Sandstein

Wer einmal das Schloß und Kloster Iburg betrachtet, dem fallen sofort die massiven Sandsteinmauern auf. Bischof Benno II. soll selber am Dörenberg nach einem geeigneten Steinbruch für den Klosterbau gesucht haben. Aus diesem Steinbruch, dem sog. "Benno-Bruch", wurde der Werkstein für den Bau des Iburger Klosters und vieler weiterer Iburger und Osnabrücker Bauwerke gefördert. Zu nennen sind hier besonders die Nonnenklosteranlage "Gertrudenberg" in Osnabrück, der Nordturm und das Westwerk des Osnabrücker Domes und die St. Nikolaus-Kirche in Iburg. Für den Klosterbau in den Jahren 1750 - 1755 berichtet der Abt Adolph Hane: "Doch möge ein jeder aufhören sich zu wundern, der genauer die ganz besonderen Hilfsmittel für einen Bau betrachtet, welche in der Nähe von Iburg die Natur im Überfluß darbietet. Die hohen Berge daselbst gewähren uns reiche Steinbrüche, ...".
Noch im Jahre 1904 war der Steinbruch in Betrieb, denn der Iburger Apotheker Julius Schlotheuber schrieb an den Geologen
Karl Andrée: "Die Steinbruchsarbeiter halte ich kräftig zum Sammeln an. (...) Zuletzt war ich mit Assessor Lamby und Referendar Scheekl vor Weihnachten in dem Dörenberg's Steinbruch. Unter dem hohen Schnee konnten wir die Versteinerungen nicht beweisen. Leider haben die Arbeiter sie nicht in die Schutzhütte gebracht." Auch Stüve berichtete schon in seiner "Baugeschichte des Klosters Iburg" über winterliche Verhältnisse im Jahre 1755: "Die Strenge des Winters war aber unserm Bau, an dem noch die letzte Hand gelegt werden mußte, sehr hinderlich, denn in der ganzen Winterzeit konnte man weder Steine brechen noch behauen, da der ganze Steinbruch mit Schnee bedeckt war."
In unmittelbarer Nähe befand sich der Koken-Sandsteinbruch, aus dessen Gesteinen z.B. die
Klause Pohlmann 1855, 1868 die alte Hagener Schule - die heutige Gemeindeverwaltung - und 1904 die Glaner Kirche errichtet wurde. Der Iburger Arzt Dr. Alfred Lamby schrieb eindrucksvoll zu diesem Steinbruch im Dezember 1865:
"In den bedeutendsten der hiesigen Sandsteinbrüche, dem nahe an der Hagener Chaussee, eine halbe Stunde von hier gelegenen Koke'schen Steinbruche sind die Verhältnisse zur Gewinnung der Steine und namentlich großer Blöcke so ausgezeichnet günstig, sie man sie selten findet. (...) Die Steine, zum Teile gigantische Blöcke von 15 - 20 Fuß Länge und ähnlicher Höhe und Breite werden mit verhältnismäßig leichter Mühe, unter selten erforderlicher Anwendung von Sprengschüssen, aus ihren seitlichen Verbindungen gelöst und dann auf der abschüssigen unterliegenden Steinschicht zum Hinabrutschen gebracht. Solche Blöcke liefern enorme Ausbeute an großen Platten, Gesimsen, Säulen, Blöcken, Trögen, usw. Wegen der leichten und massenhaften Gewinnungsweise der Steinblöcke können diese Gegenstände so billig und reichlich geliefert werden, daß sie schon jetzt auf viele Meilen weit ringsum den Markt beherrschen. Die Abfälle von 1 bis bis 1½ bis 2 Fuß Kubikinhalt, die sonst als Kummer mit schweren Kosten aus dem Bruche zu entfernen waren und nur in nächster Nähe zu Bauten verwendet wurden, sind jetzt ein beliebtes Baumaterial, kosten pro Fuder im Steinbruche nur wenige Groschen, decken aber dennoch die bedeutenden Ausgaben für Kummerarbeiten. Sie gehen schon jetzt massenhaft bis Telgte, wie vorher bemerkt. Ihre Ausfuhr hat erst seit 8 bis 10 Jahren Bedeutung. Der hiesige Steinexport wächst in großen Dimensionen. Er ist in den letzten paar Jahren auf das Doppelte gestiegen, beträgt jetzt 900.000 Zentner jährlich."
Auch für die
Glandorfer Windmühle ist nach einem Schreiben der "Königlich hannoverschen Landdrostei" vom 06. Dezember 1839 belegt, daß 150 Fuder Sandsteine angeschafft und diese von den Glandorfer Einwohnern unentgeltlich angefahren werden mußten.
Auch aus anderen Sandsteinbrüchen wurden Sandsteine gefördert - riesige Steinbruchsanlagen im Hohnsberg, z.B. Bunselmeyers-Bruch, zeugen noch heute von dem einstigen gewaltigen Gesteinsabbau in den Iburger Bergen.

Sandsteine im Hohnsberg-Bruch
Sandsteine im Hohnsberg-Bruch, August 1981


Weitere Abbaustellen befanden sich am Urberg, im Limberg und in der Laeregge. Auf der Laeregge wurde zudem der mürbe Sandstein als Stubensand gegraben.
Der Sandsteinbruch im Hohnsberg ist zudem beispielhafter Fundort der nach Iburg benannten Muschel
Pinna iburgensis WEERTH und des Nacktsamers Zamites iburgensis WEERTH. Der Dörenberg ist Fundort des als heute benannten Ammoniten Simbirskites (Craspedodiscus) iburgensis (WEERTH). Gesammelt wurden diese Fossilien erstmalig von dem Detmolder Gymnasialprofessor Dr. Otto Weerth und sind 1880 bzw. 1884 erstmalig beschrieben worden.

Zum Location-Finder: hier

Weitere Informationen:
Vortrags-Abstract des Vortrags "
900 Jahre Bauen mit Osning-Sandstein" von Dr. Eckhard Speetzen

 

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