
Kalk
Und wie berichtet der Abt Adolph Hane in seinem
Catalogus abbatum weiter: "... Steine zum Kalkbrennen konnten auf unserem
Berge selbst neben dem Garten mit leichter Mühe gebrochen werden, ...".
Entlang dieses 1. Teutoburger Waldkammes befanden sich mehrere Kalksteinbrüche,
Kalköfen und Kalkwerke.
Am Ostende des Langenberges errichtete 1872 ein Herr Koke einen Kalkofen. Später
wurde das Kalkwerk vom Kaufmann Conrad Sander übernommen. Auf einer Postkarte
aus dem Iburger Verlag M. Gellenbeck aus dem Jahre 1906 ist im Vordergrund der Mühlenteich,
an dessen Stelle am 18. Juni 1933 der Charlottensee eingeweiht wurde, und das
Kalkwerk zu erkennen. Ein Blick in den Bruch verrät: hier waren Gleise verlegt;
inmitten des Geländes der sog. "Kummerhaufen", der Abfall aus dem
Kalkberg. Der Schachtofen hatte eine Höhe von 7,50 m, eine Länge von 6,00 m
und eine Breite von 4,50 m. Die stückigen Kalksteine wurden mit feiner Kohle
oben eingegeben und rutschten langsam in die Brennzone, in der der Kalkstein bei
einer Temperatur von 900°C bis 1.200°C in gasförmiges Kohlendioxid (CO2)
und Branntkalk (= Calciumoxid, CaO) zerlegt wurde. Der nunmehr gebrannte Kalk
sank weiter nach unten, durchlief die Kühlzone und wurde am untersten Ende des
Schachtofens abgezogen. Das Kalkwerk bestand bis ca. 1904. Bergrat Dütting
kaufte im Jahre 1908 das umgebende Gelände und baute auf dem Kalkfelsen ein
Landhaus. Der Kalkofen wurde erst Mitte der 50er Jahre abgebrochen und in eine
Senke in unmittelbarer Nähe hineingeworfen.
Am westlichen Hagenberg bestanden die Kalköfen Haverkamp, Köppen und Petermöller.
Vom Kalkofen Petermöller ist nur bekannt, daß er infolge der Absatzkrise von
1878 stillgelegt wurde und dem Abbruch verfiel.
1854 ist die Geburtsstunde des Kalkwerkes Tepe. In diesem Jahr wurde ein
Kalkofen auf dem mittleren Hagenberg errichtet, dem 1871 ein zweiter Schachtofen
angegliedert wurde. 1901 übernahm Heinrich Tepe von seinem Vater Wilhelm das
Werk. Das Pachtgrundstück, auf welchem die Öfen lagen, wurde der
Fleckensgemeinde Iburg abgekauft. Gleichzeitig wurde das Unternehmen in eine
Gesellschaft umgewandelt: die Wilhelm Tepe GmbH. 1911 erfolgte die Angliederung
einer Kalkmehlanlage zum Zerkleinern des Kalkes, die 1918 wesentlich erweitert
wurde. In den Jahren 1920 / 1923 wurden die alten Öfen niedergelegt und an
deren Stelle zwei Schachtöfen mit etwa dreifacher Leistung erbaut. Produziert
wurde Stückkalk, gemischer Ätzkalk, Bau- und Düngekalk. Die Abfuhr der Kalke
erfolgte mit eigenen Lastautos und Gespannen in das Osnabrücker- und Münsterland;
ein geringer Teil, meist Düngekalk, wurde mit der Eisenbahn verschickt. Nach
den Kriegswirren des 2. Weltkrieges wurde die Firma, zu der auch eine 1869 gegründete
Hanf- und Drahtseilerei gehörte, in "Heinrich
Tepe & Söhne" umbenannt. Ende 1954
wurde ein neuer moderner Schachtofen erbaut. Der Abbau erfolgte durch
Sprengungen. Der gebrochene Kalk wurde in Loren verladen und über ein 200 m
langes flexibles Schienensystem zur Weiterverarbeitung in das Kalkwerk
transportiert. Die Schließung des Betriebes erfolgte 1968, da die Abbaumöglichkeiten
erschöpft waren. Damit endete eine über 100jährige Brenntradition von Kalken.
Eine filmische Darstellung aus dem Kalkwerk "Heinrich Tepe & Söhne"
finden Sie hier!

Lutbildaufnahme Kalkwerk Heinrich Tepe & Söhne, 1957
Ab ca. 1850 betrieb Johannes Adolphus Vornbäumen am östlichen Hagenberg eine
Kalksteingrube mit einem Kalkofen. Den gebrannten Kalk brachte er mit
Pferdewagen nach Münster, von wo er dann Vieh mit zurücknahm. Nebenbei tätigte
er nämlich einen Viehhandel und mit seinem Bruder Wilhelm eine Schlachterei.
Nachdem Johannes Vornbäumen keine Genehmigung bekam, den Abfall aus dem
Kalkberg auf eine benachbarte sumpfige Wiese abzufahren, arbeitete er sich in
seiner Kalkgrube fest, da der Abfall in der Mitte zwangsläufig liegenblieb. Als
sich auch der Kalkofen nicht mehr rentierte, verlegte er sein Augenmerk einige
Jahre später ganz auf den Viehhandel und die Schlachterei: der Betrieb wurde
1893 stillgelegt.
Viele weitere kleine Steinbrüche am Langenberg und im Freeden befriedigten örtliche
Bedürfnisse:
die Forstverwaltung hatte zeitweilig einige Brüche im Kleinen und Großen
Freeden in Betrieb, aus denen sie Kalksteine als Packlagen von Wegen und Straßen
gewannen. Dieselben Verwendungszwecke hatten die Brüche der Höfe Hülsmann, Tönniges,
Tobergte und Metker am südlichen Langenberg, Obermeyer in Sentrup (hier wurden
in den Jahren 1955/60 die letzten Sprengungen getätigt) und der Steinbruch in
der Nähe von "In den Höfen". Die Kalke aus Timpes "Klegsteenbruch"
in Sentrup wurden für den Hausbau und als Packlagen genutzt, zur Abfuhr aus dem
Steinbruch stand eine kleine Feldbahn zur Verfügung.
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