreitete
sich nach der letzten Eiszeit auch nach Kleinasien, im Balkan, in
den Mittelmeergebieten, im Kaukasus und in der Türkei. Beheimatet
ist die Erle hauptsächlich in Misch- und Auenwäldern.
Größere, zusammenhängende Bestände sind in
Deutschland heute nur noch im Norden, wie z. B. im Spreewald, zu
finden. An die ehemals so gewaltigen Standorte in Deutschland erinnern
meist nur noch zahlreiche Flurbezeichnungen und Ortsnamen wie z.B.
Erlenau, -bach, -furt und -see.
Die Schwarzerle ist vor allem in jungen Jahren ein sehr schnellwüchsiger
Baum, der bis zu 25 Meter hoch und meist zwischen 100 - 120 Jahre
alt wird. Der sommergrüne, oft mehrstämmige Laubbaum,
hat eine ovale, lockere Krone. Die Blätter sind wechselständig
(bis zu 10 cm lang), umgekehrt eiförmig (das vordere Drittel
ist am breitesten) und an der fehlenden Spitze häufig eingekerbt.
Die Blütezeit ist von März bis April, vor dem Laubaustrieb.
Die männlichen Blüten befinden sich in ca. 5-10 cm langen
hängenden Kätzchen, die weiblichen sind kleiner und stehen
aufrecht. Nach der Bestäubung entwickeln sich die weiblichen
Blüten zu schwarzen, rundlichen Fruchtzapfen, die gerne zur
Dekoration verwendet werden.
Die Erle bevorzugt Standorte, wo es ständig feucht, oder sogar
zeitweise überflutet ist. Besonders an Flüssen, die regelmäßig
Hochwasser tragen, übernehmen Erlen eine wichtige Funktion.
Sie ertragen nicht nur Dauernässe, sie besitzen über dies
hinaus auch sehr hohe Ansprüche an die Wasserversorgung und
gelten als eine der Baumarten mit der höchsten Verdunstung.
Die Schwarzerle ist durch diesen nahezu "verschwenderischen"
Umgang mit Wasser in der Lage große Niederschlagsmengen wie
ein Schwamm aufzusaugen. Sie verhindert so den Oberflächenabfluss
durch das Regenwasser und verringert außerdem das Ausmaß
von Überflutungen. Mit ihren über vier Meter langen Wurzeln
stabilisieren sie die Uferböschungen und verringern somit Bodenabtrag
(Erosionen). Darüber hinaus ist die Schwarzerle ein wahrer
Belüftungsexperte. Neben der Luftversorgung ihrer Wurzeln über
ein Belüftungssystem, binden Bakterien in Wurzelknöllchen
Luftstickstoff, der wiederum als Nahrungsergänzung genutzt
wird.
Forstlich gesehen ist die Schwarzerle nur eine Nebenbaumart. Sie
zählt aber zu einer der seltenen Pionierbaumarten in Deutschland,
das heißt sie ermöglicht anderen Pflanzenarten die Ansiedlung
auf schwer besiedelbaren Gebieten, indem der Boden durch den Humus,
aus dem leichtzersetzbaren Laub, aufgewertet wird.
Das Holz der Schwarzerle ist gut zu trocken, reißt wenig und
lässt sich sauber verarbeiten. So ist es zum Beispiel für
präzise Holzbearbeitung im Modellbau oder bei der Herstellung
von Instrumenten gut geeignet. Das rötliche Holz ist aber auch
im Möbelbau sehr beliebt.
Heute ist die Schwarzerle nicht nur durch die Vernichtung ihrer
typischen Lebensräume gefährdet. Seit ungefähr einem
Jahrzehnt ist die Schwarzerle auch durch das sogenannte "Erlensterben"
bedroht, welches durch pilzähnliche Mikroorganismen verursacht
wird - die Wurzelhalsfäule (Phytopthora). Diese Bakterien werden
durch das Wasser übertragen. Das erklärt auch das hohe
Schadensausmaß entlang von Bach- und Fließgewässern.
Für einen befallenen Baum endet diese Krankheit meist tödlich.
Das Pilzgeflecht befällt die Wurzelanläufe und den Stammfuß
der Bäume, wodurch der Wassertransport stark eingeschränkt
wird und die langsame Austrocknung des Baumes zur Folge hat. Vor
allem bei hohen Temperaturen im Sommer erhöht sich die Gefahr,
dass die betroffenen Bäume schlagartig zusammenbrechen.
Die Auszeichnung "Baum des Jahres 2003" soll den Wert
der Schwarzerle in unserem Ökosystem verdeutlichen. Um das
Fortbestehen dieser Baumart zu sichern, müssen Maßnahmen
wie die Pflanzung resistenter Bäume (gegen die Wurzelfäule)
und die Wiederherstellung der natürlichen Lebensräume
verwirklicht werden.
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